Dieser Reisebericht handelt von ganz persönlichen Erlebnissen, Gedanken und Eindrücken während eines Thailand- und Abu Dhabi-Besuches mit meiner Frau, ihrer Schwester und dem Schwager. Viel Vergnügen! Sollten Sie Kontakt aufnehmen wollen oder Interesse haben am Original eines der hier nur sehr verkleinert dargestellten und mit Copyright versehenen Bilder, bitte E-Mail an mich. (Der Webmaster)

Thailand Abu Dhabi 2007

Ein Reise-Tagebuch mit vielen Bildern, persönlichen Erlebnissen, Gedanken und ein paar ergänzenden Daten

Copyright besteht für den Reisebericht und die mit ©2007 gekennzeichneten Bilder

 

Eine 1-monatige Reise im Januar/Februar 2007 von Bangkok über Krabi, Phuket-Bangtao, Corel Island, zurück nach Phuket-Bangtao, Phi Phi Islands, Phuket-Patong-Beach, Khao Lak, Koh Samui,zurück nach Bangkok, Rückflug mit Eintages-Stopp in Abu Dhabi

oder mit anderen Worten:

"Sawadih-Kaahhh": Von Traumstränden, den 'Tränen' des Gummibaums, "No Pompem"("no problem"), "One More – No Thank You", einem Tuk-Tuk "Michael Schumacher", "Moskitos loves you", dem 'Kuss' der Feuerqualle, "Here, the fish are friendly", verschlafenem Weckruf und einem Märchenpalast in der Wüste

 

 

16.01.2007 – 01. Tag: Anreise: Parfüm-Proben-Entsorgung & die runde Flughafen-Halle

Die Nacht war unruhig.  Im Unterbewusstsein kreiste ständig der Gedanke: Nicht verschlafen! 10 Minuten vor dem Wecker um 5:30 Uhr lohnte sich dann das Hochschrecken und Draufschauen nicht mehr. Also aufstehen. Gut eine Stunde später um 6:45 Uhr ertönte das Rollen der beiden Sporttaschen von meiner Frau Magdalena und mir wie das Vorbeirattern von Panzern in unserer Straße. Die 7:05 Uhr-S-Bahn kam pünktlich. Gegen 8 Uhr auf dem Weg zum Flughafen der erwartete Anruf von Schwager Bert. Auch er ist mit seiner Frau Maria, der Schwester meiner Frau, pünktlich am Hauptbahnhof eingetroffen und eine S-Bahn hinter uns. Beim Einchecken machten wir erstmals Bekanntschaft mit den neuen Vorschriften, was das Mitnehmen von Flüssigkeiten anbetrifft. Zwar waren in der Halle überall die Plakate angebracht, dass 100 ml erlaubt sind, aber Maria durfte trotzdem nur eines ihrer mitgebrachten Mini-Parfüm-Probefläschchen behalten. Der Rest wanderte in die Abfalltonne – da nutzte kein Protest. Mit der verschweißten Averna-Flasche vom Duty Free Shop lief dagegen alles problemlos.

Das Flugzeug der Etihad-Airlines, der Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mit Sitz in Abu Dhabi, ein propenvoller Airbus 330-200, war neu mit Monitor in jedem Sitz. Das Personal, die Frauen mit vom blauen kleinen Hut links über’s Gesicht fallendem dünnen weißem Schal, war freundlich distanziert. Alkohol gab’s auch an Bord, allerdings kam die Bestellung eines Glases Rotwein erst nach erneuter Erinnerung. Am Zielort Abu Dhabi landeten wir nach Abflug um 11:30 Uhr mit einer ¾ Stunde Verspätung und nach 5 Stunden und 15 Minuten Flugzeit um 19:45 Uhr, bei 3 Stunden Zeitverschiebung.

Es blieb kaum Zeit, die riesige, überwiegend mit blauen, gelben und weißen Fliesen gekachelte runde Flughafenhalle zu bestaunen, denn schon 1 Stunde später um 21:15 Uhr folgte der Weiterflug mit Etihad nach Bangkok. Wiederum betrug die Flugzeit 5 ¼ Stunden. Und wieder schienen wir die Bedienung erwischt zu haben, bei der die Bestellung von Alkohol offenbar ein Problem darstellt, allerdings mit dem Unterschied, dass dieses Mal die im Anschluss an das Abendessen bestellten Getränke, ein Cognac und ein Drambuie auch nach dem Erinnern der Stewardess eine Stunde später nicht gebracht wurden. Während sie bei der ersten Bestellung noch äußerte, dass sie hoffe, es nicht zu vergessen, bekamen wir jetzt zur Antwort, dass sie den 2. Service vorbereiten müsse und deshalb jetzt das Bringen der beiden Getränke unmöglich sei. Der angekündigte 2. Service, ein paar Häppchen, kam dann auch – allerdings erst eine halbe Stunde später.

 

17.01.2007 – 02. Tag: Bangkok's Riesen-Airport – Massage – Cola-Mühle-Duell & Tuk-Tuk-Schumacher

Fast pünktlich um 05:30 Uhr setzte unser Flieger auf in Bangkok, der "Stadt der Engel" (Krung Thep), wie sie auch genannt wird. Krung Thep ist nur die Kurzform von: "Krung Thep Mahanakorn Amornrattanakosin Mahinthara Mahadhilokphob Nopparatratjathani Burirom Udomratjanivet Mahasathan Amornpimarn Auwatharnsathit Sakaraya Vishnukarmprasit", dem längsten Städtenamen der Welt, so im Guinness Buch der Rekorde nachzulesen.

Wiederum mussten wir unsere Uhren aufgrund der Zeitverschiebung um 3 Stunden vorstellen. Nach dem Aussteigen schweiften unsere Blicke beeindruckt durch den neuen riesigen Flughafenkomplex, eine gewaltige wabenförmige und über 3 Billionen US $ teuere Konstruktion auf über 500.000 m², die erst am 28. September 2006 eingeweiht worden war. Hier ist einer der modernsten und größten Flughäfen der Welt entstanden. Die aufgefächerte moderne Architektur des Suvarnabhumi-Airports – entsprechend auch "Golden Land" genannt – mit viel Glas, teilweise ans Dach des Münchner Olympiastadions erinnernd, lässt auch Platz für die Integration thailändischer Kultur-Symbole und kleiner Parks.

Der örtliche Vertreter unseres Reiseveranstalters Transorient wartete schon mit dem leicht auszumachenden lila Namensschild der Gesellschaft, allerdings dauerte das Einsammeln der Fluggäste etwas, da auch noch ein 2. von Frankfurt kommender Flug abgewartet werden musste. Auf der anschließenden einstündigen über 30 km langen Fahrt zum Hotel entdeckte ich einen neuen "Rekord" an Personen auf einem Moped. Waren es bisher – wie schon  oft gesehen – 3 Personen auf diesem kleinen Vehikel, auf dem Bert und ich mit unseren "Bombuis" (Bäuchen) gemeinsam nur mit viel Mühe Platz gehabt hätten, so sah ich jetzt, nachdem es zuerst 3 Personen zu sein schienen, plötzlich sogar 5 auf dem schmalen Sitz. Zwischen den 3 schlanken Erwachsenen tauchten sandwichartig aufgeteilt – wie 2 dünne Salatblätter zwischen 3 Fleischstücken bei einem 3fach-Whopper – und total verdeckt von den großen Körpern davor und dahinter auch noch 2 kleine Kinder auf. Ein Wunder, dass die derart eingezwängt überhaupt atmen konnten, andererseits waren sie so wohl besser als durch jede Atemschutzmaske vor dem direkten Einatmen der auspuffgasgeschwängerten Luft geschützt.

Kurz nach 8 Uhr hatten sich unsere kleinen Busse durch den morgendlichen Rushhour-Verkehr bis zum Hotel Prince Palace durchgewühlt. Nach dem Einchecken schauten wir uns zuerst einmal die Swimmingpool-Außenanlage im 11. Stock an – mit Terrasse und Bar. Sehr schön. Der Standard des Hotels ist gut, allerdings schon etwas abgewohnt und auch die sanitären Anlagen schauen schon etwas fertig und auch leicht ungepflegt aus. Die klassische Musik, welche die Gäste auf jedem Stockwerk beim Aussteigen aus dem Lift dezent begrüßt, erweckte den Eindruck, dass die Glanzzeiten dieses Hotels wohl auch eher in der Vergangenheit zu suchen waren. Ganz im Gegensatz zum erst vor ein paar Monaten neu eröffneten Tower direkt daneben, mit dem weithin sichtbaren und auffälligen rosaroten Altbau über einen luxuriösen Zwischengang verbunden. Kleinere Konferenzräume und ein riesiger feudaler Festsaal säumen den Weg.

Für unser erstes Mittagessen in Thailand suchten wir den richtigen einheimischen Einstieg und fanden ihn schon 100 Meter vom Hotel entfernt bei einem der vielen kleinen Straßenrestaurants. Dieses hatte jedoch eine Besonderheit, es lag eingezwängt zwischen der normalen Verkehrsstraße davor und einer der unzähligen Wasserstraßen Bangkoks dahinter. Diese Klongs, die sich wie ein Spinnennetz kanalartig als eigenes über 200 km langes System quer durch das Verkehrs-Labyrinth dieser aus allen Nähten zu platzen scheinenden Stadt schlängeln, machen Bangkok zum "Venedig des Ostens".

Bei meiner 1. Bestellung führte die gestenreiche, aber mangels Englisch beim Gegenüber auch darauf beschränkte Verständigung nicht zur gewünschten Ente mit Reis. Beim 2. Versuch ging ich auf Nummer Sicher und erhielt dann auch Fried Rice, wie im reichhaltigen Reisangebot mit gestenreichen Hand- und Fingerbewegungen signalisiert. Auch verneinendes Kopfschütteln oder mit "YES" untermauertes heftiges Kopfnicken halfen dabei, das Richtige zu lokalisieren. Der Preis: 30 Baht, entspricht 65 Cent bei einem Wechselkurs von rund 46 Baht für einen Euro. Währenddessen hatte Schwager Bert die zuerst gebrachte Suppe mit Entenfleisch und kleinen gekochten Eiern bereits zusätzlich zu seinem Essen mit vertilgt. Direkt hinter diesem Straßen-Imbiss war die Anlegestelle des River Express Boats, eines Schnellbootes, das wir anschließend für 8 Baht pro Person bestiegen – ohne eigentlich zu wissen, wohin es uns bringen würde. Und so schauten wir etwas erstaunt, als wir nach einer rasanten Fahrt von 2-3 Minuten und einer Distanz von etwa einem Kilometer höflich aufgefordert wurden, das Boot wieder zu verlassen. Es hatte die Endstation erreicht und wir waren, ohne es geplant zu haben und zu wissen, wo wir sind, beim "Golden Mountain"-Tempel angelangt, dem Phu Khao Thong oder Wat Saket.

Kaum hatten wir das Boot verlassen, half uns auch schon ein scheinbar ganz zufällig gerade vorbeilaufender Thai mit Informationen, wo wir sind und was es zu besichtigen gäbe. Schnell merkten wir, er versuchte uns touristisch zu ködern für sein Programm und sein Taxi. Wir lehnten höflich ab und machten uns ohne Begleitung auf den Weg zum Tempel. Schwager Bert schaffte die etwa 300 Meter dorthin nicht, wobei es ihm nicht an der Kraft für diesen Fußmarsch bei rund 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit fehlte. Aber nach 100 Metern entdeckte er ein Studio für Fuß- und Thaimassage, und bat uns ganz spontan, ihn doch hier in einer halben Stunde wieder abzuholen. Wir widerstanden der Versuchung und erklommen kurz darauf die schweißtreibenden 318 Treppenstufen des Tempels, vorbei an ganzen Reihen mit Bet-Glocken. Der Bau des Wat Saket begann laut Überlieferungen während der Regierungszeit von König Rama I (1782-1809) und beherbergt in der Spitze im goldenen Chedi Reliquien von Buddha. Dort angelangt wurden wir für unsere Mühen außerdem mit einem herrlichen Panoramablick über Bangkok belohnt.

Als wir 3 anschließend wieder bei Bert eintrafen, hatte der gerade beschlossen, der Fußmassage auch gleich noch eine Bodymassage folgen zu lassen. Kurz entschlossen landete ich ebenfalls auf dem Massagebett, die halbe Stunde für 200 Baht, also rund 4 Euro tat gut.

Beim Heimweg trennten sich kurz unsere Wege, da Magdalena und ich lieber am Fluss entlang laufen wollten. Schon nach wenigen Metern lohnte sich diese Entscheidung – wir bestaunten ein Mühlespiel. Hier ging es auf Plastikstühlen und einem kleinen roten Klapptisch nicht nur um Alt gegen Jung, das Duell hieß auch Coca Cola gegen Pepsi. Die Schachfiguren bestanden nämlich ausschließlich aus Flaschen-Kronkorken dieser beiden Marken. Welche von beiden das Rennen machte, wollten wir dann aber doch nicht abwarten.

Wieder im Hotel vereint, stellte sich bei der Veranstalter-Gruppenbesprechung des Programms der nächsten Tage heraus, dass irgendwie bei Schwager/Schwägerin oder bei uns etwas nicht stimmt mit der Abflugzeit am übernächsten Tag nach Krabi. Einmal hieß es Abflug 8 Uhr, einmal 11:50 Uhr, obwohl alle 4 Tickets schon im Dezember in Deutschland vom Reisebüro gemeinsam gebucht worden waren. Der Blick auf die Tickets bestätigte, wir fliegen nicht gemeinsam. Ohne diesen Besprechungstermin hätten wir unter Umständen alle gemeinsam am Flughafen gestanden, aber nur 2 wären geflogen. Auch wenn bei diesem Treffen vor allem Veranstaltungs- und Besichtigungs-Programm verkauft werden soll, es hatte sich für uns allein schon wegen der Ticket-Abflugszeit-Überraschung gelohnt.

Um diese Erfahrung reicher beschlossen wir anschließend, den im Hotelkomplex angeschlossenen Supermarkt zu erkunden – und arbeiteten uns durch unendliche Mengen an T-Shirts und Kleidung Stockwerk für Stockwerk hoch bis zum Foodmarket. Für je 15 Baht gönnten wir uns einen Kaffee und einen sehr guten Ice-Coffee. In dem ganzen Verkaufskomplex dominierte eine Farbe absolut. GELB. Unmengen an gelben T-Shirts wurden angeboten, ganze Gruppen von Thais in gelb waren uns zuvor auch schon im Hotel aufgefallen. Schon bei der Ankunft leuchteten uns vom Morgenmarkt rund ums Hotel überall die gelben Shirts und Pullover entgegen. Eine Nachfrage brachte nun die schon vermutete Erklärung. Es die königliche Farbe, mit der die Verehrung ausgedrückt wird für das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt, König Bhumibol Adulyadej der Große, offiziell auch Rama IX., aber so eigentlich nie genannt. Seit über 60 Jahren, seit dem 9. Juni 1946 ist er nun schon im Amt. Unzertrennlich mit seinem Namen verbunden ist auch der seiner Frau, Königin Sirikit, früher weltweit idealisiert wegen ihrer Anmut und Schönheit. Kennengelernt hatten sich Bhumibol und Sirikit in Lausanne, wo er nach seiner Ernennung zum König begonnen hatte, Politik und Rechtswissenschaften zu studieren. Nach einem Autounfall am Genfer See, bei dem er ein Auge verlor, so dass er seither mit einem Glasauge lebt, besuchte ihn Sirikit, die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich, häufig im Krankenhaus. Eine Woche vor seiner Krönung heiratete er sie, und bei der Krönungszeremonie am 5. Mai 1950 im Großen Palast in Bangkok ernannte er sie zur Königin. Der König und seine junge schöne Königin wurden weltweit gefeiert, so auch bei ihrem Staatsbesuch 1960 in Deutschland.

Nachdem wir nach dem Flug nun schon den ganzen Tag auf den Beinen waren, gönnten wir uns eine kleine Relax-Pause am Hotelpool. Innerhalb weniger Minuten tauchten Magdalena, Maria und Bert ab, aber nicht im Pool, sondern erschöpft und zum Teil geräuschvoll auf den Liegen schlummernd im 'Land der Träume'. Mit neuen Kräften schlenderten wir anschließend ins geschäftige nächtliche Treiben rund um’s Hotel, vorbei an Unmengen von Obst und Gemüse und Früchten, die wir noch nie zuvor gesehen hatten. Der Abendmarkt rund ums Hotel war in vollem Gange. Es wurde angepriesen, geprüft, verhandelt, gekauft, verkauft, herangekarrt, weggeschleppt, ich hätte stundenlang diesem Treiben zuschauen können. Aber der Magen knurrte, und nicht nur meiner. Und so zelebrierten wir bei einem der Imbiss-Stände mit Fried Rice und einem Singha-Bier – aus dem 24 Stunden geöffneten kleinen Super-Markt '7 Eleven' direkt  nebenan – nach dem Schnellimbiss mittags nun in aller Ruhe und mit Genuss unseren kulinarischen Einstand in Thailand.

Auf diese Art und Weise frisch gestärkt fragten wir einen der auf ein Geschäft lauernden Tuk-Tuk-Fahrer, was er verlangt für eine Fahrt bis zur Sukhumvit-Road, wo das nächtliche Verkaufsleben von Bangkok täglich bis exakt 22:00 Uhr tobt. Allein das Einsteigen in diese Autorikscha, dieses dreirädrige Gefährt mit Rückbank und Dach, von dem einige Touristen behaupten, es sei eines der letzten Abenteuer Asiens, andere hingegen, es sei der schnellste Weg zum Selbstmord, sorgte schon für herzhaftes Lachen bei uns und beim Fahrer, denn in seinem 3rädrigen lustig  tuckernden Mini-Gefährt mit dem vom Gasgriffdrehen an der Lenkstange aufheulenden Motor ließen sich rund 320 Kilo "gemütlich" nieder und warteten eigentlich nur darauf, dass dieses inzwischen schon fast ausgestorbene Vehikel sich gegen das Gewicht wehrt und widerstrebend vorne mitsamt Fahrer aufsteigt wie ein scheuendes Pferd. Aber alles ging gut, und wir kamen ebenso flott wie unversehrt an der Sukhumvit an, vielleicht etwas blass um die Nase von den direkt eingeatmeten schwarzen Auspuffschwaden, welche die Busse rund um uns rum scheinbar ohne jeglichen Rußfilter ausstießen. Erst nach einer Tuk-Tuk-Fahrt kann man die Dunstglocke, die über Bangkok schwebt, so richtig nachvollziehen. So ein Ritt durch die Straßen dieses Molochs lehrt einen auch wieder das Beten, vor allem, wenn der Fahrer auf der Rückfahrt seine Formel-1-Instinkte entdeckt, als uns nämlich ein zweites Tuk-Tuk überholen wollte. Jede Lücke wurde bei diesem rasanten Durchqueren der Stadt zentimetergenau genutzt, kein Millimeter preisgegeben. Das "Slowly! Slowly!" meines Schwagers wurde vom Lachen des Fahrers übertönt und ging darin – entweder überhört wegen des Verkehrslärms und Gehupes rund um uns herum oder nicht verstanden oder auch einfach nur ignoriert – völlig unter.

Nach diesem Teufelsritt brauchten wir abschließend in unserem Hotel noch einen Drink auf der Terrasse beim Pool mit herrlichem Blick über das Lichtermeer von Bangkok. So beschlossen wir diesen herrlichen 1. Tag – und fielen todmüde ins Bett.

 

18.01.2007 – 03. Tag: Bangkok Goldener Buddha Krämerladen auf dem Wasser & hungrige Welse

Irgendwie fragten wir uns, was das mit Urlaub zu tun hat, wenn wir gleich am ersten Urlaubstag vor Ort schon wieder um 7 Uhr aufstehen müssen. Aber ausreichend Zeit für ein gemütliches Frühstück war uns wichtig, und für 8:30 Uhr war die Stadtrundfahrt angesagt. Diese führte uns zuerst durch’s Chinesen-Viertel, wo wir erfuhren, dass rund 200.000 Chinesen hier wohnen, inzwischen jedoch schon nahezu alle als geborene Thailänder.

Hier erfolgte gleich der 1. Halt beim Wat Traimit. Zuerst fiel uns nur der eher kleine Tempel auf, in dem gerade Mönche ihre Andacht feierten – und eine schlanke Säule im Vordergrund als eine Art "Opferstock" mit kleinen Löchern, in die Gläubige dünne Stäbe stecken konnten, an denen sie Geldscheine, zum Teil auch verbunden mit einem Brief befestigten. Erst im Anschluss fiel uns vor dieser Gebetsstätte die Treppe auf, die zu einer höher gelegenen kleinen Tempelanlage führte. Und hier fanden wir im wahrsten Sinne des Wortes das "Glanzstück" dieser eher kleinen und unscheinbaren Tempelanlage. Es ist die auf etwa 800 Jahre geschätzte Statue des "Goldenen Buddha". Mit 5 ½ Tonnen Gewicht und einer Höhe von über 3 Metern ist es die weltweit größte Buddha-Statue aus reinem Gold. Hergestellt wurde sie irgendwann zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert in der Sukhothai-Periode. Offensichtlich um sie bei einem der vielen Kriege zu tarnen und ihren wahren Wert gegenüber eindringenden Feinden zu verbergen, wurde die Buddha-Statue komplett mit Gips übergossen. Man geht heute davon aus, dass die beteiligten Mönche alle getötet wurden, denn die Statue geriet in Vergessenheit. Irgendwann kam sie in einen Tempel nach Bangkok und wurde für ein Gips-Werk gehalten. In den 50ern wurde der Gips bei Reparaturarbeiten in der Tempelanlage beschädigt. Den Blick des im ersten Moment wohl gewaltig erschrockenen Arbeiters hätte ich gerne gesehen, als strahlendes Gold darunter hervorblitzte. Seit diesem glücklichen "Unglück" entwickelte sich die Statue zu einer der Hauptattraktionen Bangkoks.

Bei diesem kurzen Stopp wurde uns eröffnet, dass nun als nächster Programmpunkt nach kurzer Weiterfahrt mit den Bussen eine fakultative Longtail-Bootsfahrt durch die Klongs, die diversen Flussarme Bangkoks folgt, vorbei am Königspalast. Wer nicht mitmachen wolle, müsse selber schauen, wo er in den nächsten 1 ½ bis 2 Stunden bleibt, bis irgendwo anders die Stadtrundfahrt fortgesetzt wird. So geschickt überredet fuhren alle mit – und zahlten brav die 500 Baht pro Kopf, die sich dann aber als gute Investition erwiesen.

Wir genossen unsere überdachten Sitzplätze und die angenehme leichte Brise auf dem Chao Praya River. Der Himmel war wolkenlos bei 32 Grad Außentemperatur hier in Bangkok Yai, dem zentralen der insgesamt 50 Bezirke dieser über 6,6 Millionen Einwohner beherbergenden Stadt. Nimmt man die ganze Region Bangkok, sind es über 11 Millionen Einwohner (Stand 2005). Die Skyline der Stadt beeindruckte mit der optischen Vielfalt, von modernsten Hochhäusern und Hotels am Fluss über die zahlreichen Tempel bis hin zu den einfach Holzhäusern in den Seitenflüssen, den Klongs. Als erstes bekanntes Wahrzeichen der Stadt passierten wir den links liegenden Wat Arun, den Tempel der Morgenröte, erbaut in der Ayutthaya-Periode im 18. Jahrhundert. Von König Rama IV. erhielt er im 19. Jahrhundert seinen heutigen Namen. Die Höhe der zentralen Pagode (Prang) wird unterschiedlich mit 66 bis 86 Meter angegeben. Der gesamte Komplex ist mit einem riesigen Mosaik aus Muscheln und buntem chinesischen Porzellan überzogen, oft zu Blumenmustern arrangiert und auf rund eine Million Teile geschätzt.

Das Sonnenlicht funkelte uns von den Kacheln entgegen, um uns schon kurz darauf von rechts entgegen zu leuchten, vom "Grand Palace", dem Königspalast. Hier vom Fluss aus gesehen verdeckte eine Baumreihe am Ufer ein ganz klein wenig den freien Blick, so dass sich das von einer hohen weißen Mauer umspannte 2,6 km² große königliche Riesenareal, noch dazu aus dieser Entfernung, nicht ganz so majestätisch offenbarte wie an Land von der Na Pra Lan Road aus. Schon seit 1946 lebt die königliche Familie nicht mehr hier, aber bei Staatsakten und Staatsempfängen für ausländische Gäste wird der 1792 zur Krönung von König Rama I. in seinem 1. Bauabschnitt fertiggestellte Grand Palace auch weiterhin offiziell genutzt. Der Blick über's Wasser mit im Vordergrund vorbei huschenden Longtail-Booten eröffnete auf das Prunkstück Bangkoks eine ganz neue und nicht minder beeindruckende Perspektive – mit den im gleisenden Licht der Sonne weithin sichtbar funkelnden goldverzierten Kuppeln, Dachgiebeln und Pagoden. Nach mehreren Besuchen, zum 1. Mal vor 25 Jahren, zuletzt vor 4 Jahren (Foto links - 2002), reicht uns dieses Mal der Anblick von außen.

Auch in den Nebenarmen stießen wir immer wieder auf kleine Tempelanlagen. Vorbei ging's an den auf Pfählen ins Wasser gebauten Holzhäusern, teils feudal, teils ärmlich und auch zum Teil schon verfallend. Und wie überall scheint der Wandel auch hier unaufhaltsam. Hinter vielen der Vorzeige-Holzhäuser an den Klongs ragen schon bedrohlich nahe die großen Beton-Wohnklötze in den Himmel, als wollten sie schon bald das traditionellen Leben am Fluss ganz verdrängen und zur Geschichte werden lassen.

Wir bekamen einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen hier, zumindest soweit, wie man es uns Touristen bzw. Farangs, so überall zu hören als umgangssprachliche Bezeichnung für Ausländer, noch zeigen will. So waren immer wieder Menschen zu sehen, die kurz – mit Kleidung – im trüben Wasser ein Bad nahmen oder darin ihre in Eimern mitgebrachte Wäsche und sogar das Geschirr reinigten. Durch ein in unmittelbarer Bootsnähe ertönendes lautes "Banana!" – "Cold Singha Beer!" wurde unser über das Ufer schweifender Blick plötzlich auf einen pfeilschnell heranpaddelnden Mini-Supermarkt gelenkt. Eine geschäftige Boots-Verkäuferin lachte uns unter ihrem riesigen Hut fröhlich entgegen – und wurde tatsächlich neben etlichen Bananen auch einige eisgekühlte Bier und Cola los, wobei sie auf ihrem mobilen Wasser-Tante-Emma-Laden noch viel mehr zu bieten hatte, zum Beispiel Ananas, Litschis und einige andere uns unbekannte exotische Früchte, sowie Spielzeug, kleine verzierte Holzschlangen, ja sogar Sonnenhüte und Tropenhelme. Und das ist nur ein kleiner Auszug von dem, was ihr kreativer Kramerladen alles offerierte.

Auch an anderer Stelle wurden wir auf dem Fluss schon erwartet. Der Guide verteilte Brotfladen mit dem Hinweis, sie nur bei großem Hunger selbst zu essen, denn bald würden sich auch Fische darüber freuen. Und schon drosselte das Boot seine Fahrt. Sekunden später wurde klar, was er meinte. Das Wasser wimmelte vor lauter Fischen, laut dem Reiseführer sind es Welse, auch Waller genannt, die hier schon auf uns lauerten. In Europa ist es der mächtigste und größte Süßwasser-Raubfisch, der dafür bekannt ist, dass er zurückgezogen und verborgen lebt. Aber davon war hier nun wirklich nichts zu spüren, im Gegenteil, Welse, wohin man schaute. Sie wussten genau, was jetzt passiert. Diese Fütterung gehörte offensichtlich zum täglichen Speiseplan dieser Giganten – und das betraf nicht nur unser Boot, sondern die ganze Armada der hier täglich durchschippernden Touristen-Kutter. Sie alle legten hier einen kurzen Stopp ein. Und so flogen ebenso wie bei uns zur gleichen Zeit auch von anderen Booten rundum Brotfetzen über die Bordkanten. Das Wasser brodelte regelrecht, als Hunderte der Fische versuchten, einen der vielen Happen zu erhaschen. Nach dieser Fütterung folgte gleich die nächste. Jetzt kamen wir auch noch dran. Kleine relativ süße Bananen wurden verteilt – und genossen, bevor wir schon kurz darauf die Anlegestelle erreichten, wo die Busse schon bereit standen.

Die kurze Fahrt endete beim 'Marmortempel', einer riesigen Anlage mit integrierter Schule und Wohnheimen für die Jugendlichen. Wir waren überrascht, hier in der Klosterschule die Jugendlichen so ausgelassenen auf dem Fußballplatz oder beim Tischtennis herumalbern und -rennen zu sehen, mit einem Geräuschpegel, der unseren Schulen in der Pause in nichts nachstand. Aber nur wenige Meter weiter – nach dem Passieren toller vergoldeter Drachenlampen – erlebten wir in der blitzsauberen schönen Wohnanlage das genaue Gegenteil, nämlich absolute Ruhe bis hin zum abgeschiedenen Vertieftsein in Lektüre oder gemeinsamem Spaß beim Kochen, mit vor sich hindösendem Hund vor der Haustür. Die Jugendlichen ließen sich von den Touristen in keinster Weise stören und wirkten trotz der massiv herangekarrten Begaffung total ausgeglichen und zufrieden.

Nächste und abschließende Anlaufstation war dann noch eine Juwelier-Factory, in der sich im Vorraum die schön nebeneinander aufgereihten Arbeiter bei ihrem kunstvollen Präzisionshandwerk zuschauen ließen. Als wir uns offensichtlich zu sehr bzw. zu lange für ihre Kunstfertigkeiten interessierten, wurden wir von einem Verkäufer angesprochen, der versuchte, uns höflich abzudrängen und zu begleiten in das eigentliche Ziel dieses Stopps, den Verkaufsraum. Die meisten schlenderten interessiert schauend durch, ohne auf das Werben der Verkäufer näher einzugehen. Aber draußen bei den Bussen stellte sich eine Dreiviertelstunde später dann doch, wie so oft bei solchen Anlässen, wieder heraus, dass der eine oder andere sein Schnäppchen entdeckt und zugeschlagen hatte.

Jetzt teilte sich die Gruppe, die einen wurden – je nach Wunsch – zum Königspalast gefahren, die anderen ins Hotel. Wir wollten als Einzige zum Siam-Shoppingcenter, das genau auf halber Strecke zum Hotel lag, so dass wir unterwegs direkt vor dem Eingang aussteigen konnten. In diesem Einkaufs-Paradies, für manchen vielleicht eher auch eine Einkaufs-Hölle, verging nach einem halb-kalten Ente-Knusprig-Imbiss die Zeit wie im Flug. Neben getrockneten Ananas-Scheiben für mich, ich liebe sie, sprang für Magdalena kurz vor dem vereinbarten Treffpunkt mit Maria und Bert auch noch eine kurze Freizeithose heraus. Zufrieden kehrten wir – mal wieder mit Tuk-Tuk – ins Hotel zurück.

Nach einer kurzen Erholungspause auf dem Zimmer ging’s weiter zum Massage-Salon von gestern. Heute wollten unsere Frauen sich verwöhnen lassen – und genossen es anschließend genau so wie wir Männer, denn wir legten uns gleich zum 2. Mal hintereinander mit auf’s Massagebett. Herrlich, diese Verständigung mit Händen und Füßen gegenüber 2 Thaifrauen, die außer "Hello" und "Goodbye" und "Thank You" eigentlich nichts verstanden – und auf unsere Englischversuche hin mal versuchsweise nickten, um sich dann - je nach unserer auf den Gesichtszügen ablesbaren Reaktion – entweder bestätigt zu fühlen oder anschließend versuchsweise dann schnell verneinend den Kopf zu schütteln. Viel besser dagegen beherrschten sie ihr Handwerk, die Massage. Gefühlvoll und kraftvoll wurden wir von Kopf bis Fuß durchgeknetet, mal bis an Schmerzgrenzen herangehend, im Anschluss dann aber wohltuend. Das angenehm und wärmend pulsierende Blut glaubte man unter ihrer Hand direkt in den Adern fließen zu spüren. Mit einem Tee zum Abschluss und dem Bezahlen der 120 Baht, also rund 2,50 Euro plus Trinkgeld für diese Wohltat verließen wir gemeinsam wieder diesen Ort der Entspannung, kamen aber nicht weit. Nach 100 Metern ließ uns der Geruch von im Freien frisch gegrilltem Fleisch spontan unseren Hunger erkennen – und schon saßen wir auf den bereitstehenden kleinen Plastikstühlen mitten auf dem Gehsteig. Es war genau dort, wo wir gestern das improvisierte Mühle-Duell zwischen den beiden Cola-Sorten beobachtet hatten. Mit Händen und Füßen managten wir mal wieder unsere Bestellung für "Grilled Beef" und genossen dieses 10 Minuten später genau so wie die Einheimischen um uns rum. Mit Ausnahme von uns war hier von Touristen weit und breit nichts zu sehen. 2 Rosen zeigten wenige Minuten später wieder einmal die riesige Gastfreundschaft der Thais. Ein junges Pärchen schenkte sie Magdalena und Maria, nachdem sie einen kleinen Strauß von einer Hochzeit mitgebracht hatten, auf der sie gerade waren. Nur stellten wir uns die Frage, ob es auf der Hochzeit nichts Gescheites zu essen gegeben hatte, wenn sie hier gleich noch einmal einkehrten.

Von hier aus waren es anschließend nur wieder gemütliche 10 Minuten zurück zum Hotel, aber jetzt um 22:30 Uhr kam uns die Strecke fast unheimlich ruhig vor. Das ganze tagsüber so geschäftige Treiben war eingestellt, kaum ein Auto auf der menschenleeren Straße zu sehen. Mittendrin in einer schmalen Passage zum Fluss wunderten wir uns plötzlich über 3 Waschmaschinen, die hier im Freien einfach so rum standen, bis wir die Münzautomaten daran entdeckten. So also müssen wir uns hier einen Waschsalon vorstellen. Wieder im Hotel, ließen wir den Tag mit einem Planters Punsch, einem Martell Cognac, einem Whiskey und einem Drambuie ausklingen, nachdem Magdalena ganz enttäuscht feststellen musste, dass der "Mixed Fruit Juice" nicht frisch gemixt, sondern aus der Supermarkt-Getränke-Verpackung gekommen wäre. Aber im weiteren Reiseverlauf sollten sich noch einige Gelegenheiten zum Genuss von frisch gepresstem Obstsaft finden, allerdings scheint das hier in Thailand weitaus unüblicher zu sein, als wir es von Bali her kennen mit den frischen großen Cocktailgläsern voller Banana-, Pineapple-, Mango- oder sonstigen Säfte.

Während der Fruit Juice dann also doch ein Pernot wurde, überraschten uns unsere Frauen mit ihren Gedanken, dass ihnen in dem Moment, als sich die unterschiedlichen Abflugzeiten für den nächsten Tag herausgestellt hatten, sofort negative Gedanken in den Kopf geschossen seien, dass hoffentlich nichts passiert mit dem Flug nach Krabi nach dem Motto, gemeinsam gebucht, dann doch unterschiedlich auf dem Ticket und so womöglich eine Vorhersehung und Bestimmung des Schicksals, wer Glück hat, und wen das Unglück trifft, aber wenigstens trifft es nicht alle 4. Wir schüttelten nur den Kopf – und damit diese Gedanken sofort wieder aus ihm raus, genossen weiter unsere Drinks und zogen uns danach alle nach diesem schönen und erlebnisreichen 2. Tag  auf’s Zimmer zurück. Schließlich mussten Maria und Bert schon um vier Uhr wieder aufstehen, wir dagegen durften bis 7 Uhr ausschlafen.

 

19.01.2007 – 04. Tag: Auf nach Krabi der "persönliche Butler" Uhren-Vergleich & 1. Moskito-Kontakt

Punkt 7 Uhr wünschte der Operator des Hotels einen schönen guten Morgen – und wir ihm total verschlafen denselben auch wieder zurück. Beim Frühstück griffen wir schon gezielter zu als am ersten Tag, nachdem wir jetzt ja schon wussten, was weiter hinten noch an Auswahl auf uns wartete – oder auch nicht. Jetzt vor dem Auschecken war unser Resümee vom Hotel besser als direkt nach der Ankunft. Die Spuren der Zeit sind zwar deutlich zu sehen, aber es war trotzdem sauber und von der Lage her zentral und somit für uns ideal. Um 8:45 Uhr funktionierte das Abholen pünktlich – und schon saßen wir zwei alleine im Toyota-Bus, der uns durch den dichten morgendlichen Verkehr in 60 Minuten hinaus zum Flughafen brachte. Anfangs hatten wir jedoch eher den Eindruck, dass wir zu Fuß dem Airport näher gekommen wären als mit dem Bus, der in der ersten Viertelstunde mitten im Verkehrsgewühl mehr stand als fuhr und sich nur wenige hundert Meter hatte vorwärts quälen können. Ein Tuk-Tuk mit aus dem Fahrgastraum herausquellenden großen Stoffballen schlängelte sich durch die Fahrzeuglücken, verlor dann aber beim Gasgeben die Hälfte der Ladung, mitten auf der Straße. Die Reaktion des Fahrers, der es noch rechtzeitig bemerkte: Er lachte, kehrte gemütlich zurück und raffte in aller Seelenruhe seine Ladung wieder auf. Jetzt um diese Zeit zeigte sich der wiederum wolkenlose blaue Himmel noch klarer, bevor in den nächsten Stunden die Dunstglocke wieder ihren Schleier über Bangkok verdichten wird.

Während des einstündigen Fluges mit Thai-Airways eilte das Flugpersonal die Gänge auf und ab mit einem kleinen Frühstück und mehrfachem Anbieten von Kaffee und Getränken. Ab Surat Thani und dem Erreichen des Festlandes hüllten Wolken die Landschaft unter uns ein. Und exakt zur Landung wurden wir mit einem kleinen Regenschauer begrüßt, bei 32 Grad. Sollte dies das Zeichen sein, gleich das nächste Internetcafé aufzusuchen und zuhause einen Lottoschein auszufüllen? Ein warmer Geldregen würde doch bestens zu diesem warmen Regen passen. Aber für Träumereien blieb keine Zeit. Auf dem kleinen Airport dauerte es nur 10 Minuten, bis die Koffer nach dem Aussteigen über's Band rollten.

"Willkommen in Krabi" war auf englisch zu lesen, hier im "Alten Schwert", was Krabi in etwa übersetzt bedeutet. Die kleine Provinzhauptstadt liegt etwa 870 km von der Landeshauptstadt entfernt im Süden an der Westküste, gegenüber der Insel Phuket. Die Provinz Krabi mit etwa 380.000 Einwohnern, davon rund 40 Prozent Moslems, umfasst eine Gesamtfläche von über 4.700 km² mit etwa 130 km Küstenlinie. Sie zählt mit ihrer attraktiven Lage an der Andamanensee und ihren weißen Sandstränden, dem klaren Wasser mit Korallenriffen, sowie den steil und schroff aufsteigenden Kalksteinfelsen zu den attraktivsten Reisezielen in Süd-Thailand. Dabei entwickelte sich der Tourismus erst vor rund 30 Jahren gegen Ende der 70ger und Anfang der 80ger, als die ersten Rucksack-Reisenden die touristische Einöde aufspürten. Und es dauerte noch einmal einige Jahre, bis gegen Ende der 80ger die ersten Hotels entstanden.

Im Gegensatz zum Tourismus reicht die Geschichte dieser Region sehr weit zurück. Laut Schätzungen und Funden ist dieser Küstenabschnitt schon seit 25.000 bis 30.000 Jahren von Menschen bewohnt. Sie lebten in Höhlen. Die Grotte 'Lang Rongrien', die 1982 nur 15 km von der Stadt entfernt entdeckt wurde, gilt als eine der ältesten menschlichen Siedlungen in ganz Asien. Den Namen Krabi bekam der Ort erst 1872 durch den damaligen König Chulalongkorn.

Was uns in dieser geschichtsträchtigen Umgebung als Erstes auffiel: Die Luft war zwar ebenso warm wie zuvor in Bangkok, aber im Vergleich herrlich rein, so richtig zum Tief-Durchatmen. Beim Verlassen des Flughafens war es schon wieder trocken. Der Abholbus zur "Peace Laguna Resort"-Anlage wartete schon. Dort wurden wir nach einer knapp halbstündigen Fahrt mit dem so erfrischend fröhlichen thailändischen 'Guten Tag', dem "Sawadih-Kaahhh" (Sawadih Kah) begrüßt. Es begegnete einem ständig, überall – und fast immer begleitet mit einem freundlichen Lächeln. Mit dem gleichen Lächeln wurde uns erklärt, dass unser gebuchtes Standard-Zimmer leider nicht zur Verfügung steht. Der nächste Satz erklärte dann die unbekümmerte Fröhlichkeit bei dieser Feststellung, denn wir hätten doch bestimmt nichts dagegen, stattdessen ohne Mehrkosten in einem Superior-Bungalow untergebracht zu werden, wo die Schwester meiner Frau und ihr Mann schon auf uns warten würden. Ein Elektrowagen rollte heran, um unsere schweren Sporttaschen aufzunehmen. Beim Hochstemmen musste ich den beiden zierlichen Thais helfen, da sie sich vergeblich mit dem Gewicht und dem unförmigen Gepäckdrum abmühten.

Als wir dann nach dem Überqueren einer kleinen Brücke, die sich über einen Wasserlauf spannte, nach 50 Metern schon wieder stehen blieben, da wir unseren Bungalow schon erreicht hatten, mussten wir lachen. Mit Schieben über die Rollen wäre es leichter gewesen, aber schließlich brauchen die Elektrowagen ja auch ihren Einsatz und damit ihre Existenzberechtigung. Zimmer und Bad, asymmetrisch und etwas verwinkelt angelegt, waren riesig – die Dusche außerhalb ans Bad angegliedert in einem großzügigen, tiefergelegten und von außen nicht einzusehenden Rund. Wir waren positiv überrascht. Schnell war alles erkundet, nur eine Tür im Wohn-/Schlafraum blieb noch zu erforschen. Magdalena öffnet neugierig – ihr inbrünstiger Schrei ließ mich erschrocken zusammenzucken. Ihr gegenüber stand Schwager Bert – mit gefalteten Händen in Badehose – und stellte sich als ihr ergebener persönlicher Butler vor. Zwischen ihrem und unserem Bungalow gab es jeweils eine Verbindungstür, wobei man nur die eigene Tür öffnen konnte und dann vor der verschlossenen Tür zur Nachbarwohnung stand. Diese hatte wie unsere auf der Außenseite keinen Türgriff zum Öffnen, war also ebenfalls nur vom anderen Zimmer aus aufzumachen. Zuerst einmal hielten wir uns alle die Bäuche vor lauter Lachen. Nach dieser überraschenden und gelungenen Begrüßung ruhten wir uns kurz aus, erhielten dann von Andreas, der insgesamt 15 Hotels hier in und rund um Krabi betreut, alles Wissenswerte erklärt und auf der Karte gezeigt. Bei ihm buchten wir gleich für den nächsten Tag einen Ausflug zur James Bond-Insel. Danach schlenderten wir zum Essen. Meine schon in Bangkok geäußerte Ankündigung vom "Krabi-Cocktail" wurde gleich mit einem Shrimps-Cocktail in die Tat umgesetzt. Maria dagegen war mit ihrer Pizza absolut zufrieden. Überhaupt wunderten wir uns, wie viele Pizzaria-Gaststätten hier zu finden sind, alles scheint fest in italienischer Hand. Deutlich mehr ließen dann aber die Fisch-Restaurants am Strand unsere Augen leuchten – und uns schon vom Essen am nächsten Tag träumen. Auf dem Rückweg beschlossen wir noch einen kleinen Absacker-Stopp. Jeder hatte noch ein kleines "Gelüsterl", sei es ein Gläschen Bier oder Wein oder wie bei mir eine Crêpe  mit einer Kugel Vanilleeis.

Nur Bert fehlte zuerst noch an unserem Tisch. Er hatte direkt vor unseren Augen mit einem Uhrenverkäufer die höchste Gaudi. Dauernd hörten wir das Lachen der Beiden, dann tranken sie friedlich vereint Bert sein Bier und der Verkäufer die spendierte Pepsi – und das fröhliche Verabschieden machte uns sicher, dass Bert’s Zahlen-Jonglier-Künste mit dem Taschenrechner von diesem netten Thai schon bald anderen Touristen präsentiert wird. Zuhause wurden beide Verbindungstüren geöffnet und wir saßen noch gemütlich auf ein Gläschen zusammen, bis ich mich zurückzog – und mir mal wieder keiner glauben wollte, dass Moskitos mich lieben. Den Spruch, dass doch gar keine da wären, kenne ich zur Genüge. Rund um mich rum muss auch niemand Angst haben, denn sie wollen alle zu mir. 3 Stiche allein im rechten großen Zeh waren schließlich der eindeutige Beweis. Innerlich war die Entscheidung schon gefallen, dass ich in Zukunft abends mal wieder mit T-Shirt, langen Hosen und Strümpfen da sitzen muss, wo andere im Bikini die herrlich milde Nachtluft genießen – wenn ich nicht am nächsten Tag mit Streuselkuchen-Outfit rumlaufen will. Nach einem kurzen Anruf beim Operator, uns bitte am nächsten Morgen um 7 Uhr zu wecken, schliefen wir auch mit diesem 3. Tag absolut zufrieden sofort ein. Die Klimaanlage hatten wir auf die kleinste Stellung minimiert.

 

20.01.2007 – 05. Tag: James Bond Insel – See-Zigeuner-Dorf – Buddha in Fels-Höhle & Essen auf der Straße

Mein erster Satz an diesem Morgen war nach dem Aufweck-Anruf um 7 Uhr zu Magdalena: "Sehen diese Augen nach Urlaub aus?" Noch keinen einzigen Tag haben wir bisher ausschlafen können, und heute Morgen legten meine zerknitterten Augen davon ein deutlich sichtbares Zeugnis ab. Nach dem reichhaltigen Frühstück, unter anderem mit frisch nach Wunsch zubereiteten Scrambled Eggs und Joghurt mit Litschis wartete schon der Kleinbus auf uns für die Fahrt zur "James Bond Island" in der Provinz "Phang-Nga", mitten in der Andamanensee.

Berühmt geworden ist die Insel in der Phang-Nga-Bay im Golf von Phuket durch den James Bond-Film "Der Mann mit dem Goldenen Colt" aus dem Jahr 1974 mit Roger Moore in der Hauptrolle als 'James Bond' und Christopher Lee als der Bösewicht 'Scaramanga'. Im Film, der aufgrund der einzigartigen Atmosphäre hier und nicht – der Original-Roman-Kulisse entsprechend – auf Jamaika gedreht wurde, versank zwar das vorgelagerte Kennzeichen, der markante Felsfinger am Ende nach einer Sprengung im Meer, aber unmittelbar danach hat er offensichtlich ein einzigartiges 'Comeback' gefeiert . Mit diesem Kino-Klassiker und dem plötzlich weltweit bekannt gewordenen Eiland, jetzt eigentlich nur noch die "James-Bond-Insel" mit dem "James-Bond-Felsen" genannt, begann der Touristen-Ansturm auf Phuket und die nähere Region.

Nach 1 ½ Stunden erreichten wir die Anlegestelle des Longtail-Schnellbootes. Es folgte eine halbe Stunde rasante Fahrt, bei der das vom Boot zerteilte Wasser die Insassen in der Mitte und weiter hinten kostenlos duschte. Doch schon bald wurde der Blick nicht mehr vom aufspritzenden Wasser gefangen, sondern von dem atemberaubendem Anblick der fast unwirklich und bizarr anmutenden Inselwelt der Andamanensee mit ihren rund 160 aus smaragdgrünem Wasser herausragenden Kalkkarstinseln, -felsen und -klippen. Diese Kalksteinformationen ragen wie die Spitzen tiefverborgener Berge aus der Wasseroberfläche heraus.

Und dann sahen wir sie vor uns – die James Bond Insel, bei der Anfahrt noch eher unspektakulär wirkend. Erst von der Insel selbst aus, mit dem freien Blick auf den "James-Bond-Felsen" und die Meereskulisse dahinter, entfaltete sie ihre wahre Faszination. Das, was ich dann jedoch an Land erblickte, war nicht mehr mit meinem ersten Besuch hier vor 26 Jahren und der einmaligen Atmosphäre damals zu vergleichen. Wo jetzt auf der Vorder- und Rückseite der Insel ein Schnellboot nach dem anderen mit aufheulenden Motoren die Besuchermassen im Minuten-Rhythmus seitlich an einem eigenen Anlegestrand ausspuckt und später wieder verschlingt, kamen wir früher noch als einzige Besucher an, direkt von vorne an den Strand. Bis zur Abfahrt blieb unsere kleine Gruppe auch allein und ungestört – ohne wie jetzt Minuten warten zu müssen, um einmal "freies Feld" für ein Foto zu erhaschen, weil ständig jemand durch’s Bild läuft oder der gewünschte Platz für's 'spektakuläre' Erinnerungsfoto auch für andere interessant genug für eine Aufnahme ist. Und wo jetzt Verkaufsstände den Strand zupflastern, versuchten damals nur eine Handvoll Verkäufer ihr Glück. Wenn die paar von früher das ganze heutige Business hier aufgebaut haben, dürften sie inzwischen locker ausgesorgt haben.

Das gleiche Gefühl überkam mich auf der Rückfahrt beim Mittagessen-Stopp auf Koh Pannyi, einem Moslem-Dorf auf Pfahl-Häusern mitten im Meer. Ursprünglich waren es einmal vor rund 250 Jahren 2 indonesische Fischerfamilien, die als See-Zigeuner mit ihren Hausbooten hier vorbei kamen und sich niederließen im flachen Wasser, ohne Erlaubnis der thailändischen Regierung, die ihnen vorher Landerwerb verweigert hatte, diese Protest-Reaktion dann aber duldete. Der Anblick der einst wenigen primitiven Holz-Häuser, die dank der im Schlamm eingelassenen einfachen Holz-Stelzen knapp über der ruhigen Meeresoberfläche thronten, hat sich radikal verändert. Er ist heute dem Bild eines riesigen – im wahrsten Sinne des Wortes – "Häusermeeres" auf Holzstelzen und Betonpfeilern gewichen, das sich an einen steil aufragenden Felsen anschmiegt. Inzwischen leben hier die rund 200 Familien beziehungsweise 1.300 Einwohner kaum noch vom Fischfang, sondern weitgehend von der Neugierde der Touristen, die auf dem Weg zur oder von der James Bond Insel hier kurz mit ihren Booten Station machen. Vor 26 Jahren bei meinem ersten Besuch auf Koh Pannyi prägten noch spielende Kinder das Bild – neben ein paar älteren Frauen, welche die üblichen Touristen-Utensilien anboten.

Jetzt legten die Boote vor großen vorgelagerten Restaurants an. Zuerst allerdings mussten sie noch kurz in der Warteschlange verharren, bis wieder eine der zahlreichen Anlegestellen frei geworden war. Hinter den Restaurants musste man früher bei jedem Schritt Acht geben wegen der teils brüchigen und in unregelmäßigen Abständen angebrachten Holzbretter, die immer wieder Zwischenraum für einen Blick runter auf die Wasseroberfläche gewährten. Heute können die Touristen bequem wie auf dem Festland über die Wege schlendern, auf total massiven und eng aneinander liegenden Holzbohlen und teils sogar auf asphaltierten Wegen und Plätzen. Zeitweise war uns überhaupt nicht mehr bewusst, dass wir quasi über's Meer spazierten und sich die Meeresoberfläche nur rund einen Meter unter uns befand. In der vorderen Häuserreihe, die bei meinem ersten Besuch noch aus lauter Wohnhäusern bestand, fanden sich inzwischen nur noch Souvenirshops, einer neben dem anderen. Das eigentliche Leben dieser geschäftigen islamischen Riesengemeinde spielte sich mittlerweile in zweiter und dritter Reihe der Holzhäuser ab. Vom Krankenhaus über eine große Schule – mit freiem Platz für die Pause oder nachmittags zum Fußballspielen – bis hin zur Moschee ist eine komplette Infrastruktur entstanden.

Nach einer Stunde ging’s weiter – wieder zurück zur Anlegestelle und zum Bus. Von dort aus wurde als nächster Programmpunkt "Buddha-Cave", der Affen-Tempel "Wat Suwannakuha" (auch unter Wat Suwan Khuha zu finden) angekündigt, von den Einheimischen Wat Tham genannt. 10 Minuten später wussten wir, wovon der nicht gut zu verstehende junge Reiseführer mit hoher Stimme in stark akzentuiertem und gebrochenem thailändischen Singsang-Englisch sprach. Durch eine ebenerdige Felsöffnung gelangten wir in eine riesige, von mir auf circa 100 Meter Länge und an manchen Stellen über 20 Meter Höhe geschätzte Felshöhle mit ebenem, teils sogar gefliestem Boden. Am anderen Ende führten breite Treppen nach oben zu einem Felsvorsprung. Von dort aus öffnete sich links eine nächste große und hohe Höhle, die über eine beim Blick von unten weitgehend im Dunkel liegende steil ansteigende Treppe erklommen werden konnte. Von rechts dagegen fiel das von den Blättern eines kleinen Waldes gebrochene Sonnenlicht in den Ausgang der Haupthöhle und den Eingang dieser riesigen zweiten dunklen Felsen-Kathedrale. Dieses Halbhell des langsam vom Höhleneingang geschluckten Tageslichts gab einer wie ein Eremit einsam dasitzenden Statue eine ganz besondere Ausstrahlung. In der ersten, der Haupthöhle, waren einer christlichen Kirche ähnlich in kleinen Felsnischen Seitenaltäre mit Buddha-Statuen angelegt. Die vom Haupteingang her gesehen in der hinteren Höhlenhälfte auf der rechten Seite längs liegende große goldene Buddhastatue mit auf den rechten Arm gestütztem Kopf stellte die Hauptattraktion dar. Sie war umgeben von vielen weiteren größeren und kleineren Buddha-Darstellungen und -Altären. Vor dem liegenden Buddha meditierte im Schneidersitz ein Mönch, der über Blickkontakt und ein freundliches Nicken signalisierte, dass er nichts dagegen hat, fotografiert zu werden, um dann mit geschlossenen Augen wieder in seine eigene Welt einzutauchen. Beeindruckt verließen wir die riesige Felsenhöhle, diese von der Natur geschaffene Buddha-Cave-Tempelanlage, die mit ihrer friedlichen Atmosphäre auch bei mir als Christen besinnliche Gedanken weckte.

Kaum draußen im blendenden Tageslicht, zeigten plötzlich andere Bewohner dieser heiligen Stätte weitaus mehr Interesse für uns als zuvor der Mönch. Affen bettelten ohne Scheu um Bananen – und natürlich waren auch die Verkäuferinnen vor Ort, die sofort das Problem lösen und mit dem Bananenverkauf ein kleines Geschäft machen konnten. Wahrscheinlich kann so mit Hilfe der Affen und der Bananen-Finanzierung die Fels-Tempelanlage sehr viel besser unterhalten werden als über den kleinen Spendenkasten am Ausgang des Tempels, der von den meisten geflissentlich ignoriert wurde. Anschließend machten wir noch kurz Rast an einem sich aus dem Urwald schlängelnden Wasserlauf. Als wir ihm etwas bergauf folgten, fanden wir Jugendliche, die sich mit größtem Vergnügen von einer kleinen Felsenplattform aus 10 Meter runter in den Fluss stürzten. Ihre Einladung, es doch auch einmal zu versuchen, wurde von allen dankend abgelehnt. Während der anschließenden eineinhalbstündigen Rückfahrt war bei einigen wieder kurze "Augenpflege" angesagt, doch weder das Zusammenspiel von Straßenzustand und Federung unseres Busses noch der sportliche Fahrstil unseres Fahrers ließen ein allzu langes Nickerchen zu.

So holten wir – wieder zurück in Krabi – das kleine Nickerchen kurz nach, vor dem Start ins Nachtleben mit dem Ziel, aufkeimendes Magenknurren im Keim zu ersticken. Und wenn man mit Hunger startet, dann kommt man nicht weit, jedenfalls nicht in einem Touristenort in Thailand, wo keine 50 Meter zurückgelegt werden können ohne Restaurant oder mobilen Imbiss-Stand auf einem der zahllosen Mopeds. Schon 100 Meter vom Hotel entfernt lockten verführerische Düfte rundum. Ihre nasalen "Nimm-Mich-Reize" stiegen uns nicht nur von Hähnchen-Schenkeln, Crêpe und Fried Noodles in die Nase, sondern gleichzeitig waren diese Gerüche auch durchdrungen von etlichen anderen undefinierbaren Aromen. Und alle ließen unsere Mägen in Vorfreude schon leichte Purzelbäume schlagen.

Allein das Zuschauen machte schon Spaß, wie hier mit einfachsten und primitivsten Mitteln kulinarische Genüsse gezaubert werden, die bei uns daheim schon daran scheitern würden, dass so ein improvisiertes Gestell für den Wok und die darunter hängende Gasflasche, sowie die frei und offen in Dosen und Plastikschälchen drumrum bereitstehenden Gewürze, jeweils für sich schon niemals genehmigt würden, ganz zu schweigen von den Vorschriften für die Nahrungsmittelaufbewahrung usw. So gesehen dürfte es eigentlich überhaupt keine Thais mehr geben, denn hier gehört diese Art zu Leben einfach dazu – und sie macht Spaß und vor allem, sie schmeckt hervorragend. Jedenfalls konnte ich dies mit voller Überzeugung behaupten nach meinem Genuss von Phad Thai und der Nachspeise, Crêpe mit Rosinen, zusammen für 45 Baht, sprich rund 95 Cent. Was mich mit Phad Thai erwartet, ahnte ich nach dem Beobachten der Portion, die vor mir verteilt wurde. Auf die Frage, ob ich das auch wolle, nickte ich nur. Als ein Thai bemerkte, dass ich mir etwas unsicher war, da ich nicht genau definieren konnte, was drin war, bot er spontan seine Hilfe an und riet mir, Chicken zu nehmen und keine Shrimps, das sei gesünder. Ein bisschen Ei, dünne Glasnudeln, Zwiebel, Gemüse, Gewürze, alles aus kleinen rund um den Wok platzierten Eimerchen, und schon war mein Menü fertig – und schmeckte prima.

So gesättigt und zufrieden tranken wir zum Abschluss bei einem Deutschen hier in Krabi, im "Divers Inn" noch ein Bierchen. Bert entdeckte nach einem kurzen Toilettenbesuch eine auf der Theke achtlos herumliegende Bild-Zeitung, aus der ihm sofort die politische Sensation aus der Heimat ins Auge sprang, Stoibers Rücktrittsankündigung und Seehofers angeblicher Seitensprung mit Folgen. Wir waren uns alle einig, dass dies absehbar war, der Rücktritt natürlich, nicht der Seitensprung. Trotzdem kam jetzt die Nachricht überraschend, vielleicht auch, weil wir eigentlich mit unseren Gedanken nach den paar Tagen schon so weit weg von jeglichem Alltag in Deutschland waren. Wieder zurück in unserem Bungalow ließen wir uns ins Bett fallen. Die Klimaanlage hatten wir probeweise einmal ausgeschaltet.

 

21.01.2007 – 06. Tag: Krabi Strand Massage-Buden Strandhunde Bootsverkehr & Baumschlange

Die Nacht war unruhig – ohne Klimaanlage störte wegen der Wärme selbst das dünne Bettlaken und ich strampelte es immer wieder weg vom Körper, während Magdalena selig neben mir schlummerte. Dafür schlief ich dann am Morgen fest und tief – bis zum Telefonklingeln. Gewohnt, dass morgens bisher stets ein Programm anstand, schreckte ich hoch, um anschließend erleichtert zu realisieren, dass dieses Telefon überhaupt nicht bei uns, sondern im Appartement über uns läutete, ohne abgehoben zu werden. Entweder hatte da jemand einen ganz tiefen Schlaf – oder schon das Zimmer verlassen. Die Hellhörigkeit der Räume bemerkte ich auch kurz darauf, als von nebenan "verdächtige Vergnügungs-Geräusche" ertönten.

Was für ein herrlicher Tag, endlich einmal ausschlafen ohne Programm. Nach dem Frühstück mit Scrambled Eggs und Erdbeer-Joghurt, sowie Litschis und Rosinen marschierten wir zum nur knapp 5 Gehminuten entfernten Strand. Gleich bei Number One ließen wir uns unter einem großen Baum nieder. Hier kann man prima einen Treffpunkt abmachen, denn der ganze Strandabschnitt besteht aus Nummern. Jede dieser Nummern steht für eine Massagehütte daneben, alle gut frequentiert. Der erste Gang ins Wasser machte Spaß – bei 35 Grad Außen- und 26 Grad Wassertemperatur. Zurück am Ruheplatz genoss ich das Rauschen des Meeres. Schwägerin Maria konnte dieses Geräusch nicht so unbeschwert auf sich wirken lassen wie ich. Sie störten die unzähligen Longtail-Boote, die ständig vor dem Strand kreuzten. Es ging hier zu wie in München am Stachus. Lastboote, Touristenboote, Fischerboote und Boote mit undefinierbarer Ladung wühlten sich circa 200 Meter vor dem Strand so zahlreich durch’s Meer, dass sie vom Ufer aus betrachtet manchmal fast zusammenzustoßen schienen. Mit geschlossenen Augen hörte es sich an, als würden hier alte Diesel-Oldtimer-Traktoren gemütlich in der Nähe vorbeituckern, während von rechts und links ständig Sportflugzeuge mit Vollgas und laut aufheulenden Motoren kreuzen – und das Ganze untermalt mit Meeresrauschen. Von stiller Idylle also keine Spur, trotzdem hörte ich schon nach kürzester Zeit keine Boote mehr, sondern war ganz versunken im Betrachten des regen Treibens hier am Strand.

Einige Hunde hatten es sich unter den Bäumen und teils auch unter den Sitzen und Liegen der Touristen im feinen hellen, mit ganz kleinen Muscheln übersäten Sand bequem gemacht und dösten vor sich hin. Bei einem, der gerade von einem wilden Liebesspiel oder einem Kampf oder einer Jagd zu träumen schien und dabei mit allen Vieren wie unter elektrischem Strom zuckte, zerstäubte im Sekundenrhythmus in kleinem Bogen der feine Sand vor der kurzatmig und abrupt den Atem ausstoßenden pechschwarzen Nase, so dass sich davor schon ein Minikrater gebildet hatte und die emsig vorbeieilenden Ameisen sich von diesem Gebläse erfasst und weggepustet plötzlich 10 Zentimeter entfernt wieder fanden und erst mal wieder neu orientieren mussten. Die dünnen bis hin zu mager wirkenden Hunde hier sind Menschen gewohnt, das merkte man. Irgendwie kämpfen sie sich durch. Sogar bei den Spatzen hatte man den Eindruck, dass sie dünner sind als unsere Spatzen daheim, obwohl sie hier tagsüber genauso frech und ohne jegliche Scheu ihre Krümel am Strand mitten zwischen den Menschen oder unter den Liegestühlen suchen und am nächsten Morgen genau wissen, dass die Reste jetzt im Frühstücksraum zu finden sind.

Dieser Schlankheits-Eindruck galt nicht nur für die Tiere, sondern überwiegend auch für die Thailänder. Der Eindruck drängte sich auf, dass bei den Thais "einer von 20" beleibter ist, während die anderen sehr schlank sind. Bei uns Europäern ist es wohl eher umgekehrt. Allerdings waren inzwischen auch hier häufiger als früher fette Kinder zu sehen. Leider beginnt Fastfood scheinbar langsam überall die Kalorien-Spuren zu hinterlassen. Hoffentlich bleiben fette Kinder und Menschen die Ausnahme, damit es nicht auch noch wie bei uns zum umgekehrten Extrem kommt mit Schlankheitswahn und Bulimie bei den Jugendlichen. Plötzlich wurde ich aus meinen Body-Maß-Gedanken gerissen durch einen kurzen spitzen Aufschrei einer Frau neben uns. Ihr war eine kleine, etwa 30 Zentimeter lange Schlange vom Baum runter auf die Schulter gefallen. Als diese sich auch noch als exklusive Halskette um eben diesen schmiegen wollte, war das Vergnügen ganz offensichtlich sehr einseitig. Nach einer instinktiven Abwehr-Bewegung der Touristin fiel die Schlange zu Boden, schlängelte sich von dort durch den Sand sofort wieder zurück zum Baumstamm und daran empor – vielleicht, um von dort oben ein neues Ziel auszuspähen für ihre Sprung-Übungen. Dass dieser angenehme Blätterdach-Sonnenschutz solche tierischen Überraschungen bereit halten kann, wurde uns erst jetzt richtig klar.

Natürlich nicht wegen der Schlange, sondern allein wegen der Sonne, so jedenfalls meine Argumentation, war es langsam – trotz ständigem Schatten – Zeit, meine helle (heile) Haut zu retten zurück in sonnengeschützte und nebenbei auch schlangenfreie Regionen, sprich ein kleines Nickerchen im Zimmer war angesagt. Danach schlenderten wir die Hauptstraße entlang zu einem Internetcafé, schauten nach, was es daheim Neues gibt, erfuhren durch die E-Mail eines Bekannten von dem Orkan, der am Donnerstag über Deutschland gefegt war, und gönnten uns anschließend bei einem der Moped-Straßen-Imbiss-Stände den dort angebotenen lang ersehnten frisch gepressten Fruchtsaft. Die Nachricht vom Sturm ließ uns aber doch etwas unruhig werden, und so kehrten wir ins Internetcafé zurück und baten per E-Mail unseren in der Nähe wohnenden Sohn, doch mal bei uns daheim vorbei zu schauen, ob alles in Ordnung ist.

Am Abend schlenderten wir wieder Richtung Seafood-Restaurants, die wir vorgestern entdeckt hatten und die uns gestern Abend verwehrt waren, weil unser Hunger – bei all den verlockenden Gerüchen sozusagen direkt vor der Haustür – eine Distanz von 1-2 km nicht zugelassen hatte. Aber irgendwie war es wie verhext. Wieder schafften wir es nicht bis zu den Seafood-Restaurants. Heute Abend verführte der verlockende Duft eines Hähnchen-Schenkels vom Moped-Grill zur ersten Zwischenmahlzeit. Anschließend hatten wir plötzlich Lust, den Thai-Food-Market, von dem wir Gutes gehört hatten, zu suchen. So blieben die Red Snapper und Prawns usw. im wahrsten Sinne des Wortes links liegen – und schon wenige 100 Meter weiter saßen wir mitten im großen Schlemmermarkt, bedient von einem geschäftig vor sich hinwatschelnden und sich dabei mit der Menü-Karte Luft zufächernden Ladyman. Fried Noodles in neuer Variation mit Hühnerfleisch, Tintenfisch und Krabben belohnte für den Marsch hierher – und auch Magdalena kam mit ihrem geliebten frisch gemixten Fruchtsaft wieder auf ihre Kosten. Eine kleine Crêpe mit Bananen und Honig am kleinen Stand unterwegs rundete das Abendessen ab. Bis Bert und ich gesättigt waren, hatten Magdalena und Maria schon mit dem Kauf von 3 Bast-Liegematten für den Strand auf ihre Weise für Umsatz gesorgt. Herrlich, wie sich der Vor-Urlaubsspruch "Aber dieses Mal brauchen wir nichts mehr einzukaufen und mitzubringen" immer wieder in der Praxis umkehrt. Nachdem uns die Thai-Verkäufer auf dem Rückweg auch noch von der Qualität ihres Mekong-Whiskeys vorschwärmten, landeten wir kurz darauf mit einer Flasche "Sang Som" für 220 Baht auf unserer Terrasse. Er war überraschend mild, schmeckte auch mit Cola gemixt – und ließ beim Konzert der Frösche im Teich hinter uns diesen Tag angenehm ausklingen.

 

22.01.2007 – 07. Tag: Krabi Erholung am Strand – Abendstimmung am Hafen & Thai-Food-Market

Das Ausschlafen genossen wir, das Frühstück ebenfalls. Jeder hatte inzwischen schon seine gezielten Anlaufstellen beim Frühstücksbuffet. Wir saßen am Rande der überdachten Terrasse und die Sonne brannte jetzt schon spürbar seitlich auf die nackten Waden und Füße. Deshalb kehrten wir zuerst einmal wieder zurück ins Zimmer und schnappten uns jeweils eines der mitgebrachten Bücher. Als sich 2-3 kleine weiße Wolken zeigten und vor die Sonne schoben, sahen wir das als Aufbruchsignal zum Strand. Dort wartete wieder der sonnengeschützte Platz unter dem ausladenden Blätterwerk des gestern schon ausgewählten Baumes auf uns, vor der Massagehütte Number One. Bei einem Blick nach oben zeigte sich auch keine sprunglustige Schlange. Sofort wurden wir wieder umschwirrt von Massage-, Tücher-, Brillen-, Getränke- und Stuhl-Angeboten – höflich, nicht aufdringlich und unser "perhaps later" freundlich akzeptierend. Danach blieben wir unbehelligt, ab und zu kam wieder ein Getränke-Händler mit seiner eisgekühlten Singha-Beer- und Cola-Auswahl vorbei. Irgendwann waren wir froh darüber – und auch die Ananas, die Sapalot, schmeckte wieder hervorragend. Zwischendrin erfrischte mehrmals der Sprung ins Meer. Auch einer der streunenden Hunde, derjenige, der gestern schon so faszinierte mit seinen heftigen Traumerlebnissen, akzeptierte uns heute schon als neue Dauer-Nachbarn. Unsere neu erworbene Matte wurde von ihm während unseren 3 Stunden am Strand einmal komplett umkreist. Sobald er aufwachte, rappelte er sich hoch, um nach einem Meter wieder erschöpft zusammenzusinken – und Sekunden später schon wieder selig zu dösen. Beim entspannten nach hinten Wegdrücken der Hinterläufe konnte dabei auch schon mal eine Ladung Sand auf unserer Matte landen. Und scheinbar war er kulinarisch Besseres gewohnt als unser angebotenes Stück Trockenobst, denn ein kurzes, eher desinteressiertes Schnuppern war alles, was wir damit an Reaktion auslösen konnten.

Wieder zurück auf dem Zimmer starteten wir nach einem kleinen entspannten Nickerchen wieder zum Thai-Food-Market. Auf dem Weg dorthin mussten wir die Erfahrung machen, dass es schade ist, Fotoapparat und Filmkamera dabei zu haben, und trotzdem nicht greifbar, da zurückgelassen im Zimmersafe. Im hellen Dämmerlicht direkt nach dem Sonnenuntergang zeichneten sich die einzelnen Felsen und Felsformationen noch deutlich am Horizont im Meer ab, während vorne im Wat über 100 Boote gestrandet waren und im nassen Schlick mit sich darin spiegelndem und brechendem Dämmerlicht lagen, da sich das Meer jetzt bei Ebbe über 50 Meter zurückgezogen hatte. Teilweise waren sie etwas seitlich geneigt, als würden sie hier abends und nachts friedlich vereint ihre verdiente Ruhe finden und ein kleines Nickerchen halten. Die ganze tagsüber so geschäftig über’s Wasser huschende Knatter-Armada schien hier nachts wieder Kraft zu sammeln für den neuen Angriff auf Maria's Gehör-Nerven am nächsten Tag. Es wäre sicher ein schönes Bild geworden – im Kopf bleibt es auf jeden Fall.

Weiter ging der Weg, dem knurrenden Magen folgend - und 10 Minuten später landete ich wieder bei Phad Thai, auch als Pad Thai oder Pat Thai gefunden, Fried Noodles, nach Wahl dicker oder dünner bis hin zu Glasnudeln, in Soja-Soße gebraten mit Gemüse und nach Wahl Rinder-, Hühner- oder Krabbenfleisch, öfter stand auch Tintenfisch zur Auswahl. Magdalena und Bert entschieden sich für knusprig herausgebratene Krabben, ein Genuss, zusammen mit der Soße zum Reintauchen. Auf dem Rückweg brauchte Bert eine kurze Pause – die Blutdrucktablette wirkte und hatte diesen so weit absacken lassen, dass wir beschlossen, eine kleine Ruhepause einzulegen und uns diese mit einem kleinen Absacker-Cocktail zu versüßen. Der half – und so ging auch dieser herrliche Abend mit Meeresrauschen und 25 Grad um Mitternacht zu Ende, wobei uns im Bungalow dann noch kurz fast der Kälteschock traf. Wir hatten überhaupt nicht mehr daran gedacht, dass wir die Klimaanlage auf Hochtouren in der Kälteposition aktiviert hatten beim Weggehen. Die beschlagenen Scheiben an der Schiebetür zur Terrasse zeugten vom Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen. Aber schon kurz nach dem Ausschalten hatten wir ein angenehmes und für’s Schlafen optimales Klima in unserem Zimmer.

                                                             

23.01.2007 – 08.  Tag: Rasante Krabi-Phuket-Fahrt – Gummibaum-Wälder – Hotel 'fully-booked' & "clab"

"Good Morning – oh, your last day" war die Begrüßung heute Morgen beim Frühstück. Ja, die Zeit in Krabi geht schon wieder zu Ende. Kofferpacken ist angesagt. Für 12 Uhr ist unser Transfer-Bus zum "Kamala-Beach-Resort" nach Phuket angekündigt.

Eigentlich hatten wir diesen Bus erst gegen 13 Uhr erwartet, da man die Zeit hier nie so genau nehmen sollte. Bert gönnte sich noch eine letzte Erfrischung im Pool, aber mit noch gemütlich hinlegen zum Trocknen war nichts. 12:10 Uhr stand der Toyota-Minibus bereit. Und wieder hatten wir einen angehenden Michael Schumacher erwischt. Seine Fahrweise ließ Bert erst gar nicht daran denken zu schlafen, während sich Maria rechts und links am Vordersitz festhielt und die rasanten Kurveneinlagen und Überholmanöver, mal rechts, mal links, wo halt gerade Platz war, offensichtlich nicht sehr entspannt mit vollem Körpereinsatz mitfuhr. Magdalena versuchte sich mit der Lektüre eines Buches abzulenken, während ich unseren Ritt, bei dem wir ab und zu auch mal aus unseren Sitzen gehoben wurden, genoss. Der Kerl da vorne wusste, was er tat, bremste frühzeitig, wenn sich eine dafür notwendige Situation nur im Ansatz abzeichnete und gab Gas, wenn der Verkehr auf der eigenen Fahrbahn und der Gegenverkehr dies zuließen. So konnte ich offenbar als Einziger die an uns vorüberhuschenden Palmenhaine genießen. Einmal war ein ganzes Feld mit abgestorbenen Palmen zu sehen, die alle wie Mahnsäulen in die Luft ragten mit ihrem – von nach unten geknickten hellbraunen Blättern umhülltem – Stamm. Es sah aus, als hätte man einen großen hellbraunen Palmen-Sonnenschirm zusammengeklappt.

Noch mehr als von den auch sonst üblichen Palmen wird diese Gegend dominiert von den Kautschuk-Bäumen. Ihre alleegleichen Reihen ratterten wie am Reißbrett gezogen an unseren Augen vorbei und gaben zwischen den Stämmen jeweils einen  sekundenbruchteilkurzen Blick frei in Weiten, die teilweise ins Unendliche zu reichen schienen. Die Plantagen wechseln sich mit Bäumen aller Altersstufen ab, immer wieder sieht man neben all den aktiv genutzten Abschnitten auch riesige Felder mit jungen Neuanpflanzungen. Der Baum selbst variiert, mal ist es ein einziger durchgehender Stamm, mal teilt sich der Stamm schon nach einem, manchmal auch erst nach vielen Metern wie die Y-Gräten eines Karpfens und am meisten sieht man diese Y-Gräten-Form als vielfach auf dem einzelnen Baum verzweigte Variation. Die für die Kautschuk-Gewinnung so wichtigen Stämme glänzten uns dabei mal silbrig-grau entgegen, um schon nach wenigen Baumreihen dann eher grau-schwarz und auch mal grau-braun zu wirken. Ihr Kennzeichen ist die an jedem dieser Bäume angebrachte Auffangschale. In sie fließt durch sorgfältig und millimetergenau in die Rinde geritzte Furchen das weiße "Blut" dieses Baumes, das Naturlatex, das Naturprodukt für Kautschuk- und Gummi-Herstellung. Wenn man diese endlos erscheinenden Baumreihen beobachtet mit all ihren von Menschhand zugefügten "Wunden", die an bereits abgeernteten Stellen wie blutrot schimmernde geheilte dünne Haut wirken, dann glaubt man in den weißen Linien, die zur Schale hin runtertropfen, nicht nur das Kautschuk-Produkt dieses Baumes zu sehen, sondern auch sein Blut - und spürt dabei sogar fast seinen Schmerz.

Überhaupt verwundert es, wie viele dieser Gummibaumwälder hier noch zu finden sind. Früher waren die Gummibaumplantagen für diese Länder Gold wert. Schon vor mehr als 3500 Jahren war die Kaltvulkanisation unter Zuhilfenahme von Pflanzenextrakten bei indianischen Ureinwohnern Mittelamerikas bekannt. Mit der Erfindung des Radiergummis 1770 begann die Nutzung von Gummi. 50 Jahre später gab's schon die erste wasserdichte Kleidung aus dem Naturprodukt, allerdings noch starr bei Kälte und weich und klebrig bei Wärme. Mit der Erfindung der Heißvulkanisierung von Charles Goodyear begann die gewerbliche Herstellung und Verbreitung von Gummiwaren. Um 1910 wurde der erste Synthesekautschuk entwickelt. Nach einem Gummi-Handelskrieg 1928 zwischen England und Holland brachen die Weltmarktpreise für Rohkautschuk zusammen. In den Folgejahren machte die synthetische Herstellung immer weitere Fortschritte, die Glanzzeiten für das Naturprodukt waren vorbei – und damit auch die üppigen Geldeinnahmen.

Plötzlich verschwanden die Plantagen, die Landschaft änderte sich. Auch die bisher das Panorama bestimmenden Berge wechselten über in sanft auslaufende Hügelketten – und schon wenige Kilometer später erreichten wir über eine große Brücke die Insel Phuket.

Wir waren angelangt auf Thailand's größter Insel mit mehr als 543 km² und Phuket City als Provinzhauptstadt. Für die Herkunft des Namens gibt es bis heute verschiedene Erklärungsversionen. 2 vom Namen her naheliegende, die beide abgeleitet sind von den vielen Hügeln und Bergen der Insel, wären: "Phukau", thailändisch für Berg, oder "Bukit", malaiisch für Hügel. Die Insel ist 50 km lang und 21 km breit. Nachdem die Bevölkerung früher hauptsächlich von der Zinn-Förderung, sowie dem Anbau von Kokos und dem Ertrag der Gummibäume lebte, entwickelte sich seit 1980 der Massentourismus zur Haupteinnahmequelle, allerdings schwerpunktmäßig nur an der Westküste – und durchaus auch mit negativen Begleiterscheinungen wie Betonklötze, Kriminalität und Preisexplosion, die vor allem jene Einheimischen trifft, die nichts vom Tourismuskuchen abbekommen.

Der Legende nach soll bereits im 1. Jahrhundert der ägyptische Geograf Ptolemäus auf Phuket gewesen sein. Zum ersten Mal erwähnt wurde die Insel gegen 1.200 in den Kedah-Annalen von Malaysia. In etwa zu dieser Zeit sollen auch die ersten Siedler hier eingewandert sein aus Birma. Im 13. Jahrhundert wurde Phuket in ausländischen Schiffslogbüchern und Seekarten erstmals als Station auf dem traditionellen Handelsweg zwischen Indien und China ausgewiesen – als Insel "Junkceylon". Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser Name in Phuket geändert. Häuser aus dieser Zeit zeugen noch heute von chinesischen und portugiesischen Einflüssen.

Je weiter uns die Fahrt führte, desto ungläubiger bestaunten wir die aktuellen Bau-Aktivitäten. Ganze Bungalow-Häuserreihen werden aus dem Boden gestampft, Verkaufsshops an der Hauptstraße wie am Fließband erstellt und eingerichtet. Kurz darauf waren wir bei unserem gebuchten Ressort. Wie immer empfing uns ein fröhliches Lächeln und der mehrstimmige Willkommensgruß aus vielen hinter dem Rezeptionstresen versammelten Kehlen. Unsere Vouchers wurden verlangt und die Pässe – und dann merkten wir am plötzlichen hektischen Telefonieren, dass scheinbar irgendetwas nicht stimmte. Die Bestätigung dafür erhielten wir unmittelbar darauf: "Sorry Mister, we are fully-booked!" Ausgebucht, trotz unserer Reservierung, und das, wo Schwager Bert schon daheim vom Sea-View-Bungalow hier vorgeschwärmt und uns sogar schon Bilder von der Anlage zugemailt hatte. Stattdessen erhielten wir das Angebot, dass wir in einer anderen Hotelanlage untergebracht würden, die noch einen Stern mehr habe als das "Kamala-Beach-Resort" hier.

Da uns sowieso nichts anderes übrig blieb, willigten wir ein. Bereits 5 Minuten später wurden wir von Angelika, einer netten Thailänderin vom Best Western-Hotel abgeholt – und erhielten gleich eine Einladung zum Dinner als Wiedergutmachung für die Unannehmlichkeiten. Aber auch dieses Dinner-Angebot konnte Bert nach unserer Ankunft im "Bangtao Beach Resort & Spa" im "Best Western Premier" zuerst nicht versöhnen, denn statt – wie gebucht – in einem Bungalow mit Meeresblick landeten wir in relativ schmalen länglichen Zimmern am Pool. Dahinter war im direkten Anschluss das Meer zu sehen. Statt eine Klasse besser fühlten wir uns dieses Mal um eine Klasse herabgestuft untergebracht, was aber unserer guten Laune trotzdem nichts anhaben konnte.

Ein kurzer Erkundungsspaziergang zeigte vor dem Hotel viele Schneider-Geschäfte. Am Strand erfuhren wir gleich von der ersten Verkäuferin, die ihre T-Shirt und Hemdensammlung über den linken Arm gestülpt vor sich hinschleppte, dass wir ihr, da tsunami-geschädigt, doch unbedingt etwas abkaufen sollten. Aber uns war nicht nach Kaufen, wir hatten Hunger. Deshalb ließen wir uns zuerst einmal in einem kleinen Thai-Restaurant nieder und stärkten uns mit einer scharfen Suppe, die Magdalena so liebt – und einem hervorragenden Riesen-Shrimps-Salat, meinem Favoriten. Von dort zeigte uns der Blick auf’s Meer, dass sich Bert und Maria auch schon akklimatisiert hatten. Sie tummelten sich im Wasser und plauderten dort angeregt mit jemandem im abgegrenzten Schwimmbereich. Er war rund 100 Meter breit und 100 Meter tief, hufeisenförmig markiert durch ein Seil mit – 1-Liter-Pfand-Getränke-Flaschen gleichen – weißen, zum Teil leicht algenbesetzten Plastik-Flaschen mit der Aufschrift "Appow 3".

Wir lasen noch etwas und ab 19 Uhr trafen wir uns alle 4 wieder im Restaurant des Hotels zum – als Wiedergutmachung für den Hotelwechsel spendierten – Seafood-Buffet. Von gegrilltem über gekochten bis hin zu Fisch im Blätterteigmantel war die Auswahl reichhaltig, inklusive Nachspeise-Buffet mit kleinen süßen Sahnekuchen und Pudding. Es schmeckte, auch wenn wir uns alle danach einig waren, dass das Essen zur kleinen, westliche Evergreens vortragenden 3-Mann-Band mit Sängerin passte. Es war gut, aber trotzdem nicht ganz überzeugend. So wie die Sängerin manchmal nicht ganz den Ton, hatte das Buffet bei einigen der Seafood-Kreationen nicht ganz unseren Geschmack getroffen. Und so beschlossen wir, am folgenden Abend lieber wieder in einem typischen Thailokal essen zu wollen.

Im Anschluss spazierten wir noch ein wenig vor dem Hotel die Straße entlang, vorbei an einer kleinen Bar, aus der uns die Mädels aufreizend hereinzuwinken versuchten. Wenige Meter weiter begrüßte uns plötzlich ein indischer Schneider per Handschlag auf deutsch mit großem "Hallo" und "Wie geht's" so selbstverständlich, als wären wir die besten Freunde und hätten uns gestern erst zum letzten Mal gesehen. Anschließend  wollte er dann – mit gespielter Enttäuschung und als würden wir ihn mit unserer Entscheidung persönlich verletzen – nicht glauben, dass wir kein Interesse an seiner einzigartigen Schneiderkunst zu zeigen bereit waren und unseren Weg nicht in sein Tailor-Geschäft, sondern auf der Straße fortsetzten. Stattdessen suchten und fanden wir ein Internetcafé und schauten nach, ob es daheim etwas Neues gibt. Es hatte laut E-Mail von unserem Sohn zuhause angefangen zu schneien. Er schickte uns einen virtuellen Schneeball und teilte uns mit, dass beim Orkan im Garten Abdeckplanen und Teile einer Überdachung weggerissen worden, was er zum Glück wieder richten konnte. Ansonsten war alles im grünen Bereich.

Soweit beruhigt wunderte ich mich beim Heimweg, dass plötzlich unter einer Brücke ein Licht auftauchte. Und schon klettere ein Thai mit einer an einem Gummiband auf die Stirn gespannten Lampe vom Flussausläufer unten am Brückenpfeiler empor zurück auf die Straße, gefolgt von 3 weiteren, einer mit einem langen Stock, der andere mit einem dichten grünen Netz. Sie zeigten mir, was sie da unten erbeutet hatten: 3 große Krabben waren mit ihren scharfen Scheren im Netz gefangen. Sie wollten wissen, wie diese Poo, so verstand ich sie jedenfalls, auf englisch heißen – und erwiderten mein crab, aber es klang eher wie "clab". Wir lachten. Zurück auf dem Zimmer fielen Magdalena und ich um 23 Uhr ins Bett – und schliefen sofort ein. Diesmal hatten wir nicht wie zuvor in Krabi ein gemeinsames großes Doppelbett mit gemeinsamer Bettdecke, die irgendwie im Laufe der Nacht aus unerklärlichen Gründen stets die Tendenz hatte, Magdalena immer mehr und mich immer weniger zu umhüllen. Nein, jeder hatte sein eigenes Bett – und ich genoss den vollen Umfang der Zudecke bis zum Aufwachen.

 

24.01.2007 – 09. Tag: Phuket-Bangtao Der "Kuss der Feuerqualle"– Red Snapper & Shrimps-Pancakes

Wieder zu mir kam ich erst um 9:30 Uhr, mit leicht geschwollenen Augen vom langen Schlafen. Magdalena weckte mich, nachdem sie zuvor schon Frühsport getrieben hatte. Sie braucht einfach die Bewegung, während mir - noch halb verschlafen - nach kurzer, auf's Notwendigste beschränkter Morgentoilette im Bad die 100 Meter Fußweg zum Frühstück für’s Erste völlig ausreichten. Irgendwie wollte ich überhaupt nicht richtig wach werden. Nach gewohnten Scrambled Eggs, Erdbeer-Joghurt, sowie Orange- und Ananassäften trafen wir uns kurz mit Monique Fiedler, die hier auf Phuket in diesem Bereich rund um Patong als Vertreterin unseres Reiseveranstalters Transorient vor Ort für uns zuständig war. Wir schilderten ihr unser Abenteuer vom Tag zuvor mit "fullybooked" und dem Hotelwechsel hierher. Dabei stellte sich heraus, dass wir das vermeintliche Bungalow-Arrangement gar nicht gebucht hatten. Kein Problem, wir waren inzwischen sowieso zufrieden und hatten uns schon bestens eingelebt. Im Gegensatz zum proppenvollen Strand beim Kamala-Beach-Resort war es hier wenige Kilometer weiter nördlich am Bangtao-Beach weitaus ruhiger bei herrlichem Strand, feinsandig und sauber.

Zurück im Zimmer versuchte ich auf dem kleinen Balkon mit Blick auf den Swimmingpool etwas zu lesen. Aber heute hatte ich offensichtlich jeglichen Stress von daheim abgelegt und der Schlaf holte all das nach, was seit vielen Wochen zu kurz gekommen war. Nach 10 Minuten, die mehr aus Augen krampfhaft aufhalten als aus verinnerlichtem Lesestoff bestanden, landete ich wieder im Bett, nachdem ich noch schnell das "Bitte nicht stören"-Schild rausgehängt hatte. Sekunden später war ich schon wieder fest eingeschlafen. Erst um 12:30 Uhr kam ich wieder zu mir, immer noch wie benommen von der vielen Schlaferei, die mir aber andererseits richtig gut getan hatte. Magdalena schaute wieder vorbei - nicht einmal ausgepowert und kaum geschwitzt nach einer Stunde im Fitnessraum auf dem Laufband. Jeder schnappte sich sein Buch und eine der im Schatten stehenden Liegen am Pool. Wir hatten Urlaub – und genossen ihn, ebenso wie Bert und Maria, die mal wieder den wenige Meter entfernten Strand vorgezogen hatten.

Später schlenderten wir ein kleines Stück am gelblich-weißen feinen Sandstrand entlang. Der Planet brannte heute ungefiltert ohne Wolken auf uns runter. Aber 'erbarmungslos', wie an diesem Tag einige Male von anderen zu hören, kann ich diese mich aus dem innersten heraus wärmende und mir dieses wohlig-warme Gefühl spendende, wenn auch schweißtreibende Sonne nicht nennen. Dafür tut sie mir einfach zu gut – ich genieße sie in vollen Zügen, wenn auch normalerweise lieber im Schatten, als wie bei diesem Spaziergang ihren Strahlen schutzlos ausgeliefert. So blieb unser Ausflug kurz, obwohl voll mit Sonnenschutz eingecremt. Wir zogen es lieber vor, jetzt eine kleine Abkühlung im Wasser zu suchen. Schon nach etwa 10 Metern wird das Wasser so tief, dass man nicht mehr stehen kann. Wir visierten die etwa 100 Meter vom Strand entfernte Begrenzung des ausgewiesenen Schwimmbereichs an und tummelten uns dort am Seil mit den weißen Flaschen, fasziniert von einem kleinen Schwarm etwa 10 Zentimeter großer gelb-schwarzer, von oben nach unten gestreifter Fische. Sie näherten sich uns zuerst vorsichtig-neugierig, um uns dann – jegliche Scheu verlierend und sich auf 20-30 Zentimeter Abstand heran trauend – zu umschwärmen.

Beim gemütlichen Zurückschwimmen Richtung Strand, Magdalena war schon rund 10 Meter voraus, sah ich plötzlich etwas Hellbraunes, halbtransparent, etwa einen Meter vor mir und etwa 20 Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche schwimmend. Zuerst dachte ich an hier im Wasser vor sich hinschaukelnde Algen oder irgendwelchen Unrat. Es sah aus, als würde da in einer unsichtbaren Klarsichttüte verschlossen hellbrauner Milchkaffee treiben. Aber dann sah ich, dass sich dieses Etwas aktiv bewegte. Ganz kurz zog sich der vielleicht 20 Zentimeter Durchmesser große tellerförmig-runde Körper zusammen wie eine große Hand, die sich kurz zur Faust ballt. Entsetzt bemerkte ich erst jetzt die dünnen etwa 30 Zentimeter langen wellenförmig und scheinbar schwerelos dahinter schwebenden dünnen Fäden. Das waren definitiv keine Kaffee-Rinnsale. Obwohl noch nie in natura gesehen und nur vom Hörensagen bekannt, wusste ich in diesem Moment instinktiv, wen ich da vor mir hatte. Es war eine ausgewachsene Feuerqualle, die mich da ganz offensichtlich zielsicher ins Visier genommen hatte. Keine Ahnung, ob das Zusammenziehen ihres Körpers auf mich nur 'wie in Zeitlupe' wirkte, weil mir in diesen Sekundenbruchteilen parallel dazu all diese geballte Ladung an Gedanken durch den Kopf schoss und ich mir plötzlich dem Unheil bewusst wurde, das sich mir da näherte.

Jedenfalls geschah danach alles um so schneller und wie im Zeitraffer. Pfeilschnell schoss sie in einer Geschwindigkeit, die ich diesem eher grazil aussehenden halbtransparenten glibberigen Meeresbewohner niemals zugetraut hätte, genau auf mein linkes Bein zu, die Tentakel waagrecht und wellenförmig hinter sich herziehend. Mein hastiger Versuch, seitlich wegzuschwimmen, kam viel zu spät. Ich hatte keine Chance zur Flucht. Sofort spürte ich auf der seitlichen Innenseite des linken Oberschenkels einen brennenden Schmerz. Ich stieß einen lauten Schrei hervor, aber wohl eher vor lauter Schreck als vor Schmerz und versuchte mit dem rechten Bein durch Treten auf den linken Oberschenkel die Feuerqualle davon zu überzeugen, dass ich nicht der Richtige bin für ihre heißen Liebesattacken. Irgendwie muss sie das auch akzeptiert haben, aber nicht, ohne mir zuvor auch noch ihre feurigen Grüße über beide Unterschenkel und den kompletten rechten Fuß zu ziehen, wahrscheinlich als kleiner 'Dank' für meine Tritte. Schnelles Schwimmen war noch nie eine Stärke von mir, aber bei meinem fluchtartigen Reißaus Richtung Strand – nur weg von diesem bösartig attackierenden Ungeheuer – hatte ich das Gefühl, sämtliche persönlichen Geschwindigkeitsrekorde aus den jugendlichen Glanzzeiten zu pulverisieren. So sehr trieb mich der Fluchtgedanke und das "Nur-Weg-Von-Diesem-Mistvieh" an in der Hoffnung, dass es mich nicht noch einmal angreift und ich gleich einen neuen Feuerherd irgendwo an meinem Körper spüre. Der stechende Schmerz an beiden Beinen ließ die Bewegungen zur Qual werden, wobei das rechte Bein wie halb gelähmt nur noch andeutungsweise mithelfen konnte. Als ich bemerkte, dass ich scheinbar nicht weiter attackiert und verfolgt wurde, versuchte ich, ruhiger zu werden und gleichmäßig zu atmen, um nicht zu verkrampfen. Trotz des feuernden Schmerzes in Beinen und Füßen war ich heilfroh, als ich wieder Boden unter den Füßen hatte – und mich nach dem Heraushasten aus dem Meer Sekunden später am nahen Strand auch wieder in Sicherheit fühlen konnte.

Schwager Bert gab uns am Strand gleich den Rat mit, es mit Anbieseln zu versuchen. Selbst war ich dazu nicht in der Lage, aber Magdalena, für die erneutes Bieseln schon nach wenigen Minuten keinerlei Problem darstellt, füllte ein Glas und träufelte es mir über die attackierten, sich inzwischen auch schon rötenden Stellen. Es war keine Linderung zu spüren, auch nicht, als sie kurz darauf von der Rezeption mit Essig zurückkam und ihn auf die jetzt schon rot angeschwollenen Hautpartien tupfte. Meinen ganzen Körper beutelte es immer wieder mit Zitter-Schauern vor lauter Schmerzen. Erst nach etwa einer Stunde beruhigte sich das Brennen soweit, dass es erträglicher wurde. Ich konnte wieder auftreten und in den weiten Badeschlappen laufen, auch wenn beide Füße nach wie vor deutlich geschwollen waren, insbesondere der rechte über die ganze Oberfläche und Ferse bis mitten in den Unterschenkel hinein.

Dieses brennende Gefühl begleitete mich den ganzen Abend, auch als wir bei Dunkelheit barfuß im abgekühlten Sand am Meer entlang spazierten und in ein Thai-Restaurant eingekehrten. Magdalena und Bert entschieden sich für Red Snapper, Maria für ein Curry-Gericht und ich ließ mir zuerst 4 Shrimps-Pancakes schmecken. Sie sahen aus wie vier kleine panierte, mit zartem Shrimpsfleisch gefüllte Schnitzel und waren allein schon den mehrere hundert Meter weiten Weg bis zu diesem Restaurant direkt am Meer wert. 10 Meter von den Wellen entfernt, mit den Füßen im zarten, jetzt um 20 Uhr immer noch angenehm warmen und weichen weißen Sand spielend, landete jetzt mein Leibgericht auf unserem Strandtisch, Pad Thai mit den in Soja-Soße gebratenen Nudeln, wie bestellt wieder mit Chicken und Squid. Zurück beim Hotel gönnten wir uns am Pool noch ein Bierchen, das sich Bert an den Poolrand stellte und dann vom warmen Wasser aus genoss. Herrlich, diese warmen Abende. Zuhause in Fürth waren inzwischen 30 Zentimeter Pulverschnee gefallen, erfuhren wir von unserem Schwager nach einem kurzen Telefonat mit seinem Sohn. Da machte dieser Abend in der Badehose um 23 Uhr bei ungefähr noch 26-27 Grad am Pool gleich noch mehr Spaß. Aber nun wurde es Zeit für’s Bett. Morgen früh klingelt um 6:30 Uhr der Weckruf, denn morgen wartet Coral Island auf uns. Und der linke Oberschenkel, sowie beide Füße und Unterschenkel brannten noch immer leicht vor sich hin, unangenehm, aber nicht mehr so schmerzhaft.

 

25.01.2007 – 10. Tag: Coral Island – Echse & Papagei – "fish are friendly" & Muschelsucher

Der Bus nach dem Frühstück war pünktlich. Die Fahrt führte quer durch Patong. Auf den ersten Blick konnten wir kaum noch Spuren des in Gedanken allgegenwärtigen Tsunamis ausmachen, stattdessen erkannten wir neben vielem Neuen auch noch viel Vertrautes im Vorbeifahren. Und es herrschte morgens um 9 Uhr auch schon geschäftiges Treiben und reger Verkehr – Patong, wie wir es kennen. Wir fuhren zuerst südlich und dann östlich bis zur Anlegestelle an der Chalong Bay und von dort mit einem Schnellboot etwa 20 Minuten lang nach Coral Island (Koh Hae).

Dieser Unterschied war schon krass. Nach dem Menschen- und Verkehrsgewühl von Patong war es auf der Insel trotz der Touristen plötzlich abgeschieden und ruhig. Wir befanden uns in einer ganz anderen Welt: Ein paar hundert Meter feiner weißer Sandstrand – mit vielen Steinen, Felsen und Korallen auf dem Weg ins nur langsam tiefer werdende Meer – und die Bungalow-Anlage des "Coral Island Resorts". Das war alles! Und so wurde es ein ruhiger Tag, ideal für das Verschlingen von nicht nur einigen Buchseiten, sondern endlich auch einmal wieder fast einem halben Buch am Stück. Unser Bungalow in vorderster Reihe der Anlage hatte die Form eines kleinen Häuschens. Er war nur wenige Meter vom Strand entfernt und von diesem getrennt durch einen kleinen pinienbaum- und strauchbepflanzten Wall, angehäuft aus dem bis hierher reichenden feinen Strandsand. Die dunkelblau glasierten Ziegel unserer Behausung reflektierten grell das Sonnenlicht. Von hier aus hatten wir einen schönen Blick raus auf's Meer und die Longtail-Boote, die auch mit Vergnügungsfahrten Baht einfuhren, indem sie mit laut aufheulenden Motoren leuchtend-gelbe Bananenboote, Wasserskifahrer oder an Fallschirmen wie ein nasser Sack hängende Touristen hinter sich herzogen. Plötzlich erweckte ein großer, in einen der Baumwipfel schwebender Vogel unsere Neugierde. Er entpuppte sich als ein riesiger Papagei mit schwarzem Federkleid, am Bauch weiß. Direkt im Anschluss an die wie ein schwarzer Knopf aus einem weißen Kreis hervorstechenden Augen trug er einen schon auf der Stirn ansetzenden gewaltigen gelben, wie eine Banane geschwungenen Schnabel, dessen obere Hälfte doppelt so groß und hoch war wie die untere. Nach einer kurzen Pause setzte er seinen Flug fort. Draußen im inzwischen durch die Flut höheren Wasser tummelten sich jetzt neben einer mit Sauerstoffflaschen und Neopren-Anzügen ausgestatteten Gruppe von Tauch-Anfängern  auch etliche Schnorchler. Und plötzlich wieder aufgeregtes Rufen hinter mir. Magdalena hatte eine Riesenechse entdeckt, die ängstlich züngelnd vergeblich nach einem Fluchtweg suchte, als sich zwei Resortangestellte nicht abhalten ließen, sie in einen offenen Kanalschacht zu scheuchen. Wir hofften nur, dass sie da wieder rauskommt und jetzt nicht hilflos in dem engen Abwasserrohr steckte, das in der Dunkelheit unter dem halb geöffneten Deckel zu erkennen war. Wenigstens konnten wir dafür sorgen, dass der Deckel nicht – wie von den beiden beabsichtigt – geschlossen wurde.

Vom Personal wurde ich auch hier – wie bei allen Stationen zuvor – sofort auf meinen knallroten Tape-Verband am Arm angesprochenen und was der zu bedeuten habe. Ein Sportarzt hatte ihn mir 3 Tage vor dem Abflug wegen eines sich mit leichten Schmerzen abzeichnenden sogenannten Tennisarmes auf den linken Arm drapiert, kurz über dem Ellbogen am Oberarm ansetzend und dann in vier etwa 1 ½ Zentimeter dicken Streifen über den Ellbogen und die Oberseite meines Unterarms runterlaufend bis knapp über’s Handgelenk. Kurz darauf fragte mich ein australischer Gast, was der – inzwischen wie mit dickem Lippenstift aufgetragene – rote Fleck auf meinem linken Oberschenkel zu bedeuten hätte. Mittlerweile sah er aus wie ein unförmiger Kussmund oder Knutschfleck.  Mit meinem laienhaften Englisch versuchte ich mein Erlebnis von gestern zu schildern, ohne das Wort für Feuer-Qualle zu wissen. Als er auch noch den nach wie vor geschwollenen und jetzt von roten Flecken übersäten rechten Fuß entdeckte, der linke sah im Vergleich eher gut aus, rief er seine Frau. Ihr musste ich meine Begegnung im Meer noch einmal schildern, erhielt dann aber von ihr den lieben Trost: "Don’t worry, here, the fish are friendly." Wir lachten. Kurz darauf zog ich mich mal kurz ins Bad zurück und blickte dabei gedankenversunken und noch immer nach einer passenden Umschreibung für Feuer-Qualle im Englischen suchend auf meinen feuerroten Tape-Verband am linken Arm. Und plötzlich hatte ich die Erleuchtung. Meine dilettantischen Versuche, auf Englisch Form und Aussehen der Feuerqualle zu umschreiben und damit die Australier auf den richtigen Namen dafür zu führen, hätte ich mir sparen können. Sie sah doch fast genau so aus wie mein Tape-Verband. Ein kompakter fast runder und untertellergroßer Hauptteil, der sich in circa 30 Zentimeter langen Tentakel, sprich den feuerroten an meinem Arm herunterlaufenden Tapestreifen fortsetzte. Und so fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Feuerqualle sah in meinem feuerroten Tape wahrscheinlich entweder eine Konkurrenz oder ein Objekt der Begierde und hatte sich deshalb so zielgenau auf mich fixiert. Morgen sind die 14 Tage, die der Verband drauf bleiben sollte, vorüber. Völlig zu meinem Erstaunen hatte er wirklich die Schmerzen im Ellbogen weitgehend verschwinden lassen, trotz Kofferschleppen. Bisher freute ich mich vor allem auf das Entfernen, um nicht mehr so auffällig gestreift umherlaufen zu müssen. Jetzt plötzlich kam ein noch viel aktuellerer Anlass dazu – keine Meeresbewohner damit mehr anlocken zu wollen, falls dies wirklich eine Rolle gespielt haben sollte. Ich fand die Idee zwar leicht verrückt und glaubte nicht wirklich daran – aber wer weiß?! Können Feuerquallen eigentlich überhaupt sehen?

Viele Insel-Besucher hatten nur einen Halbtagesausflug hierher gebucht. Es waren überwiegend Japaner – und die durchschlürften eifrig suchend den Strand am Rande der Wellen. Jede gefundene Muschel wurde genau gemustert und die für gut befundenen Exemplare wanderten anschließend – wie ein fündig gewordener Nugget-Sucher zufrieden nickend – in eine mitgebrachte Klarsicht-Plastiktüte.  Am Nachmittag wurden sie von den Schnellbooten mit ihren – schon wenige Meter vom Strand entfernt – hörbar ihre geballte PS-Power demonstrierenden Motoren wieder Richtung Phuket abtransportiert. Die meist jungen Bootsführer wirkten wie Jockeys, die sich schon richtig darauf freuen, ihrem unruhig tänzelnden "Pferd" mit dem Gashebel endlich die "Sporen" geben zu dürfen. Ab diesem Zeitpunkt war es endgültig ruhig und abgeschieden. Für kurze Zeit wurde es sogar noch ruhiger. Nach Vorankündigung war für eine halbe Stunde der Strom mal weg. In dieser Zeit bekam jeder Bungalow Kaffee und etwas Gebäck dazu vorbeigebracht. So relaxten wir in aller Ruhe vor uns hin.

Abends trafen sich die vielleicht 50 Kurzzeit-Bewohner der insgesamt 64 Bungalows des "Coral Island Resorts" beim einzig möglichen Treffpunkt zum Hungerstillen, einem im Freien auf der Restaurant-Terrasse aufgebauten Buffet. Von Europäisch mit Pfeffersteak und Kartoffelbrei über Japanisch mit Sushi und Chinesisch mit Chicken bis hin zu Thai-Food waren viele Variationen angeboten, so auch Scampis, mal gegrillt, mal frittiert, mal im Wok gebraten. Nur Fisch vermissten wir – hier auf dieser vom Meer umspülten Eiland-Einöde. Beim Gehen folgte noch ein kurzer Plausch mit Norwegern und Schweden. Überhaupt fällt es auf, wie viele Touristen aus den nordischen Ländern zur Zeit hier in Thailand ihren Urlaub verbringen – und wie wir selbst ja auch vor ihrem Winter und der dunklen Jahreszeit fliehen. Wir trafen auch ein junges englisches Pärchen, das in 3 Monaten die Welt umrundet, nach den Malediven und jetzt Thailand folgen noch Australien, Neuseeland und Los Angeles. Er erzählte, dass er jetzt im Winter Zeit habe, da er in der restlichen Jahreszeit Garagentore einbaut, worauf ich ihm vorschlug, bei der Weltumrundung  doch auch München mit einzuplanen – und zufällig hätte ich dort ein Garagentor, das nicht richtig schließt. Irgendwie war ich wohl nicht überzeugend genug, München wurde nicht spontan ins Reiseprogramm aufgenommen.

Etwas lästig war das Herumschleppen unserer Wertsachen, die wir in einer Plastiktüte mit zum Buffet gebracht hatten. Im Zimmer war zwar ein Safe vorhanden, aber bei der Nachfrage nach einem Schloss dafür zum Abschließen erhielten wir mit lächelndem Achsenzucken die unerwartete Antwort: "So solly, no have". Nach dem Abendessen ging, zurück im Zimmer, der Griff sofort wieder zum Buch – bis Magdalena und ich beschlossen, das Licht auszuschalten und nur noch dem nahen Meeresrauschen zu lauschen. Es dauerte wohl nur Sekunden, bis es uns in den Schlaf gewogen hatte.

 

26.01.2007 – 11. Tag: Coral Island – Magenprobleme – Haare im Wind & Hunde-Begleitung

Ein seltsames Kratzen weckte uns gegen 7:30 Uhr. Das Personal des Coral Island Resorts kehrte mit kratzigen Reisigbesen den Sand und kleine Palm-Früchte, die nachts einige Male mit einem dumpfen kurzen 'Blopp' hörbar auf das Dach geprallt waren, von den mit kleinen roten und grauen Steinen gepflasterten Wegen. Wir schliefen noch einmal ein, nahezu frei gestrampelt von der Bettdecke. Auf die kalt blasende Klimaanlage hatten wir verzichtet. Beim Frühstück erfuhren wir von einer Schwedin, dass ihr etwa 50jähriger Mann, ein knapp 2 Meter großer Hüne, mit dem wir uns gestern Abend noch so angeregt unterhielten, in der Nacht starke Magenprobleme mit allen Begleiterscheinungen bekommen hatte und im Bett liegt. Und das passierte einem Mann, der aus einer langen Generationsreihe von Fischern abstammt. Am Vorabend hatte er uns nämlich erzählt, dass er im Gegensatz zu seinem Bruder beruflich mit der Tradition seines Vaters, Großvaters und der Vorfahren davor gebrochen hat und nicht Fischer geworden ist, sondern bei Volvo arbeitet. Seiner Frau boten wir die einzige "Medizin" an, mit der wir dienen konnten, unsere noch halb volle Flasche Averna und die in Krabi gekaufte und ebenfalls noch halbvolle Flasche Whiskey. Vielleicht konnte ja eines von beiden Magen und Darm beruhigen. Mit den Worten: "Vielleicht hilft's, schlimmer kann es ja nicht mehr werden" schnappte sie unsere "Magen-Tropfen" und verschwand in Richtung eigener Hütte. So nannten wir inzwischen alle unsere Unterkünfte – entsprechend ihrer Minihausform.

"Bist Du bereit für den 'Ultimativen Cut'?" säuselte plötzlich Magdalena mit aufmunterndem Augenaufschlag und einem zu allem entschlossenen Gesichtsausdruck. Vor 2 ½ Jahren hatten wir das Gleiche schon einmal praktiziert bei einem Bali-Urlaub. Am Abend vor der Abreise hatte ich ihr noch zuhause schnell die Haare geschnitten. Es war das 1. Mal in meinem Leben. Und jetzt hier am Meer wollte Magdalena wieder einen flotten Kurzhaarschnitt. Allerdings fügte sie – wie damals und für mich leicht demotivierend – hinzu, dass es hier ja egal sei, weil sowieso niemand hier sie kennen würde. Trotz dieser einen "Künstler" ja eher abturnenden Bemerkung ließ ich mich überreden. Wir schnappten den Stuhl aus unserem Zimmer, trugen ihn die paar Meter zum Strand, und los ging’s. Der kräftig und böig vom Meer her wehende Wind zerstäubte ihre – mit dem Kamm zwischen den Finger fixierten und mit einer extra zuhause eingepackten kleinen Haarschere abgeschnittenen – Haare sofort wie eine Wolke in alle Himmelsrichtungen. Einige Thais beäugten uns belustigt beim Vorbeigehen. Eine Touristin kam neugierig das Ergebnis der Haar-Tortur musternd näher und fragte amüsiert, ob sie auch noch einen Termin bekäme. Endlich mal was Aufbauendes, oder hatte sie es womöglich gar nicht ernst gemeint, weil sie ohne eine Antwort abzuwarten gleich danach weitergeschlendert war?

Schwägerin Maria jedenfalls war das Ganze nicht geheuer, denn ich habe eigentlich vom Haareschneiden keinerlei Ahnung, auch wenn ich noch heute stolz bin auf eine Urkunde vom ersten Versuch damals beim Bali-Urlaub. Beim Rückflug mit China-Airlines hatte eine Stewardess Magdalena’s Haarschnitt mit den Worten "What a nice haircut" bewundert. Magdalena deutete dies so, als wolle sie sich lustig machen und erklärte, das sei ihr 'husband' gewesen, nach dem Motto, der ist dafür 'verantwortlich'. Doch durch die spontane Rückfrage, ob ihr husband haircutter sei, wurde klar, dass mein verborgenes Talent endlich auch entsprechend gewürdigt wurde. Plötzlich und unerwartet erhielt meine Arbeit einen neuen Stellenwert und die verdiente Anerkennung, die ihr vorher verwehrt worden war mit den Worten: "Ist ja egal, da kennt mich ja sowieso keiner. Die Hauptsache kurz." Aber es ging noch weiter. Kurz darauf erschien die Chef-Stewardess und überreichte mir eine Urkunde mit dem Text: "For the world's best HAIR-DESIGNER!" Wir hatten viel Spaß. Trotzdem dauerte es bis heute, also 2 1/2 Jahre, bis sich Magdalena wieder traute – und von ihrer Schwester dabei kopfschüttelnd für ihren Mut bewundert wurde. Am Ende waren wir jedoch beide mit dem Ergebnis zufrieden. Und am Abend hatte ich wieder Grund, stolz zu sein, denn die Freundin des Engländers von gestern kam beim Abendessen an unseren Tisch. Sie erzählte, dass sie uns beim Haarschneiden am Strand beobachtet habe und meinte dann Magdalena zugewandt: "Beautiful haircut." Tja, die Engländerinnen haben halt einfach Geschmack - und ich werde mir wohl so langsam überlegen müssen, ob ich daraus nicht mehr mache, auch wenn Maria konterte: "Aber trotzdem, meine traue ich mir nicht von Dir schneiden zu lassen". Wieso erkennen immer nur Fremde den wahren Wert meiner Arbeit?

Ansonsten war heute nicht viel Aktion. Wir lasen auf dem Zimmer oder am Pool in aller Ruhe unsere Bücher, Bert und Maria hatten einen treuen Begleiter gefunden, eine hübsche Hündin in gleicher Farbe wie der hell-beige Sand, bei der ein Labrador oder Golden Retriever beteiligt gewesen sein musste. Sie folgte beiden bei einem Spaziergang und dann sogar ins Meer, streunte zwischendurch wieder durch die Anlage, um aber regelmäßig zurückzukommen, und das, bis wir abends vom Strand zurück in die Hütte wechselten. Bert hatte sie "Drago" getauft. Nachmittags hatte eine Australierin sie am Strand verdächtigt, ihren Bungalow-Schlüssel vergraben zu haben, denn der war vom Liegestuhl verschwunden – und tauchte trotz intensiver Suche im feinen Sand nicht mehr auf. Aber ein Blick in die unschuldigen Augen von "Drago" verriet, dass sie es niemals gewesen sein konnte.

Abends erzählte die Australierin chinesischer Abstammung, dass sie einen neuen Schlüssel bekommen hat. Wir lauschten gespannt ihren Erzählungen über ihr Heimatland. Seit Jahren träumen wir davon, einmal Australien und Neuseeland zu bereisen. Dafür erfuhren wir von ihr, dass es ihr Traum wäre, einmal München und das Oktoberfest zu erleben. Es ist verrückt, wir liegen am thailändischen Traumstrand – und reden schon wieder von künftigen Urlaubsplänen, anstatt den Augenblick beim Meeresrauschen wunschlos glücklich zu genießen. Nur Bert hatte ihn in diesem Moment verinnerlicht. Er war im Liegestuhl zufrieden und vom Seafood-Abendessen wohlgenährt eingeschlafen. Die Stimmen rundum, selbst seine heute plötzlich keinerlei Reaktion mehr zeigende Digitalkamera, alles war plötzlich ganz weit weg – wie wir an dem das Rauschen der Brandung und das Gewirr unserer Stimmen ergänzenden Schnarchton aus seiner Richtung hören konnten.

                                                               

27.01.2007 – 12. Tag: Von Coral Island zurück nach Phuket Pastis in Thailand & 'Nampau'-Schlemmerabend

Vielleicht schaute er uns ja von irgendwo her zu. Heute hätte er seinen 89. Geburtstag gefeiert – mein Vater. Würde er noch leben, säßen wir mit Sicherheit nicht hier auf Coral Island und würden auf den Rücktransfer zum Bangtao Beach Resort & Spa im Best Western Premier auf Phuket warten. Die zwei Tage hier haben uns gefallen und völlig ausgereicht. Die einhellige Meinung unter uns vier war: 'Gesehen – schöne Zeit gehabt – abgehakt – muss nicht noch einmal sein – ein Tag hätte auch gereicht'. An der Chalong Bay legten wir mit dem Boot wieder auf Phuket an, die schweren Koffer wurden vom Bootsführer und seinem Helfer vom Schnellboot an Land gehievt. Der Bus wartete schon. Vor uns saß eine junge Familie mit 2 hübschen Töchtern, wie sich bei einem netten Gespräch herausstellte Dänen, er ist Pilot bei der Skandinavischen Fluggesellschaft SAS. Über freies Kontingent konnten sie hier nach Thailand reisen. Der Abstecher nach Corel Island wird vor allem ihm nicht in allerbester Erinnerung bleiben. Auch er hatte nach dem Seafood-Genuss am Vorabend die ganze Nacht hindurch mehr auf der Toilette als im Bett verbracht und sah entsprechend noch leicht mitgenommen aus. Seine Frau versuchte ihn so weit wie möglich zu entlasten, indem sie die beiden agilen Mädels im Zaum und in Sicherheitsabstand zum Vater nahe bei sich hielt.

Als wir wieder in unserem Hotel ankamen, das wir 2 Tage zuvor verlassen hatten, freuten wir uns über den vertrauten Anblick und das fröhliche Willkommenshallo an der Rezeption. Unsere Zimmer waren nur wenige Meter von der ersten Unterkunft entfernt, wieder zum Pool raus. Bei einem kurzen Spaziergang durch den Ort sprach uns vor einer kleinen Baustelle – wo eine Hütte im gleichen Stil errichtet wurde wie schon 2 bestehende links davon – ein schlanker braungebrannter Mann mit 3-Tage-Bart an. Wie sich herausstellte war es ein Kanadier, der sich hier vor 2 Jahren niedergelassen hatte. Er erzählte uns, dass ergänzend zum Restaurant nebenan ein Verkaufsshop entsteht für alle möglichen Gebrauchsutensilien, die Touristen benötigen, aber auch für Außergewöhnliches wie Zigarren, die hier in weitem Umkreis ansonsten nicht zu bekommen seien. Er lud uns ein, am Abend doch zum "All you can eat" für 250 Baht in sein Restaurant zu kommen – und wir reservierten gleich, da uns die gemütliche und einladende Atmosphäre gefiel. Auf dem Rückweg wollten wir im Internetcafé noch kurz online gehen. Aber im einzigen Computer war beim Internet Explorer die Eingabezeile für die Internetadresse verschwunden. Die Thailänderin, die hier scheinbar in den hinteren Räumen wohnt, telefonierte hektisch, aber nichts ging. Wir verabschiedeten uns auf später und spazierten wieder zurück zum Hotel, mit einer Flasche französischem Pastis, die wir hier in einem kleinen Verkaufsladen gefunden hatten – im Gegensatz zum Duty Free Shop in München, wo die Suche nach Pernod oder Ricard vergeblich geblieben war. Überhaupt war der Duty Free Shop in München vom Angebot her ziemlich enttäuschend und von allen, die wir auf unserer Reise besucht hatten, derjenige mit der geringsten Auswahl.

Nach ein paar Runden im Pool war es schon wieder Zeit für’s reservierte Lokal. Ein paar dunklere Wolken hatten sich am Himmel ins vom Sonnenuntergang noch rötlich schimmernde Abendblau der Dämmerung geschoben, als wir starteten. Gut, dass wir am Nachmittag einen schönen 4er Tisch bestellt hatten. Er wirkte wie eine kleine überdachte und mit Palmenwedeln belegte Hütte. Von hier aus konnten wir das gesamte Lokal überblicken. Es war – im Gegensatz zum Restaurant im nahegelegenen Hotel – komplett besetzt. Scheinbar hatte sich schon herumgesprochen, dass man hier sehr gut essen kann. Wir genossen die breite Palette des reichhaltigen und schmackhaften Angebotes, das vom am kleinen Grill richtig schön rosa gebratenen Steak über Krabben, Fisch und Scampis ging, garniert mit einer großen Auswahl an Salaten und Beilagen. Kaum waren wir bei den Früchten zur Nachspeise angelangt, bemerkten wir plötzlich ein zuerst leises, dann heftiger werdendes Trommeln auf dem großzügig unseren Tisch beschützenden Dach. Es begann zu regnen, der erste Regen seit den paar Tropfen bei der Landung auf Krabi, die schon wieder der Sonne gewichen waren, bis wir die Flughafenhalle verlassen hatten. Hier also die ersten greifbaren Regentropfen, die sich innerhalb von Sekunden zu einem heftigen kleinen Platzregen entwickelten. Nach etwa einer Viertelstunde hatte er jedoch genau so schnell wieder aufgehört wie er gekommen war – ohne Temperatursturz wie bei uns üblich.

Wie albern Erwachsene sein können, bewiesen wir mal wieder an diesem Abend, ausgelöst durch unsere fehlenden Thai-Kenntnisse. Die Bedienung hatte sich uns als Namfon vorgestellt, aber irgendwie hatten wir den Namen schon kurz darauf vergessen und baten eine andere Bedienung, uns doch Nampau zu schicken für eine neue Getränke-Bestellung. Unser Auftrag wurde umgehend ausgeführt. Sie kam zurück und stellte uns mit einem fröhlichen "Nampau" eine Flasche Wasser auf den Tisch. Wir erklärten ihr, dass wir dieses Wasser nicht bestellt hätten und doch bitte Nampau kommen solle, um eine Getränkebestellung aufzunehmen. Irgendwie verstand sie uns nicht, denn sie nickte nur Richtung Wasserflasche und wiederholte "Nampau". Erst jetzt stellte sich heraus, dass wir mit Nampau Wasser bestellt hatten und nicht die gewünschte Bedienung. Kurz darauf schien sich das ganze Personal des Lokals um unseren Tisch versammelt zu haben, Namfon inklusive und auch der Besitzer, angelockt von dem Riesengelächter von uns und den bedienenden Thais. Unsere mangelnden Thaikenntnisse, kombiniert mit unserem schlechten Namensgedächtnis, hatten für diese lustige Verwechslung gesorgt, über die Namfon und alle ihre Kolleginnen jedes Mal herzhaft kicherten, wenn sie zu uns herschauten. Wir hatten so viel Spaß zusammen, dass auch wir danach noch begannen mit deutschen Worten zu spielen und uns gegenseitig Kurznamen gaben. Plötzlich waren wir Bel und Fel, Bum und Zip. Wie albern Erwachsene doch sein können.

Satt und happy über unseren Glücksgriff mit der Restaurantwahl und den schönen und gelungenen Abend traten wir den Heimweg an. Namfon rief uns beim Gehen winkend und lachend noch einmal "Nampau" zu. Die Straße war schon wieder trocken – unter sternenklarem Himmel. Von dem kurzen und heftigen Regenguss eine Stunde zuvor zeugten nur noch wenige kleine Wasserpfützen am Straßenrand. Magdalena beteuerte mit geöffnetem Knopf am Hosenbund, dass sie am nächsten Tag nichts essen wolle – doch wenige Meter weiter kam schon die Einschränkung, höchstens die heißgeliebte "Noodle-Soup".

 

28.01.2007 – 13. Tag: Von Phuket nach Phi-Phi Island – Koffertransport – rote Nasen & Windlicht-Kreation

Um 6 Uhr kam der Weckanruf. Schon wieder Auschecken. Um 6:45 Uhr öffnete der Frühstücksraum, genau noch rechtzeitig für mein Standard-Frühstück, Scrambled Eggs mit allem, dazu noch frischer Ananassaft. Der Bus um 7:15 Uhr kam pünktlich und war – bis auf die 4 Sitze für uns – schon komplett besetzt. Am Hoteleingang schaute uns der Fahrer zuerst fröhlich lächelnd an und bat uns einzusteigen. Wir machten ihn darauf aufmerksam, dass unser Gepäck ja auch mit müsse – und er schaute ungläubig auf unsere Koffer. Der Bus hatte hinter der letzten Sitzreihe nur einen Mini-Gepäckraum, und der war bereits bis oben vollgepfropft. Da blieb nichts anderes übrig als hoch auf’s Dach und die schweren Koffer mit unserer und Hotelangestellten-Hilfe auf dem Dachgepäckständer zu verstauen. Bei jeder heftigeren Bremsaktion oder flott genommenen Kurve während der quer über die Insel führenden Fahrt zur Makham Bay waren wir gespannt, ob uns womöglich ein bekannt aussehender, trotz herrlichem Wetter tieffliegender Koffer überholt. Aber bei der Ankunft war alles noch wohl verstaut und festgezurrt. Sofort winkte der Fahrer Helfer herbei. Einmal die schweren Gepäckstücke heben und schwitzen reichte, jetzt waren die Jüngeren dran.

Sie schafften alles auf’s große Schiff, mit dem neben uns noch über 100 weitere Touristen in 1 Stunde und 20 Minuten als Massenlieferung Richtung Phi Phi Island verschifft wurden. Darunter waren auch 2 französische Pärchen aus Montpellier, die mit im Bus waren und von denen wir bei der Fahrt erfahren hatten, dass sie nur für einen Kurzbesuch von einer Stunde auf Phi Phi Islands bleiben konnten, da sie keine Unterkunft mehr bekommen hatten beim Versuch, kurzfristig über das Internet zu buchen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als kurz an Land zu gehen zum Schießen von ein paar Fotos, und dann folgte schon wieder der Transfer auf eine andere Insel, wo sie noch freie Zimmer bekommen hatten. Wir selbst waren bei der Überfahrt schon mit den Gedanken weit voraus beim Abschluss unserer Reise mit einem Tag Aufenthalt in Abu Dhabi. Bert stellte fest, dass wir "weit über unsere Verhältnisse, aber noch lange nicht standesgemäß leben". Und Abu Dhabi betreffend zeigte er plötzlich ungekannte Minderwertigkeitskomplexe und äußerte Bedenken, da wir nicht einmal einen repräsentativen Anzug dabei hätten. Den müssten wir uns unbedingt noch hier in Thailand von einem der vielen indischen Tailor maßschneidern lassen. Woraufhin Maria konterte, dass wir selbst damit in Abu Dhabi höchstens als Liftboy eine Chance hätten, etwas darzustellen. Daraufhin wechselte unser "Seemann" Bert, er hat den Bootsführerschein, lieber auf’s Oberdeck.

Nach der Ankunft in einer Bucht im Süden von Phi Phi Island (Phi Phi Don) wurden wir samt Gepäck auf ein anderes wartendes Schiff verladen, mit dem es an der herrlichen Felsenküste entlang zu unserem Resort Richtung Norden der Insel ging. Und noch einmal wurden Touristen und Gepäck auf verschiedene Longtail-Boote aufgeteilt für die verschiedenen Hotelanlagen.

Endlich bei der Anlegestelle unseres "Phi Phi Erawan Palms Resorts" gelandet, wurden wir von einem Uralt-Militär-Pritschen-Lastwagen abgeholt, eigentlich nur für’s Gepäck gedacht, aber die Mitfahrt auf der Ladefläche war kein Problem und machte Spaß, auch wenn’s nur 200-300 Meter Strecke waren und beim Start uns eine schwarze Dieselwolke umhüllte. Zwar haben wir hier von unserem großzügigen Reihenbungalow aus – im Gegensatz zu Bert und Maria – keinen Meerblick. Stattdessen blicken wir jenseits von Gehweg und Sträuchern auf eine Riesenmenge an Zementsäcken, die auf weitere Bau-Initiativen hindeuten. Aber es sind nur rund 50 Meter bis zum weißen feinsandigen Strand. 4 ½ Stunden waren wir vom Abholen im Hotel bis zum Bezug unseres Zimmers unterwegs. Verbunden mit dem frühen Aufstehen Grund genug für ein kleines Nickerchen. Als ich aufwachte, war Magdalena verschwunden. Mir war klar, sie war schon zur Inselerkundung unterwegs. Dafür erschien schon nach der ersten Buchseite Bert. Wir sprangen bei relativ ruhigem Meer kurz in die Wellen und danach auch noch in den Pool, in dem sich 7 Touristen und ein Tauchlehrer bei einem Schnelltauchkurs tummelten – in voller Montur mit Sauerstoffflaschen. Am Beckenrand erfuhr ich danach beim Gespräch mit anderen Gästen, dass diese hier richtig große an den Strand gespülte Quallen entdeckt hatten. Gut, dass ich das nach dem Sprung ins Meer hörte.

Bei Bert und im Gesicht eines mit uns angekommenen Stuttgarters zeigte sich, welche Kraft die Sonne hat. Besonders der Stuttgarter, Manfred, wie wir am Abend erfuhren, war rot verbrannt – von der Herfahrt auf dem Schiffsdeck. Gerade bei der angenehmen Meeresbrise wird hier der "Planet", wie auch bei anderen zu sehen, oft unterschätzt – und lässt insbesondere die Nase schneller, als einem lieb ist, dunkelrot leuchten wie bei 'Rudolph, the red-nosed reindeer'. Mani arbeitet in Stuttgart bei Thyssen-Aufzüge und schildert die Probleme, die es bei der Aufzugs-Konstruktion für den rund 500 Meter hohen Fernsehturm von Moskau gegeben hatte – mit einem Schwankungsspielraum von 7 Metern in der Spitze. Reibungsdämpfer mit geringstmöglichem Abrieb für die durch die Schwankungen anschlagenden Drahtseile mussten entwickelt werden, ein spezielles Holz erwies sich als beste Lösung – und auch die Beheizung war eine Herausforderung. Immer wieder erfährt man Interessantes, so auch von einem jüngeren Pärchen aus Neuötting, dass nämlich ihr Ort ursprünglich älter sei als der benachbarte und bekanntere Wallfahrtsort Altötting, im September 2006 erst Ziel von Papst Benedikt XVI. Erst nach einem Großbrand und Neuaufbau habe Neuötting den heutigen Namen bekommen.

Abends wählten wir im kleinen Strandlokal neben der Hotelanlage wieder unsere geliebten Standard-Essen, Bert Fisch, Maria Spring-Rolls, Magdalena Fried Rice und ich Phad Thai. Schnell essen war angesagt, denn vom Meer her wehte eine kräftige Brise. Sie ließ eine auf dem Tisch stehende Kerze kräftig flackern, obwohl diese geschützt war durch eine durchsichtige Plastik-1-Liter-Flasche, die oben abgeschnitten und mit dem feinen Sand vom Strand gefüllt worden war. Die darin fixierte rote Kerze wurde von einem weiteren darüber gestülpten, oben und unten abgeschnittenen und rund um die Kerze in den Sand gedrückten etwas kleineren Plastikflaschen-Rumpf vor dem Wind abgeschirmt. Mit einfachsten Mitteln Optimales kreieren – herrlich. Das demonstrierten auch die zahlreichen einheimischen Kinder am Strand, die sich mit Planen Zelte bauten und vor dem blasenden Wind schützten. Währenddessen ließ sich eine kleine magere Katze von Magdalena mit kleinen Fischresten füttern. Anschließend genoss sie auf dem Schoß von Manni’s Frau ein paar Streicheleinheiten, um plötzlich ansatzlos mit einem Sprung zu etwas viel Interessanterem zu starten, zum Jagen und "Spielen" – zumindest aus der Sicht der Katze – mit einer sich durch den Sand quälenden Kakerlake. Als sie danach liebesbedürftig bei unseren Tisch-Nachbarn versuchen wollte, sich einzuschmeicheln, jagte sie der deutsche Familienvater entsetzt aus der Nähe des Kinderwagens weg, fauchte etwas von Flöhen usw., während die etwa fünfjährige Tochter mit "Die arme Katze" ganz traurig der davonschleichenden Mieze nachschaute.

Auf Bert’s Balkon gönnten wir uns zusammen mit den Stuttgartern noch ein Gläschen. Jeder hatte etwas anderes zum Trinken, von Wein über Mekong-Whiskey, Wasser, Pastis bis hin zu meinem Averna. Gegen 22 Uhr zogen wir uns dann alle auf die Zimmer zurück. Endlich kam ich dazu, meinen 400-Seiten-Thriller auszulesen. Magdalena freute sich, denn auch sie war mit ihrem Buch fertig – und so konnten wir schön tauschen.

 

29.01.2007 – 14. Tag: Phi Phi Island – Tsunami-Spuren – Ölkanister im Wasser – Moskito-Massage & Ananas

Die erste Stimme, die uns heute Morgen aus unseren Träumen herausriss, war die von Bert. Draußen vor dem Bungalow posaunte er ein fröhliches "Wer früh aufsteht kann früh stücken" heraus – wir schliefen trotzdem weiter. Bert und Maria, die Stuttgarter und die Neuöttinger hatten sich ein Boot für heute gemietet und waren für gut 4 Stunden damit unterwegs. Wir ließen es mit spätem Frühstück und Lesen geruhsam angehen. Um 14 Uhr, als die anderen schon wieder zurück waren, starteten wir zu einem Spaziergang und Magdalena zeigte mir ihre Inselerkundungen von gestern. Nach einem halbstündigen Weg, erst am Strand mit herrlich und pittoresk wirkenden abgestorbenen Baumstümpfen und -wurzeln und dann an den Felsen entlang erreichten wir eine kleine Aussichtsplattform mit herrlichem Blick auf die Lana Bay. In die Bucht schmiegt sich idyllisch das Lagoon-Resort mit kleinen luxuriösen und sich trotzdem fast unsichtbar in die Natur integrierenden Bungalows und einer herrlichen Swimmingpool-Landschaft. Im Vergleich zu dieser Anlage wirkte unser Erawan Palms Resort eher wie eine hübsche, aber locker 2 Kategorien weiter unten einzustufende Doppel- und Reihenhaussiedlung. Blieb aber die Frage, ob sie hier auch so einen exklusiven Weckservice haben wie wir im Erawan mit unserem eigenen Resort-Hahn, der im Morgengrauen zusammen mit den Vögeln seine raue krächzende Stimme erschallen lässt mit kräftigen frohlockenden Weckrufen im 15 Sekunden-Rhythmus? Wahrscheinlich nicht.

Gerade landeten neue Besucher in der Bucht, angeliefert mit einem kleinen Schnellboot mit Sonnendeck. Wie wir am Tag zuvor wurden auch sie mit einem Pritschen-Jeep abgeholt, aber mitten im seichten Wasser – bei Ebbe. Wir folgten unserem Gehweg, der plötzlich vom staubigen Trampelpfad überging in eine mehrfarbig und mit abwechselndem Muster aufwendig gepflasterte Promenade. Ob hier wohl noch ein paar Baht an Tsunami-Spenden übrig waren, die passend zum noblen Hotel-Umfeld angelegt wurden. Je weiter allerdings die Hotelanlage beim Weiterspazieren entfernt war, um so ungepflegter wurde das Pflaster, nicht vom Dreck, sondern von den Pflastersteinen her. Sie waren jetzt, obwohl sichtbar ziemlich neu, teilweise schon halb zerbrochen oder über hohlem Untergrund bereits total locker und an mehreren Stellen eingebrochen. Es vermittelte den Eindruck, dass hier nur mal auf die Schnelle – auch im Interesse des benachbarten Luxus-Resorts – aber nicht wirklich professionell der gepflasterte Weg für's Auge als Schauobjekt angelegt wurde. Aber dann lässt man die neue Errungenschaft verkommen, weil sie nicht wirklich im Sinne der Einheimischen ist und diese gar keinen richtigen Sinn darin erkennen, der sie dazu bewegen könnte, sie auch entsprechend zu pflegen. Schade.

Dieser Eindruck drängte sich auch unterwegs immer wieder auf, weil in den kleinen stehenden Gewässern hinter der so noblen Lagoon-Hotelanlage reihenweise die Ölkanister im Wasser lagen. Entlang des gepflasterten Weges und auch vorher des Pfades von unserem Strand hierher passierten wir immer wieder auch kleine, zum Teil stinkende Abfall-Halden mit Unrat, einfach achtlos in die Landschaft geworfen. Ich hatte eigentlich erwartet, der Tsunami hätte mehr Bewusstsein für die Natur zur Folge gehabt. Seine verheerende Wirkung war hier im Hinterland noch deutlich sichtbar. Eine ganze Schneise mit geköpften Palmen zeugte ebenso davon wie im dicht bewachsenen Hinterland die Trockenbeete mit den teils noch entwurzelten Bäumen mittendrin. Unzählige Warnschilder entlang des Weges zeigten die Entfernung und die Richtung zur nächsten sicheren Erhebung, auf die man sich vor dem Wasser flüchten kann. Hinter dem Lagoon-Resort erinnerte auch ein Mahnmal an die Katastrophe vom 26. Dezember 2004.

Wie hindrapiert wirkte das nur wenige Meter entfernte Sportboot, hier, mindestens 300 Meter im Landesinneren. Es war nur eines von vielen noch belassenen Booten, die von der Todeswelle auf die Insel geschleudert wurden.

Über eine kleine, fast größenwahnsinnig und geldverschwenderisch wirkende Brücke im Stil einer "Mini-Golden-Gate" gelangten wir hinter dem Lagoon-Resort wieder zum bekannten gepflasterten Weg. Links hatte sich eine Thailänderin mit ihrem kleinen Lokal und ihrem Thai-Massage-Angebot angesiedelt. Wir nahmen ihre Offerte an. Magdalena genoss die Massage. Ich dagegen konnte das parallele Kneten der nur Minuten später eingetroffenen Schwester nicht wirklich entspannt auf mich wirken lassen. Mal wieder wurde ich umschwirrt von Moskitos. "Moskitos loves you", säuselte mir meine mich kraftvoll knetende Masseurin lachend entgegen, während ich nervös und gereizt zuckend auf jedes Summen und jede Moskito-Landung reagierte. Von der Seite hörte ich Magdalena mal wieder sagen: "Das gibt’s doch gar nicht. Das kann doch gar nicht wahr sein." Aber als sie sah, wie ich permanent attackiert wurde, legte sie mir schnell ihr Hemd als Schutz über meine schon fertig gekneteten Beine und Füße. So geschützt waren es hinterher wenigstens nur 10 angeschwollene und juckende Einstiche, die mal wieder bewiesen, dass ich nicht unter Moskito-Verfolgungswahn litt.

Jedenfalls hätte ich mir diese Massage locker schenken können. Statt Entspannung war das Ergebnis anschließend eine Optik wie ein Streuselkuchen ohne jeglichen Relax-Effekt. Aber dennoch blieben wir noch zum Essen, das während der Massage schon vorbereitet worden war – Singha Beer und Fried Noodles für Magdalena, sowie, was sonst, Phad Thai für mich, heute mit großen Shrimps. Wie nahezu immer schmeckte es – auch, weil ich inzwischen bestmöglich geschützt war. Um in Ruhe essen zu können, wickelte ich meine Beine von den Füßen bis zur Hüfte in ein Handtuch ein, das wir zum Draufsetzen am Strand mitgenommen hatten. Zusätzlich rauchte zwischen den Sandalen aus der speziell dafür bereitstehenden Dose eine angezündete Anti-Moskito-Spirale. So blieb den Biestern nichts anderes übrig, als mich ersatzweise am Arm und durch die Hose im Gesäß anzuzapfen. Halb "blutleer" trat ich mit Magdalena, die keinen einzigen Stich abbekommen hatte, den Rückweg an.

Gerade noch rechtzeitig erreichten wir bei hereinbrechender Dämmerung die kleine Einheimischen-Wohnanlage neben unserem Resort – und ließen uns zum abschließenden Genuss noch eine frische Ananas aufschneiden. Schnell war die ganze Familie um uns rum versammelt, während eine Frau die Ananas sauber von jedem Rest der Schale befreite und zerteilte. Mit Händen und Füßen, ein paar Worten auf Englisch und unserem aus 4 Worten bestehenden thailändischen Wortschatz hatten wir eine angeregte Konversation. Als wir mit Bye-Bye und den Kindern winkend auf unser Resort zusteuerten, kamen uns Bert und Maria mit hungernden Mägen entgegen. Sie waren auf dem Weg zum Restaurant von gestern Abend.

Wieder im Zimmer angekommen begannen wir zu lesen, als kurz darauf von draußen im Dunkeln eigenartige Motorgeräusche – wie von einem Rasenmäher oder Laubsauger – zu hören waren. Ich ging hinaus und erblickte 2 Thais, der eine mit Taschenlampe, der andere mit einem laubsauger-ähnlichen geschulterten Gerät mit Motor und nach vorne gerichtetem langem Rohr. Daraus versprühte er über eine Düse – dem Taschenlampen-Lichtstrahl des anderen folgend – eine dicke weiß aufqualmende Substanz. Sie baten uns, in die Zimmer zurück zu gehen. Zwar wurde hier wahrscheinlich Umwelt-Gift in Reinkultur verspritzt, für mich war es dennoch nach der gerade mal eine Stunde zurückliegenden Erfahrung eine wohltuende Beruhigung meiner moskito-strapazierten Nerven. Jetzt machte das Lesen umso mehr Spaß. Später brachte mir Maria noch etwas zum Einreiben gegen die Stich-Schwellungen. So toll um- und versorgt klang auch dieser schöne Tag harmonisch aus. 

 

30.01.2007 – 15. Tag: Von Phi Phi Island nach Phuket Patong Beach Chemie-Keulen Nachtleben & Ladymen

Nachdem Magdalena am Abend zuvor schon um 22 Uhr Buch und Augen geschlossen hatte, war sie heute bereits vor 7 Uhr unruhig, genau so wie unser vertrauter Resort-Hahn draußen. Erneut geweckt wurde ich gegen 8:30 Uhr durch ein 'déjà-vu'- beziehungsweise 'déjà-entendu' (schon-gehört)-Erlebnis und die Worte von draußen: "Frühstück – früh stücken". Bert war wieder unterwegs. Nach dem gewohnten Frühstück, so viele Scrambled Eggs habe ich mein ganzes Leben noch nicht gegessen wie in diesem Urlaub bisher, packten wir freiwillig unsere Reisetaschen und verließen früher als zur vorgegebenen Zeit von 11 Uhr das Zimmer. Draußen war jetzt nämlich eine ganze Heerschar von Unkraut- und Ungeziefer-Vernichtern unterwegs, die einen mit kleinen Atemschutzmasken, die anderen ungeschützt oder wie die Aufseherin der Arbeiten nur mit dem Notizbuch vor der Nase. In das trug sie immer wieder den Fortgang der sich selbst im Zimmer noch unangenehm auf den Atem legenden Aktion ein, während die Arbeiter mit Kompressor, Schlauch und einer herausstäubenden klaren Flüssigkeit jede Pflanze und jede Nische rund um die Bungalows ausspritzten. Ich schätze mal, das war nicht nur für die Gejagten, sondern auch für die Jäger alles andere als gesund.

Deshalb ließen wir uns nach dem Verstauen des Gepäcks in der Rezeption lieber möglichst weit entfernt vom Kompressor-Dröhnen und Gestank am Pool nieder. Auch hier geschäftiges Treiben. Der Pool wurde gesäubert und neben neuem Wasser auch eimerweise mit Chemikalien gefüllt. Da sah man erst einmal, welche Mengen sich in dem herrlich klaren Wasser verbergen. 20 Meter weiter im Meer die lauernden Feuerquallen, hier die Chemie. Am Bein die immer noch total roten Zeugnisse der Feuerquallenattacke, mittlerweile breitflächig rot entzündet und angeschwollen. Dazu auch noch die immer zahlreicher werdenden und anfangs auch deutlich spürbaren, am ganzen Körper verteilten Mückenstiche – irgendwie wankten an diesem Morgen etwas meine Ideal- und Traumvorstellungen vom unbeschwerten Urlaub am Meer.

Beim abschließenden Blick von der offenen Terrasse des Strandrestaurants auf die Traumkulisse am Strand war das "Selbstmitleid" aber ganz schnell wieder verflogen. Das reine Paradies gibt's wohl nirgends. Und so wichen diese Gedanken ganz schnell wieder beim Anblick all der vielen schönen kleinen Dinge, die überall zu entdecken sind, wenn man nur will – und die Augen und Gedanken dafür offen sind. So wurde mein Blick in diesem Moment durch einen Vogel abgelenkt, der hier häufig zu finden ist - und keinerlei Scheu kennt. Es ist sozusagen ein kecker "Trauminsel-Sperling", der von Scheu noch nie etwas gehört zu haben schien. Auf der Suche nach Wohlstandskrümeln hüpfte er zuerst mehr oder weniger erfolglos um uns rum, um anschließend gemütlich auf die Bank neben uns zu flattern, neben eine hier deponierte kleine Skulptur, deren Füße aus 3 Elefanten-Köpfen bestand und von den Rüsseln getragen wurde.

Pünktlich um 13:00 Uhr kam das kleine Longtail-Boot, um uns zum Zubringerschiff, das in der Bucht schon wartete, überzusetzen, kurz danach gefolgt von einem weiteren Boot mit unserem Gepäck. Mit diesem Schiff passierten wir wie auf der Herfahrt die größtenteils felsige Steilwandküste. Während dieser Fahrt stellte sich heraus, dass offensichtlich auch die Moskitos das Boot zum Transfer benutzen, um nicht quer über die Insel fliegen zu müssen. Und wie es schien, hatten sie die vorderen Plätze gebucht, auf denen wir ihnen jetzt in die Quere kamen und ihre Ruhe störten. Um dies kund zu tun, suchten sie sich mich – wen sonst – als ihren Kommunikationspartner aus, und so waren plötzlich alle rundum von meiner Anziehungskraft auf Stechmücken überzeugt und baten mich, mir doch einen anderen Platz zu suchen. Sie umkreisten mich anfangs wie eine Wolke, kannten aber meine Beharrlichkeit, wenn ich mal sitze und vor allem meine inzwischen schon erstaunlich perfektionierte Treffsicherheit beim Händeklatschen nicht. Für die Mitreisenden weiter hinten musste es aussehen, als würde ich vorne ständig spontan irgendeiner imaginären Quelle meiner Begeisterung durch einmaliges Zusammenschlagen meiner Hände Beifall spenden, zum Teil dabei wie von der Tarantel gestochen vom Sitz hochschnellend. Aber das war mir egal. Ich erwischte sie fast alle, bevor sie mich erwischten, bis wir in der gleichen Bucht wie beim Schiffe-Wechsel auf der Herfahrt das Passagierschiff für die Rückfahrt nach Phuket trafen und an ihm anlegten.

Der leicht schaukelnde Transfer von Passagieren und Gepäck auf dieses Schiff vollzog sich wie auch bei den Wechseln zuvor fast wortlos und routiniert, jeder Griff der jungen drahtigen Thais, die mit nicht zugetrauten Kräften die teils über 30 kg schweren Gepäckstücke von einem Schiff auf das andere hievten, saß. Aber bis zum Start dauerte es noch eine Stunde, weil wir noch weitere Reisende aufnehmen mussten, mal von einem weiteren großen Passagierschiff, mal von kleinen Longtailbooten angeliefert. Schon bald, nachdem wir Fahrt aufgenommen hatten, bemerkten wir im Unterdeck nicht nur gewaltigen Dieselgestank, sondern eine damit einhergehende sich über den ganzen Raum ausbreitende blau-transparente Nebelwolke. Viele schliefen, wobei es nicht ersichtlich war, ob wegen normaler Müdigkeit oder wegen des Sauerstoffmangels schon halb vergiftet. Wir zogen es vor, lieber oben an Deck frische Luft zu schnappen, auch wenn wir es dort auch nicht lange aushielten, da es – trotz der angenehmen Brise vom Fahrtwind – vor der intensiv spürbaren kräftig herunterbrennenden Sonne so gut wie kein Entrinnen gab. Zwischen der Wahl Sonnenbrand und Dieselgestank-Vergiftung pendelten wir eindreiviertel Stunden bis zur Ankunft in der Makham Bay.

Der Bus wartete schon für den Transfer zum "Sea View Hotel" an der Patong Beach. Wir durchquerten die Insel, erlebten den Rushhour-Verkehr von Phuket-City und das quirlende Gewusel von Patong, bis wir ganz links am äußersten Ende der Bucht unser Hotel erreichten, dort wo der Verkehr in einem Kreisel wieder neuen Anlauf für die Rückfahrt ins bunte Treiben der Patong Beach nimmt. Wenn es überhaupt ein einigermaßen ruhiges Eck geben konnte in diesem Zentrum von Verkehr in jeder Hinsicht, von Handel und Geschäft, sowie von Menschen, die hier kompakt versammelt nach der Erfüllung ihrer Wünsche und Sehnsüchte suchen, dann auf dieser etwas abgelegen und doch nur Minuten vom Zentrum entfernten Seite der Patong Beach.

Als wir unser Zimmer oben im 4. Stock betraten, wich die Freude schnell großer Enttäuschung, denn es war nicht das, was wir gebucht hatten, ein Zimmer mit schöner Aussicht auf’s Meer und Balkon, es war eine kleine Kammer unter dem Dach, der Blick auf’s Meer beschränkte sich auf einen kleinen Spalt durch die Dachgiebel-Vorsprünge und war auch in dieser eingeschränkten Version noch verdeckt von einer ausladenden Palme. Als wir die Thailänderin von der Rezeption, die uns begleitet hatte, sofort darauf ansprachen, hörten wir wieder die Worte, die uns schon vertraut waren: "Sorry, we are fully-booked." Wir untermauerten unseren Wunsch, ein Zimmer wie gebucht zu bekommen – und das wurde uns daraufhin auch für den nächsten Tag versprochen. Also packten wir erst gar nicht groß aus und starteten schon kurz darauf zum Spaziergang am Meer entlang ins Zentrum. Dort suchte ich umgehend ein T-Shirt mit der Aufschrift "No Thank You", auf das ich immer hätte zeigen können auf dem Weg hierher bei den etwa 50 Taxi-Angeboten in den 15 Minuten. Es gab viele T-Shirt-Angebote, sehr viele, unglaublich viele – aber kein "No Thank You"!

Die Patong-Beach glitzerte uns wie eine Mischung aus Las Vegas und Reeperbahn entgegen und war kaum noch wieder zu erkennen im Vergleich zu unserem letzten Besuch hier vor 4 Jahren. Der dazwischen liegende Tsunami vom 26.12.2004 hat offensichtlich die meisten kleinen Händler von den attraktiven Plätzen vertrieben und sie – sicherlich unfreiwillig – großen, zum Teil internationalen Handelsketten Platz machen lassen – wie zum Beispiel 'Starbucks Coffee'. Auch beim Seafood-Market kein kleiner Satee-Händler mehr, der sich am rechten Marktrand noch reingepfercht hatte mit seinem Grill, ein paar Plastikhockern und 2 kleinen Blechtischen – und damit auch keine hervorragende Satee mit Erdnuss-Butter mehr als Alternative zum Fisch. So ließ ich mir halt mal wieder Phad Thai, diesmal mit Shrimps schmecken, während die anderen das Sea-Food-Angebot und Springrolls bevorzugten. Die Nachspeise folgte schon wenige 100 Meter nach Antritt des Rückweges in einer Eisdiele mit sehr gutem Malaga- und Amarena-Eis.

Von der Rat-U-Thit Road mit K-Hotel und Seafood-Market, aus der wir gerade gekommen waren, bogen wir rechts in die Bangla Road, die eigentliche Hauptstraße, die runter zum Meer und zur Patong Beach führt. Dass hier das Leben tobt, ahnte man schon beim Einbiegen in die Straße mit einem Blick nach oben. Hunderte von Elektrokabeln bahnten sich ihren Weg über die Straße. Der arme Elektriker, der hier bei einem partiellen Stromausfall nach dem Fehler suchen muss. Schon beim Einschwenken in die Bangla Road erhöhte sich der Geräuschpegel um uns rum deutlich. Diese Straße ist ein einziger Laufsteg zum Sehen und Gesehenwerden, ein Hort von Geld-Haben und Geld-Haben-Wollen, ein Umschlagplatz von Kaufen und (Sich)Verkaufen. Hier auf der Animier- und Rotlichtmeile Phukets spricht die Anmache der Männer inzwischen auch offiziell nicht mehr nur die Heteros an – wie am großen Schild an einer Bar zu sehen: "Warm Aussies Welcome". Aber natürlich überwogen bei weitem die Girls, die teils mit voll engagiertem Körpereinsatz, teils mit gelangweilt herausgeseufztem "Please Come In" versuchten, zum Bleiben und Konsumieren in "Ihrer" Bar zu animieren. Auch das Table-Dancing wirkte, nüchtern betrachtet, wozu hier allerdings allem Anschein nach nicht mehr jeder in der Lage war, nicht wirklich anmachend. Und sobald man auch nur in die Nähe einer sich oft auch als  Ladyman herausstellenden Tänzerin kam, die sich zum Teil auch mit ihren aufgespritzten und unnatürlich künstlich wirkenden Brüsten barbusig zeigten, forderte eine eindeutige Handbewegung in den Bikiniausschnitt oder auf's Höschen nach Geldscheinen – von einem langgezogenen "Pleeeaaaassse" begleitet. Spätestens jetzt wurde auch dem Letzten klar, dass hier keine Sekunde vergeudet wird beim Versuch, das schnelle Geschäft zu machen im Kampf gegen all die Konkurrenz rundum.

Bei einem kurzen Stopp und Drink an einer Bar erblickten wir immer wieder Ladymen, die sich stolz und über-feminin bewegend durch diese rechts und links von Bars gesäumte Gasse schlängelten, ohne im geringsten die vielen Thai-Girls hier auch nur eines Blickes zu würdigen. Überwiegend wirkten die Ladymen hübscher als die meisten der armen Mädchen hier, die alle darauf warten und hoffen, ebenfalls etwas von dem "Touristen-Kuchen" abzubekommen und einen Lover zu erhaschen, und sei es auch nur für eine Nacht. Das ganze Flair wirkt aber im Vergleich zum letzten Besuch vor vier Jahren etwas zurückhaltender. Dazu hat wohl auch die Sperrstunde um 2 Uhr beigetragen und die Androhung von Lizenzentzug bei allzu freizügigen Animier-Versuchen. Angenehm ist auch, dass hier inzwischen die "Singles auf Ausschau" ebenso normal sind wie Pärchen, die nur einmal dieses Flair erleben und genießen wollen. In den Rotlichtvierteln in Hamburg oder Frankfurt wäre eine solche Toleranz nahezu undenkbar.

Maria drängte auf Aufbruch Richtung Hotel. Ihr war all dieser Trubel und diese Anmache eher unangenehm und inzwischen zuviel. Sie sehnte sich "zurück auf die Insel". Unterwegs verschafften wir einer jetzt um 1 Uhr gerade zusammenpackenden Händlerin noch ein letztes Baht-Knistern im Geldbeutel mit dem Kauf von ein paar kalten Bacardi-Squeezer-Flaschen – und beschlossen an einem Tisch in unserer zu dieser nächtlichen Stunde einsam und verlassen daliegenden Hotel-Gartenanlage mit diesem Schlaftrunk mal wieder einen erlebnisreichen Tag.

 

31.01.2007 – 16. Tag: Phuket - Patong Beach erlebnisreiche Busfahrt – Einkaufszentrum & Phad-Thai-Reinfall

Nach erholsamem Ausschlafen und gemütlichem Frühstück lassen wir es heute ruhig angehen. Bert und Maria sonnen sich und ruhen am Swimmingpool der Hotelanlage, wir genießen den kleinen Balkon bei unserem neuen Zimmer ein Stockwerk tiefer, in das wir nach dem Frühstück umziehen konnten. Um 11:30 Uhr wartete die Agentur-Vertreterin Monique Fiedler wieder im Foyer. Bert und ich schilderten ihr kurz, was wir seit unserem letzten Treffen in Bangtao erlebt hatten und dass die Organisation bisher hervorragend und minutiös abgelaufen war, bis auf das kleine Problem hier mit den falschen Zimmern für die vergangene Nacht. Sie sprach daraufhin kurz mit dem Hotelmanager – und kehrte mit der Einladung für ein Abendessen hier im Hotel als Entschädigung zurück. Ein Superservice ohne große Worte.

Schlafen, lesen, am Pool faulenzen, jeder relaxte auf seine Art bis zum Nachmittag. Dann machten wir uns auf den Weg zum Fantasy Central, einem großen, absolut nach westlichem Standard – und meistens auch nach westlichen Preisen – ausgerichteten Riesenkaufhaus in Phuket City. Als Transportmittel dorthin wählten wir den etwa 200 Meter vom Hotel entfernt startenden großen Bus, ausgestattet mit 2 durchgehenden schmalen Sitzbänken rechts und links und einer zusätzlichen in der Mitte – mit Einstieg auf der Rückseite. Wir verteilten uns gleich nach dem Einstieg auf beiden Seiten, merkten aber schon bald, dass dies nicht die beste Strategie gewesen war. Ständig stiegen neue Fahrgäste zu, fast nur Einheimische, die der langsam an der Patong-Beach entlang schleichende Bus einsammelte. Der Kontrolleur scheuchte alle Fahrgäste immer weiter vom Einstieg hinten weg nach vorne Richtung Fahrerkabine, damit Neueinsteiger sich nicht durch die beiden schmalen, Knie an Knie gesäumten Gassen quälen mussten. Gepäck wie Schachteln mit Eiern, kleine Koffer oder Plastikbeutel wurden hinten gleich auf beiden Seiten unter den Sitzen verteilt. 2 ältere Frauen packten auf der Mittelbank ihre in einer Plastiktüte mitgebrachten Erdnüsse aus, begannen sie genussvoll zu knabbern und verteilten sie auch an die seitlich und vor ihnen sitzenden Nachbarn. 3 Sitze weiter hatte währenddessen ein Thai einen kleinen, flachen, rechteckigen, mit 2 Klappspangen verschlossenen Metallkoffer geöffnet, in dem sauber aufgereiht und mit Gummibändern fixierte Glücks-Lose sichtbar wurden. Er fand 2 interessierte Mitreisende, die ihm einige seiner im Fahrtwind flatternden und das große Glück verheißenden Papierschnipsel abkauften. Hinterher landeten sie dann meistens achtlos und enttäuscht weggeworfen im Straßenstaub. Sobald wir die Patong Beach verlassen hatten, begann der Bus schwerfällig den kleinen Bergkamm Richtung Phuket City zu erklimmen, dabei dichte schwarze Dieselwolken hinter sich ausstoßend. Je steiler die Straße wurde, desto dichter wurden die dunklen Dieselschwaden zwischen uns und den nachfolgenden Autos und Mopeds. Verkehrsteilnehmer müssen hier hart im Nehmen sein. Jetzt, nachdem das Aufsammeln beendet war, schlängelte sich der Schaffner durch das Gewirr von auf beiden Seiten den Durchgang versperrenden Kniescheiben und kassierte von jedem den Fahrpreis von 20 Baht, auch widerspruchslos von einem jungen Mann, der keinen Platz mehr im Fahrgastraum gefunden hatte und deshalb hinten auf einem kleinen Podest beim Schaffner stehen und sich an der auf Hochglanz polierten Chromleiter rauf auf’s Dach festhalten musste. Kaum über dem Berg, begann der Bus langsam seine Ladung wieder auszuspeien. Als wir das 'Fantasy Central'-Einkaufszentrum erreicht hatten, sagte uns der Schaffner Bescheid. Er hatte uns zuvor auf unsere Frage, wann der letzte Bus zurück fährt, aufgeklärt, dass dies um 18 Uhr sein wird. Nachdem es jetzt schon 17:30 Uhr war, blieb also nur die Option Taxi oder Tuk-Tuk, da wir nicht von einem 20-Minuten-Sprint durch die Einkaufspassagen ausgingen.

Weiter als bis zum ersten Restaurant schaffte es der inzwischen sich aufbäumende Hunger bei keinem von uns. Im Pizza-Hut stärkten wir uns mit einer kleinen Mini-Pizza von ungefähr 15 Zentimeter Durchmesser, die reichlich mit Seafood belegt war. Jedes Paar teilte sich eine Pizza. Wir trennten uns und stellten nach 2 ½ Stunden Bummeln über die Verkaufsetagen fest, dass wir diese Zeit auch gebraucht hatten, obwohl nur mit Kleinigkeiten in der Einkaufstüte zurückgekehrt. Leicht frustriert musste ich feststellen, dass dieses in Reise-Führern als Einkaufsparadies angekündigte Kaufhaus in punkto Schuhkauf meine Paradiesvorstellungen nicht erfüllte. Bei Größe 39-40 war Asien für mich bisher immer Schlaraffenland pur mit einer Auswahl, die bei meiner Größe immer das breiteste Angebot präsentiert hatte. Anders hier. Die Größen begannen bei groß ausfallenden 40er Schuhen, zum Teil bei 41. Als ich fragte, wo der Thaishop wäre, in dem die kleinen Verkäufer mit meist kleineren Füssen als ich ihre Schuhe einkauften, lachten sie nur mit den Worten: "Not here, sir, sorry" bzw. in Lautschrift: "Not hil, sil, solly".

Im Lebensmittel-Supermarkt kaufte Bert eine Flasche Rotwein. Als wir uns auch eine holen wollten für den Abend, kam Bert schon von weitem winkend auf uns zu und hielt uns nach 5 Minuten Anstehen an der Kasse gerade noch rechtzeitig vom Kauf ab. Die angezeigten Preise waren Preise mit Kundenkarte, die wir nicht hatten. Und so kostete der Wein in Wirklichkeit deutlich mehr als ausgezeichnet war. Rückgabe war auch nicht möglich, erklärte uns die Verkäuferin mit den Worten: "No return for each article." Aber sie könne uns jetzt eine Kundenkarte ausfüllen, falls wir mit den besseren Konditionen noch etwas kaufen möchten. Wir verzichteten und ließen uns in einem top-gepflegten Taxi, einem 10 Jahre alten Volvo mit 300.000 Kilometern, wie der etwa 65-jährige Fahrer stolz erläuterte, für 300 Baht wieder zurück zum Hotel fahren.

Mitten in Patong in der Rat-U-Thit Road beschlossen Magdalena und ich kurzfristig auszusteigen. Als Erstes führte ich Magdalena um die Ecke in die Sawatdirak Road zu einem Haus mit dem Schild "Bakery". Hier hatten wir vor 4 Jahren täglich gefrühstückt bei Monsieur Philippe, der damals ankündigte, dass er im folgenden Jahr hier weg wolle, um in der Karibik seinen Traum zu verwirklichen und Bootsfahrten anzubieten. Nachdem immer noch der inzwischen leicht vergilbte Croissant-Aufkleber an der Scheibe prangt und sich auch die Tische außen nicht verändert haben, möchte ich gerne bei einem kleinen Abstecher tagsüber erkunden, ob der geschäftige Franzose noch hier ist. Vielleicht gibt’s ja sogar noch den hervorragenden Windbeutel, den ich bei ihm bekommen hatte.

Wir zogen weiter, wechselten mal wieder 200 Euro zu einem Kurs von 45,86 Baht für den Euro und ließen uns dann auf den Plastikstühlen einer kleinen Thai-Garküche nieder. Magdalena orderte ihre geliebte Noodle-Soup – und ich fragte nach Phad Thai mit Chicken, was auch nickend als Bestellung angenommen wurde. Das Singha-Beer solle ich mir in der Zwischenzeit nebenan im 24 Stunden geöffneten kleinen Super-Markt '7 Eleven' holen. Magdalena’s Nudelsuppe schmeckte nach entsprechendem Würzen wie immer gut, während ich aus meiner Bestellung gelernt habe, nie wieder Phad Thai in einer Garküche zu bestellen, wo kein Wok zum Braten der Nudeln vorhanden ist. Stattdessen waren die Nudeln einfach nur kurz mit einem siebartigen Schöpf-Löffel wie für eine Nudelsuppe in heißes Wasser getaucht und anschließend mit Soja-Soße übergossen worden, um mit ein paar Hähnchenstreifen garniert anschließend als Phad Thai angepriesen vor meiner Nase zu landen. Wenigstens die Hähnchenstreifen schmeckten, der Rest blieb nach dem restlos enttäuschten Probieren stehen. Die Thai-Mama lachte, als sie abräumte, kassierte aber trotzdem unbeeindruckt wie für die Nudelsuppe 40 Baht. Die Stärkung für den Rückweg hielt bei Magdalena nur bis zum nächsten Händel-Straßengrill. Der gebratene Hähnchenschenkel wirkte und duftete verführerisch – und musste dies sofort büßen, indem er in Magdalena’s genüsslich zubeißendem Mund verschwand.  

Wir erreichten das preislich gehobenere K-Hotel mit österreichischer Führung, bekannt für gute europäische Küche. Vor 4 Jahren hatten wir es nach 2 Nächten und lauten Bauarbeiten, als ein neuer Teil angebaut wurde, sehr schnell wieder verlassen und gegen eine günstigere und vor allem auch ruhigere Bleibe eingetauscht. Bei den Bauarbeiten damals war alles fest in Frauenhand. Selbst die mit angemachtem Beton gefüllten Eimer warfen sie sich von Hand nach oben von Gerüstetage zu Gerüstetage unglaublich sicher und akrobatisch zu, indem sie die Eimer am Henkel packten und nach einer jahrelang erprobten Kreis-Schwingung des Armes nach oben schleuderten - ohne dass auch nur der geringste Inhalt dabei herausschwappte.

Die alten Erinnerungen flackerten nur kurz auf, denn schräg gegenüber landeten wir unmittelbar darauf wieder bei einem Hosen- und T-Shirt-Verkäufer. Gestern Abend hatten Magdalena und ich mit ihm schon über den Kauf einer Hose verhandelt und versprochen, heute noch einmal in Ruhe vorbei zu schauen. So stiegen wir mit dem Preis-Aushandeln nicht mehr beim gestrigen Ausgangspreis von 1500 Baht ein, sondern beim letzten Stand von 250 Baht, an den er sich sofort genau erinnerte. Es war zu spüren, dass wir die "Schmerzgrenze" schon nahezu erreicht hatten, Endpreis war 240 Baht, zusammen mit einem anfangs 400, letztendlich 150 Baht teueren T-Shirt zogen wir weiter. Plötzlich wurde es wieder lauter. Von gleich 3 hintereinander folgenden Box-Promotion-Wagen mit den schmächtigen Thai-Boxern auf der Ladefläche ertönten aus total übersteuerten Boxen die grellen Parolen für den heutigen Box-Abend: "Tonight, the fight of the fights, the best of the best, the champions of the champions, the one and only - tonight, tonight, tonight!" Wie angenehm, dass sie nicht wie sonst im 5-Minuten-Abstand nacheinander erschienen waren, sondern ihre Lärm-Attacke in geballter Ladung losgelassen hatten.

Auf unserem Heimweg schafften wir es dieses Mal sogar einige hundert Meter am Stück – über die Bangla Road hinaus in die Song Roy Pee Road, bis zu einer von etlichen Gästen umlagerten italienischen Eisdiele. An der Sprache erkannte ich, hier hatten wir ein paar Quadratmeter Italien pur entdeckt, und so gönnte ich mir nach dem Phad Thai-Reinfall noch ein Stracciatella-/Tiramisu-Eis. Es war hervorragend, noch besser als das vom Abend vorher. Magdalena kam ein Stück weiter auch noch einmal auf ihre Kosten mit einem – ebenfalls bei einem Italiener – frisch gemixten Fruchtsaft. Wir genossen diesen Urlaub.

Nach der Rückkehr ins Hotel wollten wir gerade am Swimmingpool entlang schlendernd Richtung Zimmer, als wir Bert's leise Rufe vom Balkon hörten. Auf ein paar Erdnüsse klopften wir noch bei ihnen an – und erfuhren dabei über das deutsche Fernseh-Programm der hier ausgestrahlten Deutschen Welle, dass Magath bei Bayern München seinen Hut nehmen musste und Heynckes bei Borussia Mönchengladbach zurücktrat. Vor allem der Trainerwechsel der Bayern von Magath zu Hitzfeld war auch noch am nächsten Tag bei den eher wenigen Deutschen in der Anlage beliebtes Gesprächsthema. Wieder im Zimmer betrachteten wir noch einmal die optischen Zeugnisse meiner Feuerquallen-, wie ich inzwischen weiß, auf Englisch jellyfish-Begegnung. Beide Füße und Fußgelenke bis mitten zur Wade und die Hauptangriffstelle am linken Oberschenkel waren angeschwollen und übersät von roten Punkten, die sich zum Teil zu kompletten roten Hügelflächen vereinigt hatten. Es juckte und biss zum Verrücktwerden. Inzwischen schien das kein Heilungsbeißen mehr zu sein, sondern sich eher zu einer Allergie entwickelt zu haben.

 

01.02.2007 – 17. Tag: Phuket - Patong Beach Halbzeit – Kortison gegen Allergie – Dinner-Überraschung

Nach einer gut durchgeschlafenen Nacht – hier bekam man wirklich fast nichts vom Patong-Krach mit – ging der erste Blick zu den Füßen. Keine Besserung. Also starteten Magdalena und ich nach dem Frühstück in eine Pharmacy. Nach meiner kurzen Erklärung, was passiert war und einem Blick auf meine Füße erklärte mir die Apothekerin sofort vorwurfsvoll, dass ich letzte Woche nach der Attacke gleich hätte kommen sollen. Sie verkaufte mir Salbe und Tabletten mit Kortison und bat mich, umgehend wieder zu kommen, sollte sich nach 2 ½ Tagen keine deutliche Verbesserung zeigen. Derart eingebremst und mit "Zusatz-Nahrung" ausgestattet machte ich noch einen kurzen Abstecher ins Internetcafé – daheim gab’s zum Glück nichts Neues. Anschließend zog ich mich wieder auf's Zimmer zurück, während Magdalena eine kleine Shopping-Tour einlegte. Mit Einsalben als Hauptaktivität und 4 Tagesrationen Pillen auf dem Speiseplan hatte ich eigentlich nicht gerechnet bei meinen Vorstellungen vom Tagesablauf hier in Thailand. Dass hier am Patong Beach "Lass jucken, Kumpel" angesagt ist, war mir ja klar, aber irgendwie hatte ich mir auch das anders vorgestellt.

Als Magdalena Stunden später das Zimmer betrat, entdeckte ich die Veränderung sofort. Sie war erblondet. Wie ich stolz bemerkte, hatte sich am Haarschnitt selbst, meinem Haarschnitt, absolut nichts verändert. Es war immer noch der Schnitt vom "worlds best hair-designer" .

Um 19 Uhr trafen wir uns auf der Restaurant-Terrasse zum spendierten Abendessen. Wolken waren in den letzten 2-3 Stunden hereingezogen und bedeckten den Himmel. Unsere Frage, ob Regen kommen wird, wurde über jeglichen Zweifel erhaben verneint, so dass wir im Freien am gedeckten Tisch Platz nahmen. Maria und Bert gönnten sich einen guten Rotwein, der allerdings derart warm serviert wurde, dass eine kleine Kühlung notwendig war – auch wenn die Rotweinflasche im Eiskübel für einen pensionierten Rotwein-Genießer wie eine kulinarische Todsünde wirkte.

8 Ober versorgten die insgesamt 8 Gäste, außer uns war nur noch ein Tisch mit 4 Personen besetzt – und sahen dabei eher gelangweilt aus. Nur einer von ihnen sprang lustig und lachend über die Terrasse. Er war der Einzige, der auch mal von sich aus sah, dass etwas fehlte. Uns fehlte auch was, nämlich nach fast einer Dreiviertelstunde wenigstens die in der Menükarte angekündigte Suppe. Als wir danach fragten, ob wir nicht langsam damit starten könnten, wurde uns erklärt, dass es schon einige Zeit benötigt, bis alles angerichtet ist. Aus Spaß scherzten wir darüber, dass doch hoffentlich bei diesem Menü nicht, wie schon einige Male bei der Bestellung einer Vorspeise und einer Hauptspeise passiert, alles zusammen serviert wird. Aber genau das bestätigte sich etwa 10 Minuten später. Wir erhielten unser gesamtes Menü – Appetizer und Hauptgang – auf einem großen runden Teller serviert mit einem runden Reis-Schälchen in der Mitte und drei länglichen drum rum platziert, dem Rund des Tellers angepasst. Vorspeise und Hauptspeise, alles wie auf der Menü-Karte angekündigt, Suppe, Reis, Hähnchenschenkel und Gemüse – und alles auf einem Teller kompakt serviert. Mal eine neue Erfahrung. Nur die Nachspeise und der Kaffee fehlten. Unser Fazit: Es war gratis – und es schmeckte. Nicht mehr und nicht weniger. Etwas leid tat uns beim Essen ein auf der Riesenterrasse ohne weitere Gäste fast verloren wirkendes Gesangspärchen, er mit Gitarre und sie Tambourine für den Rhythmus. Die zwei pendelten zwischen beiden besetzten Tischen hin und her und gaben Evergreens zum Besten. Mit ihrem "Muss I denn zum Städele hinaus" – heute zur Halbzeit unseres Urlaubes – konnten sie uns jedoch noch nicht in wehmütige Abschiedsgedanken versetzen. Wir lachten und applaudierten als Einzige auch bei ihren anderen Songs – und sie freuten sich, überhaupt eine Resonanz zu finden.

Während den rund 2 Stunden unseres "Dinners" waren unzählige Pritschenwagen mit laut dröhnender und schrill flötender Musik an unserer Terrasse vorbei gefahren, zum Teil mit der ganzen Box-Mannschaft auf der Ladefläche und begleitet von lautem Klatschen der Boxer mit der freien Hand in die boxhandschuhtragende andere. Oder erschlugen sie mit ihren freien Oberkörpern auch – wie ich – ständig Moskitos? Wie ein Bumerang kam die Wagenkolonne nach wenigen Sekunden wieder zurück. Der Verkehrskreisel vor unserem Hotel hier am Ende der Patong Beach wirkte, wie wenn die Erd-Umrundung von einer Sonde zum Mars zur Beschleunigung genutzt wird, um genügend Fahrt aufzunehmen für den langen Weg. Aus diesem Kreisel katapultierten diese Fahrzeuge auch wieder heraus mit beschleunigter Fahrtaufnahme für den Rückweg und ihre erneuten akustischen Patong-Berieselungs- und Hörnerv-Angriffe.

Nach dem Essen beschlossen wir, noch ein paar Meter am Meer entlang zu schlendern. Dazu musste ich mich aber zuerst einmal meiner normalen Ausgehschuhe entledigen. Sie, die sonst eher zu groß als zu klein waren, umklammerten beide angeschwollenen Füße wie ein schmerzender Schraubstock. Mit Sandalen und Strümpfen, um das Scheuern zu vermeiden, aber wenigstens mit langen Hosen zum Kaschieren, machte ich mich – optisch als bei Weitem nicht der einzige "super geschmackvoll gekleidete" Tourist – mit den anderen auf den Weg, der doch länger werden sollte als ursprünglich geplant.

Magdalena führte uns über mehrere Abkürzungen, die sich sämtlich als Sackgassen entpuppten, zur anvisierten Eisdiele, während wir Bert auf dem Weg dorthin mehrfach fast verloren hatten, da er sich wie ein kleines Kind amüsierte beim Smalltalk und Joke mit Händlern, bei denen er immer wieder hängen blieb. Irgendwie erahnten diese Verkäufer instinktiv fast immer, wenn jemand hinter ihnen einen Blick auf ihre Waren warf und drehten sich ab diesem Moment wie ein Kreisel, nach vorne gewandt weiter mit einem potenziellen Kunden verhandelnd und gleichzeitig den Beobachter im Rücken nicht mehr aus den Augen und dem Werbe-Bombardement lassend. Nur langsam kamen wir vorwärts, vorbei an  Scharen von "Massaaaaage" anbietenden Thailänderinnen und Taxifahrern. Die boten hier nicht mit dem sonst üblichen "Taxi" ihre Dienste an. Stattdessen versuchten sie nur mit einem einfach einmal ungezielt mitten in die vorüberziehenden Touristen hineingeworfenen lauten "Yeeesssss" auf sich aufmerksam zu machen.

Bei einem tiefergelegten Toyota hielten viele Passanten kurz an, vor allem die Männer. Er setzte fast auf dem Boden auf, schien aber gleichzeitig fast ein wenig über diesem zu schweben auf einer giftgrünen Lichtwolke. Grüne Strahler waren im Fahrzeugboden eingebaut, deren Licht von der Straße reflektiert wurde und diesen Effekt erzeugte. Hinzu kamen auch noch weithin hörbare riesige Bassboxen, die aus dem Wageninneren dröhnten. Stolz erklärte der Wagenbesitzer, ein großgewachsener etwa 25jähriger Thai mit kahlgeschorenem Kopf und kleinem grau eingefärbtem Haarschwänzchen am Hinterkopf, dass allein die Boxen 200.000 Baht gekostet haben, also über 4.000 Euro.

Wir lösten uns wieder aus dem Menschenpulk rund ums Auto und erreichten kurz darauf doch noch die Eisdiele von gestern Abend. Auch heute waren wieder Italiener hier. Mit einer wiederum hervorragenden kühlen Stärkung traten wir den Rückweg an, der mir jetzt von Schritt zu Schritt schwerer fiel, so dass ich froh war, als wir wieder auf unserem Zimmer waren und ich lange Hose, Strümpfe und Sandalen abstreifen konnte. Nach 2 weiteren Kortison-Tabletten und dem Einreiben mit der Salbe schlief ich sofort tief und fest ein.

 

02.02.2007 – 18. Tag: Phuket-Patong – Park-Kralle – von Taxifahrer 'gelöffelt' – FantaSea-Show & Froschhändler

"9 Uhr" hörte ich eine Stimme ganz weit weg. Es war Magdalena, die mich weckte. Ich hatte hervorragend geschlafen und fühlte mich erholt. Füße und Bein juckten zwar nach wie vor und präsentierten sich auch weiterhin als feuerrote Punktlandschaft, aber die Schwellung war über Nacht etwas zurückgegangen. Mit dieser Gewissheit ging es mir gleich viel besser und ich freute mich auf’s Frühstück und meine geliebten 'Scrambled Eggs with all'. 

Irgendwie kam ich mit meiner derzeitigen Lektüre "Der dritte Zwilling" von Ken Follett nicht recht weiter. Obwohl spannend, konnte ich nie mal so richtig schön am Stück durchlesen. Heute begann ich mich gerade wieder in die spannende Story zu vertiefen, als es klopfte und der Roomservice anfragte, ob er reinkommen darf. Also verzog ich mich auf den kleinen Balkon. Aber kaum hatte ich hier die Story wie ein Spürhund erneut aufgenommen, ertönte unter mir der kleine Wasserfall beim Pool derart laut und ausdauernd, dass ich freiwillig den Rückzug ins Zimmer antrat. Warum hatten wir eigentlich vor 2 Tagen so einen Wert auf Balkon gelegt? Aber auf dem Bett liegend und nach dem erneuten Genuss meiner Kortison-Tabletten hielt die Aufnahmefähigkeit für das Buch gerade mal noch für 2 Seiten, bevor ich Lektüre und mich selbst zur Seite legte und auf der Stelle selig einschlummerte. Nach über 2 Stunden vernahm ich erst wieder die ersten Störgeräusche. Magdalena, vor dem Einschlafen unten am Pool, war wieder im Zimmer und kroch hörbar ins Bett. Beim nächsten wahrgenommenen Geräusch war sie scheinbar schon längst wieder aufgestanden, denn sie nahm stehend den Telefonhörer ab – und machte mit Bert aus, dass wir uns um 19 Uhr vor dem Hotel treffen, um mit dem gestern Abend angeheuerten Taxifahrer zur allseits empfohlenen FantaSea-Show an der Kamala-Beach zu fahren.

Jetzt war es 16 Uhr. Magdalena und ich starteten, da ich unbedingt noch beim kleinen Bakery-Shop von Monsieur Philippe vorbei schauen wollte. Wir erreichten gerade noch rechtzeitig zum Aufspringen bei der Abfahrt den Einheimischen-Bus, mit dem wir vorgestern  nach Phuket-City gefahren waren. Während der Fahrt erinnerte mich das langsame Vorankommen mit dem Sammelbus irgendwie an Bert. Mit Leuten Augenkontakt aufnehmen, anhalten und dann geht’s wieder weiter, beim Bus mit neuen Mitreisenden, bei Bert mit neuen Joke-Erlebnissen. Nachdem wir Zweidrittel der Patong-Beach zurückgelegt hatten, stiegen wir an der Sawatdirak Road wieder aus und marschierten zum Bakery-Shop. Das ehemalige Flintstone Café hieß jetzt "@t corner" und wurde von einer Thailänderin geführt. Monsieur Philippe, der Franzose, sei vor 3 Jahren hier ausgestiegen und jetzt irgendwo in Kamala, aber sie wisse nicht wo. Croissants gab’s trotzdem bei ihr – und auch die Sitzbänke vor dem Shop waren vertraut wie früher – während die inzwischen leicht vergilbten Tischdecken mit ihren Motiven noch an die Fußball Europameisterschaft 2000 erinnerten. Gleich 3 meiner schon vor 4 Jahren geliebten Windbeutel genoss ich – im Gegensatz zu Magdalena, die mir ihren halben auch noch überließ, da er ihr zu ausgetrocknet war. Stimmt, vor 4 Jahren waren sie viel frischer, trotzdem war es eine schöne Erinnerung. "Flintstone Bakery" las ich beim Bezahlen, womöglich gehört der Laden immer noch Monsieur Philippe und die Thailänderin möchte uns nur nicht seine neue Adresse mitteilen, um mögliche künftige Kunden nicht an ihn zu verlieren.

Auf dem Rückweg fiel uns ein auf einer Straßenseite mutterseelenallein stehender PKW auf mit einem gelben Zettel an der Scheibe – und einer seltsamen Ketten-Verzierung von der vorderen rechten Felge über den rechten Außenspiegel bis zum Türgriff, mit obendrein noch aufgestelltem rechten Scheibenwischer. Der Fahrer hatte falsch geparkt, wobei es hier schon auch passieren kann, dass die heute freigegebene Straßenseite am nächsten Tag die mit Parkverbot ist und alle zum Parken auf die gegenüberliegende Fahrbahn wechseln müssen. So wird es wohl auch diesem Falschparker mit seinem Auto ergangen sein, gestern von den anderen Fahrzeugen noch eng eingekeilt, heute einsam und bis zur Zahlung des Bußgeldes zum "stillgelegten Kettenfahrzeug" degradiert.

Direkt neben dem K-Hotel ließen wir es uns kurz darauf für einen Bruchteil dessen, was wir dort bezahlt hätten, bestens schmecken mit Hähnchen-Barbeque, Vegetables und Fried Rice für Magdalena, sowie für mich, was sonst, Phad Thai. Inzwischen habe ich festgestellt, dass diese Schreibweise wohl die gängigste ist. Danach tauschten wir beim Händler, bei dem wir vorgestern mein T-Shirt und die Hose gekauft hatten, auch noch mein T-Shirt von der Größe L in XL, um möglichen Größenverlusten beim Waschen von Hause aus vorzubeugen. Er freute sich, mich zu sehen, begrüßte mich mit Handschlag, ging ohne den freundlichen Gesichtsausdruck zu verlieren auf meine Frage, ob ich umtauschen könne, ein und zeigte mir anschließend auch noch schöne T-Shirts für meinen "Boss" – er hatte Magdalena, die den Geldbeutel vorgestern Abend verwaltete, scheinbar richtig eingeschätzt ;-).

Langsam wurde es Zeit zur Rückkehr, denn es war schon 18:30 Uhr. Ein kurzer Stopp bei einem Internetcafé folgte, um unserem Sohn noch ein paar Fragen zu beantworten – unter anderem, wann wir eigentlich wieder heimkommen. Dann war flotter Rückmarsch angesagt, denn um 19 Uhr hatten wir mit dem Taxifahrer die Abfahrt zur FantaSea-Show vereinbart. Es reichte noch für einen kurzen Abstecher auf’s Zimmer, und schon standen wir bereit. Ebenso Taxifahrer "Toni", so hatte er sich gestern Abend vorgestellt, als er uns fast 100 Meter geschäftstüchtig nachrannte und uns die heutige Hin- und Rückfahrt zur Show für 300 Baht regelrecht aufschwatzte. Aber heute wollte er nun plötzlich 400 Baht. Wir erinnerten ihn an die von ihm selbst angebotene Abmachung von 300 Baht und wollten uns schon bei seinem Beharren auf 400 einen anderen Taxifahrer suchen, als er dann doch mit 300 einverstanden war. Ganz im Gegensatz zu seinem wie ein Wasserfall sprudelnden Wortfluss von gestern chauffierte er uns jetzt wortlos zur Show an der Kamala-Beach. Beim Aussteigen und nach dem Bezahlen der ersten One-Way-Rate von 150 Baht offerierte er uns, dass er nach der Show nicht hier sein werde, da er andere Hotelgäste fahren müsse. Aber hier gäbe es ja genug Taxen, um hinterher wieder heim zu fahren. Sagte es durch die heruntergelassene Scheibe, gab Gas – und schon war er verschwunden. Zum Monieren keine Chance. Wahrscheinlich hätte es auch nichts genützt, denn dann wäre er genau so wenig nach der Show aufgetaucht und hätte uns, falls wir ihn noch einmal getroffen hätten, nur bedauernd mitgeteilt, dass er uns in dem aus der Show strömenden Menschen-Getümmel nicht mehr gefunden habe. So wussten wir wenigstens, dass wir ihn später nicht zu suchen brauchen. Nach dem Aussteigen erfuhren wir 'vor Ort' von den Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrern, dass der Transfer zurück nicht unter 400 Baht zu haben wäre. Hier auf freier Strecke hatten sie nach Ende der Veranstaltung das Monopol. Hätten wir das Angebot von einem kleinen Touristen-Office an der Patong-Beach gestern Abend angenommen, statt uns von "Toni" überreden und übertölpeln zu lassen, dann wäre die Transferfahrt im Eintrittspreis von 1.100 Baht inklusive gewesen. So hatte uns der listige Taxifahrer doppelt gelöffelt, denn er hatte uns ausgerechnet, dass wir für ihn 300 bezahlen und dann beim Direktkauf an der Kasse nur 900 statt 1.100 Baht für die Eintrittskarten zahlen müssten, wir also zu viert unterm Strich 500 Baht durch ihn sparen würden. Die 1.100 Baht für den Eintritt waren jedoch definitiver Fixpreis.

Aber was soll's. Nach dem Ticketkauf schlenderten wir durch die FantaSea-Außenanlage, vorbei an einem vor Koi's nur so wimmelnden Teich und einem Jongleur, der brennende Fackeln und am Hals brennende Flaschen durch Hände und Luft gleiten ließ. In den zahlreichen grellbunten Verkaufsshops wurden von Thailänderinnen in Fantasie-Kostümen diverse touristische Mitbringsel und dem Show-Motto entsprechende futuristische Gebilde und Puppen angeboten. Vor dem abwechselnd in bunten Farben angestrahlten Elefanten-Palast-Theater drehten Elefanten für Baht wenige Minuten mit ihren über eine Leiter und Rampe aufgenommen Touristen eine kleine Runde im schummrigen Abendlicht.

Beim Eintritt in das Theater mussten alle Foto-Apparate und Videokameras abgegeben werden – jeder erhielt einen Bon in einer bestimmten Farbe mit einer Nummer. Vorbei an einem Tiger-Baby, mit dem sich wer wollte – gegen Baht natürlich – fotografieren lassen konnte, erreichten wir über den Buchstaben unseres Blocks unsere nummerierten Sitzplätze, wie zuhause im Theater. Mit Schattenspiel-Erzählungen der thailändischen Geschichte, nationalistischen Tänzen auf der breiten Bühne mit tollem Bühnenbild, akrobatischen Trapez-Einlagen, Zauberkunststücken à la David Copperfield und einem tollen Finale mit zahllosen Elefanten und Künstlern war für die 1.100 Baht, also rund 23 Euro pro Person, für jeden etwas geboten. Eigentlich hatten wir vor der Show eher Klamauk und Kitsch erwartet nach dem, was wir in der Außenanlage erlebt hatten. So gesehen waren wir mit dem Erlebten voll zufrieden, so wie fast 4000 andere Besucher auch. Auf dem Rückweg musste ich noch – wie hunderte, wenn nicht tausende andere Besucher auch – meine zuvor wegen absolutem Fotografier- und Filmverbot abgegebene Kamera abholen, bei anderen waren es Fotohandys oder Filmkameras. Dank der zugewiesenen Bon-Farbe und entsprechenden farblich gekennzeichneten Spalieren vor den Ausgabestellen funktionierte die Rückgabe problemlos und wie am Fließband.

Am Eingang traf ich mich, wie verabredet, mit den anderen drei. Wir entdeckten einen Kleinbus Richtung Patong Beach. Aber in der für den Bus anstehenden Schlange entdeckten wir, dass alle anderen ein Ticket in der Hand hielten, im Gegensatz zu uns. Also scherten wir wieder aus der Schlange aus – und erfuhren am Ticketschalter, dass die Fahrt pro Person 140 Baht beträgt. Magdalena überriss die Situation wieder am schnellsten – 560 Baht hier, 400 für’s Tuk-Tuk, also 'Kehrt-Schwenk-Marsch' Richtung Tuk-Tuk. Zuerst stand nur ein Fahrer am Wartepunkt mit seinem Mini-Taxi, hinten im Gegensatz zu Bangkok mit 2 Sitzbänken rechts und links und insgesamt 8 Sitzplätzen ausgestattet, sowie vorne mit normalem Führerhaus und Lenkrad. Er wollte 500. Aber schon reihten sich hinter ihm 3 weitere Tuk-Tuks ein. Sie verlangten die anfangs angekündigten 400 Baht, so dass wir den ersten stehen ließen und mit dem Zweiten froh gelaunt die Rückreise antraten.

Bei einer jetzt um fast 24 Uhr noch voll besetzten Bar in der Nähe unseres Hotels ließen wir den Fahrer anhalten, zahlten und genossen noch einen Drink zum Abschluss des schönen Abends. Nicht weniger als 8 Händlerinnen in der Tracht des thailändischen Nordens 'beglückten' uns in der nächsten halben Stunde mit Frosch-Imitationen aus Holz inklusive Holzstab, mit dem man durch das Darüberstreichen über den Froschrücken fast zum Verwechseln ähnliche Froschgeräusche imitieren konnte. Mein Einwand, dass dort, wo Froschgeräusche vorkommen, auch irgendwo Moskitos in der Nähe sind, konnte die Verkäuferin nicht abhalten, wenigstens Bert zu bearbeiten, der auch nach kürzester Zeit mit Holzfrosch samt traditioneller Mütze ausgestattet war. Statt Kauf entschied er sich jedoch, der Händlerin für den Spaß und ihre Zeit, sowie ein nettes Bild ein kleines Trinkgeld zu geben. Von ihr erfuhren wir anschließend, dass hier rund 200 dieser traditionellen Thai-Straßenhändler und -händlerinnen unterwegs sind. Nachts schlafen sie irgendwo im Freien an der Patong-Beach. Im 2-Monats-Rhythmus wechseln sie zwischen Bangkok, Pattaya, Patong und Chiang Mai im Norden – wobei die meisten von ihnen aus dem Norden oder Nord-Osten Thailands stammen. Sie selbst hatte, wie sie uns in gutem Englisch erzählte, 4 zwischen 10 und 21 Jahre alte Kinder und freute sich schon, in einem Monat wieder mit Bussen und Zug zu ihrer Familie nach Chiang Mai zu reisen.

Das Chang-Beer von Bert und mir war wie immer gut, Magdalena’s und Maria’s Drinks 'Sex-On-The-Beach' und 'Golden-Dream' dagegen schmeckten ziemlich dünn und verwässert. Als wir bei der Bedienung nachfragten, ob der in der Getränkekarte bei der Drinkbeschreibung mit aufgeführte Bacardi überhaupt mit drin sei, wurde er mit einem lächelnden "Oh Solly" nachgefüllt – und die Drinks schmeckten auch sofort viel besser. Magdalena und Maria stammen aus der Gastronomie – und erkennen sofort, was Sache ist.

Auf den 200 Metern zurück zum Hotel stellten wir plötzlich fest, dass wir ja noch jeweils 1 Bier im Kühlschrank hatten, das wir uns für Phi Phi-Island im Vorfeld noch an der Kamala-Beach gekauft und seither statt zu trinken nur mit uns rumgeschleppt hatten. Also trafen wir uns noch kurz in der kleinen Salathai-Pagode beim Pool, um bei Meeresrauschen unseren letzten Patong-Abend um 1 Uhr ausklingen zu lassen.

 

03.02.2007 – 19. Tag: Vom quirligen Phuket ins ruhige Khao Lak – Tsunami-Album & 'gesicherte' Bank

Um 8:30 Uhr klingelte das Telefon. Bert war ganz aufgelöst, weil Maria und er bis jetzt geschlafen hatten – während für uns diese Zeit inzwischen schon ganz normal beim Wachwerden geworden war. Nach dem Frühstück noch einmal kurz auf Zimmer und Toilette, dann Auschecken. Der Toyota-Kleinbus nach Khao Lak kam pünktlich. Magdalena und ich saßen ganz hinten in der 3. und letzten Sitzreihe für die Mitreisenden. Alle Koffer der 8 Touristen an Bord waren hinter uns in einem schmalen Kofferraum übereinander gestapelt. Obenauf knirschte – an der Lederkante der hier endenden Rückenlehne reibend und scheuernd und dabei bedrohlich Magdalena’s und mein Genick anvisierend – bei jedem leichteren Bremsen und jeder Kurve ein Riesenkoffer ungeduldig wie ein Rennpferd vor dem explosiven Start. Wir waren dankbar, dass die Fahrt nach 2 ½ Stunden ohne notwendig gewordene Vollbremsung zu Ende ging. Vorsichtshalber hatten wir vereinbart, uns seitlich auf den Sitz zu werfen, falls eine brenzlige Situation eintreten sollte.

Aber glücklicherweise erreichten unversehrt Khao Lak, gleich beim Nationalpark. Benannt ist der circa 60 Kilometer nördlich von Phuket gelegene Ort nach dem "kăo làk", dem die Landschaft prägenden "Pfahl-Berg" gegenüber der Küste. Erst gegen Ende der 1980er Jahre hielt hier an den einsamen Sandstränden der Tourismus organisierten Einzug. Traurige Berühmtheit erlangte der Ort durch den Tsunami. In Khao Lak hatte er für die schwersten Verwüstungen innerhalb Thailands gesorgt – Tausende starben, darunter mehr als 700 Touristen, wobei es keine genauen Zahlen gibt. Nur eins steht fest: Khao Lak steht als Synonym für das Tsunami-Grauen.

Im "Palm Beach Resort" am südlichen Beginn von Khao Lak wurden wir freundlich begrüßt. Irgendwie rechneten wir nach unseren bisherigen Erfahrungen bei einer Neuankunft insgeheim jetzt auch immer mit einem "Solly, we are fully booked" vom Gegenüber in der Rezeption. Aber zum Glück nichts dergleichen. Vom stolz wirkenden Empfangschef, wie auf Phi Phi Island allem Anschein nach einem Ladyman, wurden wir flotten, hüftbetonten Schrittes steil bergab runter zu den netten und sehr komfortabel mit Riesenbad ausgestatteten Bungalows geführt. Unterwegs erklärte er uns mit heller, zu Schritt und Gestik passender Stimme die Anlage und die Gepflogenheiten hier.

Den gebuchten Meeresblick hätte ich mir zwar noch etwas romantischer vorgestellt als halblinks über den Hotelswimmingpool hinaus, wo man das Meer dahinter mehr ahnen als sehen konnte. Stattdessen hatten wir eher einen guten Ausblick auf das Restaurant halbrechts direkt gegenüber von unserem Bungalow – und auf einen gerade mal 5 Meter von unserer kleinen Terrasse entfernten Anbau, aus dem zum Aufbau des Abendessens am Strand gerade von 2 Hotelangestellten eine Bootsattrappe herausgeschleppt und Richtung Strand gehievt wurde. Danach folgten noch etliche weitere Utensilien wie Grill, Blechtonne, Eiskübel usw., die hier wie aus einem großen Zauberkasten auftauchten und in Richtung des nur 30 Meter entfernten Strand-Restaurants geschleppt wurden. Andererseits war unsere Terrasse der ideale Aussichtspunkt, in kürzester Zeit einen Großteil der Gäste und der Hotel-Angestellten schon einmal optisch zu Gesicht zu bekommen, da viele vom Strand oder Pool kommend hier vorbei mussten auf dem Weg zu ihren Behausungen oder ihrer ohne Hektik angegangenen Aufgabe im Restaurant.

Im Vergleich zu Phuket-Patong waren wir hier sozusagen am "Ende der Welt" gelandet. Einsamer Strand, keine lärmenden Longtail-Boote oder aufheulenden Jet-Skis. Auf Phuket waren uns diese bereits früh morgens begegnet, wenn sie an der Patong-Beach im Konvoi auf kleinen Hängern mit Autos, zum Teil sogar Mopeds zum Strand gekarrt und am Abend wieder abtransportiert wurden. Oft schlängelten sich sogar 5-6 als Kette hintereinander hängend mit darauf sitzenden Jugendlichen durch den Verkehr.

Hier jedoch herrschte totale Ruhe. Das 4-Sterne-Hotel liegt, als vorletztes von etwa 6 hintereinander folgenden gehobenen Resorts, abseits am südlichen Rand von Khao Lak und etwa 20-25 Gehminuten vom Zentrum entfernt. Am späteren Nachmittag trafen wir uns mit unseren Bons zum Willkommens-Fruchtsaft-Cocktail in der Strandbar. Der Ober zeigte uns als Neuankömmlingen sofort ein Tsunami-Album mit Zeitungsausschnitten und Bildern von der Hotelanlage. Ein Foto beeindruckte uns besonders. Es zeigte den Moment, als die Todeswelle auf Khao Lak zurollte. Da, wo wir gerade saßen, waren Urlauber zu sehen beim faszinierten Betrachten und Filmen des vermeintlichen Naturschauspiels einer Riesenwelle, unbekümmert und die sich vor ihnen aufbäumende Todesgefahr nicht realisierend. "All dead", erklärte er uns, mit dem Zeigefinger auf die Urlauber zeigend. Die Anlage war bis zum ansteigenden Berg hoch Richtung Rezeption überflutet – mit vielen Toten. Gerade gestern sei ein Däne wieder abgereist, der mehrmals im Jahr herkomme, um seine Frau zu betrauern. Die Tragödie schwebt hier spürbarer über einem als davor in Phuket, wo vor allem Verkaufsvideos versuchten, kommerziell an die Katastrophe zu erinnern. Trotzdem hatten wir auch dort den Blick ehrfürchtiger auf das Meer gerichtet als früher – und ungläubiger. Denn gerade in Phuket wirkte die Vorstellung dieser Katastrophe beim Anblick der friedlich vor der Küste ankernden Dreimaster-Segelschiffe und Boote erst recht wie ein unwirklich erscheinender Science-Fiction-Gedanke. Hier in Khao Lak wird er vorstellbarer, unmittelbarer, aber für jemanden, der es zum Glück nicht selbst erlebt hat, trotzdem unbegreifbar. Die Menschen hier leben damit. Vom Ladyman aus der Rezeption erfuhren wir, dass er hier im Resort seine Eltern verloren hat, während er zu dieser Zeit in Schweden lebte. Er kam zurück und übernahm nach dem Neuaufbau ihre Stellung. "Business as usual" ist hier deutlich spürbar, aber oft auch heraushörbar und an der Mimik erkennbar gepaart mit dem Erlebten. Andererseits ist die Fröhlichkeit und Lebensfreude der Menschen nicht verloren gegangen. Ein Psychologe würde dafür wahrscheinlich viele ausführliche Erklärungen und wissenschaftliche Abhandlungen finden können. Ein Franzose, der mitten im Leben steht, würde dies wohl eher zusammenfassend mit 3 ½ Worten auf den einfachen Nenner bringen: "C'est la vie!"

Im Anschluss an unseren nachdenklichen und danach dank unseres Obers auch wieder entspannten und lockeren Willkommenstrunk beschlossen wir, uns mit einem Tuk-Tuk ins 'bunte Treiben' Khao Laks befördern zu lassen. Nach 3-4 Minuten Fahrzeit für zusammen 120 Baht, hier wird der Fahrpreis pro Person verhandelt, waren wir mittendrin, was wir aber erst durch Rückfragen erfuhren. Denn beim Anblick der kleinen Geschäftsmeile mit Restaurants, Shops und sogar einer mobilen Bank in einem Kleinbus mit Wegfahrsperre waren wir uns nach Patong-Beach nicht sicher, ob das schon das Zentrum ist. Aber es kam nichts mehr danach. In einer Garküche starteten wir mit 2 Nudelsuppen für je 25 Baht, die wir uns paarweise teilten. Ein Thai klärte uns anschließend darüber auf, dass die Einheimischen dafür etwa 10-15 Baht zahlen, die Touristen, die "Farang" müssten immer mehr zahlen, egal bei was. Er saß gemütlich auf einer Bank und war so entwaffnend offen ohne Versuch, mit uns ein Geschäft anzukurbeln, dass wir ihn fragten, ob er uns später eine Möglichkeit zum Zurückfahren vermitteln könnte. Und damit war die Rückfahrt für 100 Baht auch schon gesichert, denn er saß beim Bus seines Chefs – und freute sich schon auf das kleine Zusatzgeschäft an diesem Abend. Mit gesicherter Rückfahrt machten wir uns jetzt auf die Suche nach einer passenden Hauptmahlzeit – und wurden schon nach wenigen Metern fündig. Magdalena und ich ließen es uns richtig gut gehen mit einem hervorragenden "Prawn-Salad" als Vorspeise, danach Phad Thai und "Fitter Prawns", mit Teighülle frittierte Riesengarnelen, dazu ein großes, sprich 640 ml Chang-Beer und ein Wasser. Hinterher genoss ich noch einmal, nämlich die Rechnung für alles – 245 Baht, also gerade mal gut 5 Euro.

Heute konnten wir auch feststellen, wie unterschiedlich Bedienungen sein können. Morgens noch in Phuket musste Magdalena ein Thai-Mädel gleich 3x bitten, uns Kaffee einzuschenken, da sie jedes Mal mit unbewegter Miene an uns vorbeiträumte ohne irgendwo etwas zu sehen – oder sehen zu wollen. Auch das Einschenken selbst verlief dann ohne jegliche Gefühlsregung, eher genervt und mies gelaunt wirkend. Gegenüber früheren Thailand-Besuchen fällt uns auf, dass diese Haltung in der Vergangenheit sehr viel seltener zu finden war als jetzt, wobei dazu gesagt werden muss, dass sie auch jetzt nicht die Norm darstellt. Nach wie vor finden sich überall auch die lachenden und fröhlichen Gesichter. So auch am Frühstückstisch schon Sekunden später, als ein Kollege hinter unserer mieslaunigen "Kaffeetante" – ich hatte sie in Gedanken schon "Miesmuschel" getauft – auftauchte und uns mit einem froh gelaunten "Good Morning – do you need anything?" begrüßte.

Über eine Top-Bedienung konnten wir uns auch hier in dem Restaurant in Khao Lak freuen. Sie hatte alles bestens im Griff. So schaltete sie auch sofort, als wir "separated bill" mit per Handbewegung angezeigter Paarbildung wünschten. Diese Bitte hatte zuvor in den inzwischen schon fast 3 Wochen, die wir hier waren, meistens nur zu einem geführt – zu totalem Chaos. Letztendlich zahlte dann einer von uns alles zusammen. Den Rest machten wir anschließend unter uns aus oder einigten uns darauf, dass das andere Paar als Ausgleich den nächsten Abend übernimmt. Nur beim Kanadier an unserem schönen Abend in Bangtao hatten wir die Schulung seiner Mitarbeiter in dieser Richtung erlebt, da wir dort gleich am Anfang gefragt wurden, ob zusammen oder getrennt. Fortan waren wir 'Family One' und 'Family Two' und bekamen auch so unsere Rechnung. Hier klappte es heute Abend auch problemlos und auf Anhieb – und das ohne spezielle Vorankündigung. Ein Pancake mit Banane rundete das gute Essen noch ab. Danach versorgten wir uns für die kommenden 5 Tage hier noch etwas im Supermarkt, in dem auch sichtbar wurde, dass hier in Khao Lak sehr viele Deutsche und deutsch-sprechende Touristen anzutreffen sind. Die Bild-Zeitung und sogar die Welt lagen hier in zahlreichen Exemplaren zum Verkauf aus. Mit dem auf uns wartenden Fahrer und dem Kleinbus seines Chefs fuhren wir wieder zurück zum Resort.

Es war erst 21:00 Uhr, und so trafen wir uns noch kurz bei Maria und Bert auf der Terrasse auf ein Glas – bei romantischer thailändischer Chillout-Musik, die sie im 'Fantasy Central' in Phuket-City gekauft hatten. Am Nachmittag hatte Bert den CD- und DVD-Player im Zimmer zusammen mit am Ende 5 Hotelangestellten und dem Chef von der Rezeption zum Laufen gebracht, nachdem niemand genau gewusst hatte, wie das zu jeder Bungalow-Ausstattung gehörende Gerät überhaupt funktioniert. Um 23:00 Uhr verabschiedeten wir uns dann leise mit einem schon fast geflüsterten "Gute Nacht", nachdem wir das Gefühl hatten, wir seien die letzten Gäste, die hier im Resort zu dieser Zeit noch munter sind. Wie gesagt, hier scheint es sehr ruhig zu sein. Nach meinem Vorbei-Defilier-Eindruck vom Nachmittag auf unserer Terrasse zu schließen, verbringt hier – neben wenigen jungen Familien mit kleinen Kindern und vereinzelten jungen Pärchen – überwiegend die Ruhe suchende Generation 50+ ihren Urlaub. Jetzt war ich gespannt, wann ich morgen früh die ersten Außengeräusche vernehmen würde, wenn abends so früh schon Feierabend angesagt ist. Aber wir sind ja seit unserem Resort-Hahn auf Phi Phi Island schon einiges gewohnt.

 

04.02.2007 – 20. Tag: Khao Lak – Liegen-Reservierung um 6h – tolles Zimmer – komischer Aal & Schaumbad

Denkste, von wegen in aller Früh durch Lärm von außen aufwachen. "Halb zehn - raus", hallten mir plötzlich Magdalena’s Worte ins Ohr. Zähneputzen, eine Handvoll Wasser ins Gesicht, in die Kleider springen. Es war Schnelligkeit angesagt, denn auch hier, wie in rund der Hälfte der Resorts bisher, endete die Zeit für’s Frühstück schon um 10 Uhr. Jetzt erwies es sich als praktisch, dass das Restaurant direkt vor unserer Haustür lag – und wir daher mit den kürzesten Weg von allen dorthin hatten. Es gab noch die volle Palette – auch Scrambled Eggs. Der Wind blies relativ kühl vom Meer her und ließ sie auf dem Teller schnell kalt werden. Schon gestern Abend hatte diese kühle und kräftige Brise Magdalena fast frösteln lassen, während wir sie als angenehm empfanden. Magdalena war sogar extra noch einmal runter ans Meer gegangen, um die Wellen zu beobachten, ob sie aufgepeitscht sind vom Wind. Aber das Wasser präsentierte sich eher ruhig, während in der Anlage die Palmen hin- und herwogten, ihre riesigen Blätter bogen und dann zum Teil ruckartig wieder im Halbkreis zurückschnellen ließen. Sie wirkten im Zusammenspiel wie ein sich bizarr bewegender Zauberwald. Durch das riesige Fenster mit Milchglas in unserem Bad wirkte dieses Szenario, als würden die eng anliegenden Palmenblätter ohne Unterlass sich schlangengleich windend einen Anlauf nach dem anderen nehmen, um den Weg durch die Glasscheibe rein in unser schönes Bad zu schaffen.

Gegen 11 Uhr wurde der Wind schwächer, die Sonne in gleichem Maße unerbittlich stärker und parallel dazu der Pool und die Sonnenliegen voller. Jeder war dankbar für die aufgestellten Sonnenschirme mit Elefanten-Halter. Bert entdeckte uns als letzte Frühstücksgäste auf der Restaurant-Terrasse. Bereits kurz vor 6 Uhr war für ihn die Nacht vorbei, weil er nicht mehr schlafen konnte. Bei einem Spaziergang runter zum Meer sah er anschließend schon die ersten emsigen Urlauber, die im Morgengrauen Richtung Strand huschten, um die Strandliegen in erster Reihe mit Handtüchern zu belegen. Hätten wir es nicht gestern Abend schon auf Khao Laks Straßen festgestellt, spätestens jetzt wäre klar gewesen – hier ist alles in "deutscher Hand".

Aber nicht nur die ersten Touristen waren unterwegs um diese Zeit. Laut Bert tauchten von allen Seiten auch Hotelangestellte auf, um am Strand den über Nacht durch die Flut angeschwemmten Schlick und Unrat abzutragen, die Wege zu kehren, abgestorbene, vom Wind umhergewirbelte Blätter zu entfernen, sprich die Anlage wieder in den Top-Zustand zu versetzen, in dem sie sich täglich allen präsentierte. Nur bei Feinheiten waren kleine Abstriche zu machen. So heulte Magdalena zum Beispiel im Bad bei dem durch viel Glas so aufwendig und herrlich transparent gehaltenen Stil fast auf, als sie die Kratzer entdeckte, die durch das Putzpersonal schon ins Glas geritzt und gescheuert worden waren. Auch die schönen dunklen Fliesen waren an der Wand angebohrt, mit weißen Dübeln versehen und dann einfach so belassen worden, weil es allem Anschein nach die falsche Stelle war zum Anbringen des geplanten Teils, wahrscheinlich des Föns. Der hing jetzt 10 Zentimeter weiter links zischen 2 großen Spiegeln mit dickem Holzrahmen, verziert mit thailändischer Holzkunst. An anderer Stelle waren die Fliesen beim Anbohren halb abgebrochen und dann ebenfalls mit den weißen Dübeln einfach so belassen worden. So viel Stil – und dann doch im Detail schludrig. Aber uns konnten diese Kleinigkeiten egal sein. Wir hatten insgesamt ein herrliches Zimmer mit einem Bettaufbau wie bei einem Himmelbett, nach oben zur hohen Zimmerkuppel hin allerdings offen. Eine große Glasscheibe zwischen Bad und Zimmer ließ nicht nur den ganzen Raum viel größer und heller wirken, sondern gab auch über die gesamte Breite den Blick ins Bad frei. Dabei fiel sofort der riesige Whirlpool und die schon angesprochene große Milchglasscheibe an der Bad-Außenwand ins Auge. Die Wahrung der Intimsphäre war auch gesichert. Entlang der Glasscheibe konnte ein Rollo heruntergelassen werden.

Inzwischen, um 11:30 Uhr war das Zimmermädchen aufgetaucht und begann die Betten zu machen. Meine Bitte um eine 2. Zudecke schien ihren gewohnten Arbeitsablauf total zu torpedieren und die gewohnte Room-Clean-Logistik ins Wanken zu bringen. Es folgte ein aufgeregter Anruf, dann verschwand sie, alles einfach so be- und die Tür offen stehend lassend. Dabei wollte ich doch nur die nächsten Nächte unabhängig sein von Magdalena’s Schlaf-Kür-Übungen mit halben und ganzen nach rechts gedrehten, zum Glück nicht eingesprungenen Schrauben und Drehungen wie beim Eiskunstlaufen, obendrein auch noch mit unerbittlich festem Zudeck-Haltegriff. Beim stündlichen Wachwerden lag ich immer bei ihr in ihrer Hälfte unseres Doppelbettes. Trotzdem hatte ich noch keinen Zipfel der Bettdecke erwischt, obwohl sie halb freigestrampelt da lag. Die Decke war jedoch mit einem meisterringerähnlichen Klammergriff fest und für mich uneroberbar irgendwie bei ihr zwischen dem einen Ober- und dem anderen Unterschenkel fixiert. Oder wollte mich Magdalena mit dieser Aktion ganz bewusst nur rüber locken zu ihr – und war dann beim vergeblichen Warten auf mich wieder eingeschlafen, so dass wir uns in unseren Schlaf- und Wachphasen immer nur gegenseitig verpasst hatten? Aber weder davon, noch von ihrem einnehmenden Wesen während der Nacht wollte sie am Morgen bewusst etwas registriert haben.

Kurz darauf erzählte uns Bert von seinem nächsten Erlebnis. Am einsamen Strand – ohne Menschenseele weit und breit – hatte er im tiefen Wasser seine Badehose kurz ausgezogen, um die Meereswogen in vollem Umfang genießen zu können. Aber die uneingeschränkten Badefreuden hielten nicht lange an. Dann machte auch er die Bekanntschaft mit einem Meeresbewohner. Ein kleiner Fisch hatte mit einem kurzen knabbernden Biss getestet, welche noch nie zuvor gesehene Spezies von Aal er da entdeckt hatte. Auf jeden Fall erwies er sich als wirksame Unterwasser-Nacktbadeaufsicht, denn für Bert war die Begegnung mit ihm Grund genug, ganz schnell wieder in die schützende Badehose zu schlüpfen.

Am Nachmittag spazierten Magdalena, Maria und ich am ewig langen und fast menschenleeren feinen weißen Sandstrand entlang und ließen unsere Blicke neugierig in die anderen Resorts schweifen. Im Khoalak Paradise erfuhren wir von einem älteren Deutschen, der hier schon viele Jahre herkommt, wie man die Höhe des Wasserstandes beim Tsunami ganz leicht feststellen kann – an den Dächern der Bungalows. Helle Dächer bedeuten neu gebaut, die dahinter und höher gelegenen Gebäude tragen noch die alten dunklen Dächer. Wir stehen da, schauen hoch in den blauen Himmel und können uns nicht vorstellen, dass die Welle an dieser Stelle in der gewaltigen und zerstörerischen Höhe von rund 8 Metern über unseren Köpfen auf’s Land geprallt war. Weiter hinten im Anschluss an die Resorts legte eine Gebäude-Ruine als eines der wenigen noch nicht abgerissenen Tsunami-Relikte eindrucksvoll Zeugnis davon ab. Ich fühlte mich in diesem Moment winzig klein und demütig.

Magdalena und Maria gingen noch weiter, mir reichte die Dosis Sonneneinstrahlung und ich kehrte zu unserer Anlage zurück. Kaum wieder auf dem Zimmer, erschien Bert und fragte, wann die Mädels wieder zurück kommen. Er hatte für Maria eine Überraschung vorbereitet und wartete im Whirlpool ihres Bungalows in einem Riesenschaumbad auf ihre Rückkehr. Auf der Sonnenliege am Strand hatte er ihr einen Zettel sichtbar unter’s Handtuch drapiert mit der verlockenden Einladung: "Warte auf Dich im Whirlpool, Eintritt über die Terrasse." Sobald sie zurück kämen, sollte ich Maria zur Liege locken, damit sie den Zettel findet, während er vom Whirlpool im Zimmer aus einen Blick zum Strand und auf uns habe und deshalb mitbekomme, wann es so weit sein wird. Ich legte mich also auf ihre Liege am Strand und wartete.

Nach einer Viertelstunde hörte ich dann endlich die vertrauten Stimmen – Bert musste schon langsam schrumpelige Haut im Whirlpool bekommen haben vor lauter Warten. Durch Winken lockte ich Magdalena und Maria her, aber sie entdeckte den Brief immer noch nicht. Also fragte ich, ob die daneben stehende Badetasche ihr gehöre. Jetzt endlich kam das erlösende: "Was ist denn das?" Sie las, lachte und dann erklärten mir Magdalena und sie, dass sie beschlossen hatten, an der Bar noch einen kleinen Nachmittags-Cocktail zu genießen. Mein "Aber was ist mit Bert?" fand keine Beachtung. Wie sich hinterher herausstellte, hatte Maria gar nicht überrissen, dass ihr seit bald 30 Jahren angetrauter Göttergatte ihre Rückkehr ins Zimmer schon so 'überschäumend' und lange herbeisehnte. Als Maria nach dem Cocktail dann endlich Richtung Bungalow startete, gab ich ihr unseren Fotoapparat mit, da ihrer ja schon auf Coral Island den Geist aufgegeben hatte. Magdalena erzählte ich jetzt, was ihre Schwester nun erwartet, vorausgesetzt, Bert lag inzwischen nicht schon längst entspannt schlafend und völlig aufgeweicht im Whirlpool. Magdalena hörte nicht auf zu lachen. Wie wir hinterher erfuhren, hatte Bert tapfer ausgeharrt. Allerdings musste er 2x wieder aus dem Schaumbad aussteigen, um – Schaumspuren quer durch Bad und Zimmer verbreitend – die erneut komplett abgespielte CD mit Entspannungsmusik zum 3. Mal zu starten, damit er die romantische Stimmung bei Maria’s Ankunft aufrecht erhalten konnte.

Für den Abend beschlossen wir, dieses Mal zu Fuß, wieder zum Lokal vom Vorabend zu gehen, da es uns dort sehr gut geschmeckt hatte. Schon nach 20 Minuten waren wir dort, aßen ebenso hervorragend wie gestern und waren mit unserer Wahl absolut zufrieden. Nach etwas Shopping in den kleinen Läden der übersichtlichen Verkaufsmeile Khao Laks traten wir auch den Rückweg zu Fuß an. Um 23 Uhr saßen wir bereits wieder im Bett und schauten noch etwas DW-TV. Das Portrait einer deutschen Schwester, Schwester Gisela Borowka, die sich zuerst für Lepra-Kranke und heute für Kinder mit ihrer Damian-Schule in Ostindonesien engagiert, faszinierte uns. Danach schalteten wir das Licht aus. Wie's aussieht, scheinen wir uns schnell an die Gepflogenheiten und das ruhige Leben hier gewöhnt zu haben.

 

05.02.2007 – 21. Tag: Faulenzer-Tag in Khao Lak & bewegendes Stranderlebnis

Nach unruhiger Nacht verfiel ich erst in den Morgenstunden in einen tieferen Schlaf – und so war plötzlich um 9:25 Uhr beim Wachwerden schon wieder – wie gestern – Schnellwäsche und Blitzstart zum Frühstück angesagt. Bert schüttelte nur noch den Kopf. Auch heute war er bereits um 6 Uhr am Strand entlang gewandert. Wir schafften dagegen gerade noch vor dem Abräumen das Breakfast.

Anschließend verließ Magdalena fluchtartig unsere Bungalow-Terrasse, wo sie sich mit ihrem Buch niederlassen wollte. Es stank gewaltig. In kurzen Intervallen wurden richtig unangenehm stinkende "Duftwolken" vom Wind genau in Richtung unseres Bungalows herüber geweht. Zuerst dachten wir, sie kämen von dem kleinen, uns gegenüberliegenden Restaurant-Anbau, in dem auch alle Strandutensilien verstaut waren. Aber das war nicht der Fall, denn es stank nach Kanalisation. 

Also flüchteten wir mit unserer Lektüre lieber zum Strand. Es war ein ruhiger Nachmittag, und endlich machte der Roman "Der dritte Zwilling" von Ken Follett richtig Spaß. Zum Lesen gehört einfach auch die Muse. Wenn’s immer nur 1-2 Seiten sind – und dann der letzte Absatz noch einmal nachgelesen werden muss, um in die "Materie" wieder einzusteigen, macht das Lesen eines Buches von 542 Seiten nicht wirklich Sinn. Heute war’s ganz anders. Nach weiteren 150 Seiten, die ich im Tagesverlauf geschafft hatte, fieberte ich schon dem Fortgang und Ende der Geschichte entgegen. Es geht um eineiige Zwillinge, die – getrennt bei unterschiedlichen Eltern aufgewachsen – sich mal kriminell, mal normal entwickelten. Und irgendwie verriet ja der Titel des Buches bereits, dass auf den restlichen Seiten noch einige Überraschungen warten mussten.

Bert und Maria schliefen heute erstaunlich viel, Bert auch mal hörbar im akustischen Wettstreit mit dem Anrollen der Meereswellen.

Am Nachmittag hatten Magdalena und ich irgendwann nach dem faulen Rumliegen und Rumsitzen Bewegung nötig. Wir spazierten erst etwas am Meer entlang, aber nach dem langen Rumfaulenzen und Lesen reichte uns das "nicht wirklich". Also starteten wir einen kleinen Strandlauf. Keine einzige schattenspendende Wolke war am Himmel zu finden, um wenigstens mal kurz die intensive Sonne zu verdecken. Und so reichten schon einige Meter, bis die ersten Schweißperlen sprudelten und das Gefühl vermittelten, richtig sportlich etwas getan zu haben. Jedenfalls ist das beim Sporteln schon nach kürzester Zeit bei mir der Fall und sozusagen mein Bonus für's Wohlfühlen, während bei meiner besseren Hälfte nicht einmal diese Hitze es schafft, Schweiß auf die Stirn und ihren durchtrainierten Körper zu treiben. Wir liefen auf dem harten vom Meereswasser glattgespülten Sand am Wasserrand entlang. Während Magdalena bei diesem Strandlauf neben mir über den Boden zu schweben schien, ließ jeder meiner stampfenden Schritte den wassergetränkten Untergrund unter meinen Füßen leicht erbeben. Damit wurde ich wahrscheinlich zum Lebensretter unzähliger kleinerer und größerer Krebse, die derart vorgewarnt vor unseren sich in den feuchten Sand grabenden Schritten noch rechtzeitig seitlich weghuschen und flüchten konnten. Barfuß wirkte dieser feucht-harte Laufuntergrund wie Beton und erschütterte das ganze Knochengerüst. Deshalb reichte es meiner Frau nach etwa einem Kilometer.

Und so kehrten wir um und spazierten, wie verliebte Teenager händchenhaltend, gemütlich wieder Richtung Liegestuhl und Buch. Nach ein paar hundert Metern sahen wir plötzlich einen Mann vor uns, nur wenige Meter entfernt von den auslaufenden Wellen, die jeweils rasch wieder zerplatzende Schaumränder hinterließen. Er kniete, dabei mit dem Gesäß gemütlich auf den Fersen absitzend. Zuerst erweckte er den Eindruck, als würde er im Sand mit Muscheln spielen. Aber dann schossen uns fast zur gleichen Sekunde 7 Buchstaben durch den Kopf, die verheerenden 7 Buchstaben, die mit diesem Ort so tragisch verbunden sind: T S U N A M I. Er hatte eine Tüte mit Muscheln und Steinen dabei und aus Muscheln eine kleine Pyramide gebaut, umgeben von einem Steinkreis. Tief versunken in seinen Gedanken wechselte sein entrückter Blick immer wieder zwischen seinem kleinen, liebevoll in den Sand arrangierten Altar und der Weite des Meeres. Beeindruckt machten wir einen leichten Bogen um ihn. Wir wollten ihn nicht in seiner Andacht stören. Ob es wirklich so war, wie wir uns sein Verhalten erklärten, wussten wir nicht. Aber an diesem Ort liegt die Vermutung nahe, dass wir wieder einmal den Spuren und Folgen dieser Tragödie begegnet waren. Später erklärte mir Magdalena, sie käme auch jedes Jahr immer wieder hierher zurück, wenn mir so etwas passiert wäre. Auf meine Rückfrage, ob das bei Alaska auch der Fall wäre, erhielt ich nach verblüfftem Nachsinnen ein zuerst unsicheres Achselzucken und dann ein schmunzelndes Eher-Nicht-Kopfschütteln.

Abends saßen wir nach dem jetzt schon bekannten Spaziergang von 20 Minuten ins eher ruhige Zentrum Khao Laks wieder im selben Lokal – und aßen wiederum hervorragend, nachdem wir den letzten freien Tisch ergattern konnten. Danach buchten wir für den nächsten Tag die Similan-Islands, einen Ausflug zum Schnorcheln, der von vielen Touristen, die dort waren, empfohlen wurde. Nach dem Heimweg und noch etwas Lesen schalteten wir kurz das DW-TV ein, um die Neuigkeiten daheim zu erfahren. Nichts Weltbewegendes, vor allem, wenn man irgendwie vom Alltagsgeschehen daheim inzwischen auch gedanklich schon weit entfernt ist. Vor dem Lichtausschalten riefen wir noch beim Operator an mit der Bitte, uns um 6 Uhr zu wecken.

 

06.02.2007 – 22. Tag: Kein Weckruf Schnorchel-Traum + Postkarten-Idylle bei Similan Islands & Arbeitselefanten

Die Nacht war wieder unruhig. Beim Surren eines Moskitos läuten bei mir selbst im tiefsten Schlaf alle Alarmsirenen. Danach bin ich immer hellwach, manchmal nur kurz, manchmal werden die Sinne beim Hineinlauschen in die Dunkelheit des Zimmers nach neuem aggressiv-hellem Summen aber auch erst richtig aktiviert und ich höre jedes nur etwas lautere Geräusch draußen im Freien wie hier das Meeresrauschen, die Grillen oder die Palmblätter, die sich ans Badefenster rieben. Irgendwann sorgten dann keine Moskitos, sondern helle und lachende Frauenstimmen vom Hotelpersonal dafür, dass ich wieder hochschreckte. Im Restaurant waren die ersten Aktivitäten für das um 6:30 Uhr beginnende Frühstück hörbar. Aber es war noch dunkel. Den Arm heben, um auf die Armbanduhr zu schauen, ging leider nicht. Seit der FantaSea-Show war das Armband gerissen, was ich gerade noch rechtzeitig vor dem Verlieren bemerkt hatte. Deshalb lag die Uhr irgendwo im Dunkeln auf dem Nachttisch. Außerdem hätte ich ohne Lichteinschalten sowieso nichts erkannt. Also döste ich noch etwas vor mich hin in der Gewissheit, dass um 6 Uhr ja der Weckruf kommt. Warum also früher aufstehen? Nach kurzem Einschlummern schreckte ich erneut durch Stimmen auf.

Jetzt war es draußen schon hell. Deshalb suchte ich vorsichtshalber nun doch meine Uhr und warf Sekunden später Magdalena aus den Federn: 6:40 Uhr. Um 7:15 Uhr war Abfahrtstermin für den Ausflug zu den Similan-Islands angesagt. Zum Glück hatten wir am Vorabend noch unseren Rucksack mit Fotoapparat, Handtüchern, Badezeug und Sonnenschutzcreme vorbereitet. Kurz-Dusche, Zähneputzen, noch auf einen Kaffee und Toast ins Restaurant – und schon war’s Zeit zur Resort-Bergbesteigung rauf zur Rezeption. Wir waren pünktlich, mussten aber noch 15 Minuten auf’s Abholen warten. In dieser Zeit fragte ich den Boy in der Rezeption, der mit zerknittertem Gesicht und Haar noch recht verschlafen wirkte, was mit unserem Weckruf gewesen sei. "I called you, but nobody was there", erklärte er mir. Meine Rückfrage: "Room Nr. 1125?" bejahte er eifrig und zeigte auf den Zettel in meinem Fach. "When", fragte ich nach. "10 minutes before" erwiderte er. Auf mein weiteres Nachhaken: "Was this time standing in the notice for my room?" schaute er nach und versicherte – mit seinen Weckruf überzeugt bestätigendem Nicken – "6 o’clock". Lachend führte ich den Dialog weiter mit "But now, it’s 15 minutes after 7 o’clock. So, your wake-up-call was 1 hour too late." Ganz verwirrt schaute er zuerst mich und dann seine Uhr an, fuhr verlegen durch’s wirre Haar und meinte dann mit leiser Stimme: "Oh solly". Er wirkte plötzlich total konfus und unsicher. Mein aufmunterndes "No problem. Next time 6 o’clock" ließ seine, von Achselzucken begleiteten schuldbewussten Gesichtszüge aber schnell und erleichtert wieder aufhellen, gefolgt von breitem Lachen und Aufblitzten seiner blendend weißen Zähne.

Zusammen mit 4 Kanadiern und einem jungen deutschen Pärchen wurden wir zu zehnt auf der Ladefläche eines Pick-Up's zum Ablegehafen für die Similan-Boote gekarrt. Beim Hafen zeugten einige zertrümmerte Boote etwa 150 Meter im Landesinnern vom Tsunami. Hier hauste in einer stinkenden Kloake aus Dreck und Abfällen gerade eine Affenherde, die nach Essbarem suchte. 10 Minuten später, als ich zu Fuß mit dem Fotoapparat noch einmal dorthin zurückkehrte, waren die Affen im dahinter liegenden Mangrovenwald verschwunden.

Wir mussten uns aus einer Vielzahl von Flossen und Taucherbrillen mit daran hängendem Schnorchel etwas Passendes aussuchen. Dann hieß es bis 9 Uhr warten, bis aus allen Richtungen die Similan-Touristen angeliefert worden waren. Jeder bekam einen Aufkleber mit einer Nummer auf sein T-Shirt geklebt, wir wie die meisten eine 3, ein paar andere trugen eine 4 auf ihrer Brust. Sie hatten mit Übernachtung gebucht, wie wir erfuhren – und zeigten keinerlei Interesse an einem spontan angebotenen Trikottausch, trotz Hinweis, dass das bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr in Deutschland eine schöne Tradition war.

Während des 70 km weiten Wellenritts mit einem Schnellboot entschieden sich einige schon kurz nach dem Start, eine angebotene Tablette gegen Seekrankheit zu schlucken. Bei einer etwa 25-jährigen Frau schien auch diese Vorsichtsmaßnahme nicht zu helfen, sie wurde blass und blasser und verschwand anschließend mehrmals auf der Bord-Toilette, danach nicht wesentlich erholter aussehend. Nach einer über 1-stündigen unruhigen Fahrt erreichten wir die erste der insgesamt vier angefahrenen Korallen-Inseln von Similan-Islands.

Viele kleine weiße "Jellyfish", also Quallen, die wie milchige halbtransparente Kondome im Wasser schwebten, sorgten hier in dieser von dunklen Lava-Felsen umsäumten Bucht dafür, dass es an verschiedenen Körperstellen kurz etwas kribbelte. Kein Problem. An Fischen war allerdings beim 45-Minuten-Aufenthalt nicht allzu viel zu sehen. Ein paar kleinere bunte Schwärme, ganz vereinzelt ein paar größere, aber bei niemandem war hinterher große Begeisterung zu spüren, wobei die Rückkehr zum Boot sich urplötzlich als kleines Problem erwiesen hatte. Denn nach dem etwa halbstündigen Konzentrieren auf die Unterwasserwelt war ich davon ausgegangen, ich müsse zum Zurückkehren nur schauen, wo das Boot liegt. Aber inzwischen waren wir nicht mehr allein in der Bucht. 3 Boote lagen nahe bei einander. Durch die leicht angelaufene Taucherbrille konnte ich auf den ersten Blick nicht orten, mit welchem ich hergekommen war. So steuerte ich auf das erste zu, doch hier kam mir niemand bekannt vor. Beim 2. dann die bekannten Gesichter und Aufatmen. Nachdem ich wieder an Bord war, stellte sich heraus, dass noch einige fehlten. Ihnen war es genau so ergangen wie mir.

Bei der 2. Insel, der Hauptinsel, wurde das Boot, das wir uns jetzt alle genau einprägten, in dem kristallklaren Wasser bis zum Land gezogen. Das Mittagessen wartete schon. Noch nie hatte das Laufen an einem Strand so eine Freude gemacht wie hier. Richtig weißer Sand wie feines Pulver. Nach dem Wälzen darin sah man aus wie ein frisch-paniertes menschliches Schnitzel – und einige legten sich danach auch zum Braten in die unbarmherzig herunterbrennende Sonne. Ob sie hofften, auf diese Weise so richtig knusprig zu werden? Wir bevorzugten lieber den Schatten.

Nach einer Stunde starteten wir in die 3. Bucht. Hier erfolgte der Ausstieg wieder direkt von der kleinen Plattform am Heck des Bootes, wie beim ersten Halt. Einige fackelten nicht lange und wagten einfach einen beherzten Sprung ins Wasser, andere ließen sich lieber sitzend und an der Einstiegstreppe festhaltend vorsichtig hineingleiten. Jetzt beim zweiten Mal versuchte ich es auch mit einem Sprung. Das erwies sich als viel effizienter und schneller. Und schon beim ersten Blick in die Tiefe war ich dankbar für jede gewonnene Sekunde. Der Anblick der Fischschwärme und einzelnen farbigen Prachtexemplare hier am Riff entlang ließ mich innerlich sofort ins Schwärmen geraten. Hier erlebte ich endlich den erhofften herrlichen Traum von riesigen unberührten Korallen, nicht ganz so bunt wie schon auf Bildern und in Filmen gesehen, aber trotzdem farblich und von der Form her in einer so wundervollen Vielfalt, dass ich mich plötzlich voll und ganz in einer völlig anderen Welt wiederfand. Zum Teil versuchte ich mich an der Wasseroberfläche schwebend absolut bewegungslos zu halten, um das Schauspiel unter mir nicht durch meine Bewegungen zu verscheuchen. Fische in allen nur denkbaren Farben schauten mal neugierig ganz nahe vorbei, andere suchten lieber das Weite, wieder andere waren mit sich selbst beschäftigt, zum Teil in bunten Schwärmen oder auch, indem einer den anderen von seinem Revier verjagte, dem dieser offensichtlich zu nahe gekommen war. Hier unter mir lag das wundervolle 'Universum Meer' in all seiner Pracht. Ich dachte an keine Jellyfish mehr, hatte jegliches Zeitgefühl verloren, ich war einfach nur für viel zu kurze Augenblicke ein Teil dieser wunderbaren Unterwasserwelt.

Doch dann wurde mir schlagartig siedend heiß bewusst, dass rund um mich rum niemand mehr zu sehen war. Hatte ich vor lauter Faszination jegliches Zeitgefühl verloren? Mein Kopf schoss hoch – und erleichtert stellte ich fest, dass das Boot noch da war. Es schaukelte gemütlich in etwa 100 Meter Entfernung auf den leichten Wellen. Schweren Herzens trat ich den Rückweg an, den Blick dabei keinen Augenschlag vom Meeresboden lassend, um all diese betörenden Eindrücke ganz tief und unlöschbar in mein Gedächtnis einzusaugen. Das Einsteigen ins Boot kam mir wie ein schwerer, aber auch schöner Abschied vor. Mit strahlenden Augen erzählte ich von meinen Eindrücken – und war nicht der Einzige, der total begeistert war – auch wenn einige von noch viel schöneren Erlebnissen beim Schnorcheln an anderen Traumplätzen weltweit berichteten. Auch Bert und Maria hatten auf den Malediven noch mehr Farben und Fische gesehen. Aber Magdalena und mir reichte dieses herrliche unvergessliche Erlebnis völlig aus, um zum Anfang unserer Schnorchel-Karriere restlos begeistert zu sein.

Den Abschluss bildete die Insel 4. Hier wurden wir wieder an den Strand gebracht – und wieder dieser traumhafte weiße Sandstrand, fast kitschig schön wie auf den bekannten, alle daheim neidisch machenden Postkarten abgebildet. Zuerst ruhten wir uns ein wenig aus, während Magdalena mit Schnorchel und Brille bewaffnet die Insel-Umgebung erkundete. Sie entdeckte rechts am Strand ein herrliches Riff, obwohl uns auf dem Schiff eher die Felsen links – vom Strand aus gesehen – empfohlen worden waren. Sie animierte mich, mir das mit ihrer Ausrüstung doch auch anzuschauen. Meine hatte ich nach dem tollen Erlebnis zuvor auf dem Schiff gelassen in der Überzeugung, dass die erlebten faszinierenden Momente sowieso nicht mehr getoppt werden könnten. Aber wie von meiner Frau prophezeit, es lohnte sich. Kaum um die Felsen gebogen, wurde das Meer sofort tiefer, unten lag ein alter Ankerhaken. Und rundum wiederum alle Größen und Farben von Fischen, darunter auch ein – im Wasser schwer zu schätzendes, aber rein gefühlsmäßig – fast ein Meter großes, rein weiß schimmerndes Prachtexemplar, das von mehreren kleinen ständig umringt war. Wieder fiel es schwer, das Meer zu verlassen und an Land zu gehen, obwohl hier in Ufernähe wieder kleine Jellyfish pieksten.

Es war ein herrlicher Ausflug – und ein unvergesslicher Tag für uns beide. Auch Bert und Maria waren begeistert, aber nicht vergleichbar mit uns, denn sie hatten schon Ähnliches und noch Schöneres erlebt. Wir waren ihnen dankbar, dass sie uns zu diesem Ausflug überredet und animiert hatten.

Um 17 Uhr kehrten wir nach dem gleichen Wellenritt wie auf der Hinfahrt wieder zum Ausgangshafen zurück. Unterwegs hatten wir noch ein beeindruckendes Erlebnis, als eine Dreierflotte mit Kriegsschiffen nur wenige Meter entfernt unseren Weg kreuzte. Im Hafen wartete schon unser Pick-Up. Schon kurz darauf kreuzten auf der Rückfahrt zum Khao Lak Palm Resort erneut und unerwartet Schwergewichte unseren Weg. 4 Arbeitselefanten trotteten gemächlich zum Straßenrand. Spontan hielt unser Fahrer – und wie auf ein geheimes unhörbares Kommando hin klickten schon wenige Sekunden später gleichzeitig rund um uns rum nach hektischem Herauszerren nahezu sämtliche Fotoapparate "on board".

Nach diesem – zum Teil in einer "anderen Welt" erlebten – Traum-Tag  setzten wir uns auf die Liegestühle unserer Anlage am Strand und beobachteten eine halbe Stunde lang fasziniert das zu diesem herrlichen Tag so perfekt passende sanfte Eintauchen des Sonnenuntergangs in das nur leicht bewegte, am Horizont darauf zu warten scheinende Meer.

Heute führte uns unser Abendspaziergang zu einem anderen Lokal, von dem uns deutsche Urlauber vorgeschwärmt hatten. Hier war die Atmosphäre etwas gehobener. Für ein paar Baht mehr saßen wir hier an gemütlichen kleinen Vierertischen mit Kerzenlicht. Das Essen kam statt wie die Tage zuvor in Plastik- hier in Porzellan-Geschirr. Nach hervorragenden Spring-Rolls als Appetizer genoss ich meine geliebten Prawn-Cake, also wieder kleine Krabben-Schnitzel.

Während Magdalena und ich wohl gesättigt und zufrieden den Heimweg antraten, zogen es Bert und Maria dieses Mal vor, sich fahren zu lassen. Unterwegs überholten sie uns mit lauten Rufen. Zurück im Zimmer verinnerlichten wir noch ein paar Buchzeilen. Aber mitten im Schluss-Plädoyer, mittendrin im spannenden Finale, 10 Seiten vor Schluss, beschlossen Magdalena’s Augendeckel, dass die Verhandlung und damit das Ende des Buches auf den nächsten Tag vertagt werden musste.

 

07.02.2007 – 23. Tag: Zimmermädchen-Landeskunde – Whirlpool-Gaudi – überforderter Ober & Hundewelpe büxt aus

Herrlich, mal wieder auszuschlafen – nach einigermaßen gut durchgeschlafener und nur mit einem Moskito-Stich überstandener Nacht. Bert und Maria wunderten sich, uns schon kurz nach 9 Uhr beim Frühstück zu entdecken. Heute hatten wir uns relaxen vorgenommen. Wir genossen diesen Urlaub Tag für Tag auf’s Neue – wie heute den Blick auf’s ruhige Meer, sowie auf den nun schon seit 23 Tagen täglich blauen Himmel. Und wir freuten uns auf diesen letzten Tag hier in Khao Lak, bevor morgen die nächste Station auf uns wartet mit Koh Samui, wo es laut Urlaubern, die zuvor dort waren, seit Wochen ziemlich bewölkt gewesen sein soll. So um die Mittagszeit kam die Thailänderin vom Room-Service. Sie sprach besser englisch als all ihre Kollegen unten vom Sea-Restaurant – und schaute ganz neugierig auf das Notebook. Ich erklärte ihr, dass ich die täglichen Erlebnisse zusammenfasse – und sie war neugierig, wo uns die Reise durch Thailand überall hinführt. Als sie unsere Reiseziele sah, zeigten ihre interessierten Fragen und Erläuterungen anschließend, dass sie mehr von ihrem Land wusste und zu erklären verstand als viele, die dies in den letzten Wochen professionell versucht hatten.

Nach einem kurzen Abstecher zum Pool und dem verträumten Blick auf’s heute leicht bewegte Meer zogen wir uns wieder ins Bungalow-Refugium zurück und genossen die Wärme, das Bett und den Whirlpool. Einen Luxus-Whirlpool-Schaumbad-Genuss hatten wir uns eigentlich nicht als Urlaubserlebnis in Thailand ausgemalt. Aber wir genossen es. Mit Bert und Maria folgte ein kurzer Cocktail im See-Restaurant. Die Bedienungen verstanden so gut wie kein Englisch. Der Cocktail bestand aus Cola und andeutungsweise einem zusätzlichen – kaum als alkoholisch auszumachenden – Zumix. Nach der Reklamation, dass dieses Cola-Getränk nichts mit dem bestellten Longdrink gemein habe, erhielten wir einen minimalen Zusatz von Bacardi in unser Glas – und anschließend eine Rechnung über jeweils 2 Getränke. Als wir damit nicht einverstanden waren, herrschte helle Aufregung. Erst 10 Minuten später war der von der Bedienung herbeigeholte Chef-Ober im Stande, die Rechnung zu korrigieren. Unsere ursprüngliche Planung, hier im Restaurant unseren letzten Khao Lak-Abend zu genießen, war spontan gecanceled. Diese Entscheidung wurde zusätzlich untermauert durch eine Bestellung, die wir am Nebentisch beim einzigen Gast außer uns verfolgten. Er beanstandete sein Steak und drückte es samt Teller dem Ober wieder in die Hand. Doch der verstand – wie zuvor bei unserem Cocktail – allem Anschein nach kein Wort der Reklamation und irrte hilflos mit dem monierten Essen durch’s Restaurant. Zuerst versuchte er es einem Kollegen in die Hand zu drücken. Nachdem dieser sich grinsend und kopfschüttelnd weigerte, den Teller anzunehmen, schwirrte er damit ab. Bis wir eine Viertelstunde später aufbrachen, hatte der wartende und sichtlich immer ärgerlicher werdende Gast weder das von ihm bemängelte Steak wiedergesehen, noch ein neues oder wenigstens noch einmal den nach wie vor verschwundenen Ober beziehungsweise eine andere Bedienung.

Da war uns dann der kleine Fußmarsch zum Lokal vom Vorabend schon lieber. Bert und Maria wunderten sich vor unserem Bungalow, wo wir trotz ständigen "Gleich, Gleich!!!"-Rufen blieben. Aber Magdalena war nicht vom Zimmersafe wegzubringen. Mit ihren magischen technischen Fingern hatte sie es mal wieder fertig gebracht, eine technische Quelle auf mögliche nervtötende Auswirkungen auf Anwender und Angehörige hin zu testen. Sprich, sie hatte ohne es zu merken den bisher über Wochen vertrauten Code so eingegeben, dass zumindest eine der vier eingegebenen Zahlen anders und somit für uns nicht mehr nachvollziehbar war – und diese "falsche" Zahlenkombination dann unbewusst bestätigt. So erhielten wir beim Versuch, den Safe noch einmal zu öffnen, um die Kamera mitzunehmen, nur noch Error-Meldungen. Heute Abend war sie im Safe sogar vor uns sicher. Notgedrungen starteten wir ohne. Draußen wartete schon das Elektro-Auto, das Bert wie jeden Abend zuvor wegen seines Bypasses und des steilen Berges rauf zur Rezeption geordert hatte. Heute Abend fuhren auch wir dankbar mit – und wunderten uns, mit welcher nicht zugetrauten Leichtigkeit dieses Elektro-Vehikel uns 4 den Berg hinauf hievte.

Beim Spazieren entlang der Hauptstraße überholte uns Alte (zwischen Mitte 50 bis Anfang 60) anschließend ein junges Pärchen aus unserem Resort. Auf gleicher Höhe blieben wir plötzlich alle gebannt stehen und betrachteten auf der 4-spurigen Fahrbahn direkt neben dem Fußweg die platt gewälzte Silhouette einer zu Lebzeiten etwa 50 cm groß gewesenen Schlange. Die Silhouette war uns ehrlich gesagt weitaus lieber als das lebende Original – und der Frau des jungen Pärchens offensichtlich auch. Sie legte plötzlich – ohne Gruß an uns vorbeisausend – einen derart flotten Schritt vor, dass er ihr kaum noch folgen konnte, obwohl locker 1 ½ Kopf größer. Wie sehr hier das Gesetz des Stärkeren gilt, konnten wir schon nach weiteren 100 Metern erneut erleben. Ein vielleicht 2-3 Monate alter Hunde-Welpe überquerte die 4 Fahrspuren, immer wieder fast herumgewirbelt von knapp an ihm vorbeifahrenden PKW und LKW, die keinen Meter auswichen. Dann endlich schaffte er es auf die sichere gegenüberliegende Straßenseite. Dort hatte er einen schwarzen Hund entdeckt – und dem näherte er sich nun neugierig unterwürfig – sich nach 2-3 Metern immer wieder flach auf den Boden werfend. Plötzlich tauchte auf unserer Fahrbahnseite eine Hündin auf, mit starrem Blick auf den Welpen. Sie rannte – den regen Verkehr registrierend – unruhig den Gehsteig auf und ab, während ihre schlaff runterhängenden Zitzen, die von ausgiebigen Mutterpflichten zeugten, im Takt ihrer Schritte rechts und links unter ihrem Körper hervor schwangen. Wir hofften für sie, dass sie ihren scheinbar ausgebüxten Nachwuchs wieder zurück in die mütterliche Sicherheit – und zur Vernunft bringen konnte. Der Nachwuchs war offensichtlich ein frühreifer Rüde – das kleine zu sehende Zipferl bewies es – bei seinen ersten Flirt-Ausflügen, die an dieser Hauptstraße allerdings schnell ein jähes Ende nehmen könnten.

Wiederum aßen wir hervorragend, mit Blick auf die am Horizont untergehende rot-glühende Sonne und die anschließend im Dunkeln dort grün aufflackernde Beleuchtung der wie an einer Perlenschnur aufgereihten Schifferboote. Bert und ich schauten noch kurz ins Internetcafé. Nichts Neues zuhause – also gute Nachrichten. Als wir heraus kamen, saßen Magdalena und Maria wenige Meter weiter vergnügt bei einem Cocktail und unterhielten sich angeregt mit Alexander Bolle, dem für uns in Khao Lak zuständigen Reiseleiter. Er betreibt hier eine kleine Bar. Der 34jährige gebürtige Nordrheinwestfale erzählte uns von seinem abenteuerlichen Weg, der ihn hierher verschlagen hat. Die Drinks in seiner Bar waren die ersten hier, die nicht nach Wasser mit irgendetwas, sondern nach dem beschriebenen Inhalt schmeckten. Über den ziemlich dunklen, von Straßenlaternen mal für ein paar Minuten beleuchteten, dann wieder plötzlich im Dunkeln liegenden Gehweg spazierten wir zurück zum Hotel. Unterwegs hielt ich Ausschau, ob von dem kleinen Hund etwas zu sehen war. Zum Glück keine Spur. Er schien den Rückweg in Mutters schützende Nähe heil überstanden zu haben – vielleicht begrüßt mit einer spürbaren mütterlichen Pfote hinter die "grünen" Löffel. Im Bungalow angekommen fielen wir zufrieden, satt und um einen schönen Tag und Abend reicher ins Bett.

 

08.02.2007 – 24. Tag: Kakerlaken-Abschied Traumblick bei Koh Samui-Flug Wiedersehensfreude & 1. Billard-Versuch

Wieder eine Nacht, nach der ich eigentlich geschaffter war als vor dem Einschlafen. Als sich Magdalena gegen 4 Uhr mit Schwung auf die andere Seite warf und ich Sekundenbruchteile später auf der Gegenseite der großen Matratze in voller Körperlänge in der Luft schwebte, war der Schlaf für diese Nacht weitgehend beendet. Vor dem Frühstück war das Packen in inzwischen schon routinierter Schnelligkeit erledigt. Langsam war es egal, ob was knittert. Auf das noch unbenutzte Gewand kommt einfach eine große Plastiktüte mit der passenden Aufschrift "Laundry", und schon stapeln sich darüber all die Utensilien und Kleider, die in den letzten Tagen so kompakt Schränke, Tische und Stuhllehnen dekoriert hatten. Kaum war alles verstaut, wurde uns der Abschied aus diesem schönen Zimmer urplötzlich erleichtert. Beim Ausschütteln des Bettlakens, um sicherzustellen, dass sich darin nicht vielleicht noch etwas verfangen bzw. versteckt hat, spazierte eine Kakerlake von der Wandseite des Bettes auf der Bettumrandung in unsere Richtung. Sie zwinkerte uns mit hin- und herwedelnden Fühlern vertrauensvoll zu, als wolle sie sich nach den schönen Tagen hier nun persönlich verabschieden. Als sie jedoch bemerkte, dass diese freundliche Geste nicht auf ungeteilte Gegenliebe stieß, trat sie zu ihrem Glück schneller den Rückzug an, als Magdalena reagieren konnte. Ich war erstaunt, wie gut sie Magdalena einschätzte, denn wenn es brenzlig wird, ist schneller Rückzug wirklich sehr ratsam.

Vom Frühstückstisch aus noch ein letzter Blick auf den einsamen Strand und das ruhige Meer. Schon klopfte es zum Checken der Minibar und Abholen unserer Sporttaschen, die im Urlaub bisher eindeutig mehr zugenommen hat als wir selbst. Einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass zu unserer "Erleichterung" bisher noch keine Waage zur Zimmerausstattung gehörte. Sie hätte vielleicht die ganze Lust an Phad Thai und den diversen Seafood-Genüssen zerstört, denn auch ohne Kontrolle ist Magdalena fest von 2 kg mehr überzeugt, was ich ihr auszureden versuchte, um das Gespräch nicht auf mich kommen zu lassen. Bisher war ich damit erfolgreich, obwohl sie mich – glaube ich – längst durchschaut hat. Aber beim Thema "Thailandurlaub und Essen" wäre meiner Ansicht nach "Auf’s-Gewicht-Schauen" vergleichbar gewesen mit der Zensur: "Thema verfehlt" beim Deutschaufsatz früher in der Schule.

Pünktlich wie immer traf der Kleinbus zum anstehenden Transfer Richtung Flughafen Phuket ein – für den Flug nach Koh Samui. Nach einem letzten Blick auf die einsame Küste Khao Laks sah Maria nicht mehr viel von der nun an uns vorbei huschenden schönen Landschaft und dem Treiben rundum. Dafür hatte sie den Verkehrsfluss voll im Blick. Immer wieder ging ihr ganzer angespannter Körper mit bei Überholmanövern, die Hände schoben magisch entgegenkommende Fahrzeuge weiter nach rechts auf ihre Fahrbahnseite. Fast schon an Stress grenzten für sie und auch für Bert diese Bus-Abenteuer, bei denen die Fahrer nach Möglichkeit nur eine Gaspedalstellung bevorzugten, nämlich Bleifuß. Meiner Einschätzung nach war dagegen das Tempo von 110-120 Stundenkilometern auf den breiten, highway-ähnlich ausgebauten Schnellstraßen hier durchaus angebracht. Sie präsentierten sich in einem hervorragenden Zustand, besser, als so manche Autobahn-, Schnell- und Bundesstraßen-Abschnitte bei uns in Deutschland. Und sobald sich "enge Verkehrssituationen" auch nur andeuteten, reagierten die bisher durch die Bank guten Fahrer sofort und sehr vorausschauend. Sie fuhren nicht auf Risiko. Überhaupt fiel uns auf, dass trotz des munteren Verkehrsgewühles und Fahrzeug-Gewimmels hier überall nahezu keine Unfälle zu sehen waren. Alles, was uns bisher in diesem Zusammenhang begegnete, waren zum Glück nur zwei am Straßenrand parkende PKW mit kleinen Beulen. Drum herum standen mindestens 10 gestikulierende Kinder und Erwachsene, zwei davon aktiver als die anderen und von ihnen halb eingekreist, wahrscheinlich die Fahrer.

Frühzeitig und sicher erreichten wir den Flughafen. Das Einchecken bei Bangkok-Airlines verlief problemlos. In der kleinen Lobby der Fluggesellschaft gab es anschließend noch die Möglichkeit, ein paar kostenlose Häppchen und Getränke zu genießen und mal schnell an einem der 3 bereitstehenden Internetterminals nachzuschauen, ob es Neuigkeiten von daheim gibt. Wieder gute Nachrichten – nämlich keine.

Als ich draußen in der Wartehalle ein Infoschild entdeckte, dass die Flughäfen Bangkok, Chiang Mai und Phuket WLAN anbieten, packte ich Notebook und Stick aus meinem Rucksack und testete das Angebot. Es stimmte, allerdings war kein uneingeschränktes Lossurfen damit verbunden. Es erschien nur die Homepage des Flughafen-Internet-Betreibers mit dem Hinweis auf die Möglichkeit, gegen entsprechende Kosten ein gewünschtes Zeit-Kontingent zum freien Surfen im Internet zu erwerben, per VISA- oder MASTER-Card. Kurz darauf wurden wir mit dem Flughafenbus zur wartenden Propeller-Maschine gebracht. Sie war verziert mit Traummotiven unseres Urlaubs wie Palmen, Fischen und Korallen. Sofort wurden die Erinnerungen an unsere Erlebnisse vor 2 Tagen wach, als wir das alles beim Schnorcheln 'in Natura' gesehen und erlebt hatten.

Kurz nach dem Start tauchte links unter uns die herrliche, im Meer verstreute Kulisse der Felsenlandschaft von "Phang-Nga" auf – und wir glaubten von oben sogar die James Bond Insel ausmachen zu können. Eigentlich hätte das Flugzeug jetzt etwas nach links abdriften müssen, denn alle wollten auf dieser Seite einen Blick auf das Naturwunder in der Andamanensee erhaschen. Sicherlich verstärkt der Flugkapitän an dieser Stelle schon automatisch die Leistung des linken Propellers.

Nach 55 Minuten erreichten wir den Flughafen von Koh Samui, dieser nach Phuket und Chang mit 247 km² drittgrößten Insel Thailands. Touristisch wurde Koh Samui erst in den 70er Jahren von einigen wenigen Aussteigern und Hippies entdeckt, den unfreiwilligen Vorfahren des heutigen Massentourismus. Die Anreise war zu dieser Zeit noch recht beschwerlich, zuerst mit dem Zug von Bangkok bis zur Provinzhauptstadt Surat Thani auf dem Festland und von dort mit der Fähre 3 Stunden bis zur Inselhauptstadt Na Thon. Richtig startete der 'Run' auf die Insel erst ab 1988, als ein Privat-Investor den lokalen Flughafen bauen ließ und die private Fluggesellschaft 'Bangkok Airways' gründete, den bis heute exklusiven Betreiber des kleinen Airports. Erst ab dieser Zeit entwickelte sich die heutige Invasion von inzwischen jährlich 1,2 Millionen Besuchern hier im Golf von Thailand. Auch der Tsunami hatte auf dieser "sicheren Seite" indirekt noch Auswirkungen, indem er mit einer zusätzlichen Touristenwelle für eine weitere explosive Zunahme sorgte. Die unangenehme Folge dieses Booms erleben die Einheimischen bei den Preisen, die nicht nur für Grundstücke, sondern auch für die täglichen Dinge des Lebens wie Fleisch und Reis innerhalb weniger Jahre um 300 Prozent gestiegen sind.

Anstelle der sonst üblichen Busse erwarteten uns nach dem Aussteigen bunte Wagen, die etwas an San Franciscos Cable-Cars erinnerten – obwohl kleiner, nicht auf Schienen und mit mehreren seitlichen Einstiegen versehen. Und dann war unser Rätseln: 'Weiß er, mit welchem Flug wir kommen? Ist er da oder nicht?' beantwortet. Da stand er braungebrannt in der Ankunftshalle – JOSEF, unser Auswanderer, Magdalena’s und Maria’s Bruder. Er sah gut aus. Die Begrüßung war herzlich. Mit seinem neuen Pick-Up brachte er uns zum Hotel, dem "Samui Natien Resort – Chaweng Beach". Das Gepäck folgte mit einem Fahrzeug des Veranstalters, dem wir zuvor mitgeteilt hatten, dass wir privat zum Resort fahren.

Bert und Maria, die schon vor 5 Jahren hier gewohnt hatten, waren etwas enttäuscht – auch über den inzwischen mit Liegestühlen vollgepflasterten Strand direkt beim Hotel. Die Zimmer waren soweit sauber, zwar mit TV, aber ansonsten sehr einfach eingerichtet mit einer schon etwas in die Jahre gekommenen Ausstattung – und ziemlich dunkel. Außerdem mussten wir erstmals feststellen, dass in Hotels der gebuchten Kategorie nicht überall in Thailand ein Safe zum Zimmer-Standard gehört. Hier gab es nur den Tresor an der Rezeption für das Verstauen der persönlichen Wertgegenstände. Für ein Schloss zum Absperren wurde zusätzlich kassiert. Von unseren bisherigen Unterkünften war diese hier eindeutig die schlechteste.

Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass sie eigentlich idyllisch direkt am von Palmen, Sträuchern und Blumen gesäumten Weg lag von der Rezeption runter zum Strand und zu dem dort befindlichen Frühstücks- und Strandrestaurant. Kaum saßen wir dort für eine kleine Erfrischung und die ersten neugierigen Fragen an Josef – und umgekehrt, ertönte plötzlich hinter uns ein großes "Hallo". Bert's und Maria's Malediven-Bekannte, mit denen sie schon vor dem Urlaub ein Treffen hier in Koh Samui verabredet hatten, waren ebenfalls heute von Chiang Mai kommend eingetroffen. Sie hatten an einer Exkursion im Norden teilgenommen – bei zum Teil nur 16 Grad. Und so freuten sie sich jetzt auf mehr Wärme hier im Süden und genossen die Sonne bei rund 26 Grad. Uns dagegen kam es eher "kühl" vor im Vergleich zu den letzten 3 1/2 Wochen auf der anderen Seite des Festlandes mit mindestens 5 Grad mehr Wohlfühl-Temperatur als jetzt auf Koh Samui.

Nach ihrer Ankunft waren Gisela und Peter einfach mal auf Verdacht zu unserem Resort spaziert. Es lag nur rund 300 Meter von ihrem entfernt. Und auf Anhieb hatten sie uns gefunden. Volltreffer! Viele Neuigkeiten wurden in alle Richtungen ausgetauscht. Dann spürte Josef unsere Neugier, endlich sein schönes, am Berg liegendes und nach 7 Jahren inzwischen durch großen Swimmingpool und 2 angebaute Bungalows modernisiertes und erweitertes Haus zu sehen – und natürlich auch Joyce, die neue thailändische Freundin. Am Eingang wurden wir herzlich von Joyce und dem neusten Familien-Mitglied, dem 2 Monate alten Hunde-Mädel "Cooki" begrüßt. Auch Joyce's Schwester Kanita, die im vermieteten Haupthaus die Gäste betreut, schaute auf ein kurzes "Hallo" vorbei, um ebenfalls "Josef's family" kennenzulernen. Die beiden waren wohl genau so neugierig auf uns wie wir auf sie. Bei einem Willkommenstrunk genossen wir vom Appartement aus den gigantischen Weitblick runter zum Meer, selbst vom Pool aus – mit freiem Überlauf Richtung Meer.

Inzwischen war es Zeit, unseren Hunger zu stillen. Josef fuhr uns alle nach Chaweng-Beach. Sein Pick-Up war mit der "neuen Großfamilie" im Fahrgastraum und auf der Ladefläche voll gefordert und ausgelastet. Zum Glück mussten wir nicht den Berg rauf, sondern runter. In einem Thaifood-Lokal gab’s alles, was das Herz in punkto thailändischer Küche begehrte, angefangen von Magdalena’s Lieblingssuppe "Tom-Yum-Goong" bis hin zu allen Variationen von Seafood.

Rundum zufrieden und absolut 'full-filled' fuhren wir danach in 'Murphy’s Pub'. Dort erlebten wir eine gemischte philippinische Damen-Männer-Band, die richtig abrockte, mit vollem Einsatz und einem Repertoire, das von AC/DC über Kylie Minogue, Tina Turner, Janis Joplin bis hin zu Celine Dion reichte. Vier Stunden wird hier täglich Non-Stop den zahlreichen, überwiegend jüngeren Zuschauern eingeheizt. Josef und Joyce spielten zwischendurch mal kurz Billard und luden Magdalena und mich ein, es auch einmal zu versuchen. Fazit unseres ersten Kontaktes mit diesem Sport: Der Billardtisch überlebte unsere Attacken mit dem Queue auf den Oberflächen-Belag und die Kugeln zum Glück unversehrt. Es gelang uns sogar, Kugeln zu entfernen, wenn auch zuerst nicht auf regulärem Weg in die dafür vorgesehenen Löcher. Stattdessen flog die Weiße über den Rand des Spielfeldes hinaus auf den Boden und hüpfte von dort aus wie ein Känguru mit kleiner werdenden Sprüngen quer durch den Raum. Danach folgten aber auch die ersten Erfolgserlebnisse mit richtig und sogar in der korrekten Farbe versenkten Kugeln. Um 01:30 Uhr konnten dann aber auch die Rockladies nicht mehr verhindern, dass sich nach diesem langen Tag die Müdigkeit so langsam meldete. Josef fuhr uns wieder zum Resort. Nachdem wir die Klimaanlage auf 25 Grad und kleinste Stufe eingestellt hatten, fielen wir geschafft, aber glücklich ins Bett – und schliefen sofort gut und fest.

 

09.02.2007 – 25. Tag: Koh Samui Katamaran – Alltag auf Samui – 4% – Grillabend beim Nachbarn & Leucht-Ballon

Das Frühstück wurde zum Glück bis 10:30 Uhr angeboten, so bedeutete 9:30 Uhr Aufstehen keinerlei Stress. Wir zogen die Jalousien hoch, aber es wurde kaum heller. Der Bungalow 505 war wie die anderen hier in dieser "Hauptstraße" ein relativ "dunkles Loch". Er bekam den ganzen Tag keinen einzigen Sonnenstrahl ab, es fand sich kein Fön, keine Kaffeemaschine, kein Kaffee wie sonst überall bisher Standard, dafür schwirrten unzählige Moskitos im Zimmer. Wie gesagt die bescheidenste Bleibe bisher, obwohl die mit teuerste, denn dieses Zimmer kostete 3500 Baht, also fast 75 Euro für die Übernachtung mit Frühstück. Auch das fiel im bisherigen Vergleich eher "mager" aus. Zur Auswahl stand etwas Obst und 2-3 verschiedene Sorten von Haferflocken und Flakes, dazu noch gebratener Speck, ein paar kleine Würstchen, 2 verschiedene Sorten Marmelade und 2 Sorten Joghurt. Allerdings war um 9:45 Uhr zum Beispiel die Erdbeer-Joghurt-Schale schon vollkommen ausgekratzt – und blieb so auch die nächsten 45 Minuten bis zum Ende der Frühstückszeit stehen. Die Nachfrage ergab: "No have". Stimmte scheinbar wirklich, denn am nächsten Tag war gleich überhaupt kein Erdbeer-Joghurt dabei, nur eine Schale mit dem normalen Natur-Joghurt. Lichtblick war jedoch für mich, wie auch sonst überall, der "Eiermann". Mit "Scrambled Eggs with all" oder hier auch "Omelet" genannt, dazu noch einem Toast mit Erdbeer-Marmelade, einem Kaffee und 2 Gläsern Saft sah der Tagesbeginn schon mal gut aus, trotz des gegenüber bisherigen Resorts nahezu halbierten Angebots. Verhungern musste auch hier sicherlich keiner.

Um 11 Uhr kam Josef vorbei – und freute sich über ein paar Euro. Wir hatten zuhause einiges von seinem früheren Hausrat verkauft – und von Mutter gab’s auch noch das Weihnachtsgeld dazu. Wie sehr er auch hier auf einen einigermaßen finanziellen Hintergrund angewiesen ist, erfuhren wir direkt im Anschluss. Nach der Renovierung seines Hauses und dem Neubau der beiden Bungalows und des Swimmingpools standen plötzlich die Bauarbeiter vor seiner Tür, forderten ihr Geld oder sie würden mit den Fenstern anfangen und alles Machbare wieder ausbauen. Sie hatten noch keinen Baht für ihre Arbeit gesehen, obwohl Josef dem Bauträger längst den Großteil der bisher gestellten Rechnungen bezahlt hatte. Dieser hatte jedoch die Bauarbeiter vertröstet mit der Lüge, vom Besitzer noch nichts erhalten zu haben. Josef vereinbarte mit dem Bauträger, einem Deutschen, der mit einer Thailänderin verheiratet ist, einen Besprechungstermin und kopierte mehrfach alle Rechnungen und Überweisungen. Was der jedoch nicht ahnte, Josef rückte mit dem ganzen Bauteam und einem Polizisten als Zeugen an. Es kam fast zum Eklat. Josef konnte beweisen, dass nicht er die Arbeiter um ihren Lohn geprellt hatte, sondern ihr Auftraggeber. Einen noch ausstehenden Betrag übergab er direkt dem Vorarbeiter, ließ sich die Auszahlung quittieren und war damit wieder rehabilitiert, denn alle Bauarbeiter entschuldigten sich bei ihm. Sie würden sich nun nur noch an ihren Auftraggeber halten, was den noch ausstehenden Lohn betrifft.

Ganz aktuell musste Josef vorgestern und gestern feststellen, dass nicht einmal die in Auftrag gegebenen, abgerechneten und von ihm gutgläubig bezahlten Materialien verbaut worden waren. Denn innerhalb von 2 Tagen platzten in beiden neugebauten Bungalows in der Dusche die Wasserleitungen, so dass beide Bäder unter Wasser standen. Besonders unangenehm dabei, einer der Bungalows war vermietet. Statt Kupferrohre waren ohne Josef's Wissen einfach Kunststoffrohre verbaut worden, die dem Druck und heißen Wasser jetzt, nur wenige Wochen nach dem Einbau, nicht mehr stand hielten und den Pfusch auffliegen ließen. Die neuen Fließen mussten wieder raus und Schlitze geschlagen werden – unnötiger Ärger einfach, der gewaltig an die Nerven geht, da an der Tagesordnung. Hautnah konnten wir aus erster Quelle erfahren, dass hier auf Dauer zu leben das Wahrwerden eines Traums, im Alltag aber manchmal auch Albtraum bedeuten kann.

Bei allen, die auf dieser Insel ihre neue Heimat gefunden haben und mit denen wir sprachen, war ein ganz klein wenig zwischen den Zeilen Angst zu spüren, die keiner konkret äußerte und die doch ständig über allen zu schweben scheint. Es gibt keine Rechtssicherheit wie bei uns. Keiner weiß, was bei einem nicht so friedlichen Militärputsch wie dem letzten passieren würde oder was die Regierung in Bezug auf die Fremden, die Farangs noch alles beschließen könnte. Die Visa-Bestimmungen wurden sowieso schon verschärft. Diejenigen, die sich jetzt hier neu niederlassen wollen, können laut Josef 3x ihr 3-Monats-Visum verlängern, wozu sie persönlich ausreisen und wieder einreisen müssen. Dann dürfen sie das Land ein halbes Jahr nicht betreten. Für diejenigen, die schon länger hier leben, gelten noch die alten Regelungen, zum Teil gab's sogar Erleichterungen. Aber auch sie müssen ihr Aufenthalts-Visum ständig erneuern. Allerdings gibt's jetzt die Möglichkeit eines Dauer-Aufenthalts-Visum's im Gegensatz zu früher, als alle 3 Monate "ausreisen" angesagt war. Also zur Grenze, Ausreisestempel rein, Wiedereinreisestempel rein.

In Josef’s Bekanntenkreis hatten einmal einige Deutsche eine vermeintlich "klevere" Lösung gefunden, einen Polizisten, der gegen eine gewisse Aufwandsentschädigung diese Prozedur für sie erledigte. Er kannte einen Zollbeamten, sammelte alle Pässe ein, ließ sie mit den notwendigen Stempeln versehen und schon war die Sache bequem erledigt. Als dieser Polizist jedoch eines Tages einen Autounfall hatte und die Pässe auf der Straße lagen, landete er ebenso wie der Zollbeamte im Gefängnis, in Thailand sicherlich im Vergleich zu uns kein Vergnügen – und alle Passinhaber hatten innerhalb von 24 Stunden das Land zu verlassen. Persönliches Eigentum wie Häuser oder bei einem von ihnen gar ein gut gehendes Restaurant wurden kurzerhand vom Staat konfisziert. Sie konnten nur auf die Schnelle ihre persönliche Habe zusammenpacken und mussten das Land auf Nimmerwiedersehen verlassen.

Josef erzählte, wer heute das Dauer-Aufenthalts-Visa beantrage, der müsse 800.000 Baht Vermögen nachweisen. Früher liehen sich einige dieses Geld, wenn es soweit war und gaben es am nächsten Tag wieder zurück. Die Regierung hat dem nun einen kleinen Riegel vorgeschoben. Jetzt muss der Betrag für 3 Monate auf dem eigenen Konto nachgewiesen werden. Dafür gibt es für die Eingesessenen heute auch die Möglichkeit, das Visa für ein Jahr legal zu verlängern, ohne extra das Land dafür verlassen zu müssen, allerdings ist neben dem Geldnachweis auch ein Gesundheits-Check und etliches an Formularen notwendig.

Kurz, nachdem Magdalena mit ihrem Bruder zum Einkaufen gefahren war, klopfte Bert und bat mich, ihn doch schnell – und ganz wichtig – mit Fotoapparat und Filmkamera zum Strand zu begleiten. Er hatte einen 43-jährigen Nürnberger entdeckt, der seit 15 Jahren hier lebt, Katamaran-Boote vermietet oder selbst Ausflüge mit dem Katamaran anbietet, die Stunde für 900 Baht. Zehn Minuten später watete Bert mit Schwimmweste und Bootsführer raus zum wartenden Boot – und entschwand in flotter Fahrt. Eine Stunde später kam ein glücklicher Bootsführer, er hat selbst den Bootsführerschein, zurück. Nur ins Trapez hatte er sich nicht hängen dürfen – die 104 Kilo Lebendgewicht waren dem Eigentümer doch etwas zu viel einseitige Belastung seines Katamarans und er befürchtete bei einer Windböe das Kentern seines Bootes.

Hier am Strand erlebte ich was Neues. Plötzlich startete ein Longtail-Boot ohne Gäste, aber dafür mit auf die Küste gerichteten Lautsprechern. Und dann vernahmen wir aus total übersteuerten Boxen die Einladung für’s Boxen: "Tonight – the fight of the fights. Tonight Tonight Tonight – 9 o’clock, 9 o’clock, 9 o’clock". Nachdem die Distanz zwischen Hauptstraße und Strand wie hier größer ist und viele somit beim Relaxen am Meer von der Haupt-Verkehrs- und Business-Ader aus nicht erreichbar sind, werden sie halt auf diesem Weg erreicht und beschallt. Dem Trubel an der Chaweng- und der folgenden Lamai-Beach zu entkommen ist fast eine 'Mission-Impossible'.

Alle Liegen am Strand waren belegt – aber langes Hinlegen war sowieso nicht mehr angesagt, da Josef uns um 17 Uhr abholte. Wir fuhren zu ihm auf den Berg, wo wir anschließend das Haus seines Nachbarn besichtigen durften. Ein riesiges Haus mit hallenartigen Räumen, das auf einer Seite einen fantastischen Ausblick auf die halbe Insel und die Meeresbuchten gewährte – von einer 14 Meter über dem Hang schwebenden Terrasse, verankert auf langen darunter im Berg versenkten Säulen. Aber auch von diesen Besitzern, einem Schweizer Ehepaar erfuhren wir, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Fast hatten wir das Gefühl, als würde die Besitzerin, etwa Mitte 60, sich zurück nach Küsnacht bei Zürich sehnen, wo sie alles aufgegeben hat.

Von hier aus waren es nur ein paar Meter zum nächsten Super-Anwesen, das oberhalb von Josef am Berg liegt. Diese Nachbarn, ein deutsch-österreichisches Ehepaar, hatten uns eingeladen zum Steak-Grillen, weil sie Josef’s Familie kennenlernen wollten. Von hier aus hatten wir einen tollen Blick auf Josef's Haus. Zusammen mit anderen deutschen Gästen, die auf Besuch waren, erlebten wir einen sehr schönen Abend, an dem es viel zu lachen gab. Hausbesitzer Michael zeigte uns seine ebenfalls mit hohen Sichtdachstühlen ausgestatteten herrlich großzügigen Wohnräume, zum Beispiel mit einem Schlafzimmer so groß wie ein kleiner Tanzsaal. Er erzählte uns, dass er mit Wein sein Geschäft gemacht habe, für eine Mark habe er die Flasche gekauft und für fünf Mark habe er sie verkauft – und von den "4 Prozent" habe er leben und sich alles aufbauen können. Bert und ich, wir schauten uns an und uns wurde schlagartig klar, dass wir früher den falschen Rechen- bzw. Mathematik-Lehrer in der Schule gehabt haben mussten und obendrein auch wohl noch den falschen Beruf ergriffen hatten. Irgendwie hatten wir beide in unserem finanziellen Leben bisher immer falsch gerechnet mit unseren "Prozenten". Sich so etwas wie das hier aufzubauen – alle Achtung.

Michael erzählte uns auch eine interessante Anekdote von seinem Gärtner, der 6 Tage in der Woche für 7000 Baht, also gut 140 Euro Monatsgehalt arbeitet, während Nachbarn schon Arbeitskräfte aus Burma beschäftigen würden, die bereit wären, für die Hälfte dieses Lohnes zu schuften. Das sind ja fast Zustände wie inzwischen in Europa. Auf jeden Fall sei vor kurzem das Moped seines Gärtner kaputt gegangen, eine Reparatur lohnte sich nicht mehr. Für ein neues Moped allerdings hatte er kein Geld. Besitzer Michael wusste von einem Vorführ-Moped mit ganz wenigen Kilometern, das statt 38.000 nur noch 30.000 Baht kosten sollte und schlug nach seinen Worten seinem Gärtner vor, doch dieses Moped zu kaufen. Er würde ihm 8000 Baht, also mehr als einen Monatslohn dafür schenken und 12.000 Baht leihen, die der ihm innerhalb eines Jahres in 1000-Baht-Raten wieder zurückzahlen könne. So brauche er nur noch 10.000 Baht direkt aufzubringen für den Kauf. Der Gärtner lehnte dankend ab – mit dem Argument, er könne sich mit einem neuen, jedoch schon gebrauchten Moped nicht in seinem Bekanntenkreis sehen lassen, da er damit sein Gesicht verliere. Und für ein neues Moped reiche das Angebot nicht aus, also verzichte er im Moment lieber ganz auf Moped und Angebot. Der Gastgeber schüttelte lachend den Kopf. Schade, dass der Gärtner nicht da war. Mich hätte der Hintergrund seines auf den ersten Blick nicht logisch nachvollziehbaren Denkens interessiert – und wie er es aus seiner Sicht erklärt.

Später am Abend konnten wir ganz in der Nähe das Aufsteigen eines ungefähr einen Meter hohen und 50 Zentimeter Durchmesser großen weißen Licht-Ballons beobachten, der wie ein irreales von innen beleuchtetes Riesen-Kondom rasend schnell und sehr hoch in den Nachthimmel emporstieg und noch über hunderte von Metern wie ein gelblich-weiß flackender Stern zu sehen war. Es war kein ritueller Akt wie zum Beispiel auch zum Gedenken an Tote praktiziert, sondern junge Leute erlaubten sich einfach nur einen Spaß.

Ein kleiner familiärer Ratsch am Strand mit Josef, der uns wieder mit dem Pick-Up zum Resort gebracht hatte, bildete um 01:30 Uhr den Abschluss dieses schönen Abends. Dabei konnten wir – zuerst fasziniert von dem Geräusch und Anblick der wie plötzlich aus dem Nichts träge heranrollenden kleinen Meereswellen – den am Horizont über dem Meer aufgehenden halbvollen Mond erleben. Wir blickten wie gebannt in das sich leicht brechende Mondlicht, das wie ein dicker gelb-goldener, auf dem Wasser liegender und sich kräuselnd bewegender transparenter Balken wirkte. Genau in diesem Korridor drehte sich auch noch ein weit draußen verankertes Schiff ständig als schwarze Silhouette im Wind. Stundenlang hätte ich dieses wunderbare Naturschauspiel beobachten und dabei die Zeit vergessen können. Man muss nicht alles fotografieren, um es als lebendiges Bild im Kopf zu behalten. So intensiv hätte meine Kamera dieses Erlebnis gar nicht festhalten können, wie ich es noch immer vor mir sehe. Während ich so eher vor mich hinträumte, führten die anderen eine angeregte Unterhaltung über viele familiäre Interna.

 

10.02.2007 – 26. Tag: Koh Samui Bikini-Kauf Zahnpasta-Blüten-Teller & Früchte-Schnitzer

Um 10 Uhr beim Frühstück das gleiche Bild wie bisher hier im "Samui Natien Resort – Chaweng Beach". Bis auf den freundlichen Eier-Service ein eher lustlos und unpersönlich wirkendes Bedienungspersonal. Danach zogen wir uns etwas auf Zimmer zurück, Magdalena las, ich setzte mich ans Notebook, um vom Chip mal wieder die Bilder des Fotoapparates einzulesen – und mein Reisetagebuch auf dem Laufenden zu halten. Wenn ich es nicht täglich erledigte, gingen vor lauter neuen Eindrücken schon wieder Tagesabläufe und interessante Erlebnisse und Anekdoten, die wir uns merken wollten, im bunten Strauß der neuen Impressionen unter und verloren. Manchmal mussten Magdalena und ich gemeinsam Schritt für Schritt den vorangegangenen Tag rekapitulieren, um alles wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. Und gelegentlich sah ich plötzlich auch wieder etwas vor mir, das schon länger zurücklag. Mit der Textsuch-Funktion STRG+F musste ich dann erst einmal das entsprechende zurückliegende Ereignis suchen, zu dem das Wieder-Eingefallene ergänzend passte. So gelangte ich zum Beispiel über das Suchwort "Patong" wieder zu unserem Abend bei den Bars in der Bangla Road und konnte so dort meine Erinnerung an das Schild "Warm Aussies Welcome" ergänzen.

Nach der Aktualisierung der Bilder auf den neuesten Stand schaltete ich das Notebook wieder aus. Es tat irgendwie weh, im Zimmer zu sitzen bei Sonne, inzwischen über 30 Grad und herrlich feinsandigem Strand draußen – vor allem, wenn man dabei wie ich gerade auch noch über das Deutsche Welle Fernsehen vom kalten Schmuddelwetter daheim erfuhr, in das es ja sowieso schon nächste Woche zurück geht. Um so perverser kam ich mir vor, als wir kurze Zeit später in der richtig heißen Sauna in unserem Resort saßen und kräftig schwitzten. Irgendwie passt das so überhaupt nicht zu einem Urlaub im warmen Süden. Trotzdem tat es gut – wir sind regelmäßige und leidenschaftliche Saunagänger zuhause. Fast grotesk wirkte auf uns das scheue und – wie die Bayern sagen würden "g’schamige" Verhalten einer Thailänderin, die ganz verkrampft in Badeanzug und zusätzlich Resorthandtuch eingehüllt zusammen mit einem jungen Schweizer Liebhaber in der Sauna saß und sich überhaupt nicht umzuschauen traute. Das passte so gar nicht zum dem freizügigen Anbieten der Liebesdienste an den Bars. Jedenfalls wirkte sie nicht wie manch andere, denen schon von weitem der abgeklärte Profi anzusehen war.

Später am Nachmittag, nach einem kleinen Bad im Pool, starteten Magdalena und ich zu einem Bummel durch Chaweng. Und oh Wunder, immer wieder findet sich etwas zum Kaufen. So auch heute. Es waren 2 neue Bikinis – und ich wurde bei einer thailändischen Zahnpasta fündig, nachdem die von daheim mitgebrachte Tube jetzt nach 3 1/2 Wochen langsam nur noch durch Schütteln dazu zu bringen war, den Rest herauszuspucken. Vor 4 Jahren hatte ich hier eine hervorragende Zahnpasta gefunden, mit Aloe Vera, aber jetzt suchte ich sie vergebens. Das Personal in den Märkten zuckte nur unwissend die Schultern ohne zu verstehen, was ich will. Die neue Zahnpasta heißt 'Darlie – Double Action', schmeckt nach Kaugummi mit Minze, und für die 48 Baht erhielt ich zu meiner Überraschung an der Kasse auch noch einen Porzellan-Essteller mit schönen Blütenmotiven. Allerdings fand ich nicht heraus, ob das eine Dreingabe zur Zahnpasta war oder ich vielleicht der 10.000 Kunde seit Eröffnung war.

Auf jeden Fall trug ich Zahnpasta mit Teller stolz durch Chaweng. Auf dem Rückweg entdeckten wir etwas abseits eine Thai Food-Küche mit Ente im Angebot. Als die einfachen hauchdünnen Teller auf den Tisch gestellt wurden für unsere "rice with duck and vegetables"-Bestellung, also Reis mit Ente und Gemüse – zusammen für 150 Baht – erregte mein schöner Teller allgemeines Aufsehen, nachdem ich ihn aus der Tüte gezogen und mit dazu gestellt hatte. Die Thais machen gerne Spaß mit und lachen gerne. Vielleicht ist es manchmal ja auch nur aus Höflichkeit? Bei den Straßen-Händlern jedenfalls kann sich der lachende Gesichtsausdruck im Bruchteil von Sekunden auch schlagartig ändern, sobald sie den Kopf vom vermeintlichen Kunden weggedreht haben. Und bei einigen war auch zu beobachten, dass das zuvor so freundlich-fröhliche Verhalten beim Werben und Überreden zur Kaufentscheidung danach ganz schnell einem ziemlichen Desinteresse weichen konnte. Du bekamst ganz deutlich gezeigt, dass nun nicht mehr Du, sondern nur noch der nächste potenzielle Kunde interessant ist. Aber auch dieser Eindruck ist – wie vieles andere – nicht zu pauschalisieren und war so nur hier und da festzustellen, vor allem in den professionellen Verkaufsmeilen. Dort war bei genauerem Hinsehen schnell zu erkennen, dass in diesem "Haifischbecken" von Händlern jeder geschäftlich um seine Existenz kämpft. Fröhlichkeit und Freundlichkeit wurden dabei von manchen halt nur als Mittel zum Zweck eingesetzt, von dem einen natürlicher und besser beherrscht, vom anderen weniger. Bei uns in Deutschland ist es ja oft das Gleiche.

Kurz vor 23 Uhr waren wir wieder zurück, heute mal ganz ruhig – ohne die anderen. Maria und Bert hatten sich mit ihren Bekannten getroffen, Josef hatte private Termine. Es war ein Tag, wie er sonst oft bei unseren zurückliegenden Reisen üblich war, wenn nur wir zwei fremde Länder erkundeten und gerne wie hier durch umtriebige und exotische touristische Geschäftsviertel streunten. Immer wieder versuchen wir dabei auch, uns einfach einmal etwas abseits hinzustellen. Erst durch dieses Ausklinken aus dem Touristenstrom, und sei es nur um 2-3 Meter, wie beim Ausscheren aus einer Ameisenstraße, lässt sich oft erst die Diskrepanz zwischen Touristen auf der einen und den Einheimischen auf der anderen Seite beobachten und erkennen. So entdeckte ich hier beim kurzen Innehalten und Beobachten des regen Geschehens um mich rum einen altersmäßig schwer einzuschätzenden, vielleicht 60jährigen hageren und stark tätowierten Thailänder. Tiefe Furchen in seinem Gesicht deuteten auf ein intensives und möglicherweise auch exzessives Leben hin. Im Gegensatz dazu war kein einziges graues Haar zu sehen in seiner pechschwarzen vollen Haarpracht, die zu einem langen Pferdeschwanz zusammengebundenem war. Von den nur wenige Meter entfernt auf der Hauptstraße vorbeieilenden Touristen überhaupt nicht registriert zauberte er – in einem kleinen, 1 Meter breiten und 2 Meter tiefen Holzverschlag – aus Melonen durch mühsames Ausschneiden die tollsten Lotusblüten, sowie kleine undefinierbare Kunstwerke aus Karotten. Ein Hotelangestellter schien gerade eine Bestellung bei ihm abzuholen, hier unbeachtet, im Hotel dagegen sicherlich eine Attraktion.

Wir mögen und genießen den Trubel auf der doppelspurigen "Touristen-Ameisenstraße", aber wir lieben es auch, auszuscheren und die Menschen, Händler, Geschäfte und Lokale der Einheimischen in der 2. und 3. Reihe zu erkunden. Hier führte der Weg dabei auch mal durch dunkle Straßen ohne Gehweg, wo jedes Auto genau beobachtet werden musste, ob es einen auch sieht oder ob vorsichtshalber ein kleiner Sprung zur Seite angesagt war. Diese Wege zeigten auch gelegentlich das "Vorne Hui und hinten Pfui" richtig schön krass, wenn’s zum Beispiel vorbei ging an den dunklen, teilweise auch dreckigen, von Müll gesäumten und stinkenden Rückseiten der vorne oft so prunkvollen Hotels. Am Rande einer dieser noch ursprünglichen Verkehrspfade, nahezu ausschließlich genutzt von den hier lebenden Thais, hatten wir das Thai Food Lokal mit unserem Enten-Abendessen entdeckt. Zuerst waren wir die einzigen Gäste, bis eine Nachbarin mit einem Massage-Salon zum Essen auftauchte. Sie lud uns ein, ihre Massagekünste doch einmal zu testen: "You will come tomollow?"

 

11.02.2007 – 27. Tag: Koh Samui Frühstück mit Hund ein überforderter Jeep ein Rockerwirt & Thai-Boxen

Gegen Ende des Frühstücks, das wir heute draußen auf der Terrasse einnehmen mussten, weil im Restaurant um 9:40 Uhr alle Plätze belegt waren, tauchte einer dieser mageren Hunde mit dem "traurigen Blick" auf. Er hielt Sicherheitsabstand zu unserem Tisch, ohne uns aus den Augen zu lassen. Als hätte er es geahnt, dass Magdalena so einem hungernden Augenaufschlag nicht lange widerstehen kann. Kurz darauf hatte sie von der blassen Frühstückswurst des Buffets schon etwas organisiert – und lockte den Hund weg vom Lokal. Dort freute er sich gierig über diesen Genuss, der in Sekundenschnelle verschlungen war.

Wieder zurück im Zimmer kamen gerade die 2 Damen vom Roomservice zum Betten- und Zimmermachen. Ich zeigte ihnen per Handzeichen, dass ich ziemlich zerstochen bin von Moskitos, erklärte: "I need help" und machte Gesten und Lauten Zeichen für's Sprühen. Sie lachten nur bestätigend "Yes, Moskito!" und zuckten mit einer hilflosen Geste mit den Schultern. Peter und Gisela hatten erzählt, dass in ihrem Hotel die Zimmer-Reinigung jeden Tag auch ein Sprühen gegen Moskitos beinhalte. So wartete ich etwas ab, ob vielleicht doch eine der beiden Raumpflegerinnen meiner Bitte um Hilfe entsprechend etwas unternimmt. Aber es geschah nichts – von ihnen konnte ich also keine Unterstützung erwarten. So erkundigte ich mich eine Stunde später in der Rezeption, ob nicht etwas gegen die Moskitos im Zimmer unternommen werden könne, nachdem ich 5 neue und gewaltig juckende erfolgreiche Angriffe der Biester an Füßen und Armen allein seit dem Besuch der Reinigungsfrauen registrieren musste. 5 Minuten später erschien die gleiche Dame, die zuvor das Zimmer gemacht und schulterzuckend nichts verstanden hatte mit einem Insektenspray, deutete mit den Worten "Moskito" und "Reception" auf die Dose in ihrer Hand und bat mich mit Gesten, das Zimmer zu verlassen. Dann ging sie rein, um den Plagegeistern den Garaus zu machen. Hätte sie gleich begriffen, worum es geht, wäre mir 5x Jucken erspart geblieben.

Wir eroberten uns danach 2 Liegen am Strand – im Schatten. Aber wenn w i r uns schon mal ausnahmsweise an den Strand legen, es war das 1. Mal wieder seit Krabi: Plötzlich umgab uns nicht mehr nur der Schatten des Blätterdaches über uns, das immer wieder auch Sonnenstrahlen durchblitzen ließ, sondern ein breiter Schatten hatte uns erfasst und kroch langsam über die ganze Küste. Er war Vorbote einer dunklen Wolkenwand, die der kräftiger werdende Wind Richtung Koh Samui schob. Über einer kleinen gegenüberliegenden Insel waren schon die dunklen Schnüre zu erkennen, die als kräftiger Schauer zu nahen schienen. 10 Minuten später fielen die ersten Tropfen. Magdalena und ich schlossen fast zur gleichen Sekunde wie abgesprochen unsere Bücher und zogen uns auf’s Zimmer zurück. Die auf dem Weg liegende Sauna schalteten wir dabei ein – und genossen eine dreiviertel Stunde später – nach gestern – nun schon zum zweiten Mal das Schwitzen und die Hitze. Inzwischen hatte es schon wieder aufgehört zu regnen, es waren nur ein paar Tropfen. Später erfuhren wir von Josef, dass er die Wolken herbei sehnte, weil alles rund um's Haus austrocknet. Doch bei ihm oben auf dem Berg kam kein einziger Tropfen mehr an.

Gerade, als wir nach der Sauna und dem anschließenden Sprung in den Swimmingpool wieder zurück zum jetzt endlich moskitofreien Bungalow wollten, tauchte von der Rezeption her kommend Maria winkend auf. Sie waren extra zum Resort gekommen, weil sie unsere Hilfe brauchten. Mit einem Mietwagen wollten sie mit ihren Bekannten einen Abstecher auf den Berg zu Josef machen, fanden aber die Auffahrt nicht. Nun hofften sie auf uns. Also warfen wir uns in die Klamotten – und schon saßen wir mit im Jeep, zu sechst, Maria hinten im Kofferraum. Gemeinsam fanden wir die schmale Seitenstraße, die von der 51 km langen Ringstraße, die rund um die Insel führt, abbog. Aber dann zeigten die kompakt versammelten Kilos von uns 6 dem Jeep seine Leistungsgrenzen auf. Als die Straße begann steil anzusteigen, waren seine Pferdestärken trotz 4-Wheel-Drive und Berggang nicht bereit und fähig, den Gaspedal-Sporen von Bert zu gehorchen. Er trat den Fußhebel durch bis zum Anschlag, aber es half nichts. Unaufhörlich wurden wir langsamer auf diesem stark bergauf führenden Abschnitt der Straße, bis sich nur noch der Motor bewegte und dabei erbärmlich kämpfte. Das Vorwärtsrollen der Räder war zum Stillstand gekommen. Nur die in diesem Moment beherzt gezogene Handbremse verhinderte, dass die Beschleunigung nun im wahrsten Sinne des Wortes 'nach hinten losging'. Erst nach Ballast-Abwerfen, sprich als die halbe Besatzung absprang und schob, rollte der überforderte Jeep schwerfällig wieder an und beschleunigte. Wir drin hatten es gut, überwanden nun "spielend" diese Anhöhe und warteten entspannt auf dem nächsten ebenen Straßenniveau, bis die anderen keuchend dieses Teilstück, das einer Bergwertung bei der 'Tour de France' alle Ehre gemacht hätte, erklommen hatten. Mit Vollgas-Anlauf überwanden wir dann gemeinsam auch noch den Rest der Strecke bis zur Ankunft oben bei Josef.

Nach kurzem 'Hallo' – Bert’s und Maria’s Bekannte waren begeistert vom tollen Rundblick Richtung Meer – rollten wir wieder bergab zum Resort. Diesmal schafften Jeep und Bremsen den Berg spielend. Magdalena und ich spazierten zu der Mitesserin im Thai-Food-Restaurant von gestern Abend und ließen uns in ihrem Massagesalon eine Stunde lang verwöhnen, Magdalena mit Öl-, ich mit Thai-Massage.

Als wir völlig relaxed diese Vergnügungsstätte verließen, war es schon Zeit, um die anderen nur rund 100 Meter weiter beim "Seafood-Market" zu treffen. Zahlreiche Bedienungen versuchten uns in ihr jeweiliges Lokal zu lotsen, wobei Lokal übertrieben ist. Es stehen Tische und Bänke im Freien wie in einem großen Biergarten, abgetrennt durch kleine Zäune, die das jeweilige "Lokal" als schmalen "Schlauch" eingrenzen. Laut Josef mussten wir das Lokal suchen, in dem der Koch und Besitzer mit seinen langen schwarzen Haaren eher den Eindruck eines AC/DC-Rockers erweckt. Magdalena's Bruder hatte inzwischen schon alle Lokale durchprobiert, und dieses war seine Nummer eins. Gerade als wir den so markant beschriebenen Gastwirt irgendwo in diesem Lokalwirrwarr suchten, kamen auch schon die anderen. Mit Josef's Hilfe fanden wir ihn mittendrin. Sein Tipp war gut, wie die verschiedenen Fischgerichte, die wir hier gemeinsam genossen. Es war wie in einer richtigen Großfamilie. Jeder konnte überall mit probieren. Ich selbst hatte einen hervorragenden Shrimps-Salat, gefolgt von Phad Thai. Heute blieb mein Lieblingsgericht allerdings zum ersten Mal stehen – bis auf die Prawns, die ich herausfischte. Josef, gelernter Koch, identifizierte den Grund, weshalb es mir nicht schmeckte. Erstmals war Koriander in meinem 'Number-One'-Gericht – nicht mein Geschmack. Aber die Seafood-Vielfalt auf dem Tisch sorgte dafür, dass ich trotzdem angenehm satt wurde, obwohl ich kein großer Fischesser bin.

Nach dem Essen teilten wir uns. Bert und sein Malediven-Freund Peter brachen auf zum Thai-Boxen und erfüllten sich damit endlich ihren Traum, die Kickboxer auch einmal live zu erleben. "The Fight – Tonight, Tonight": Heute waren Bert und Peter dafür bereit. Joyce führte den Rest unserer Gruppe vom Lokal aus auf Schleichwegen ins "Islander" an der Hauptstraße, während uns Josef mit seinem Moped dorthin folgte. Er konnte nicht gut laufen. Bei einer Motorrad-Geländefahrt mit seinem Nachbarn Charlie, dem Schweizer, dessen Haus wir vorgestern Abend besichtigt hatten, war er mit seiner Cross-Maschine gestürzt und hatte sich den großen Zeh verletzt – zum Glück außerhalb des Schlangenareals, das sie zuvor durchquert hatten.

Wir tranken alle noch einen Absacker, ob Bier oder bei den Mädels "Pink Lady". Ich outete mich als 'Milch-Bubi' mit 2 hervorragenden Vanilla-Milkshakes. Auf dem Rückweg zum Resort waren wir ganz erstaunt, schon wieder Bert und Peter zu treffen. Sie waren ziemlich enttäuscht vom "Fight of the fights". Laut ihrer Schilderung war es eher "Kinderboxen" mit zierlichen Jugendlichen ohne große boxerische Qualität. Trotzdem hätten ungefähr 150 Zuschauer bei 800 Baht für den billigsten Platz die Kämpfe sehen wollen. Wie sie beide hätten dann aber viele die Performance vorzeitig und enttäuscht verlassen. Die aggressive Werbung scheint aber aufzugehen und genügend Neugierige jeden Tag anzulocken, viele von ihnen wahrscheinlich jedoch nur ein einziges Mal.

Am Meer plauschten wir noch kurz bei einem Gläschen Rotwein. Als erster verließ ich das romantische Treffen. Warum wohl? Die Moskito-Hotline hatte scheinbar wieder meine aktuellen Ortungsdaten an alle durchgegeben. Dass die Mistviecher jetzt auch schon über GPS verfügen!

 

12.02.2007 – 28. Tag: PC-Unterricht "crispy fish" Chinesen aus Peking Nähstube – Fliegenwedel & Kauf-Endspurt     

Bis 10 Uhr hatten wir geschlafen. Nicht zum 1. Mal in diesem Urlaub also Blitzstart zum Frühstück. Punkt 11 Uhr kam Josef und holte Magdalena und mich ab. Er brauchte Hilfe am PC. Nach rund 4 Stunden waren die wichtigsten Fragen abgeklärt und der Notizzettel genau so voll wie Josef’s Aufnahmespeicher. Das Wichtigste war, dass Skype funktioniert. Damit können wir in Zukunft nicht nur kostenlos über's Internet miteinander telefonieren, sondern uns auch noch dabei sehen. Die paar übrig gebliebenen Fragen auf Josef's Liste vertagten wir auf seinen Wunsch hin. Morgen ist ja auch noch ein Tag, allerdings unser letzter hier. Aber dank Skype kann ich ihm ja auch im Notfall von zuhause aus helfen, vorausgesetzt, sein PC funktioniert soweit, dass er ins Internet kommt. Wir fuhren noch kurz zu unserem Gastgeber von vorgestern, um von dort aus ein paar schöne digitale Fotos von Josef’s Haus zu schießen. Danach gönnten wir uns am Strand unseres Resorts einen Schluck und verschwanden hinterher alle zusammen in der kleinen Sauna. Selbst Josef genoss es, trotz der Hitze in seiner neuen Heimat, mal wieder richtig rauszuschwitzen bei über 80 Grad – so wie er es früher in Deutschland in seiner eigenen Sauna gewohnt war. Und der kühle Resort-Pool draußen war anschließend für die 3 Schwäger die richtige Abkühlung.

Zum Abendessen hatten wir uns im Thai Food-Lokal vom ersten Abend verabredet. Magdalena, die das "Spicy-Essen" sowieso liebt, war heute Abend, von Josef's thailändischer Freundin animiert, ganz mutig und bestellte "Crispy Fish", Salat mit ziemlich scharfen Fischstückchen. Alle Blicke richteten sich auf sie, aber sie ließ keinerlei Gefühls- oder Körperreaktionen wie tränende Augen, Luftschnappen, Schweißausbruch, feuerrotes Anlaufen oder sich gar senkrecht aufrichtende Haare erkennen, was selbst bei der sie gespannt musternden thailändischen Bedienung anerkennendes Kopfnicken zur Folge hatte. Nicht nur Magdalena und uns allen schmeckte es wieder hervorragend, sondern auch einer ganzen Gruppe hinter uns, die uns fröhlich zuprosteten. Keine Reaktion jedoch von diesem Tisch bei Bert’s "Hallo my dear friends from Japan". Dieser Gruß wurde schlichtweg ignoriert. Ich kam etwas ins Gespräch mit ihnen und dabei stellte sich heraus, dass sie aus Peking waren. Im gleichen Atemzug mit der Nennung ihrer Stadt ergänzten sie mit geschwellter Brust: "Olympic Games 2008". Es war richtig zu spüren, wie stolz sie schon jetzt darauf sind, diese Spiele ausrichten zu dürfen. Und als wir dann auch noch feststellten, dass wir das exakt gleiche Modell der Nikon-Kamera haben, prostete uns der ganze Tisch erneut ausgelassen entgegen. Unsere Ankündigung: "Maybe 2008 in Peking" ließ alle erfreut winken, als sie wieder aufbrachen. Die 10 Mann waren nach uns gekommen und hatten ihr Essen nach uns erhalten. Doch während unsere Teller noch halbvoll waren, hatten sie ihr Essen bereits komplett verschlungen. Und sie verließen den Tisch so, wie ein Chinese den Tisch verlässt, wenn es ihm geschmeckt hat. Die Spuren des Essens waren unübersehbar, aber unter den flinken Händen der emsigen Thais in Sekundenschnelle wieder verschwunden.

Ob diese chinesischen Touristen wussten, dass sie die Nachfahren der ersten Besucher hier auf dieser Insel waren, wenn man den Legenden glauben darf. Denn schon vor 1.500 bis 2.000 Jahren sollen chinesische Seefahrer hier an Land gegangen sein, um frisches Trinkwasser aufzufüllen und Reparaturen an ihren Schiffen vorzunehmen. Als erste Bewohner sollen sich laut Geschichts-Erzählungen vor rund 1.500 Jahren auch muslimische Fischer auf Koh Samui angesiedelt haben. Nachweislich wurde Koh Samui erstmals unter dem Namen 'Pulo Cornam' 1687 in alten Karten aus der Ming-Dynastie erwähnt und eingezeichnet. So ist auch bis heute nicht geklärt, ob der Name Samui vom einheimischen Baum Mui abzuleiten ist oder vom chinesischen Wort "Saboey", das "Sicherer Hafen" bedeutet. Im 18. Jahrhundert ließen sich chinesische Siedler von der Insel Hainan auf Koh Samui nieder, bald darauf gefolgt von Thais, die vom Festland dazu stießen. Beide Gruppen vermischten sich und wurden so zu den Vorfahren der heutigen Bevölkerungsmehrheit.

Maria und Gisela fanden noch Schuhe. Der Nachwuchs des Inhabers half schon kräftig mit und präsentierte gekonnt und anmutig die neuesten Modelle. Nebenan war derweil Bert's Lachen zu hören. Eine Thailänderin vor einem Massagesalon ging gerade auf seine Jokes ein und bot ihm 5 Baht dafür an, dass er sie eine Stunde massiert. Bert war sofort einverstanden – und sie gab ihm die 5 Baht tatsächlich – und das auch noch als Vorauszahlung. Er massierte kurz Arme, Nacken und Beine und drückte ihr dann 20 Baht für das Vergnügen in die Hand. Kaum 10 Meter weiter stand er schon wieder im Mittelpunkt. Kaum sah er einen gut durchtrainierten, aber trotzdem im Vergleich zu ihm recht schmächtigen Thailänder durch die große Glasscheibe im Fitness-Studio beim Hanteltraining, war sein Hemd schon ausgezogen und er betrat wie Arnold Schwarzenegger das Studio, seine Bizeps kraftstrotzend präsentierend. Der Thai unterbrach sofort seine Übungen, näherte sich ihm neugierig, begutachtete beeindruckt seine Muskelpakete und versuchte vergeblich mit beiden Händen den Umfang seiner Oberarme zu umspannen – es war ein ungleiches Paar. Als Bert dann auch noch die Hantelstange wuchten wollte, rutschten beim schiefen Hochheben die Gewichte heraus. Den herumfliegenden und -rollenden Kilo-Scheiben ausweichend suchten wir das Weite.

Gerade jetzt am Abend gab es hier in dieser Gegend so viel Interessantes zu entdecken, dass wir alle zusammen schon nach wenigen Metern erneut neugierig stehen blieben. In einer Halle saßen mindestens 10 Näherinnen und Näher und schneiderten im Schein greller Glühbirnen und Neonröhren Hemden, Kleider, Anzüge und Sonstiges zusammen – ich nehme mal an als kleine Werks-Dependence der zahllosen indischen Tailor vorne in der Hauptstraße.  Und womit wurde hier gearbeitet? Mit einer guten alten Singer-Nähmaschine, hinter der uns ein offenes Nachtarbeiter-Lächeln begrüßte.

Nur 100 Meter weiter hielt ich erneut an, fasziniert vom Anblick einer genial einfachen und funktionierenden Idee. Eine Verkäuferin hatte über ihrem Essensstand einfach ein sich an einem Ventilatormotor drehendes, wie ein Kleiderhaken auseinander gebogenes Drahtgestänge angebracht – und an dessen Enden 2 kleine Tücher. Diese kreisten dadurch ständig über's Essen, auf dem so geschützt keine einzige Fliege zu sehen war. Auf der Hauptstraße angelangt, war wieder Bert aktiv. Nach wochenlanger Gegenwehr – und noch vom Anblick der "Näh-Stube" beeindruckt – unterlag er endgültig den Verlockungen eines Inders, sich ein neues Hemd auf Maß anfertigen zu lassen. Wir hörten noch 300 Baht, später, als Bert wieder auftauchte, rutschte ihm dann raus, dass es letztendlich jetzt doch 500 Baht kostet. Ob der Inder wohl erst beim 2. geübten Blick realisiert hatte, dass er in seinem Fall doch etwas mehr Stoff braucht – oder ging es nur darum, mit dem ersten Preis zuerst einmal jemanden zu ködern?

Auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt im "Islander" war währenddessen Gisela in einem Hinterhof fündig geworden. Hinter einer Tür, die wie eine Garagentür aussah, verbarg sich ganz versteckt ein Uhren- und Filmhändler. Sein Angebot umfasste – im Gegensatz zu den Billiguhren vorne an der Straße – die gut imitierten Repliken so namhafter Hersteller wie Rado, Gucci, Rolex, Bulgari usw.. Zwei Uhren für 2.100 statt der ursprünglich geforderten 7.000 Baht – so gesehen ein richtiges Schnäppchen. Sogar das Armband wurde in Sekundenschnelle sehr professionell auf die gewünschte Länge gekürzt.

Irgendwie spürte man, dass langsam der Endspurt naht, denn kaum beim "Islander" angekommen, war Magdalena auch schon wieder in Begleitung von Gisela verschwunden, um sich die Jeansjacke noch einmal anzuschauen, die wir vorgestern entdeckt hatten. Als sie länger nicht wieder zurück kehrten, blieb ich trotz neckender Bemerkungen wie "Das war's wohl mit dem Rest der Reisekasse" ganz gelassen. Heute Abend konnte nicht viel passieren, denn an eins hatte meine Frau beim Lostigern nicht gedacht: Wir hatten keine Baht mehr. Andererseits war mir klar, dass sich das morgen früh wohl ganz schnell ändern wird, sobald die Bankschalter wieder geöffnet haben. Und so ahnte ich, je mehr Zeit verstrich, dass da wahrscheinlich nach dem Wiedereintreffen noch mehr 'Fundstücke' auftauchen würden. Und genau so war es, denn beide entdeckten auch noch die perfekt dazu passende Jeanshose. Die fehlenden Baht waren, wie sich kurze Zeit später bei der Rückkehr – genau so wie vermutet – herausstellte, kein Problem: "Übrigens, mit dem Händler habe ich abgemacht, dass wir morgen Mittag um 12 Uhr vorbei schauen. Bis dahin hat er meine Ware aus dem Sortiment genommen und reserviert, weil es die letzten Exemplare in meiner Konfektionsgröße waren." Der Countdown läuft also bis 12 Uhr mittags. Automatisch musste ich an den Westernklassiker "High Noon – 12 Uhr mittags" von 1952 mit John Wayne in der Hauptrolle denken. Nur hier freuten sich beide Seiten auf das Wiedersehen um 12, sowohl meine Frau, als auch der Händler.

Absolut zufrieden mit ihrer Vorab-Kauf-Ausbeute von heute Abend hatte Magdalena auf dem Heimweg sogar noch Lust auf ein Eis, was wirklich nicht oft bei ihr der Fall ist, vor allem nicht nachts um 23 Uhr. Schön, eine glückliche Frau in den Armen zu halten und heimzuführen – und dort einen innigen Gutenachtkuss zu bekommen, mit frisch geputzten Zähnen, die umwerfend nach der neuen 'Darlie'-Zahnpasta schmeckten. Heute Abend müsste dieser Marken-Name eigentlich umbenannt werden in 'Darling'. 

 

13.02.2007 – 29. Tag: Koh Samui – Traum-Domizil Kobras inklusive absehbares Ende einer Strand-Idylle & Riesen-Babyflasche

Und schon war auch hier auf Koh Samui unser letzter ganzer Urlaubstag angebrochen. Die Zeit verflog und verrann wie der feine Sand am Strand, der unsere Füße nach dem Frühstück wieder so schön einpuderte und –panierte. Inzwischen war Bert hier bekannt wie ein bunter Hund. Die Burschen vom Jet-Ski-Verleih und ein Hotelangestellter hatten ihm, dem "Mafiaboss" an der "Beach" um beide Liegen schon im Sand einen kleinen Graben gezogen und mehrere Schilder "For Guests Only" aufgestellt. Sie schützten "sein" Terrain wie Bodyguards, sobald ein Händler mit  Kleidern oder sonstigen Utensilien auftauchte. Sogar wenn Touristen durch die "Sperrzone" laufen wollten, waren sie lachend sofort zur Stelle und selbst der erst 2 Monate alte kleine Hundewelpe, der zu den Jet-Ski-Boys gehörte, wurde als 'Wachhund' mit in das 'Security-Team' einbezogen. Es war für alle ein Riesenspaß.

Gegen 11:30 Uhr holte dann Schwager Josef uns Männer, Bert, seinen Freund Peter und mich ab zu einem reinen "Männerausflug". Der ging jedoch nicht, wie jetzt einige vielleicht vermuten, in eine Bar, sondern in sein Haus. Er brauchte unsere Hilfe, denn heute war am Computer Festplatteneinbau angesagt, wovon ich keine Ahnung habe, dafür jedoch Bert's Bekannter. Die Festplatte hatten wir von Deutschland mitgebracht. Sie enthielt Wichtiges, das ein Bekannter Josef zuhause drauf kopiert hatte. Nach 3 Stunden gaben wir es auf. Immer wieder das gleiche. Der Gerätemanager zeigte in der Hardware-Übersicht die Festplatte an, hatte sie also erkannt, aber am Arbeitsplatz wurde sie nicht aufgeführt. Die rund 20 GB Daten hätten locker auf 5 DVD’s gepasst und wären so nicht nur sehr viel einfacher zu transportieren, sondern auch sofort verfügbar gewesen. Auch auf einer externen Festplatte, die nur über das USB-Kabel hätte angeschlossen werden müssen, wäre uns die ganze vergebliche Mühe erspart geblieben. Jetzt hatten wir alle keine Lust mehr, und so blieb Josef’s von gestern her noch offene Frage, wie er eine CD oder DVD brennen kann, zusammen mit dem erhofften Festplatten-Einbau auf der Strecke.

Wir stiegen in seinen Pick-Up und fuhren rauf zum höchsten Punkt des Berges. Hier sitzt der "Herr des Berges", Kurt, ein früherer Seemann aus Hamburg. Im Sommer wird er 65. Bereits jetzt freute er sich richtig auf seine "Rente", obwohl er sich schon seit rund 20 Jahren von der Seefahrerei verabschiedet hat und seit vielen Jahren hier mit seiner thailändischen Lebensgefährtin "Nit" als 'Privatier' lebt. Als Erster erwarb er vor über 10 Jahren auf diesem Berg sein Land und ließ sich ganz oben am höchsten Punkt nieder. Ein Rai, rund 1600 qm, hatte damals weniger als 1,6 Millionen Baht gekostet, also rund 35.000 Euro. Heute muss ein Käufer für ein Rai 8 Millionen Baht hinlegen. Später vermittelte Kurt gegen Provision anderen Grundstücke, so auch Josef. Von seiner Residenz "on the top" konnten wir den Blick fast rund um die Insel kreisen lassen. Wir kannten diese herrliche Aussicht ja schon von einem früheren Besuch bei Kurt, aber Bert’s Bekannter Peter konnte gar nicht aufhören, sich umzuschauen. Er war absolut fasziniert.

Es ist auch ein wunderbarer Platz hier oben, den sich Kurt und Nit am Anfang jedoch auch mit Königskobras teilen mussten. Es war ihr urwaldähnlich bewachsenen Berg, bevor die Menschen auftauchten, ihn begannen zu erschließen und die Tiere vertrieben. Auf seiner Terrasse hat Kurt auch heute noch eine Stange stehen, um im Notfall eine Waffe zum Abwehren griffbereit zu haben. Fünf angreifende Kobras musste er schon erschlagen. Auch den Nachbarn Michael, bei dem wir gefeiert hatten, musste er schon warnen. Mit seinem Fernglas hatte er auf dessen Terrasse eine schlängelnde Bewegung erkannt. Es war ebenfalls eine Königskobra. Und das sind bei weitem nicht die einzigen Schlangen, die es hier gibt. Auch Pythons könnten mal vorbeischauen oder andere ungiftige und giftige Ureinwohner und nach wie vor Mitbewohner dieses Berges. Allerdings haben sie sich inzwischen weitgehend neue Wege und Domizile gesucht, abseits von den Menschen. Nur werden sie wohl auch dort nicht lange bleiben können, denn der Berg wird wie die ganze restliche Insel von Bulldozern durchfurcht und in seiner Ursprünglichkeit zerstört. Es tat uns in der Seele weh, als wir die tiefen Schneisen sahen, die sich gerade jetzt bei unserem Besuch überall durch die frisch gerodeten Wälder und Landschaften zogen. Hier wird gebaut auf "Teufel komm raus" – ohne Rücksicht auf Verluste. Inzwischen gibt es schon weit mehr als 300 Hotels und Resorts, und ein Ende des Baubooms ist nicht in Sicht. Schon jetzt ist das ökologische System der Insel gestört, als Folge der teilweisen und rücksichtslosen Zerstörung von Fauna und Flora und somit auch des Tourismus mit all seinen Begleiterscheinungen wie insbesondere der Bautätigkeit. Aufgeschreckt wurden Touristen, Hotelgewerbe und Regierung, als vor einigen Jahren plötzlich das Trinkwasser knapp wurde und sogar Hotelduschen kein Wasser mehr hatten. Das soll künftig durch ein großes Wasser-Rückhaltebecken im Süden der Insel verhindert werden. So wollen die Verantwortlichen auch den Monsun-Regen in Zukunft nutzen, um damit die Trinkwasser-Sicherheit zu garantieren.

Aber kaum war dieses Problem in Angriff genommen, zeigte sich schon kurz darauf das nächste. Seit 2005 sterben plötzlich Kokospalmen ab. Sie sind das Wahrzeichen der Insel. Rund 3 Millionen Kokospalmen gibt es auf Koh Samui, gezielt angepflanzt seit dem 18. Jahrhundert als ökonomische Lebensgrundlage der Inselbewohner. Durch sie erhielt die Insel ihren Beinamen "Coconut Island". Ihre Bedeutung wird selbst beim Hausbau deutlich, denn die Häuser sollen nicht höher gebaut werden als die sie umgebenden Palmen. Und trotz Tourismus hat die Kokospalme bis heute auch noch wirtschaftlich einen hohen Stellenwert. Speziell 3 Monate lang dafür abgerichtete Affen, Makaken-Männchen, ernten das ganze Jahr hindurch täglich bis zu 700 Kokosnüsse von den Palmen, an dünnen Seilen vor dem Entfliehen gehindert und durch kurze Befehle ihrer Besitzer dirigiert. Anschließend landen die Früchte bei einem der rund 1.000 Kokosfarmer auf der Insel und werden dort geschält. Oft verrichten auch Frauen diese harte Arbeit – für ein Monatsgehalt von teilweise nur 100 Euro. Als Endprodukt wird die Kokosnuss weiterverarbeitet zu Öl, Kokosmilch und Kosmetik-Erzeugnissen.

Dass jetzt plötzlich ganze Kokospalmen-Plantagen erkranken und absterben, wird offiziell nicht den Eingriffen in die Natur, sondern dem Befall durch den Kokosnussblattkäfer zugeschrieben. Ein Mönch aus Samui hat dafür jedoch eine andere Erklärung: "Wer jahrelang die Ursprünge verschmutzt, der zerstört auch das Wesentliche. Und das Wesentliche dieser Insel sind nun mal die Kokospalmen. Dass sie jetzt verschwinden, hätte man also beinahe schon voraussagen können." (Zitat aus: "Samui – Wikipedia").

Und der Strom der Käufer und Investoren reißt scheinbar nicht ab. Waren es anfangs noch eher Mitteleuropäer, so drängen jetzt verstärkt millionenschwere russische Käufer und auch schon Chinesen auf die Insel. Allerdings hat Koh Samui selbst von der geballt versammelten Kaufkraft steuermäßig recht wenig, da die Steuern im wesentlichen zur Provinzhauptstadt Surat Thani und nach Bangkok abgeführt werden müssen. Um diese künftig selbst behalten zu können, hofft das immer beliebter werdende Eiland laut Josef jetzt auf die Erlangung eines Stadt-Status, wofür offiziell noch 1.200 Einwohner fehlen würden. Eine neue Volkszählung soll schon bald – auch durch die Aktivierung vieler bisher noch nicht angemeldeter Bewohner – die notwendigen restlichen Einwohner nachweisen. Koh Samui würde diese finanzpolitisch wichtige Aufwertung dringend brauchen, um die Infrastruktur zu sanieren und auszubauen. Löcher in den Straßen werden zum Beispiel, obwohl längst bekannt und moniert, erst repariert, wenn etwas passiert ist. Wie kurz nach unserer Ankunft – nach dem Tod von 2 Moped-Fahrern, die nachts in die ungesicherte Todesfalle eines Riesenlochs von einem Meter Durchmesser im Asphalt-Belag der Küstenstraße gefahren waren. Erst nach diesem tödlichen Unfall wurde die Stelle mit Warnblinkern und einer kleinen Absperrung gesichert, am nächsten Tag war der Straßenbelag erneuert – für die beiden Moped-Fahrer zu spät.

Nach dem Kurt-Abstecher brachte uns Josef auf der Rückfahrt zum Hotel noch zu einem seiner ganz persönlichen Lieblingsplätze auf dieser, 'seiner' Insel. Es ging vorbei an ihrem Wahrzeichen, dem 15 Meter hohen vergoldeten "Big Buddha". 52 Treppenstufen führen hinauf zu ihm. Erbaut wurde er und die Wat Phra Yai Tempelanlage zu seinen Füßen von 1962 bis 1976 auf der kleinen vorgelagerten Insel Koh Fan, wo sich früher ein Kinderfriedhof befand. Hier erlebten wir schon vor 4 Jahren herrliche und unvergessliche Sonnenuntergänge.

Bei der Tongsai Bay ging die holprige Fahrt runter zum Strand der Tongson Bay. Puderzucker-feiner Sand am Strand, der rechts und links von Felsen eingesäumt ist, ein abgeschiedenes und idyllisches Fleckchen Erde.

Aber die ruhige Zeit wird wohl bald vorbei sein. Ein kleineres Resort steht schon, ein weiteres, eine Riesenbungalow-Anlage wird gerade aus dem Boden gestampft, mehrere 100 Meter landeinwärts als neue Schneise in dieser früher so unberührten Natur. Das stakkatoartige Hämmern hinter dem durchsichtigen Bauzaun, das Kreischen der Sägen und Bohrer wirkte fast wie ein körperlicher Schmerz an diesem in Zukunft – im Vergleich zu jetzt – wohl kaum noch als Paradies zu bezeichnenden Fleckchen Erde. Durch die Einlagerung zwischen Felsen wird der Strand dann wohl nur noch für Hotelgäste zugänglich sein, denn es ist fraglich, ob es die Zufahrt bis runter zum Strand nach der Fertigstellung dieser gigantischen neuen Ferienanlage noch geben wird. Da wird es dann auch nichts mehr nützen, dass in Thailand die Strände allgemein zugänglich und Allgemeingut sind. Der hier wird wahrscheinlich schon bald nur noch vom Meer her für die Allgemeinheit zu erreichen sein. Statt Idylle und menschenleerer Strand werden sich auf diesem etwa 200 Meter breiten Abschnitt wohl schon bald Touristen samt Liegen aneinander drängen. Wie es aussieht, wird sich Josef künftig einen neuen abgeschiedenen Lieblingsort suchen müssen.

Nach einem kurzen Drink im kleinen Strand-Restaurant, das sicherlich den riesigen Neubaukomplex mit ganz anderen Augen sieht und die neuen Gäste schon sehnlichst erwartet, ging unsere Rundfahrt weiter. In der Nähe des Flughafens bogen wir danach links bergauf zu Villen mit herrlicher Aussicht. Hier haben sich direkt am Berg mit unverbaubarer Aussicht laut Josef Madonna’s Manager und ein Russe feudal eingekauft. Zurück im Hotel genossen wir kurz Sonne und Strand – und danach erneut mit Josef die Sauna. Trotz der Wärme genießt auch er dieses Feeling, das früher zuhause in Deutschland auch für ihn zum regelmäßigen Wellness-Erlebnis gehörte. Kaum kühlten wir uns danach im Pool ab, gab es plötzlich ein großes 'Hallo'. Bekannte aus der Oberpfalz, die er von Brasilien her kannte, wohnten ebenfalls in unserem Hotel. Es gibt schon Zufälle. Daheim waren sie sich nie über den Weg gelaufen, aber in Brasilien und jetzt hier.

Kurz vor 19 Uhr starteten wir wieder zu Fuß. Beim Vorbeilaufen hatte ich gestern einen kleinen, etwa 1 m auf 1 m großen Stand mit dem Werbeschild "Watch-Repair" entdeckt. Deshalb hatte ich heute meine Uhr eingesteckt, deren Armband mitten während der FantaSea-Show auf Phuket ja gerissen war. Beim Stand angelangt dauerte es 10 Minuten, und schon war das Armband für 20 Baht repariert. Die ganze Ausstattung der rund 1 m² großen Werkstatt bestand aus einem Hocker, einem kleinen Fernseher und den Uhrmacher-Utensilien. Da einzige Stück freie Wand auf der Rückseite war einem Portrait des Königs gewidmet.

Schräg gegenüber trafen wir uns danach alle im selben Lokal wie am Vorabend zu unserem Abschiedsessen mit Josef und seinen Mädels. Noch einmal, ein letztes Mal, genoss ich die "Deep Fried Prawn Pancakes". Danach führte uns Josef noch zum relativ neuen "Solo"-Lokal für einen abschließenden Cocktail. In der großen Disco dahinter war noch nichts los. Erst ab 2 Uhr geht hier der "Punk" ab – bis 6 Uhr. Während der Fußball-WM, so Josef, gab es hier eine Riesenschlägerei unter Engländern, als ihr Land ausschied. In einigen Gaybars rundum präsentierte sich gähnende Leere und wie bei den normalen Animier-Bars hier das gelangweilte Warten auf Kunden.

Unsere Wünsche waren jedoch im Moment schärfer. Sie waren nur im Supermarkt zu befriedigen, zu dem uns Josef fuhr. Hier endlich konnte sich Magdalena mit thailändischen Gewürzen und Aromen für daheim eindecken, dabei kräftig unterstützt und beraten von Joyce und Kanita. Zum Glück ist das Mitführen von Thailand und anschließend auch von Abu Dhabi aus kein Problem, in Deutschland hätten wir am Flughafen nach den neuen Sicherheitsbestimmungen alles im Container abgeben müssen. An der Kasse fielen uns kichernde Erwachsene mit einer Riesen-Baby-Nuckelflasche auf. Lachend erklärten sie uns, dass ein Bekannter runden Geburtstag feiert. Und weil er sich mit 30 immer noch so kindisch benähme, würde dieses Geschenk für ihn wie 'die Faust auf's Auge' passen. In diesem Moment hätte es auch für unseren mehr als doppelt so alten Bert gepasst. Er amüsierte sich und uns gerade mit einer speziellen Modeschau – er hatte die bunte Kollektion von Damenhüten entdeckt.

Unser Abschied auf Raten setzte sich anschließend am Strand bis 1:50 Uhr fort. Neugierig wollten wir von Josef wissen, wie all die vielen Touristen mit Mädels das so handhaben. Und so erfuhren wir, dass zuerst einmal beim Kennenlernen in einer Bar an den Barbesitzer täglich 200 Baht Ablöse zu zahlen sind, damit der anschließend die Begleiterin auch wieder in seiner Bar aufnimmt. Sie selbst erhält, je nach Aushandeln, etwa 1500 bis 2000 Baht pro Tag. 

Jetzt, wo es nach über 4 Wochen in Thailand schon zu spät war, erhielten wir von Josef auch noch eine interessante Aufklärung zum Verhalten auf dem Klo. Hier dient nämlich das Toilettenpapier lediglich zum Abtrocknen, nachdem die Reinigung zuvor durch Abspritzen mit dem Schlauch erfolgen soll. Deshalb steht auch neben jeder Toilette ein Abfalleimer. Somit soll das Verstopfen der Leitungen verhindert und die Wasserwiederaufbereitung erleichtert werden – und laut Josef hat er auch seit dem Praktizieren dieses Reinigungsrituals keine Hämorrhoiden-Probleme mehr.

Als ich auf seine Erfahrungen mit Moskitos hoffend nach einem Gegenmittel dafür nachfragte, schüttelte er nur lachend den Kopf und meinte: "Schau mich an. Am besten immer irgendwo Platz nehmen, wo schon jemand sitzt, den sie noch mehr mögen." Das war eindeutig auf mich bezogen. Und er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da setzte ich in der Dunkelheit hier am Strand einen ansatzlosen Schlag mit dem Handballen der linken auf den Handrücken der rechten Hand an. Ich hatte mal wieder etwas gespürt. Als mich die anderen entgeistert anschauten, meinte ich nur: "Wenn es kein Gegenmittel gibt, muss ich mich halt weiter wehren." Alle lachten und keiner wollte mir glauben, dass ich mal wieder attackiert worden war. Also nahm ich den Fotoapparat, und im aufleuchtenden Blitz war eindeutig der dunkle Punkt auf meinem Handrücken zu erkennen – dank meiner spontanen Reaktion und der gesammelten Schlagerfahrung hatte ich den Blutsauger mal wieder erwischt.

 

14.02.2007 – 30. Tag: Koh Samui-Abschied Markt-Trubel & Nobel-Kaufhaus in Bangkok

Nach dem Frühstück versammelten wir uns ein letztes Mal am Strand, der allerdings hier nicht so schön war wie die Strände zuvor. Erstens musste man fast die Hälfte der Distanz bis zum vorgelagerten Riff zurücklegen, um frei ohne Bodenberührung schwimmen zu können, und außerdem war am Morgen oft relativ viel Dreck angeschwemmt. Bert schenkte einem seiner "Bodyguards", dessen linker Arm nach einem Bruch nur notdürftig geschient worden war und seither etwas schief zusammen gewachsen ist, sein T-Shirt. Das wehte an diesem knochig-schlanken fröhlichen Boy anschließend herum wie die rote Fahne, das Kennzeichen des Jet-Ski-Standes, an der langen Stange im Wind.

Der bisher immer so pünktliche Service hatte bei der Ankunft um 11:15 Uhr zum 1. Mal leichte Verspätung – 15 Minuten. Kaum waren wir eingestiegen und die Koffer verstaut, hieß es 5 Minuten später am Flughafen schon wieder aussteigen und Kofferfassen. Beim Gepäckaufgeben überraschten uns plötzlich Josef und seine beiden Mädels, Freundin Joyce und ihre Schwester Kanita. Es war ein inniger Abschied. Schimmerte da vielleicht sogar bei dem einen oder anderen eine kleine Träne im Auge, oder wässerte das eine oder andere Auge nur wegen der blendenden Sonne?

Wieder hatten wir die bekannte bunte Propellermaschine von Bangkok Airways (www.bangkokair.com). Beim Aufsteigen konnten wir noch einmal einen letzten Blick werfen auf das Wasserreservoir zwischen der Chaweng-Beach und dem zentralen Treff zum Abtanzen am Abend, dem Reggae-Pub, für jugendliche Touristen eine Art Symbol der Insel.

Eine Stunde und 15 Minuten dauerte der Flug nach Bangkok. Dort gelandet legte sich der Pilot bei der Anfahrt auf die Parkposition mit seinem Flugzeug fast wie ein Rennfahrer in die Kurven und sauste wie ein kleiner Irrwisch an den Jumbos vorbei – mit einem Tempo, als hätte er anschließend noch ein dringendes Date.

Der Weg mit dem Flughafenbus führte uns danach quer über den Flughafen, vorbei an verschiedenen Terminals. Diese Flughafen-Rundfahrt konnte uns einen kleinen Eindruck vermitteln von der Riesendimension dieses neuen Airports. Alles ist hier gigantisch, sogar die "Long Live The King"-Plakate, von denen aus uns König Bhumibol an jedem 'Passagier-Finger' und im etwa 100-Meter-Abstand über den ganzen Flughafen verteilt entgegen lächelte. Auch die riesigen Grünanlagen zwischen den Terminals mit traditionellen thailändischen Gegenständen und Darstellungen zogen die Blicke der Reisenden an. Kaum jemand am Kofferband, der nicht mal kurz an die nichts den Blick beeinträchtigende Glasfensterfront heran trat und diesen harmonischen, aber auch imposanten Anblick kurz auf sich wirken ließ. Manche vergaßen dabei kurz sogar mal völlig Koffer und Familie, aber dank energischer Rufe der Angehörigen nicht lange.

Diesmal war der Transfer wieder pünktlich, und so konnte Maria wieder ihre mitfahrerischen Verkehrskontrollen starten, denn der Fahrer schlängelte sich flott in nur einer halben Stunde vom Airport zur Ausgangsstation unserer Reise vor über 4 Wochen, zum "Prince Palace". Beim 2x Mal fühlten wir uns schon richtig heimisch. Kaum hatten wir eingecheckt und die Zimmer erhalten, waren wir so gegen 16 Uhr auch schon wieder unterwegs. Zu Fuß wühlten wir uns mitten durch die sich meterweise im Stau vor dem Hotel vorwärtsschiebende Autoschlange. Verkehrspolizisten versuchten vergeblich, mit hektischem Trillerpfeifen und fuchtelnden Armbewegungen das Chaos zu beherrschen und ihm eine Richtung zu geben. Da wurden Straßen-Markierungs-Hütchen mal von links nach rechts und umgekehrt geschoben in der Hoffnung, dass es auf der neu zugeteilten Spur schneller vorwärts ginge, aber die Schlange blieb die selbe, nur um drei Meter versetzt.

Kaum hatten wir die Hauptstraße überquert, tauchten wir in eine ganz andere Welt ein. Statt Autos stauten sich jetzt die Menschen. Es herrschte ein munteres Treiben wie in einem geschäftigen Ameisenhaufen, in dem es gelegentlich, wenn schon nicht mehr vorwärts, dann wenigstens drunter und drüber geht. Es war Markt – und wir mittendrin, zum Teil freundlich angelächelt, zum Teil ignoriert oder hektisch und trotzdem nicht unfreundlich zur Seite gedrängt, wenn wir vor lauter Schauen einen Händler übersehen hatten. Mit kleinen Transportkarren beförderten sie uns absolut unbekannte Früchte oder was es auch immer war nach einem uns ebenfalls absolut unergründlichen Logistik-System an einen neuen Bestimmungsort. Teilweise diese Hektik, und dann auch wieder das genaue Gegenteil, wenn uns plötzlich träge von einem Riesenkorb mit Maiskolben ein darauf vor sich hindösender Hund absolut desinteressiert ignorierte. Er schien es nicht so gut getroffen zu haben wie nur wenige Meter weiter der nächste, mit Mäntelchen und rosa Halsband, für den nahe beim Frauchen extra ein mit Kissen drapiertes weiches Lager auf einem Einkaufswagen hergerichtet war. Stattdessen hüpfte er aber gerade lieber aufgeregt über die angebotenen Kohlköpfe.

Die Augen waren noch auf ihn gerichtet, da hielt ich unversehens eine Ananas in der Hand. Ein Händler schenkte sie mir und holte auch noch eine Tüte zum besseren Transport. Er lachte über meinen verblüfften Gesichtsausdruck und winkte uns zum Abschied zu. Wir bedankten uns, drehten uns um, und schon blinkten uns zwischen all diesen geschäftigen Menschen 2 Backenzähne breit und offen entgegen ohne sonstige Spuren früherer Zahnpracht. Als ich den Obsthändler fragte, ob ich ihn fotografieren darf, lachte er bejahend noch mehr. Doch kaum hatte ich den Fotoapparat gezückt, war das Kreuz durchgedrückt, der Gesichtsausdruck ganz stolz – und der Mund leider beim Klicken der Kamera fest zusammen gepresst. Danach beim Weiterziehen lächelten mir die beiden Backenzähne wieder fröhlich entgegen. Herrlich – ich hätte es wahrscheinlich genau so gemacht. Seltsame Geräusche nur wenige Meter entfernt ließen uns aufhorchen. Es quietschte und gackerte, kleine Spielzeugauto-Sirenen heulten kurz auf.  Hinter dem um sich rum aufgebauten Krimskrams spielte ein älterer Händler höchst vergnügt mit seinen Quietschentchen und Rasseln und dem restlichen Spielzeug – ohne jegliche Kundschaft. Dabei pfiff er munter vor sich hin, imitierte Vogelstimmen, lachte und kicherte amüsiert – und offenbarte dabei die gleiche Zahnpracht, die wir gerade erst zuvor bei seinem Stand-Nachbarn bewundert hatten. Sie schienen beide den gleichen Zahnarzt zu haben.

Doch jetzt konnte uns nichts mehr aufhalten. Bei all diesen herrlichen Gerüchen, die sich im Sekundenrhythmus schlagartig ändern konnten, stellte sich nun der kollektive Hunger ein. Und dafür stimmte die Richtung genau, denn jetzt waren wir von Essenständen umgeben, aus denen es zum Teil verführerisch duftete. Saftig und würzig gegrillte Hähnchen-Stücke schmeckten mir ebenso vorzüglich wie Maria und Bert, während Magdalena lieber kurz wartete auf ganz frisch und spicy im Wok zubereiteten Reis mit Gemüse – für 40 Baht. Es lohnte sich. Sie genoss ihre Wahl sichtlich. Plötzlich kam Bert hastig um die Ecke. Wir müssten unverzüglich mitkommen, weil es nur ein kleines Stück weiter so eine tolle Auswahl an allen möglichen verführerisch gut riechenden Suppen mit unerforschbaren Inhalten gäbe, wie er sie noch nie in dieser Vielfalt erlebt hätte. Doch auf dem Weg dorthin wurden wir schon wieder abgelenkt. Beim Anblick verführerisch gut aussehender gegrillter Enten lief uns direkt das Wasser im Mund zusammen. Sie fanden reißenden Absatz. In den fünf Minuten, die wir dem Verkäufer zuschauten, zerlegte er fachmännisch 5 'ducks', verpackte sie in eine Plastiktüte und überreichte diese gegen 'cash' den geduldig in einer Schlange vor seinem Stand wartenden Käufern. Als wir gingen, hingen nur noch zwei der knusprigen Enten an einem rosa Band, mitten zwischen vielen weiteren leeren rosa Bändern. Ich konnte verstehen, wieso bei diesem Händler das Geschäft florierte. Selbst aus den voll besetzten Bussen, die im "stop-and-go"-Verkehr mehr standen als fuhren, trafen sehnsüchtige Blicke die beiden verbliebenen Exemplare, von denen gerade das Vorletzte abgehängt wurde.

Kein Massen-Andrang herrschte bei der nächsten kulinarischen Spezialität, der wir wenige Meter weiter begegneten. "Heuschrecken knusprig" warteten auf den Verzehr. Vor uns waren sie sicher, nicht jedoch vor den Passanten und auch Mopedfahrer, die einfach kurz anhielten, eine Portion orderten und in eine Plastiktüte packen ließen, um sich nach dem Verstauen oder einfach nur an den Lenker Hängen sofort wieder in den vorbeilaufenden Fußgängerstrom oder den vorbeikriechenden Verkehr zu stürzen. Beim Anblick dieser ganz speziellen Delikatessen waren wir froh, schon gegessen zu haben.

Unbeeindruckt von all dem schnitt ein mit seinem kleinen Transport-Schubwagen am Straßenrand stehender Vater mitten in diesem Trubel seinem kleinen Kind, das auf einem Polster im Wagen lag und an einer Flasche nuckelte, gerade seelenruhig die Zehennägel. Daneben funktionierte ein junger Rollerfahrer in diesem Moment sein Gefährt kunstvoll zum Kleintransporter um. Während er das Gleichgewicht hielt, hievten hinter ihm zwei flinke Helfer aus einem Lager schwere Kartons auf das kleine Vehikel und zurrten sie fest. Nur mit einem solchen Gefährt gab es bei diesem Verkehr für eine offenbar größere Strecke noch ein Durchkommen – und mal abgesehen vom Gewicht und vom Gleichgewichthalten war ein solcher Aufbau als Rückenlehne und Puffer nach hinten ja auch nicht schlecht.

Was auffiel in all diesem Trubel: Überall waren vor allem junge Pärchen zu sehen, die ihre Verliebtheit offener zeigten als sonst. Die Mädchen trugen oft stolz Rosen in der Hand, mal einzelne, mal ganze Rosen- oder Blumensträuße bis hin zu roten oder rosa Herzchen-Luftballons, teils an einer Schnur schwebend, teils auf einen Holz- oder Plastikstab aufgesetzt. Es war offensichtlich und in diesem Umfang für uns absolut erstaunlich – hier wird der Valentinstag als richtiges Ereignis gefeiert. Das sahen wir auch kurz darauf – mal wieder nach einem Tuk-Tuk-Ritt – im Siam-Patagon-Einkaufscenter. Ein gigantisches Kaufhaus für gehobene Ansprüche, das auch bei uns mit den besten und größten locker mithalten könnte und noch riesiger und großzügiger angelegt ist als alles, was wir bisher kannten. Und das in dieser Stadt, in der Platz so kostbar ist. Welchen Stellenwert sich der Valentinstag hier bereits erobert hat, wurde an der extra dafür bereitgestellten Verkaufs- und Aktionsfläche deutlich, auf der in Kaufhäusern bei uns eine ganze Verkaufsabteilung Platz gefunden hätte. Fasziniert beobachtete ich von oben die parallel rauf- und runterlaufenden Rolltreppen, die beim schwindelerregenden Blick nach unten überhaupt nicht mehr aufzuhören schienen. Wir steuerten quer durch diesen Luxus-Giganten mit über das ganze obere Stockwerk verteilten Luxuskarossen wie Lamborghini, Maserati, Porsche, Ferrari, Bentley, um nur mal einige zu nennen. Über das Rolltreppengewirr wieder ganz unten angelangt wollten wir zum Ocean-Center, hatten aber Pech. Geschlossen wegen einer Riesen-Hochzeit, die heute am Valentinstag hier gefeiert wird. Also suchten wir wieder den Ausgang und schlenderten entlang stehender Autokolonnen.

Über uns ratterten im Minuten-Rhythmus die Züge über das 2-stöckige Hochbahnnetz. Während bei uns in den Ballungsräumen der Schnellbahn-Verkehr in den Untergrund verbannt wurde, geht er hier in die Luft – für die Reisenden so sicherlich interessanter, vor allem, wenn sie unter sich auf den Straßen beobachten können, dass dort der Verkehr sich entweder gar nicht oder nur mühsam Meter um Meter vorwärts quälend bewegt. Nach rund 300 Metern erreichten wir wohl schneller als die meisten Autos auf dieser Strecke das nächste Riesenkaufhaus, das MPK. Hier war alles anders als zuvor im Siam-Patagon. Hier kaufte das 'gewöhnliche' Publikum, hier fanden sich die 'normalen' Thais, nicht wie zuvor die edel in Prada und sonstige Nobel-Designer-Klamotten gekleideten Reichen der Stadt. Unter ihnen hatten wir vorher 'leicht' underdressed gewirkt, hier war’s nun eher umgekehrt.

Nachdem um 21 Uhr die Läden dicht gemacht wurden, landeten wir wieder im Tuk-Tuk für die Rückfahrt zum Hotel. Beim '7 Eleven' um die Ecke gönnten wir uns noch einen Toast mit Käse und Schinkenwurst für 20 Baht und deckten uns für morgen mit ein paar Getränken ein, denn in Abu Dhabi wissen wir nicht, was uns erwartet. Am Hotelpool noch ein kleiner Ratsch und um 23:30 Uhr lagen wir im Bett – den Weckruf bestellten wir für 4 Uhr. Vorsichtshalber stellten wir auch noch die digitale Nachttischuhr, die über die Telefonanlage programmiert werden konnte. Seit dem Similan-Ausflug in Khao Lak gingen wir lieber auf 'Nummer Sicher'.

 

15.02.2007 – 31. Tag: Bangkok-Abschied Abu Dhabi-Ankunft – Riesen-Moschee & Traumpalast in der Wüste

Pünktlich um 4 Uhr klingelte das Telefon mit dem Weckruf und Sekunden später der selbst gestellte Wecker. Als Frühstück erhielten wir ein kleines Breakfast-Paket, weil das Hotel-Frühstück erst um 6:30 Uhr startet. Unser Transfer zum Flughafen war für 5 Uhr angekündigt. Wir waren pünktlich. Zuerst warteten wir in der Eingangshalle, deren Dekoration fast an einen Christbaum erinnerte – dann langsam unruhiger werdend draußen vor dem Hotel. Wir standen direkt vor der Tür des Prince Palace – mitten im quirligen T-Shirt-Morgen-Markt. Wieder wurden hunderte T-Shirts in der gelben Königsfarbe herumgekarrt. Die zweite dominierende Farbe war rot – mit einem goldenen aufgestickten Glücksschwein. Dann um 5:30 Uhr kam endlich der Transport-Bus. Jetzt, gegen Ende unseres Urlaubs, die erste größere Verspätung. Das war zu verkraften. Ein letztes Mal ging’s zum Flughafen. Noch einmal schoss der in den letzten Wochen nur über’s Hören erworbene Wortschatz durch den Kopf, von dem wir nicht einmal die richtige Schreibweise wussten. Ob wir wohl sawadih kap (Guten Morgen/Tag), konkun kap (Danke), jogli kap (Prost), aroi (Schmeckt gut), arai (Was?), suwahe (ich finde sie hübsch), sapalot (Ananas, richtig geschrieben saparot) und Phad Thai (im Wok gebratene Nudeln, nach Wahl mit Gemüse, Hühnerfleisch, Tintenfisch oder Krabben) irgendwann mal wieder brauchen werden? Und falls ja, werden wir es bis dahin wahrscheinlich schon längst wieder vergessen haben.  

Der Start um 8:40 Uhr mit Etihad nach Abu Dhabi war einigermaßen pünktlich – und nach 6 ½ Stunden erreichten wir den Flughafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), hervorgegangen aus 7 unabhängigen Scheichtümern. Nicht viele Reisende versammelten sich hier am Imigration-Schalter, fast alle der rund 400 Mitreisenden in der Boing 777 von Bangkok nach Abu Dhabi hatten von hier aus einen Anschlussflug. Am Kofferband standen unsere Koffer neben etwa 25 anderen bereits fein säuberlich aufgereiht zum Abholen bereit. Der Transfer-Jeep in die Stadt wartete schon – bei strahlend blauem Himmel ohne ein Wölkchen, rund 30 Grad, aber relativ kühlem Wind.

Wir waren gespannt auf dieses in der Touristengunst etwas im Schatten von Dubai stehende Emirat, 1761 nahe einer Süßwasserquelle gegründet und bis vor rund 40 Jahren kaum mehr als die Heimat von Fischern und Perlensuchern. Im 19. Jahrhundert hatte es sich zu einem florierenden Perlenzentrum entwickelt. Nach dem Zusammenbruch der Perlenindustrie durch die Einführung der japanischen Zuchtperlen 1930 verfiel die Stadt mehr und mehr. Um sie zu retten, wurden vor rund 70 Jahren in den 30ern Erdölkonzessionen erteilt. Sie bedeuteten die Grundlage für den heutigen Luxus, nachdem 30 Jahre später die Petrodollars anfingen zu sprudeln. Vor allem seit der Staatsgründung 1971 begannen die Schilf- und Lehmhütten ohne Strom, Wasser und Kanalisation rasant wie im Zeitraffer dem heutigen Stadtbild einer modernen Großstadt zu weichen, mit inzwischen rund einer Million Einwohnern, etwa 80 % davon sind Einwanderer. Damit ist Abu Dhabi – arabisch: Abu Zabi, was "Vater der Gazelle" bedeutet – nach Dubai die zweitgrößte Stadt des Landes, sowie außerdem die Hauptstadt und somit der Regierungssitz der Vereinigten Arabischen Emirate. Insgesamt hat das Emirat über 2,5 Millionen Einwohner, über 1,6 Millionen davon sind Gastarbeiter. Es ist sowohl das größte, als auch das bei weitem reichste und politisch bedeutendste der sieben Emirate – mit geschätzten 5 % der Weltgas- und 10 % der Weltrohöl-Reserven, die den Reichtum noch auf Jahrzehnte sichern. Und das alles auf einer Fläche von 67.340 km², also nicht einmal der Größe Bayerns (70.549 km²) – auf dieser flachen sandigen Halbinsel, die lediglich durch 2 Brücken mit dem Festland verbunden ist und eine Bevölkerungsdichte hat von nur 38,1 Einwohner je km², 231 pro km² sind es zum Vergleich in Deutschland.  

Die 35 Kilometer ins Stadtinnere führten über riesige Highways. Es war ein krasser Gegensatz zu Bangkok noch wenige Stunden zuvor. Statt Stau und Unmengen an japanischen Automodellen erblickten wir hier auf 4 Spuren nur ganz vereinzelt Fahrzeuge, aber welche: fast ausschließlich eine preislich sehr gehobene Kategorie wie BMW, Mercedes, Porsche, auch mal einen Ferrari und verhältnismäßig viele Geländewagen. Auf der rechten Seite entdeckten wir auf dem Weg vom Flughafen zur Stadt wenige hundert Meter von der Schnellstraße entfernt eine schon nahezu fertig errichtete riesige Moschee-Anlage. Sie wirkte auf uns gigantisch, und schon bald erfuhren wir, dass uns dieser Eindruck nicht getäuscht hat. Etwa 40.000 Gläubige, sogar von 70.000 ist die Rede, werden einmal Platz finden in der "Großen Moschee", die zu Ehren des Ende 2004 gestorbenen Staatsführers erbaut wird und mit "Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan-Mosque" seinen Namen tragen wird. Nach der Fertigstellung – voraussichtlich noch im Sommer 2007 soll sie – auf einer Grundfläche von 22.000 Quadratmetern, mit Goldplatten und Marmor ausgekleidet – das drittgrößte islamische Gotteshaus weltweit sein. Die Hauptgebetshalle wird dann der in Auftrag gegebene größte handgewebte Teppich der Welt zieren – 5.700 qm groß. Die Baukosten werden auf 700 Millionen Dollar geschätzt.

Auf der riesigen Einfall-Straße – inzwischen gesäumt von Grünflächen und großzügig angelegten Blumenbeeten  – näherten wir uns schnell und ohne jegliche Verkehrsbehinderung der Stadt. Vorbei an nicht enden wollenden Parks, flankiert von hohen Zäunen und Mauern – hinter denen verborgen sich die Wohn-Paläste der Herrscher-Familie des Emirs von Abu Dhabi, Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan befinden – erreichten wir nach dieser kleinen Stadtführung unseres Fahrers und knapp 30 Minuten Fahrzeit das Ziel unserer Fahrt, das Hilton, in unmittelbarer Nähe des Emirates-Palace. Unser Chauffeur erklärte uns stolz, dass es weltweit nur zwei "7-Sterne-Hotels" gäbe. Das "Burj Al Arab" von Dubai sei zwar etwas berühmter und bekannter als der "Emirates Palace" hier, der sei jedoch sowohl äußerlich von seiner Form her, die an einen Palast aus 1001 Nacht erinnere, als auch innen vom Prunk her gesehen viel schöner und ursprünglicher für den arabischen Kulturkreis als das "Segel von Dubai". Er schwärmte uns dies so überzeugt vor, als wäre er der einheimische Touristik-Minister und nicht, wie wir auf Nachfrage erfuhren, ein Gastarbeiter aus Pakistan. Tatsächlich werden diese beiden Hotels immer wieder als die beiden einzigen 7 Sterne Hotels der Welt bezeichnet, obwohl es diese Kategorie offiziell überhaupt nicht gibt in der international anerkannten Skala bis 5 Sterne.

Unser Hilton-Hotel konnte da zwar nicht ganz mithalten, gehörte aber schon zur oberen Kategorie. Das wurde bereits in der riesigen noblen Eingangshalle mit dem langen breiten Gang zur Rezeption ersichtlich. Wir hatten uns bereits am Morgen in Bangkok in die etwas bessere Urlaubskleidung geworfen, aber "Urlaubskleidung" war hier kaum anzutreffen. Dunkele Anzüge oder weißer Kaftan beherrschten eher das Bild in der Hotelhalle. Trotzdem war der Service absolut freundlich und hilfsbereit.

Nach dem Zimmerbezug erkundeten wir im obersten, dem 10. Stockwerk die Umgebung und den Ausblick. Eine deutsche Hotel-Angestellte aus Düsseldorf gab uns den Tipp, dass bei einem 1-Tages-Aufenthalt eine angebotene 8 Stunden-Stadtbesichtigung nicht viel Sinn mache. Wir sollten lieber gezielt einzelne Punkte wie das Emirates Palace, das Shopping Center und andere Sehenswürdigkeiten ansteuern.

Unser erstes Ziel danach lag jedoch weitaus näher. Wir wechselten auf die andere Straßenseite, durch einen Tunnel mit schneckenhausartig gewundenem zweispurigem Auf- und Abgang, in der Mitte mit Treppenstufen, außen als durchgängige Rampe ohne Stufen, z.B. für Rollstuhlfahrer. Alles wirkte hier großzügig und nobel, sogar dieser Straßen-Übergang. Auf der anderen Seite erwarteten uns die Pool-, Strand-, Erholungs- und Fitness-Landschaften des Hilton, allein im Fitness-Raum mit rund 10 Laufbändern, Fernseher inklusive.

Allerdings wehte ein relativ kühler Wind. Nach dem Bad im Pool erwärmte sich Magdalena erst wieder in der Sauna – und von einer Deutschen am Strand erfuhr sie, dass es in den letzten 10 Tagen hier sogar geregnet hatte, auch ein Sandsturm sorgte dafür, dass es nicht so gemütlich war, wie heute bei unserer Ankunft.

Ich selbst hatte freiwillig den Rückzug auf’s Zimmer angetreten. Die Klimaanlage im Flugzeug hatte mich heute im wahrsten Sinne des Wortes "kalt erwischt". Das über 4 Wochen gewohnte kurze Hemd hätte ich besser im Koffer verstaut und ein langärmliges angezogen. Innerhalb von 6 ½ Stunden Flug hatten sich meine Atemwege in regelmäßig Wasser speiende Brünnlein verwandelt. Aber so hatte ich auf dem Flug wenigstens etwas unverlangt bekommen – vom Essen abgesehen. Denn außer einmal Apfelsaft oder Ananassaft nach Wahl wurde ansonsten nur Wasser vorbei gebracht. Wieder mussten wir – wie beim Herflug – quasi um einen Rotwein betteln. Eine Stunde vor der Ankunft bekamen wir unser erstes und einziges Glas, aber erst auf unsere Nachfrage hin – und nur, nachdem wir versicherten, dass wir bereits lange zuvor beim Essen darum gebeten hätten. Es gab aber nur ein Glas. Magdalena erhielt auf die Bitte nach einem weiteren die Antwort, die Bar sei jetzt geschlossen. Irgendwie hatte es den Anschein, als wäre das Alkoholtrinken verpönt, obwohl es offiziell angeboten wird. Auch das Duty Free Shop Alkohol-Angebot am Flughafen in Abu Dhabi war reichhaltig und bestens sortiert bis hin zu den hochprozentigsten Spirituosen. Ebenso fanden wir die Minibar im Hotel zur Hälfte mit alkoholischen Getränken gefüllt vor, vom Bier bis zum Schnaps.

Um 19 Uhr trafen wir uns alle zusammen im Restaurant zum Dinner. Ein reichhaltiges Buffet war aufgebaut, von Austern und Muscheln angefangen über Lachs, verschiedenste Salate, sehr zartes Roastbeef, Duck, Kartoffel-Wings, Bohnen mit Speck, Käsebuffet bis hin zu einem verführerischen Nachspeisen-Buffet. Ein letztes Mal war Schlemmen angesagt – ohne schlechtes Gewissen, obwohl dieses Hotel als erstes auf unserer ganzen Reise im Zimmer so etwas Gemeines wie eine Waage stehen hatte. Zuerst wurde sie von uns beiden bewusst ignoriert, aber die Neugierde trieb uns dann doch drauf. Der Schock hielt sich wenigstens in Grenzen. Als wir uns niedergelassen hatten für’s Essen strahlten wir kurz. Nicht nur wegen des reichhaltigen Angebots, sondern auch, weil die Bedienung uns nach Wein fragte und dabei ankündigte "included". Wir bestellten erfreut – um kurz darauf zu erfahren, dass wir leider nicht wie unsere Nachbarn das Exklusiv-Paket gebucht hätten, das sowohl freien Wein wie auch ständiges Nachgießen beinhaltete. Somit seien unsere Getränke extra zu zahlen. Und so entwickelte sich im Laufe des Abends weinmäßig eine 2-Klassen-Gesellschaft. Während die Bedienungen bei einigen Tischen kaum noch nachkamen mit dem Nachschenken des sehr guten Hausweins, hielten sich an den anderen Tischen wie bei uns erstaunlich lange die mehr oder weniger vollen Gläser. Aber dafür gab's hinterher auch mehr und weniger "volle" Gäste.

Nach 3 Stunden verließen wir wohl gesättigt das Restaurant und beschlossen spontan, dass uns nach diesem Kalorienfest noch ein paar Schritte gut tun würden. Vor dem Hoteleingang angelangt zog uns das Emirates Palace sofort wie ein Magnet an. Allein die Einzäunung dieses 1 Million m², also 100 ha großen wunderschönen Parkareals mit Marmor rundum ist schon mehr als beeindruckend.

Vorbei an der überlebensgroßen etwa 20 Meter hohen und 10 Meter breiten Tafel des verstorbenen Staatsoberhauptes Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan gelangten wir zum ständig die Farben wechselnden und vorgelagerten riesigen Einfahrts-Portal, einer Art "Triumph-Bogen", 40 m hoch und 36 m breit. Freundlich, aber bestimmt erfuhren wir, dass dieser Durchgang zum Emirates Palace speziell nur für Scheichs, Sultane, Emire, Kalifen und Ehrengäste bereit stehe. Anderen sei der Zutritt auf diesem Weg nicht erlaubt ist. Insgeheim ergänzten wir gedanklich: 'Also schon gleich überhaupt nicht gewöhnlichem, und noch dazu auch noch Fuß-Volk wie uns'. Dass man aber auch nie seinen VIP-Ausweis dabei hat, wenn man ihn braucht! Also wanderten wir weiter an der Hotel-Mauer entlang und näherten uns dem Haupteingang.

Und dann hatten wir freien Blick auf das Emirates Palace. Bewundernd und wie gebannt blieben wir stehen und genossen den traumhaften Anblick dieses in der nächtlichen Beleuchtung erstrahlten gigantischen Hotels der Superlative, das sich selbst Palast nennt.

Die Baukosten für diesen "Traum im Morgenland", der im Februar 2005 vorab und dann endgültig im September nach etwas mehr als 3 Jahren Bauzeit eröffnet wurde, liegen laut Schätzungen bei etwa 3,5 Milliarden US-Dollar. Das außen und innen in den verschiedenen Farbtönen des Wüstensandes gehaltene Luxus-Hotel wurde ursprünglich nur gebaut für das jedes Jahr im Dezember stattfindende Gipfeltreffen der Regierungschefs und Scheichs aller arabischen Emirate. Jedes Jahr richtet ein anderes Emirat dieses Treffen aus, und 2004 sollte Abu Dhabi Gastgeber sein. Durch den Tod des gastgebenden Scheichs wurde jedoch ein anderer Ort ausgewählt. Ein Jahr später war dann Abu Dhabi stolzer Ausrichter im Emirates Palace. Inzwischen war auch die Entscheidung gefallen, es als Hotel zu nutzen. Heute ist der Palast das Aushängeschild der Kempinski-Gruppe. Mit 1,3 km ist der feine Privatsandstrand der längste aller Emirate. Der Gesamtumfang des Areals umfasst 2,5 Kilometer. Die Distanz zwischen Ost- und Westflügel beträgt einen Kilometer.

Über dem "Märchenschloss" thront zentral eine 60 Meter hohe Kuppel. Sie ist damit höher als die des Petersdoms, mit einem Atrium von 42 Metern Durchmesser, an der Oberfläche verziert mit Glas, sowie Silber- und Goldmosaiken und umsäumt von 114 vergoldeten kleineren Kuppeln. Diese zieren über das gesamte Gebäude verteilt die Trakte, die zu den 302 Deluxe-Zimmern und 92 Suiten führen. Das kleinste der Palastzimmer kostet 700 Euro pro Nacht, die Luxussuiten ab 30.000 Euro – ebenfalls pro Nacht. Es ist das exklusivste und teuerste Hotel der Welt mit einer Lobby, so groß wie ein Fußballfeld, natürlich alles in Marmor. Auch sonst ist es nur in Superlativen zu umschreiben wie: 8 km Versorgungsgänge im Untergeschoss mit 128 Küchen, Speisekammern und Getränkelagern. Von hier versorgen 120 Köche 10 Restaurants. Zum Fuhrpark gehören unter anderem 2 Maybach und 2 Rolls Royce, selbst die Wasserhähne bestehen aus 24-karätigem Gold. Über 1.000 Swarovski-Kronleuchter werden gehegt und gepflegt von speziell dafür bereitgestelltem Reinigungspersonal mit dem eigenen Berufsbild 'Kristall-Polierer'. Jedes Zimmer verfügt über einen eigenen Butler, Anruf genügt. Im Ballsaal finden 2.800 Besucher Platz. Insgesamt verlieren sich 7.000 Türen und Tore in Riesen-Areal. Die größten Suiten des 8-stöckigen Palastes liegen ganz oben unter der Kuppel. 7 Suiten in reinstem orientalischem Prunk mit jeweils 1.200 m² Wohnfläche, reserviert für die 7 Staatsoberhäupter der Emirate, die Herrscher des Golf-Kooperationsrates (GCC). Insgesamt arbeiten hier 1.500 Angestellte aus 50 Ländern, darunter Mitte 2006 auch Deutsche in Spitzenpositionen wie Barbara Arensmeyer als House-Keeping-Chefin, Alexander Paul als 2. Koch und allen voran Stephan Kaminski als leitender Palast-Manager (im Herbst 2006 wechselte er als Chef des Kempinski Hotels "Vier Jahreszeiten" nach München). Die Gastarbeiter erhalten jedoch keine Daueraufenthaltsgenehmigung. Übrigens, nicht nur die Tore sind hier golden, sogar auf der angebotenen Schokolade und den auserlesenen Pralinen glänzt das Blattgold-Dekor verlockend.

Wie alle anderen mehr oder weniger wichtigen "normalen" Besucher und Gäste auch gelangten wir über die parkähnlich angelegte Hauptauffahrt Richtung Haupteingang. Eine ganze Batterie der insgesamt 200 Hotel-Brunnen spuckte ständig riesige Mengen Wasser im hellen Lichtstrahl wie eine Fontänen-Wand in die Luft, verteilt über die ganze Hotel-Vorderfront. Vor der langen, langsam ansteigenden Treppe rauf zum Haupteingang – mit in der Mitte über die Stufen herunterplätscherndem Bachlauf – passierten wir noch unter anderem blau angestrahlte Palmen.

In der Riesenauffahrt warteten schwarze Hünen im brockat-goldenen Frack auf die heranfahrenden Maserati, Ferrari, Maybach und die – schon fast "gewöhnlich" wirkenden, aber zahlreich vertretenen – Porsche und BMW. Sogar ganz normale PKW waren zu sehen, aber nur wenige. Die breiten Reifen der Karossen quietschten bei jeder Lenkraddrehung auf dem Marmorboden, bevor die Besitzer den Wagen anhielten, die Tür öffneten und dann den Wagen, der anschließend vom Hotelpersonal weggefahren wurde, achtlos verließen.

Nachdem sich uns die goldenen Tore des Hotels geöffnet hatten und nach dem anschließenden Passieren von Sicherheits-Detektoren konnten wir nur noch staunen über diese Pracht und diesen Prunk. Gold, Marmor, Kristall und Edelhölzer, wohin wir auch schauten, Wandteppiche mit dem Motiv des Hotels in einer Höhe von 20 und einer Breite von über 30 Metern, jedenfalls nach meiner Schätzung – Gigantismus pur und überall. Ja selbst Kleinigkeiten wie ein Kelch mit Früchte-Körbchen mutierten hier in eine andere Größenordnung – mit ungefähr einem Meter Höhe. Jetzt konnten wir den Stolz unseres Chauffeurs heute Mittag verstehen. Es ist ein Palast, der mit seiner Pracht jeden Gedanken, dass hier früher einmal nichts als Wüste war, absolut absurd erscheinen lässt.

Auf dem Heimweg fiel uns noch ein Brunnen vor der Hauptauffahrt auf. Hier wird mit Wasser gespielt – mitten in der Wüste. An der Hoteleinzäunung entdeckten wir auch die scheinbar zur Entsorgung bereitliegenden und eingesammelten Schilder der großen Formel-1-Show, die hier am 3. Februar stattgefunden hatte. Dabei wurde ein Siebenjahresvertrag unterzeichnet, der den Formel-1-Zirkus ab 2009 hierher nach Abu Dhabi holen wird – und damit nach Bahrain in das 2. arabische Land. Und wieder ist ein Deutscher integriert. Formel-1-Architekt Hermann Tilke aus Olpe soll die neue Strecke bauen, ein insgesamt mit 40 Milliarden Dollar veranschlagtes Tourismusprojekt.

Um 23:30 Uhr waren wir zurück im Hotel und fielen todmüde ins Bett – voller neuer fantastischer Eindrücke.

 

16.02.2007 – 32. Tag – Letzter Urlaubstag: Abu Dhabi zu Fuß – Nobelkarossen Gastfreundschaft & letzter Sprung ins Meer

Bis kurz vor 9 Uhr schliefen wir so tief und fest wie schon lange nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen war auch das Frühstücksbuffet absolut reichhaltig. Was das Herz begehrte war geboten, westliches, amerikanisches und asiatisches Essen, französische Croissants und Süßigkeiten. Erstaunlich, welch einen Hunger wir bei dieser Auswahl schon wieder entwickeln konnten. Bert und Maria entschieden sich anschließend für die Hotel-Sauna und Strandlandschaft auf der anderen Straßenseite, Magdalena und ich beschlossen, die Umgebung zu erkunden – und starteten unseren am Ende fünf Stunden langen Fußmarsch. Zuerst reizte uns die Marina-Mall – mit Ikea und einem neuen Riesentower. Auf dem Weg dorthin bot sich bei strahlend blauem Himmel ein freier Blick auf die Skyline dieser Glitzer-Metropole mit ihrer teilweise von futuristischen Bauten geprägten Küstenlinie. Bis zu vierzigstöckige Wolkenkratzer reflektierten von glitzernden spiegelverglasten Fassaden das Sonnenlicht immer wieder wie Lichtblitze. Würde ein Fischer, der vor 50 Jahren hier lebte, jetzt plötzlich an diesen Platz zurück kehren und jetzt an meiner Stelle stehen, würde er sicherlich felsenfest an eine Fata Morgana glauben.

Am "Marina-Mall-Shopping-Center" hier auf der "Breakwater-Landzunge" angekommen, erfuhren wir, dass heute, am Freitag, die meisten Shops geschlossen sind. Ebenfalls kein Erfolg hatten wir beim Versuch, auf den Turm, das weithin sichtbare Wahrzeichen zu fahren. Ein Aufseher erklärte uns, dass dieser sich noch im Bau befindet und erst in etwa 3 Monaten fertig gestellt sein wird, ebenso wie ein Snow-Center, wo – Dubai folgend – auch hier Skifahren angeboten werden soll. Die Marina-Mall liegt, wie der Name schon verrät, direkt am kleinen Jachthafen, an dem wir anschließend entlang spazierten. Hier hätte ich mir eigentlich mehr erwartet. Neben etwa 20 kleineren Booten und einem mittelgroßen alten Holzschiff lag nur eine einzige etwas größere Luxusjacht im Hafen, und auch die wäre in Häfen wie St. Tropez oder Marbella nur irgendwo 'weiter hinten' in 3ter oder 4ter Reihe zu finden gewesen. Somit stand der Anblick des Jachthafens im krassen Gegensatz zu dem, was sich auf den Straßen tat. Neben normalen PKW – wie überwiegend Ford und Toyota, aber auch Honda oder VW-Golf und -Passat – tummelten sich hier eine große Zahl von Luxus-Karossen, darunter sehr viele Off-Road-Gefährte wie Range Rover oder Porsche-Cayenne. Der war fast nur in weiß zu sehen, wie überhaupt weiß eine sehr beliebte Farbe zu sein schien. Selbst die Flitzer wie Lamborghini fuhren hier in weiß, oft mit tollem roten Leder ausgestattet. Für kurze Momente ließ dieser Anblick mich die ganze Umwelt vergessen und nur noch den Wunschgedanken aufblitzen, darin einmal versinken zu dürfen. Schon von weitem ließ das sonore, ps- und kraftstrotzende Blubbern dieser Hingucker auf den breiten und top-ausgebauten Straßen von Abu Dhabi ihr Herannahen erahnen, bevor sie in Sekundenschnelle vorbeiröhrten. Bei dichterem Verkehr  oder an der Ampel wirkte das nervöse mit dem Gaspedal-Spielen der 'Herrscher über die Pferdestärken' wie das ungeduldige Schnauben und Scharren von Rennpferden unmittelbar vor dem Start. Hier wusste der Blick oft nicht, wo er hinschweifen soll. Die zahlreichen 5er und 7er BMW, die obere Luxusklasse von Mercedes samt SLK, die vielen Porsche Carreras sind im Vergleich zu uns auf Abu Dhabis Straßen nichts Besonderes. Sie gehören sie zum allgemeinen Straßenbild, wobei die meisten Luxusschlitten, ob Riesenkarosse oder Rennflunder, ihre Insassen hinter dunkel getönten Scheiben versteckten. Von vorne allerdings waren oft zumindest die Fahrer erkennbar, nicht selten im Kaftan und mit Kopftuch. Der Ölreichtum und der traumhaft niedrige Benzinpreis lassen hierzulande Autoträume wahr werden.

Nachdem die Straße am Jachthafen endete, drehten wir um und spazierten in die nächste Querstraße, die links abbog in Richtung eines großen Kuppelgebäudes. Von dieser vierspurigen kaum befahrenen Uferpromenade mit Palmen auf dem Mittelstreifen – in mit Kamel-Motiven gezierten Steinkübeln – bot sich ein menschen- und bootsleerer Ausblick auf die Weite des Arabischen Golfes. Ein sich in historischem Gewand präsentierendes Restaurant und Kaffeehaus lud zum Verweilen ein. Beim Weiterspazieren entdeckten wir das "Heritage Village", eine Art kleines Völkerkunde-Museum. Die Anlagen wurden seit 1999 errichtet und stellen in diesem auf 1.600m² nachgebauten Dorf dar, wie hier früher gewohnt, gelebt und gearbeitet wurde. Als wir den Kuppelbau erreicht hatten, einen Festsaal, der für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, entdeckten wir, dass auch diese Straße nicht weiter führt. Wir waren am Ende dieser schmalen "Wasserbrecher"-Landzunge angelangt, inzwischen bei über 30 Grad. Vom strahlend blauen Himmel heizte uns die Sonne an unserem letzten Urlaubstag noch einmal kräftig ein, trotz angenehm kühlender Meeresbrise. Während ich noch mit Fotografieren beschäftig war, hörte ich plötzlich Magdalena rufen. Sie hatte zwei Einheimische, die gerade in ihr Auto einsteigen wollten, gefragt, ob sie uns ein Stück mitnehmen könnten. Und schon saßen wir dankbar auf den Rücksitzen des Wagens von 2 Libanesen, die hier arbeiteten und heute frei hatten. Sie fuhren uns den Weg zurück und bogen ein auf die "Corniche", die Champs Elysee von Abu Dhabi. 2005 wurde diese 6 km lange Meerespromenade für rund 150 Millionen Euro einer Verschönerungsprozedur unterzogen. Entlang der Corniche entstand ein großer Park mit Picknick-Stationen, Brunnen und Pavillons. Bestens chauffiert und plaudernd passierten wir unser Hilton-Hotel, stiegen dann aber auf halber Strecke zu den skyline-bestimmenden Hochhäusern aus und bedankten uns herzlich für diesen tollen Service. Wir hatten nämlich von unserem freundlichen Fahrdienst erfahren, dass die beiden hier rechts im Hinterland wohnen. Obwohl sie es uns anboten weiterzufahren, wollten wir keine Umstände.

Und so legten wir ab hier auf der Küsten-Prachtstraße den Weg zu den Wolkenkratzern wieder zu Fuß zurück. Erst jetzt fiel es uns auf: Wir marschierten als einzige Fußgänger weit und breit auf die wie menschenleer und ausgestorben wirkenden Hochhäuser zu, immer wieder vom kurzen Hupen vorbeifahrender Taxis gefragt, ob das wirklich unser Ernst ist, hier zu laufen. Und auch, als wir in den Hochhäuserschluchten ankamen, war heute am Freitag kaum eine Menschenseele zu sehen. Außer uns bewegten sich hier fast nur Autos – und Springbrunnen in kleinen Parks. Als wir das Sheraton-Hotel entdeckten, fuhren wir dort mit dem Aufzug in den obersten, den 18. Stock. Über eine Treppe gelangten wir auf’s Dach – mit Sonnenliegen und Swimmingpool. Wir hatten einen schönen freien Blick Richtung Meer und Skyline, aber auch auf der anderen Seite in Richtung Altstadt mit einem Häusermeer aus kleinen Behausungen und Moscheen, wie ein Hufeisen umsäumt von rundherum aus dem Boden schießenden hohen Wohn- und Geschäftsklötzen.

Auf dem Rückweg zog uns plötzlich eine große Schaufensterfront mit der Aufschrift "Dream Cars" in ihren Bann, ebenso wie einen Araber, der sich am Fenster fast die Nase plattdrückte. Dahinter lockten in ihrer ganzen Pracht all die schönen Traum-Boliden, deren Röhren uns auf der Straße immer wieder aufhorchen ließ – so nah und doch unerreichbar weit weg. Beim Gorilla im Zoo hinter der Glasscheibe glaube ich ja zu wissen, dass er derjenige von uns beiden ist, der eingesperrt ist. Hier hatte ich nicht das Gefühl, dass die mit all ihrem Chrom, ihrem traumhaften Design und Interieur lockenden Traumkarossen eingesperrt wären. Eher waren wir draußen ausgesperrt – und werden es wohl auch bleiben.

Auf dem parallel zur Küstenstraße verlaufenden menschenleeren Boulevard führte unser Weg an einer großen Tankstelle vorbei. Eine Zapfsäule zeigte noch den letzten Stand, 77,8 Liter für 133 Dirham. Bei einem Kurs von 4,6 Dirham pro Euro waren also rund 37 Cent für den Liter bezahlt worden. Dazu muss auch noch erwähnt werden, dass am 1. September 2006 der Benzinpreis in Abu Dhabi drastisch um 30 Prozent erhöht wurde auf das mit Abstand höchste Niveau in der ganzen Golf-Region. Sicher lassen sich aber auch bei diesem Preis die 6- und Mehr-Zylinder noch mit Vergnügen chauffieren. Vor meinem inneren Auge, das auf unser Preisniveau programmiert ist, ratterten dagegen beim Blubbern und Aufheulen der ps-strotzenden Benzinschleudern unwillkürlich Dollar-Zeichen vorbei in einem imaginären Fenster, das in meiner Fantasie erschien wie eine Kombination von Zapfsäulen-Preisfenster und Fenster eines einarmigen Banditen, auf dem die starren Blicke in der Hoffnung auf das große Glück ruhen.

Der Weg führte uns über eine Querstraße wieder zurück auf die Corniche. In den neuangelegten Parks dampfte und rauchte es inzwischen, wohin wir schauten. Unzählige Familien hatten sich an ihrem freien Tag versammelt, um gemeinsam zu grillen, zu essen und die Neuigkeiten aus der vergangenen Woche untereinander auszutauschen. Und noch immer hielten Autos, um ganze Familien samt Liegen, Geschirr, Kinderwagen, Grills, großen Behältern mit Essen, Riesenwasserflaschen und fast überall all auch der dazugehörenden Wasserpfeife auszuladen. Die meisten hier waren Arbeiterfamilien, beschäftigt in den verschiedenen Firmen oder Hotels. Viele kamen aus dem benachbarten Pakistan, ansonsten wirkte dieser Park wie eine Versammlung der Arabischen Liga mit zahlreichen Jordaniern, Libanesen oder Ägyptern.

Wir kamen nicht weit. Schon überwältigte uns eine unglaubliche Gastfreundschaft. Wir hatten noch nicht einmal kopfschüttelnd nein sagen können, weil wir das familiäre Treffen nicht stören wollten, da wurde uns – keine Widerrede akzeptierend – einfach von einer libanesischen Großfamilie ein gegrillter, auf einem Holzspieß aufgesteckter Hähnchenschenkel in die Hand gedrückt. Sie sprachen alle sehr gut englisch und freuten sich über unser ehrliches Lob. Der würzige Schenkel schmeckte hervorragend. Aber wir hatten ihn noch nicht einmal zur Hälfte aufgegessen, schon hielten wir einen mit würzigem Fleisch und Zwiebeln bespickten Grill-Spieß in der noch freien Hand. Es war uns fast peinlich, dass wir uns hier auf Kosten der Großfamilie satt aßen. Aber Gegenwehr in Form von "No thank you" wurde einfach nicht akzeptiert. Vielleicht sprachen unsere Augen auch eine andere Sprache. Selbst der Hinweis, dass wir satt wären und das damit verbundene Deuten auf meinen dicken Bauch wurde einfach lachend ignoriert. Und so mussten wir auch noch die gegrillten Würstchen probieren. Diese gastgeberfreundliche Hartnäckigkeit bereuten wir nicht. Alles schmeckte vorzüglich. Natürlich hielt ich das alles mit der Kamera fest – und kaum hatte ich angeboten, dieses Bild per E-Mail zu schicken, schon rannte einer unserer jungen Gastgeber weg und kam mit einer Business-Visitenkarte zurück. Nach einer Viertelstunde verabschiedeten wir uns dankend und zogen weiter, kamen jedoch nicht allzu weit, da uns eine ägyptische Großfamilie nicht weitergehen lassen wollte, ohne dass wir ihre herzhaft vom Grill duftenden Würstchen versuchen. Wir müssten sie unbedingt wenigstens mal probieren, da wir sicherlich noch niemals so etwas Gutes gegessen hätten – nach original ägyptischem Rezept hergestellt und gegrillt. Wir konnten nicht herausfinden, was es war, aber unser neuer Gastgeber hatte Recht. Es schmeckte so gut und herzhaft würzig, dass mir das Wasser im Mund zusammen lief. Jetzt waren wir wirklich so satt, dass wir beim restlichen Weg zurück noch einige Male dankend aber bestimmt ablehnen mussten mit dem Hinweis, dass wir schon so viel gegessen hätten bei den anderen Familien weiter vorn.

Um niemanden mehr abweisen zu müssen, wechselten wir – vom Weg am Park entlang – vor zum Gehsteig direkt an der Straße. wohl gesättigt kamen wir um 16:30 Uhr im Hotel an. Wir überquerten sofort die Straße, um am Hotel-Beach-Strand noch ein letztes Mal im Meer zu baden und uns in der Wellness-Anlage etwas Entspannung zu gönnen. Vor allem unsere fast qualmenden Füßen sehnten sich danach, nach dem über 5stündigen Marsch in der Hitze. Als wir ankamen, packten Maria und Bert nach einem ruhigen Relax-Tag in der Anlage gerade ihre Utensilien zusammen, um sich auf die vom Hotel als Service angebotene 17 Uhr Stadtrundfahrt vorzubereiten. Spontan änderte ich meine Pläne und ging auch rüber zur Rezeption. Auf meine Frage, wo der Bus starten würde, erhielt ich die Information, dass es heute, am Freitag, keine Rundfahrt gäbe. Das war das endgültige Zeichen zum Relaxen. Als wir Maria und Bert von unseren Grill-Leckerbissen im Park erzählten, starteten sie spontan zu einem Spaziergang an den Parkanlagen entlang. Etwas enttäuscht erzählten sie uns später, dass sie lediglich eine Art Fladenbrot angeboten bekommen hatten. Wahrscheinlich hätten wir ihnen zuvor alles weggegessen.

In der Sauna erlebte ich eine andere Sauna-Kultur, als wir sie kennen. Nackt wie bei uns üblich saß hier niemand. Alle trugen ihre Badehosen. Dafür benutzte niemand ein Handtuch. Die meisten Saunagänger schienen aus dem arabischen Raum zu kommen, unterhielten sich laut, hatten dabei zum Teil einen Drink in der Hand – und legten sich einfach so mit dem nackten Körper auf’s Holz. Danach blieben die leeren Gläser und Becher einfach auf dem schweißnass verfärbten Holz stehen. Auch der Aufguss wurde sehr eigen praktiziert. Innerhalb von 20 Minuten erlebte ich 5x Aufguss. Dass diese Aufguss-Begeisterung und überhaupt diese Saunakultur kein einmaliges Erlebnis war, erkannte ich bei meinen 2 folgenden Saunagängen, die auch mit anderen "Mit-Insassen" immer gleich verliefen. Ganz ehrlich gesagt freute ich mich in diesem Moment – insbesondere von der Hygiene her – nach der Rückkehr wieder auf heimische Sauna-Rituale.

Nach dem ersten Schwitzbad schien noch die Sonne – und ein letzter Sprung ins Meer bedeutete in dem eher frischen und relativ klaren Wasser eine angenehme Abkühlung. Der Hotel-Swimmingpool wirkte im Vergleich danach wie eine warme Brühe. Nach dem 2. und 3. Sauna-Gang war ich anschließend jeweils froh, im Jacuzzi unter 10 Düsen noch eine freie zu ergattern. Total relaxed wechselte ich um 20 Uhr mit Magdalena über den Straßen-Tunnel wieder zurück ins Hotel. Hier gönnten wir uns an der Rezeption einen heißen Tee und genossen im ersten Stock noch das Frühstücksei vom Breakfast-Paket, das wir gestern früh in Bangkok zum Abschied bekommen hatten. Passend wurde es auch thailändisch runtergespült mit der letzten Dose "Chang-Beer", die noch im Rucksack aufgetaucht war. Dass hier oben – neben der Riesenanlage am Strand – zusätzlich ein Swimmingpool und ein Fitness-Studio existiert, entdeckte ich erst jetzt, kurz vor unserer Abreise.

Kaum hatten wir uns danach in der Hotelhalle gemütlich in die Sessel fallen lassen um zu lesen, tauchten Maria und Bert auf. Sie waren mit einem Taxi in ein vom Hotel empfohlenes libanesisches Restaurant gefahren, hatten dort sehr gut gespeist und nette Leute getroffen. Wie gesagt, die Gastfreundschaft war überwältigend, allerdings lernten wir dabei leider nie Einheimische kennen, sondern immer nur ausländische Gäste dieses Emirates, die hier arbeiten. Das war auch beim Fahrer der Fall, der uns kurz vor 23 Uhr für den Flughafen-Transfer abholte. Es war wieder der freundliche pakistanische "Touristik-Minister", der uns gestern hergefahren hatte.

 

17.02.2007 – 33. Tag: Heimflug zerstörte Koffer & E-Mail-Lawine nach der Rückkehr

Beim knapp 6 ½ stündigen Rückflug ab 2:15 Uhr mit einem halb leeren Airbus 330-200 der Etihad Airways hatte Magdalena in der Mitte eine ganze 3er-Reihe zum gemütlichen Ausstrecken, das allerdings nicht lange andauerte. Turbulenzen erforderten immer wieder Anschnallen, so dass sie es irgendwann aufgab und lieber im Monitor der Rückenlehne vor ihr einen interessanten Film auswählte. Und beim Service konnte ich diesmal nur sagen – absolut top. Zum kleinen Imbiss nach dem Start stand schon Sekunden nach der Bestellung die Cola und der Rotwein neben meinem Tablett, das Gleiche beim Frühstück gut eine Stunde vor der Ankunft – verbunden mit freundlichem Lächeln und zuvorkommender Hilfsbereitschaft bei Familien mit kleinen Kindern. Zum Abschluss unserer tollen Reise also doch auch noch ein toller Etihad-Service. Auch nach unserer pünktlichen Landung in München um 6:30 Uhr kamen wir, wenn auch unfreiwillig, noch einmal in den Genuss von freundlicher und hilfsbereiter Unterstützung – und zwar am Schalter für Gepäck-Reklamation. An meiner Sporttasche war eine Kante total aufgeplatzt, eine Außentasche ebenso und eine Trageschlaufe abgerissen. Bert’s Koffer klaffte auf einer Seite auseinander, ohne dass zum Glück jedoch etwas herausgefallen zu sein schien. Während der Flughafen-Angestellte freundlich und schnell unsere Schäden aufnahm, sammelte sich hinter uns eine Schlange von mindestens 10 weiteren Reisenden mit zum Teil über die volle Länge aufgerissenen Koffern. Die Turbulenzen waren scheinbar nicht nur für Magdalena’s Schlafversuche schädlich.

Nach einem herzlichen Abschied von Bert und Maria, die noch nach Nürnberg mussten, fuhren wir mit S-Bahn und Rail&Fly-Ticket wieder bis zu unserem Wohnort. Punkt 8 Uhr marschierten wir heute, am Faschingssamstag, mit unserem ratternden Gepäck auf Rollen durch die fast so menschenleeren Straßen wie die gestern in Abu Dhabi – allerdings war es mit minus 1 Grad um über 30 Grad kälter. Die Reise war nach 32 Tagen, 1er Stunde und 15 Minuten zu Ende – und wir lagen zuerst einmal 2 Stunden im Bett, die Bettdecke bis zum Hals hochgezogen, aber diesmal nicht, wie die letzten Wochen mit dem Bettlaken praktiziert, wegen der Moskitos – nein, diesmal wegen der nicht mehr gewohnten Kälte. Fast wären mir in diesem Moment Moskitos und die entsprechenden Temperaturen lieber gewesen. Schwerfällig und wie halb betrunken kamen wir wieder zu uns – und sahen uns 3 Bergen gegenüber. Dank der guten Aussicht waren die Alpen schön zu sehen, aus unseren Koffern befreiten wir einen Berg voll Wäsche – und dann begrüßte mich nach dem Einschalten meines PC's im Posteingang ein 'Mount Everest' von 1.284 E-Mails, überwiegend Spam. Wir begannen die aufgetürmten Mengen zu bearbeiten und schrumpfen zu lassen, ich die Informationsberge, Magdalena den Berg Urlaubswäsche. Aus dem glänzte ihr schon bald der darin gut eingewickelte weiße Zahnpasta-Geschenkteller mit den roten Blüten entgegen. Er war tatsächlich heil geblieben.

 

Wir werden ihn in Ehren halten – und er wird uns immer erinnern

an diesen tollen Urlaub in Thailand und Abu Dhabi!