Dieser Reisebericht schildert - im Gegensatz zu den anderen nur in Kurzform und mit Streckenbeschreibung - eine organisierte Nord-Indien-Rundreise von meiner Frau und mir - über rund 3.160 Bus-Kilometer mit Schwerpunkt Rajasthan, dem Land der "Könige und Jäger". Viel Vergnügen!

Sollten Sie Kontakt aufnehmen wollen oder Interesse haben am Original eines der hier nur sehr verkleinert dargestellten und mit Copyright versehenen Bilder, bitte E-Mail an mich. Personen auf den Bildern habe ich, obwohl damit leider oft das Ausdrucksvolle und Charakteristische der Person verloren ging, entweder durch schwarze Balken oder Weichzeichnen im Gesichtsbereich unkenntlich gemacht, um nicht womöglich ungewollt Perönlichkeitsrechte zu verletzen. Falls ich dennoch jemanden erkenntlich und gegen seinen Willen abgebildet habe, bitte Bescheid sagen, dann werde ich das Bild sofort entfernen. Sollte dagegen jemand nichts gegen die Originaldarstellung haben, hebe ich gerne die Unkenntlichmachung wieder auf. Bei den mit "©2011-F" gekennzeichneten Bildern handelt es sich um Screenshots vom Film in geringerer Bildqualität. (Der Webmaster)

Nord-Indien 2011 (Schwerpunkt Rajasthan - Land der "Könige und Jäger") vom 13.02. bis 02.03.2011

Reisebericht in Kurzform als kurze Tagesstrecken-Notizen - mit 208 Bildern

Bericht fertig und in dieser Fassung online gestellt: 16.04.2012

Mit dem Bus bei der Rundfahrt durch Nord-Indien zurück gelegte Gesamtstrecke: 3.160 km

Unsere wichtigsten Worte waren (geschrieben wie akustisch verstanden): Namasdai = Guten Tag, Subratri = Gute Nacht, Danjewat = Danke, Jaimatadi = Prost

1. Tag (Sonntag, 13.02.2011): Abreise und Abflug in München am Abend

17:15 Uhr Abfahrt zum Flughafen mit Nachbarin Regina. Sie fuhr nach Firmung von Sohn Jonas eine Cousine zum Flughafen. So brauchte Nachbar Klaus nicht zu fahren, der schon bereit stand. Am Flughafen zum Einchecken erst nach persönlichem Ausdrucken der Boardkarte über ein entsprechendes Terminal. Niemand wusste genau wie es geht. Im Münchner Duty Free gab's wieder keinen Pastis, weder Pernod noch Ricard. Enttäuscht entschieden wir uns als Anis-Alternative für Ouzo 12 – und für den abendlichen Genuss für Averna. Der Lufthansa-Flug startete mit einer 3/4 Stunde Verspätung um 20:30 Uhr statt um 19:45 Uhr nach Enteisung bei plus 7 Grad. Es gab ein Abendessen, wahlweise vegetarisch oder mit Curry-Hühnchen als Einstimmung für Indien.

2. Tag (Montag, 14.02.2011): Delhi – Manesar (ca. 60 km)

Der rund 6 stündige Flug verging total schnell. Beeindruckend in der Nacht war das langgezogene Lichtermeer von Teheran. Nach einem Film und etwas Schlaf war schon wieder Zeit für’s Frühstück. Beim Flug erreichten wir dank offensichtlich günstiger Luftströmung bei 13.000 Meter Flughöhe eine Geschwindigkeit von 1.120 Stundenkilometern. Ein Rekord bei unseren bisherigen Flügen mit Passagierflugzeugen. Nach der fast pünktlichen Landung am Internationalen Flughafen von Delhi um 07:05 Uhr – die Zeitumstellung betrug 4 ½ Stunden – wechselten wir zuerst einmal 100 Euro in Rupien, der Kurs war 57,30 Rupien für einen Euro. Reiseleiter Neraj Singh wartete bereits mit seinem Team, dem Busfahrer Saga und dem Begleiter Rana auf uns. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das in Flughafen-Nähe liegende Hotel Mapples, in dem eine Reise-Gruppe nach der anderen zum Frühstück eintraf. Auf dem Weg dorthin hatten wir einen Bus samt Anhänger des deutschen Reiseunternehmens Rotel Tours auf einem Parkplatz erspäht. Alte Erinnerungen wurden wach, als ich für Rotel Tours als Reiseleiter Anfang der 80er Jahre unterwegs war auf den Routen Rom-Assissi, Türkei-Syrien-Jordanien und quer durch Süd-Amerika.

In Delhi besichtigten wir eine Mahatma-Ghandi-Gedenkstätte in einem Park, einen Triumphbogen usw. Was mich wunderte, bisher hatten wir noch keine Kuh gesehen, aber das sollte sich noch ändern. Wir fuhren aus der Stadt heraus zu unserem etwas außerhalb liegenden Hotel in Manesar. Die zur Heritage-Hotelgruppe gehörende Unterkunft war sauber und lag etwas abseits einer stark befahrenen Zubringer-Straße für den Verkehr nach und aus Delhi. Überall waren am Straßenrand noch riesige Wasserstellen zu sehen, laut Singh (Reiseleiter: RL) die Spuren der starken Regenfälle in den vorangegangenen Tagen. Singh bekam von allen 31 Mitgliedern der Reisegruppe je 20 Euro. Damit, so bot er an, zahlt er für die ganze Reise die Trinkgelder wie bei Stopps für das Benutzen der Toiletten oder für die Kofferträger bei den Hotels. Im Prinzip eine gute Sache, aber wenn du dann aus der Toilette kommst oder dir der Kofferboy gegenüber steht und du auf die hoffenden Augen mit „The guide makes the tipp“ reagieren sollst, hast du jedes Mal einen Anflug von schlechtem Gewissen. Wir schliefen nach Flug und Programm über den ganzen Tag nach einem guten Abendessen mit Hühnchen und einer reichhaltigen Gemüse-, Reis-, Nudel- und sonstigen Auswahl bald ein, wurden aber nachts immer wieder wach durch das ungewohnte ständige Gehupe, das von der Hauptstraße bis hierher zu hören war.

Die Bilder des Tages:

Delhi: 1) Raj-Ghat, Mahatma-Gandhi Grabstätte in Delhi - 2) Schulklassen-Besuch der Grabstätte - 3) Schulbusse mit aus Fenstern geworfenem Dreck

Delhi: 1) India Gate-Triumphbogen in Delhi - 2) Eisverkäufer-Tuk Tuks beim India Gate - 3) Schüler beim India Gate mit Lilo

Delhi: 1) Garde-Offizier-Transport - 2) Regierungsgebäude in Delhi - 3) Lotus-Tempel der Bahai-Religion vor den Toren Delhis

Manesar: 1) Unser 1. Hotel, das Heritage Hotel - 2) Figur auf einer Säule im Heritage Hotel

3. Tag (Dienstag, 15.02.2011): Manesar – Alsisar (ca. 260 km)

6:30 Uhr Weckruf, ab 7 Uhr Frühstück, 8:30 Uhr Abfahrt. Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir Richtung Alsisar. Im Verlauf der Fahrt tauchten immer mehr Wolken auf. In Alsisar konnte der Bus nicht bis zu unserer Unterkunft fahren, weil die Straßen dorthin zu eng waren. Wir zogen 10 Minuten als Karawane durch den Ort, vorbei an herrlichen, aber von Schimmel und Pilzen befallenen und immer mehr verfallenden Prachtbauten und bogen dann in einen riesigen Palast ein, das Alsisar Mahal, empfangen von Trommel- und Trompeten-Klängen. Als wir unser Zimmer betraten, trauten wir kaum unseren Augen. Es war einfach nur riesig und beeindruckend – etwa 90 qm groß und ca. 5-6 Meter hoch. Hier im 2. Stock hatten wir einen herrlichen Rundblick über den Ort und die Umgebung und erlebten nach einem heftigen kurzen Gewitter noch einen tollen glutroten Sonnenuntergang. Danach wurde in einem riesigen Saal nahezu herrschaftlich gespeist. Der Chef-Ober verbreitete gute Laune, war aufmerksam und hilfsbereit und begleitete uns im Anschluss in den Innenhof. Hier wurden uns durch eine ortsansässige Folklore-Gruppe regionale Tänze und Klänge präsentiert. Und ehe ich mich versah, wurde ich von einer verschleierten Tänzerin aufgefordert, mit zu tanzen und landete - zuerst allein und stellvertretend für die restliche Gruppe - als "Tanzbär" mitten auf der Tanzfläche, wo mir von einem der anderen Tänzer sein Turban aufgesetzt wurde. Später wurden auch noch andere Gruppenmitglieder auf die Tanzfläche geholt, so dass wir einen großen Kreis bildeten, in dessen Mitte ich dann wieder zusammen mit der verschleierten Tänzerin die Bewegungen nach bestem Nicht-Können nachzuahmen versuchte. Als ich mich im Anschluss an die Aufführung bei der Tänzerin bedanken wollte, lachten alle Mitglieder der Band und Folkloregruppe, und der Chef-Ober wollte, dass ich ihr an den Busen langen soll. Ich lehnte vehement ab – und das Gelächter von allen wurde noch größer. Der Chef-Ober klärte mich auf: „Only Softballs“. Das Geheimnis war gelüftet – und der Schleier, hinter dem sich ein Mann verbarg. Sie hatten offensichtlich ihren Spaß mit mir.

Zurück im Zimmer hing ich die Akkus von Fotoapparat und Videocam an die Steckdose zum Aufladen. Unsere Stecker funktionieren hier ganz normal ohne Adapter. Ab und zu haben die Anschlüsse etwas Spiel und man muss etwas wackeln, bis der Kontakt funktioniert. Anschließend schliefen wir in diesem größten Zimmer, das wir jemals bewohnten, entspannt ein. Aber auch in dieser Nacht wurden wir mehrmals wach. Es war relativ kühl mit ungefähr 14-15 Grad. Und das spürte man im Zimmer deutlich, denn die Fenster waren nicht geschlossen, sondern bestanden nur aus Rahmen mit bespanntem Mückengitter. Davor konnte man die Fensterläden schließen, die wie die Holz-Fensterläden für die kleinen Luken bei großen Burgen wirkten. Und so waren die Geräusche von draußen nahezu ungedämmt deutlich zu vernehmen. Unter anderem schrien immer wieder die Pfauen, die hier als ebenfalls heilige Tiere zum Straßenbild dazu gehörten und auf Dächern, in Bäumen, auf Sendemasten und auch sonst überall zu finden und zu hören waren.    

Die Bilder des Tages:

Strecke Manesar-Alsisar: 1) Markt - 2) Markt mit Chili-Stand

Strecke Manesar-Alsisar: 1) Langsames Vorankommen auf unwegsamen Straßen ... - 2) ... zum Teil mit "tierischem" Gegenverkehr

Alsisar: 1) Zum Straßenbild gehören überall Pfauen - 2) Alsisar Mahal Heritage Hotel ... 3) ... mit Musik-Empfang

Alsisar: 1) Alsisar Mahal Heritage Hotel - riesige Luxus-Suite - 2) Herrschaftlicher Speißesaal - 3) Folkore-Tanz-Gruppe

4. Tag (Mittwoch, 16.02.2011): Alsisar – Mandawa – Bikaner (ca. 250 km):

6 Uhr Aufstehen, 8 Uhr Abfahrt bei endlich herrlichem Wetter und Tagestemperaturen im oberen 20er-Bereich.

Nach rund einer Stunde Fahrzeit erreichten wir das gut 50 Kilometer entfernt liegende Mandawa. Besichtigung von 5, teils prachtvoll bemalten Havelis. Dabei handelt es sich um die durch filigrane Steinmetzarbeit reich verzierten Stadtresidenzen der Kaufleute. Nahezu jedes Mitglied der Reisegruppe hatte seit der Ankunft einen „treuen Begleiter“, Kinder, die zwar nicht in die Besichtigungsstätten hinein durften, aber außerhalb nicht von unserer Seite wichen und mit deutschen Wortfetzen ständig auf uns einredeten und versuchten, etwas zu verkaufen, egal ob Postkarten, deutsche Indien-Bände, Holzfiguren oder Sonstiges.

Kurz vor dem Tagesziel Bikaner, das wir auf einer oft ziemlich holprigen Straße nach rund 200 km am frühen Nachmittag erreichten, besuchten wir den Jain-Tempel vor den Toren der Stadt. Die Schuhe müssen in den Tempelanlagen immer ausgezogen werden. Bei einem Jain-Tempel dürfen auch keine Leder-Utensilien mitgeführt werden, da die Jains gegen das Töten von Lebewesen und damit auch gegen das Verarbeiten und Tragen von Produkten aus Tierhaut sind.

Danach erreichten wir Bikaner und stiegen an einem Sammel-Zentrum von Tuk-Tuks komplett um in die kleinen wendigen und diesel-stinkenden Straßenflitzer. 2 Personen pro Tuk-Tuk konnten hinten auf der Rückbank sitzen, vorne der Fahrer mit seinem Moped-Lenker. Er beachtete uns beim Einsteigen gar nicht, warf mit einem Seil den Motor unter seinem Sitz an und düste anschließend den anderen Tuk Tuks hinterher. Im Konvoi ging es so in die Innenstadt, vorbei an Läden und Geschäften, winkenden, lachenden, desinteressierten oder im Gesatz dazu uns neugierig beobachtenden Einheimischen auf der Straße und in den kleinen Läden. Wir hielten wiederum bei einem Jain-Tempel, den wir besuchten und von dem aus wir einen guten Rundumblick genossen. Weiter ging es im Diesel-Gestank der Tuk-Tuks. Die Fahrer trugen weder Gesichtsmasken noch war sonst jemand zu sehen, der seine Atemwege schützte. War unser Fahrer auf dem Hinweg noch einer der langsamsten und letzten, machte er dies nun auf dem Rückweg wett. Als Zweite erreichten wir das Ziel, unseren Bus vor dem Fort von Bikaner. Wir fuhren zum Hotel, bei dem wir so gegen 19 Uhr ankamen. Wieder hatten wir ein Riesenzimmer mit eigener Ankleide und einem Bad, das allein schon so groß war wie andere Zimmer insgesamt. Das Essen in diesem neueren Maharadscha-Palast war nichts Besonderes. Es gab Hühnchen, Reis, Lamm, aber alles begeisterte kaum jemanden geschmacklich, so dass auch kaum nachgefasst wurde. Mit den Österreichern Margot und Hannes ratschen wir auf unserem Zimmer noch etwas bei einem Gläschen Averna – und schon wieder war ein Tag vorbei. Nachts war es angenehm ruhig, wir schliefen gut.

Die Bilder des Tages:

Alsisar: Haveli (Stadt-Residenzen der Kaufleute)

Mandawa: Eselkarre und Havelis

Mandawa: 1) Haveli - 2) Stadt-Turm von Haveli aus fotografiert - 3) Stuhl in Haveli - 4) Puppenverkauf in Haveli

Murmuria: Havelis und Toilette in Haveli

Bikaner: 1) - 3) Royal Mogul-Grabmal, Jain-Tempel - Bild 3 zeigt die unzähligen Tauben

Bikaner: 1) Lilo im Tuk Tuk - 2) + 3) Altstadt-Prachtfassaden

Bikaner: 1) Jain-Tempel in Altstadt - 2) Fort Lallgarh-Palace

5. Tag (Donnerstag, 17.02.2011): Bikaner – Sodakore (ca. 300 km):

7:30 Uhr Aufstehen, 9:30 Uhr Abfahrt nach mäßigem Frühstück mit wenig Auswahl. Wieder herrliches Wetter. Nach 10 Minuten erreichten wir das Fort von Bikaner, berühmt für seine große Anzahl an Pavillons, Balkone und Luftfenster mit ganz unterschiedlichen Steinmetz-Designs. Die ersten 2 Mitglieder unserer Reisegruppe klagten über Durchfall-Erkrankung. Zum Glück ist als Ärztin Anthea dabei. Ganz wesentlicher Bestandteil ihres Notfall-Rucksackes: Gegenmittel für Magen-/Darmprobleme.

Nach der Fort-Besichtigung machten wir uns auf den Weg durch immer karger werdende Regionen. Wir durchquerten die Halbwüstenlandschaft Rajasthans und erreichten kurz vor Sonnenuntergang unser Ziel Sodakore, eine mitten in der Wildnis gelegene Lodge, das „Mirvana Nature Resort“. Auf einem kleinen Aussichtsturm spielte ich bei relativ kühlen Temperaturen von nur ca. 16 Grad einer älteren, im Bus vor uns sitzenden Dame auf ihren Wunsch hin ein Lied von Richard Clayderman über das Netbook vor – als Abendstimmung-Untermalung. Lilo wagte sich in dieser Zeit in den Swimmingpool und kam frierend sehr schnell wieder zurück. Als Zimmer hatten wir kleine Appartments. Sie waren geräumig und sauber. Um 19 Uhr führte der Koch der Anlage interessierte Reisegäste während eines halbstündigen Kochkurses in die Kunst der indischen Küche ein – und stieß dabei auf sehr reges Interesse.

Nach dem Essen kehrten wir in unser Zimmer zurück, ratschten noch ein wenig und gingen relativ früh ins Bett, denn es wurde sehr schnell ungemütlich kalt. Deshalb waren wir auch froh, dass im Schrank zusätzliche dicke Decken lagen. Selbst der starke Mottengeruch schreckte uns nicht ab – Hauptsache warm unter der Decke. In einem Doppelbett mit nur einer Zudecke zeigte sich während der Nacht dann allerdings der Nachteil. Wenn man zusammen kuschelt, ist es schön warm. Aber wenn sich beide voneinander entfernen, wird die Decke gespannt und schmiegt sich nicht mehr an die Körper – und schon kriecht die Kälte rein ins mühesam aufgewärmte Innere unter der Decke.

Die Bilder des Tages:

Bikaner: 1) Unser Hotel - 2) Notfall-Feuer-Station des Hotels für den Brandfall - 3) Inzwischen eher selten im Straßenbild: Kamel-Karren

Bikaner - Fort Lallgarh-Palace: 1) Fort Lallgarh-Palace - 2) Bahn- /Schiff- /Elektrizitäts-Symbole als Wandmalerei - 3) Innenhof

Bikaner - Fort Lallgarh-Palace: 1) Plakat - 2) Marmor-Figur - 3) Wandmalerei - 4) Steinmetzarbeit - 5) Kriegs-Doppeldecker im Museum - Geschenk Englands

6. Tag (Freitag, 18.02.2011): Sodakore – Jaisalmer – Sodakore / Wüste Thar (ca. 110 km):

6:30 Uhr Wecken, 8:00 Abfahrt nach üblichem Standard-Essen. Nach knapp einer Stunde Fahrzeit erreichten wir das nur 90 km von der pakistanischen Grenze entfernt liegende Jaisalmer, in dessen Umgebung militärische Hinweis-Schilder wie „Defence Land“ zu finden sind. Jaisalmer wird auch die „Goldene Stadt“ genannt, weil hier alle Gebäude aus dem gelben Sandstein der Umgebung gebaut wurden und der Stadt diesen gelblich-goldenen Schimmer verleihen. Als Erstes besuchten wir einen heiligen See mit ebenfalls verehrten riesigen Welsen bei einem Jain-Tempel. Interessant auch das Heimat-Museum mit gesammelten Utensilien aus früheren Zeiten, heute betrieben von dem Sohn des Gründers, der uns nach kurzer Erklärung der Ausstellungsstücke in den 3 Räumen und einer kurzen Liebeslied-Präsentation stolz erklärte, dass er unter den Straßenhändlern draußen nicht beliebt ist, weil bei ihm die Postkarten und die Bildbände deutlich billiger zu kaufen seien als draußen auf der Straße. Nach dem Besuch in seinem Laden herrsche draußen bei den Händlern ein "deutlicher Preisverfall" bei den geforderten Preisen für ihre Artikel.

Von hier aus starteten wir Richtung Fort, dem Wahrzeichen der Stadt auf einem 120 Meter hohen Hügel und hielten zuvor noch bei einem am Fuß des Forts liegenden Hindu-Tempel. Vom Fort aus wanderten wir noch durch die Altstadt. Anschließend wieder Rückfahrt nach Sodakore, wo wir um 14:30 Uhr eintrafen. Die Zeit reichte für ein kleines Nickerchen. Um 16:30 Uhr stand der nächste Programmpunkt an, eine Jeepfahrt zu einer etwas größeren Düne mit Kamelritt. Nach etwa einer ¾ Stunde erreichten wir die Dünen. Gefahren wurde in offenen Jeeps. Wir erwischten einen kleinen ehemaligen US-Militär-Jeep mit Dach-Plane über der Lade-Sitzfläche für maximal 4 Personen. Seitlich und hinten war er offen und der Staub der Piste zwang uns immer wieder, die tränenden Augen zu schließen. Der Himmel hatte sich inzwischen verfinstert, in der Ferne waren schon Blitze zu sehen, und das in der Wüste. Aber es regnete zum Glück noch nicht. Die Helfer zeigten Lilo und mir nach unserer Ankunft das am Boden für uns bereit sitzende Kamel. Als Erster stieg ich hinten auf, während Lilo filmte. Scheinbar dachte das Kamel, dass ein Passagier mit meinem Gewicht ausreicht, und so beschloss es unvermittelt aufzustehen. An einem Knauf vor dem Vordersitz fand ich gerade noch rechtzeitig Halt, um das 'Nach-Vorne-Und-Hinten-Geworfenenwerden' beim Aufstehen unbeschadet und mit dem dafür notwendigen Halt zu überstehen. Als das Kamel von seinem Führer den Befehl erhielt, wieder die Ausgangsposition einzunehmen, kannte ich schon etwas den Bewegungsablauf und war darauf vorbereitet. Lilo gab mir die Videocam und stieg ebenfalls auf. Gemeinsam hielten wir uns an dem Knauf fest und wurden in die Höhe geschaukelt beim Aufstehen. Gemächlich setzte sich die Kamel-Karawane in Schwung und zog über die kleine Dünen-Landschaft. Auch fast alle älteren Herrschaften ritten mit und hatten das Aufstehen der „Wüstenschiffe“ unbeschadet überstanden. Eigentlich war geplant, dass wir bei unserem ersten Kamelritt bis zum Sonnenuntergang eine halbe Stunde später auf dem Kamelrücken bleiben sollten, um dieses Schauspiel einmal aus dieser ganz besonderen Perspektive zu erleben. Aber inzwischen war das Gewitter näher gezogen. Es blitzte und donnerte in nicht allzu weiter Entfernung und begann langsam zu regnen. Alle waren einverstanden, den Ausritt abzubrechen. Kaum hatten wir wieder in unserem Jeep Platz genommen, wurde der Regen stärker. Wir fuhren in die schnell hereinbrechende Dunkelheit hinein – voller Gottvertrauen. Denn unser Fahrer konnte die Strecke nun eher nur erahnen, als dass er sehen konnte, wohin er fuhr. Der Jeep hatte nämlich keine Scheibenwischer. Wie um uns zu ärgern tauchte trotz des Regens am Horizont noch kurz der glutrote Sonnenball zwischen den Wolken auf, um dann von ihnen wieder verschlungen zu werden. Auf der Ladefläche war es nun so kalt, dass wir uns aneinander kauerten und Lilo mir ihren zum Glück mitgenommenen Schal zur Hälfte überließ. Damit konnte ich mir die Ohren schützen, in die der kalte Fahrtwind unangenehm hinein brauste. Auf der gegenüberliegenden Sitzfläche rauschte das herein spritzende Wasser ungebremst über das Leder.  Bei auftauchenden Gegenverkehrslichtern hielt der Fahrer lieber links an, um die Fahrzeuge vorbei zu lassen, denn in diesem halben „Blindflug“ war bei Gegenlicht durch die Frontscheibe fast nichts mehr zu sehen außer dem Spiegeln und Brechen des Lichts in der nach oben driftenden Wasserschicht auf der Scheibe. Zum Glück waren keine Kühe auf der Straße unterwegs. Wir fragten uns, ob wir unser Testament gemacht haben und kamen zu dem Schluss, dass wir dies nach unserer Rückkehr dringend tun sollten. Durchnässt und vor Kälte halb bibbernd kamen wir nach gut einer dreiviertel Stunde zum Glück und dank des fahrerischen Könnens unseres Chauffeurs und seiner offenbar guten Augen wieder wohlbehalten im Mirvana-Resort an. Wir zogen uns um und machten uns schnell auf den Weg ins Restaurant, voller Vorfreude auf eine gute warme Suppe.

Nach dem Essen mit Radi (Rettich, den Frau Mende, nach ihren Worten großes M und kleines Ende, im Gemüsegarten gepflückt hatte und spendierte) einer guten Gemüsesuppe, Chicken, Fried-Noodles mit Gemüse und einem süßen, in Sirup ausgebackenen Pfannkuchen wurden wir nach draußen gebeten. In der Kälte wurde uns ein Feuerwerk präsentiert mit anschließender Folkloremusik samt Folklore-Tanz und -Gesang. Beim Feuerwerk für uns hoffte ich insgeheim, dass die ja nicht allzu weit entfernten Pakistani das nicht falsch verstehen.

Um 21:50 Uhr schalteten wir das Licht aus. Noch immer waren wir total verfroren. Und von der Fahrt auf den harten, nur minimal abgepolsterten Sitzen des alten US-Militär-Jeeps tat uns noch alles weh. Wir waren froh, unter der warmen Decke zu liegen. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben, dass wir vor 22  Uhr im Bett lagen? Wir konnten uns beide nicht zurückerinnern. Schnell und verfroren schliefen wir ein.

Weitere Bilder des Tages:

  

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Gadisar-Lake: 1) Ausflugsboot - 2) "Heilige Welse" bei Fütterung durch Gläubige

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Beim Gadisar-Lake: 1) Tücher- und Touristen-Artikel-Verkauf - 2) Geschmückte Kamel-Kutsche - 3) Musiker beim Geldzählen

 

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Fort: 1) Fort auf Hügel über der Stadt - 2) Fort-Mauern - 3) Jain-Tempel im Fort - 4) Armband-Verkäufer mit Schlangen-Haarschmuck

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Fort - Teil 2:  - 1) Frauen bei Essensvorbereitung - 2) Hübsch heraus geputzt - 3) Getapeter Strom-Anschluss - 4) Mann liegt/schläft unbeachtet am Boden

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Altstadt: 1) Hochzeitsauto wird geschmückt - 2) "Mr. Desert" 2011 - 3) Fußketten-Verkäuferin - 4) Gemüse-Verkäuferin

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Altstadt: Tiere gehören zum Straßenbild - insbesondere die "Heiligen Kühe" ...

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Altstadt: ... und oft auch Schweine

Jaisalmer (Goldene Stadt) - Altstadt: 1) Ganesha-Gottheits-Bild neben Haustür als Symbol für Hochzeitsglück - 2) Haveli - 3) Wir im Haveli-Fenster - 4) Pfauenfedern-Verkäufer

7. Tag (Samstag, 19.02.2011): Sodakore – Jodhpur (ca. 295 km):

6:30 Wecken, 8:30 Abfahrt in Sodakore vom Mirwana-Resort bei starkem Nebel mit Sichtweite von nur etwa 50-100 Metern. 50 km zurück Richtung Jaisalmer. Temperatur nur ca. 10 Grad. 5 km vor Jaisalmer bogen wir rechts ab auf die Gadisar Road und NH 15 Richtung Tagesziel Jodhpur. Dort zuerst Hindu-Tempel-Besichtigung. Frau aus Reisegruppe stürzte und verknackste Fuß. Zur Festung, Fort auf 120 Meter hohem Felsen. Danach durch Altstadt zum Markt. Auf Fahrt zum Hotel Stopp bei Hochzeits-Feier am Straßenrand. Hochzeitselefanten geschmust. Später vom Prinzen, dem Bruder der Braut eingeladen, mit zu kommen auf Hochzeitsfeier, die in unserem Hotel begann und später in ein anderes verlagert wurde. Dankend abgelehnt. Zimmer im 5. Stock, warm, Essen mit Chicken und Lamm und Nachspeise wie Eis. War ganz gut.

Die Bilder des Tages:

Fahrt Sodakore-Jaisalmer-Jodhpur: 1) Pilger auf LKW - 2) Dachtransport mit übervollem Bus - 3) Wasser-Trägerinnen - 4) Handarbeit mit Hammer und Meisel im Steinbruch

Jodhpur: 1) Hindu-Tempel - 2) Blick über die "Blaue Stadt"

Jodhpur: Fort

Jodhpur (Blaue Stadt) - Altstadt: 1) Büglerin, Bügeleisen wird mit glühenden Kohlen erhitzt - 2) Turm als Mittelpunkt im Markt der Altstadt - 3) geschmückter Hochzeits-Elefant

8. Tag, Sonntag, 20.02.2011: Jodhpur – Ranakpur – Udaipur (ca. 290 km):

7 Uhr Wecken, 9Uhr Abfahrt. Zum Maharadscha-Palast. Kurze Besichtigung des Museums, auch mit Rolls Royce und anderen Oldtimern mit Kennzeichen Jodhpur, Jodhpur 1 …

Rast bei Restaurant, vor dem gerade ein Auto im Freien repariert wurde und aufgebockt war. Frau Mende bestand darauf, dass es eine Khandahaar-Welle gibt und meinte damit die Kurbelwelle. Lilo kaufte Ohrringe. In Ranakpur in Jain-Tempel. Priester betete für uns für 10 Rupien, weil wir sonst nichts dabei hatten. Leder ist verboten, weil die Jain gegen das Töten jeglicher Tiere sind. Daher auch keine Schuhe erlaubt. Draußen Streifenhörnchen und Affen. Passüberquerung. Halt bei Wasserrad und Flughunden (Fledermäusen). 19:45 Uhr Ankunft in Udaipur, der zweitgrößten Stadt Rajasthans.

Gutes Essen (zum 1x gab es Fisch). 14 Moskitos im Bad erschlagen. Zimmer mit Nischen und blauem Leuchter. Antje (Anthea) kam, wir übertrugen 5 Bilder vom Fort und  von Altstadt vom Vortag. 23 Uhr Licht aus.

Weitere Bilder des Tages:

 

Ranakpur - Jain-Tempel: 1) Außen-Ansicht - 2) Innen: Elefantenstatue - 3) Innen: Baum im Tempel

Ranakpur - Jain-Tempel: 1) Außen-Ansicht mit Lilo - 2) Affen beim Tempel - 3) Mädchen relaxt vorm Tempel auf Steinbank

Nähe Udaipur: 1) + 2) Brunnen mit Wasserrad zum Drehen mit Lasttieren und Förder-Eimer-Kette - 3) Baum voller Flughunde bei Abenddämmerung

9. Tag (Montag, 21.02.2011): Udaipur – Jojawar (Nähe Deogarh (ca. 155 km):

Fahrt zum Maharana-Palast von Udaipur, dem Stadtpalast. Erst in Hindu-Tempel. Dann im Maharana-Palast. Dann Bootsfahrt auf Insel. Schöner Blick. Mit Bus in Pflanzen- und Blütenpark und danach Besuch von indischen Kunstmalern. Lilo kaufte von Händler für 100 Rupien Elefanten-Tür-Hänger. 16:45 Uhr Abfahrt nach Jojawar, Nähe Deogarh (ca. 155 km). Unterwegs viele Transporter mit Riesen-Marmor-Blocks. Nach der Ankunft in Jojawar mussten wir den Rest des Weges knapp 5 Minuten laufen. Der halbe Ort war geschmückt mit Girlanden, weil ein Jain-Fest stattfindet. Die Zimmer waren auf Empore, groß und ruhig. Das Essen war ok, Hühnchen wie immer, Reis, Nudeln im Freien in Innenhof. Vor den Zimmern auf dem Gang sind Schaukeln aufgehängt.

Die Bilder des Tages:

Udaipur: Hindu-Tempel

Udaipur - Stadtpalast: 1) Stadtpalast - 2) Stadtpalast - 3) Großes Eingangstor zum Platz vor dem Stadtpalast - 4) Kleines Eingangstor zum Platz vor dem Stadtpalast

Udaipur: 1) Wasser-Palast - 2) Kleine Ausflugs-Insel vor den Toren der Stadt - 3) Kleine Ausflugsinsel - Blick durchs Fenster auf Stadtpalast am Seeufer

Udaipur: 1) Park-Garten-Sahelion-Ki-Bari - 2) Tradition und Neuzeit: Inder mit Turban auf Roller beim Telefonieren mit Handy

1) Udaipur: Painting-Factory mit Werken traditioneller indischer Malerei - 2) Strecke Udaipur-Jojawar: Zahllose Marmor-Firmen säumen die Straße ... 3) ... voller Marmor-Transporter

10. Tag (Samstag, 22.02.2011): Jojawar:

10:30 Uhr Spaziergang durch Jojawar, bei Töpfer, Bäcker, in Schule. Um 14 Uhr Abfahrt mit einem Chevrolet von 1942. Nach einer halben Stunde erreichten wir Phluad, wo bereits ein Zug wartete. Wir fuhren eine Stunde bis Kambli Ghat, wo die Chevrolets von unserem Hotel bereits warteten. Auf der Rückfahrt machten wir noch einen kurzen Stop unterwegs mit Keksen und Tee und erreichten nach insgesamt einer Stunde Fahrt wieder unser Hotel in Jojawar. Am nächsten Morgen sahen wir, dass wir Glück hatten, denn einer der beiden alten Chevrolets hatte einen Platten. Lilo ließ sich am Nachmittag beim Schneider für 400 Rupien (knapp 6 Euro) ein Seidenkleid anfertigen, dessen 3 Meter Stoff sie zuvor im Nachbarladen für ebenfalls 400 Rupien gekauft hatte. Abends war es fertig und wurde ins Hotel gebracht.

Das Abendessen schmeckte gut - wie am Vortag. Danach war vor dem Hotel im Jain-Tempel noch richtig was los. Morgens beim Start zum Rundgang wurde eine Glaubenszeremonie zelebriert. Nun am Abend war fröhliches Beisammensein angesagt. Ein Sänger schmetterte seine Lieder zusammen mit einer Begleitband – und die Gläubigen, links die Männer, rechts die Frauen, durften scheinbar Wünsche äußern. Als ich mit meiner Kamera kam und auf der Straße stand, lud mich der Sänger mit einem fröhlichen "Welcome" ein, zu filmen. Punkt 22:30 Uhr war die Feier vorbei. Es war ruhig und wir schliefen gut.

Die Bilder des Tages:

Jojawar: 1) Frau mit Kindern - 2) Markt mit Essensstand - 3) Schuhhändler

Jojawar: 1) Schuhmacher - 2) Schneider - 3) + 4) Töpfer

Jojawar: 1) Süßigkeiten-Verkäufer - 2) Hauptplatz - 3) Auf dem Boden sitzende, fröhlich winkende Schulkinder

Jojawar: 1) Hindu-Tempel - 2) Total verdreckter Fluss am Ortsrand

Jojawar: 1) Noble alte Ausflugs-Chevrolets des Hotels - 2) Bettelnde "Wegelagerer" am Straßenrand

Jojawar: 1) Hotel-Restaurant-Innenhof vor dem Abendessen - 2) Abendessen mit Musik-Begleitung - 3) Jain-Tempelfest gegenüber vom Hotel

11. Tag (Mittwoch, 23.02.2011): Jojawar (Nähe Deogarh) – Pushkar - Jaipur (ca. 300 km):

6:30 Uhr Aufstehen, 8:30 Uhr Abfahrt. Der Tag begann mit einem Riesen-Schreck. Lilo schaute zufällig in das Etui, in dem sie ihre Sonnenbrille, ein Unikat, das es so nicht mehr gibt, aufbewahrt. Sie war weg. Dann fiel ihr ein, dass sie am Tag zuvor beim Schneider für die Anprobe des Seidenkleids, bevor es richtig zusammen genäht wurde, die Sonnenbrille ausgezogen hatte. Kurzentschlossen rannte sie los und kam 10 Minuten später freudestrahlend wieder zurück. Tatsächlich hatte sie ihre Brille dort liegen lassen. Der Schneider hatte sie schon zur Seite gelegt, obwohl er wusste, dass sie Lilo gehört. Zusammen mit dem Kleid hätte er die Brille abends problemlos mitliefern können. Dann hätte Lilo ihn und seine gesamte Familie am nächsten Morgen nicht aus dem Bett holen müssen durch ihr heftiges Türklopfen.

Nahezu die gesamte Tages-Strecke bestand aus einer einzigen riesigen Baustelle. Die Nationalstraße wird ausgebaut. Überall entstanden Brücken und neue Fahrbahnen. Saga, unser Fahrer, gab nicht auf, bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Lastwagen nach dem anderen zu überholen, obwohl die Schlange vor uns schier unendlich war. Nachdem wir Ajmer passiert hatten, kehrten wir mittags in Pushkar in einem Palast zum Essen ein. Ein herrliches ruhiges Plätzchen vor den Toren des Ortes. Suppe und Sandwiches reichten für den Hunger, dazu gab es Tee, Bier wurde hier ausnahmsweise nicht angeboten. Danach besuchten wir den einzigen Brahma-Tempel Indiens und wanderten von dort aus zum heiligen Pushkar-See. Wenn hier das Pushkar-Fest stattfindet, dann lockt nicht nur der größte Kamel-Markt der Welt die Interessenten hierher, sondern in dem auch bei Hippies beliebten 5000-Einwohner-Ort drängen sich zu dieser Zeit insgesamt rund eine halbe Million Besucher. Wir wanderten weiter, vorbei an einem Hindu-Tempel und aßen einen süßen, in Öl und Sirup ausgebackenen Pfannkuchen. Nach dem Passieren eines Sikh-Tempels kamen wir wieder beim Bus an.

Vorbei an einem weiteren Marmor-Zentrum, „Marmor City“ erreichten wir am späten Abend um 20:30 Uhr unsere Bleibe bei Jaipur, das Clarks Amer Hotel. Obwohl wir erst so spät ankamen, gabs im Hotel noch ein reichhaltiges Buffet zum Abendessen, das wir zusammen mit dem Ehepaar Kronberger genossen. Reiseleiter Singh rief kurz im Restaurant an, um sich zu erkundigen, ob alles gut geklappt hat, denn er musste mit dem Fahrer und dem Helfer eine andere Unterkunft suchen, sie konnten nicht im Hotel mit übernachten.

Die Bilder des Tages:

Pushkar: 1) "Heiliger See" mit Gläubigen und "Heiligen Kühen" - 2) Affen am "Heiligen See"

Pushkar: 1) Hindu-Tempel - 2) Sikh-Tempel

12. Tag (Donnerstag, 24.02.2011): Jaipur:

7:00 Wecken, 8:30 Uhr Abfahrt zur Stadtbesichtigung. Vorbei an Slums war unser erstes Ziel das Amber-Fort von Jaipur, der sogenannten „Rosa Stadt“, weil sie früher einmal bei einem Besuch von Prinz Albert komplett rosa angestrichen worden war. Heute finden sich nur noch wenige Häuser in Rosa, die meisten sind ocker- und kupferfarben. Wir mussten in Jeeps umsteigen, die uns rauf auf den Berg zum Fort brachten, in dem ein Elefant nach dem anderen Touristen ablud, die statt mit Jeep auf diesem Weg eintrafen. Beeindruckend im Fort war unter anderem der Glas-Palast, in dem viele kleine Glas-Mosaike das Licht reflektierten. Nach etwas Freitzeit brachten uns die Jeeps wieder zum Bus. Beim Start drückte ein Verkäufer Lilo noch eine kleine Wasserpumpe in die Hand und war mit ihrem Preis von 100 Rupien zufrieden, nachdem er ursprünglich 1000 dafür verlangt hatte. Vorbei am Wasser-Palast fuhren wir in die Innenstadt. Dort war der Busboden unter uns nass. Die Wasserpumpe hatte einen undichten Boden und war schon ausgelaufen. Mittagspause bei einer Teppich- und Marmor-Factory. Danach ging‘s zum größten Freilicht-Observatorium der Welt, dem Jantar Mantar, dem größten aus Stein und Marmor gearbeiteten Sternobservatorium der Welt – von der Unesco 2010 zum Weltkultur-Erbe ernannt. Von dort aus waren es nur wenige Meter zum Maharadscha-Stadtpalast, der früheren königlichen Residenz. In mehreren Museumsbereichen wurden alte Gewänder und eine Waffensammlung ausgestellt.

Als wir gegen 17 Uhr wieder zurück zum Hotel fuhren, blieben 3 Frauen in der Stadt, um noch ein paar Erinnerungen für daheim einzukaufen. Sie kamen später mit dem Tuk-Tuk. Wir passierten die „Albert-Hall“, 1878 beim Besuch von Prinz Albert von England zu seinen Ehren erbaut. Aus Anlass seines Besuchs war damals wie erwähnt auch die ganze Stadt pink angemalt worden, was ihr bis heute den Beinamen „The pink city“ verschaffte.

Nach dem Essen um 19:30 Uhr kam Unruhe im Hotel auf. Gleich 2 Hochzeitsfeiern waren angesagt. Ab ca. 23 Uhr verstummte die Live-Musik im Freien, es kehrte wieder Ruhe ein, nur noch die Stimmen von fröhlichen und herumtobenden Kindern waren leise im Zimmer zu vernehmen. Wir schliefen schnell ein.

Die Bilder des Tages:

Jaipur - Amber-Fort: 1) Das Amber-Fort - 2) Elefanten bringen Touristen ins Fort ... 3) ... schnell zurück, um neue Touristen zu holen

Jaipur - Amber-Fort: 1) Wir auf dem Hauptplatz - 2) Prachtgebäude mit Durchblickmöglichkeiten für die Frauen - 3) Blick durchs Fenster auf Hauptplatz

 

Jaipur: 1) Amber-Fort: Jai Mandir "Hall-Of-Victory" Spiegelhalle - 2) Gekaufter und kurz darauf kaputter "Brunnen mit Pumpe" - 3) Wassertempel

Jaipur: 1) + 2) Teppich-Marmor-Factory - 3) Jantar-Mantar - weltgrößtes Freilicht-Sternen-Observatorium

Jaipur - Maharadscha-Stadtpalast: 1) + 2) Stadtpalast - 3) Pfauentür im Stadtpalast - 4) Kutschenpark des Maharadschas

Jaipur: 1) Bettlerinnen vor dem Maharadscha-Stadtpalast - 2) Albert-Hall von 1878

Jaipur: 1) Bräutigam auf geschmücktem Hochzeitspferd - 2) Geschmücktes Hochzeitspferd - Kommentar einer älteren Mitreisenden: "Das Opfer wurde mit dem Pferd gebracht!"

13. Tag (Freitag, 25.02.2011): Jaipur – Ranthambore Nationalpark (ca. 160 km):

Aufstehen: 7:30 Uhr, Abfahrt: 9:30 Uhr nach sehr gutem Frühstück. Halt beim Hawamahal, besser bekannt und weltberühmt als "Palast der Winde". Saga hatte leichten Stress mit Verkehrspolizist, der ihn hier nicht parken lassen wollte. Dann Weiterfahrt und Besuch einer Juwelery-Handicraft. Es wurde nichts gekauft. Über relativ schlechte Straßen und in der Vorstadt von Jaipur vorbei am grüßenden Affengott Hanuman brachen wir auf nach Ranthambore zum Nationalpark. Um 16:30 Uhr kamen wir an und genossen zuerst einmal einen Sprung in den Pool, um den herum die Apartments angesiedelt sind. Beim Einsteigen morgens wurde ich vom ältesten Mitreisenden, Herrn Wolf gebeten, zum Abschluss der Reise eine kleine Rede zu halten – im Namen des Ältestenrates.

Vor der Ankunft im Hotel war mal wieder Jaimatadi angesagt, Neraj (Herr Singh) und Rana machten wieder mit der Rum- und Colaflasche die Runde.

Mit Anthea, der Ärztin, besprach ich am Pool noch etwas die Gruppe – und erfuhr von ihr, dass unsere Gruppe gesundheitlich noch großes Glück hatte, trotz einiger Durchfall- und Erkältungserkrankungen. Denn in der Parallelgruppe von „Tour Vital“ gab es einige schwerere Gesundheitsprobleme wie einen Schlaganfall und während der Busfahrt mussten auch Infusionen gesetzt werden. So gesehen waren wir bisher wohl eher die Tour Vital.

Nach dem Abendessen noch kurz mit Österreichern und Thüringern zusammen gesessen. Heim wegen leichter Migräne, Lilo noch zu den Schweizern auf einen Schluck Wein. Kurz nach 22 Uhr ins Bett.

Die Bilder des Tages:

Jaipur - Hawamahal, besser bekannt als "Palast der Winde"

Jaipur: 1) Rosafarbene Häuser inzwischen eher selten im Straßenbild - 2) Prunkvolle Eingangshalle einer Schmuck- und Juwelen-Firma - 3) Affengott "Hanuman"

14. Tag (Samstag, 26.02.2011): Ranthambore Nationalpark - Kurzer Blick auf Tiger:

6:30 Uhr Abfahrt in den Ranthambore Nationalpark. Sahen als einzige Gruppe der auf mehrere Safari-Jeeps verteilten Reisegesellschaft neben Hirschen und einer Antilopen-Kuh auch kurz einen der sagenumwogenen "Indischen Tiger".

Um 14 Uhr wurden die Koffer geholt. Mit dem Bus konnten wir kurz in die Stadt fahren und landeten wieder in einer Firma. Der Chef erwartete uns schon und präsentierte uns die Tuch- und Malerarbeiten seiner 'Factory'. Es wurde einiges gekauft – auch unter dem Aspekt, dass wohl nicht mehr so viele Gelegenheiten für Mitbringsel kommen werden. Einige waren enttäuscht, weil wir schon wieder bei einer Company am Rande der Stadt gelandet waren und nicht mitten im Geschehen. Aber dem wurde abgeholfen und unser Bus brachte uns anschließend bis zum Zentrum von Ranthambore, teilweise auch Ranthambhore geschrieben. Beim Hauptbahnhof stiegen wir aus und schlenderten eine Stunde durch das bunte Geschäftstreiben der Hauptstadt. Um 16:15 Uhr ging es mit 3 Tuk-Tuks wieder zurück zum Hotel, da unser Bus weiter gefahren war. Morgen steht zuerst einmal Bahnfahrt auf dem Programm und nach der Ankunft am Zielbahnhof wird uns dort unser Bus wieder erwarten, was er nicht schaffen würde, wenn er uns morgen Früh zuerst zum Bahnhof bringen müsste.

Heute wurde auch schon über das Trinkgeld diskutiert und wie das am besten geregelt werden sollte. Das Gerücht machte die Runde, dass jemand geäußert habe, nichts geben zu wollen. Fast jeder war empört, und es war unter den Anwesenden einhellige Meinung, dass sich Reiseleiter Singh genau so wie Fahrer Saga und Helfer Rana ihr Trinkgeld redlich verdient haben. Vom Reiseveranstalter MediPlus wurden 50 Euro empfohlen pro Reisendem für die 3. Daran scheinen sich auch die meisten, die mitdiskutierten, zu halten. Außerdem kamen wir zu dem Schluss, dass es wohl das Beste sein wird, wenn wir 3 Umschläge mit den Namen von Singh und Co vorbereiten und dann einer mit den Umschlägen von Sitz zu Sitz geht. Damit wäre zumindest das Nichts-Geben und heimliche Weiterreichen des Umschlags nicht möglich. Allerdings muss es natürlich jedem überlassen bleiben, ob und was er geben will.

So wurde der Nachmittag rund um den Pool „verratscht“. Schön, auch mal einen gemütlichen Tag dazwischen genießen zu können.

Um 19:30 Uhr gab’s wie jeden Tag das Abendessen.

Die Bilder des Tages:

Ranthambore: 1) + 2) Indischer Tiger im Nationalpark - 3) Tiger-Maler in "Factory"

Ranthambore: 1) Lautsprecher-Pferdekutsche für Veranstaltungs- und Werbedurchsagen bei der Arbeit ... 2) ... beim verdienten Lohn, der Futterpause

Ranthambore: 1) Futterspende mitten auf Straße heiß begehrt - 2) Andere fressen Essenreste samt Pappkarton - 3) Auch der Nachwuchs sucht im Straßen-Müll

15. Tag (Sonntag, 27.02.2011): Ranthambore Nationalpark – Fatehpur Sikri (Verlassene Stadt) – Agra – Hotel: Jaypee Palace Hotel (ca. 270 km):

Zweieinhalb Stunden Zugfahrt von Ranthambore nach Bharatpur. Den Vogelnationalpark der Stadt besuchten wir aus Zeitgründen nicht. Saga und Rana warteten bereits mit dem Bus auf uns bei der Ankunft. Durch fruchtbares Land führte die Fahrt nach Agra. Heute besuchten wir noch nicht das Taj Mahal, in den Augen vieler Mitreisender DER HÖHEPUNKT unserer Reise. Aber dafür konnten wir schon einen ersten Blick auf dieses in 22 Jahren Bauzeit von 1631 - 1653 als Grabmal errichtete Prachtbauwerk werfen - von einem Aussichtspunkt am gegenüberliegenden Ufer des hinter dem Taj Mahal vorbei ziehenden Flusses, dessen Beet aber weitgehend ausgetrocknet war. Wir konnten erkennen, dass es gut war, heute am Sonntag das Taj Mahal nicht zu besuchen. Denn es drängelten sich unübersehbare Menschenmassen auf dem Gelände. Bei unserem Aussichtspunkt konnten wir auch noch eine weitere "Sehenswürdigkeit" fotografieren, die wir schon auf der ganzen Fahrt hier her immer wieder vom Bus aus gesehen hatten. Riesenansammlungen von Kuhfladen, die in runde Scheiben geformt und dann zum Trocknen aufgestapelt werden, zum Teil in richtige Kuhfladen-Türme. Später dienen sie unter anderem als Brennstoff. 

Gegen 17 Uhr starteten wir wieder und fuhren zu unserer 5-Sterne-Unterkunft, dem Jaypee Palace Hotel.

Die Bilder des Tages:

1) Ranthambore-Agra-Fahrt - Typischer indischer LKW - 2) Fatehpur-Sikri - Verlassene Stadt (früher Hauptstadt von Kaiser Akhbar): Papageien-Flirt

Fatehpur-Sikri - Verlassene Stadt (früher Hauptstadt von Kaiser Akhbar): 1) bis 3)

Fatehpur-Sikri - Verlassene Stadt (früher Hauptstadt von Kaiser Akhbar): 1) bis 3) - 2) zeigt die Gartenanlage, 3) + 4) Moschee

Agra: 1) + 2) Erster Blick aufs Taj Mahal - übers trockene Flussbeet

 Agra: 1) Kuhfladen, tellerartig geformt und zum Trocknen aufgeschichtet - 2) "Umweltfreundliche Schlange": Tuk-Tuks warten vor Erdgas-Tankstelle

16. Tag (Montag, 28.02.2011): Agra:

7:00 Aufstehen, 8:30 Abfahrt zum Taj Mahal, der "Krone der Paläste" - bei Traumwetter. 3 Stunden lang konnten wir bis 12 Uhr die unbeschreibliche Faszination der herrlichen Anlage genießen. Danach Mittagessen bei einem Restaurant an einer Hauptstraße, wir wählten stattdessen den Reishändler, der mit seinem kleinen fahrbaren Stand in der Nähe am Straßenrand stand und uns Reis mit Huhn auf Zeitungspapier servierte. Von hier aus führte die Fahrt zum nahegelegenen Agra-Fort, auch Rotes Fort genannt. Ca. 16:30 Uhr wieder zurück im Hotel. Sehr gutes Abendessen mit Riesenauswahl. Frauen machten noch Sari-Probe. 22:30 Uhr ins Bett.

Die Bilder des Tages:

Agra - Taj Mahal ("Krone der Paläste"): 1) Eingangshalle, oben mit 2 Reihen à 11 Kuppeln für 22 Jahre Bauzeit - 2) Erster Blick durch Eingangshalle - 3) Taj Mahal

Agra - Taj Mahal ("Krone der Paläste"): 1) bis 3) Taj Mahal

Agra - Taj Mahal ("Krone der Paläste"): 1) - 3) Taj Mahal

Agra - Taj Mahal ("Krone der Paläste"): 1) Zwei Mönche vor Moschee (links vom Taj Mahal) - 2) Blick aus Moschee aufs Taj Mahal

Agra - Festung Agra-Fort: 1) Außenmauer (in Bildmitte im Hintergrund das Weiße ist Taj Mahal) - 2) + 3) Festung Agra-Fort

Agra - Festung Agra-Fort: 1) bis 3) Blick aus der Festung Agra-Fort auf Taj Mahal

17. Tag (Dienstag, 01.03.2011): Agra - Manesar (ca. 230 km):

7:30 Uhr Aufstehen, 9:30 Uhr Abfahrt. In Factory für Marmor-Intarsien-Arbeiten. Zuerst interessanter Film über die Marmor-Gewinnung und Demonstration, wie die Halbedelsteine geschliffen werden, bevor sie in die zuvor mit Diamantenspitzen ausgemeiselten Vertiefungen passgenau eingefügt werden. Auch hier wurden wieder Kleinigkeiten gekauft.

Heute war es leicht bewölkt und alle schwärmten von unserem Riesenglück gestern beim Taj Mahal-Besuch - ohne ein einziges Wölkchen am Himmel. In einem Vorort von Agra, in Sikandara legten wir um 11:45 Uhr am Grabmal des 3. Moguls noch einmal einen kurzen Halt ein. Dann starteten wir Richtung Delhi. Beim Mittagshalt waren alle froh, dass sie sich schon weitgehend mit Geschenken und Mitbringsel eingedeckt haben, denn hier waren die Preise in einem eher ungepflegten Verkaufs-Shop neben dem Restaurant zum Teil 8-fach so hoch als am Vortag in Agra im und beim Hotel. Ungepflegt passt auch zum Straßenbild, das sich auf dieser Strecke bei einer Ortschaft zeigte. Während inzwischen viele Orte Wert auf Sauberkeit legen und sich einige auf unserer Reiseroute sogar richtig schön herausgeputzt am Straßenrand präsentierten, stapelten sich bei dieser "Müll-City" die Abfälle hunderte von Metern weit am ganzen Ort entlang.

Heute zeigte Saga, dass seine Bremsen funktionieren. Mit einer Vollbremsung konnte er einen Unfall verhindern, als plötzlich ein Traktor mit überquellender Ladung von Futtermitteln die Fahrbahn versperrte. Alle waren schlagartig wieder wach.

Unterwegs legten wir einen letzten „Jaimatadi“-Halt ein mit Rum und Cola. Anschließend hatte ich einen kurzen Einsatz "im Namen der Gruppe". Vom Ältestenrat eingeladen, eine Rede zum Abschluss unserer Fahrt zu halten, war dafür nun der Zeitpunkt gekommen. Es wurde gelacht und alle hörten aufmerksam zu. Es machte Spaß, unsere Reise mit diesem tollen Zuhörer-Publikum zusammen zu fassen - siehe unten die Rede. Lilo überreichte Singh, dem Reiseleiter, Saga, dem Fahrer und Rana, dem Helfer das eingesammelte Geld. Dass 3 Mitreisende deutlich weniger gaben als andere war etwas schade, insbesondere, dass die Mitreisende, die den Reiseleiter über 2 Wochen fast minütlich mit Fragen löcherte, weniger gab als der komplette Rest, fand ich nicht sehr fair. Aber das ist ja wie bereits erwähnt jedem selbst überlassen. Von 31 Gästen gaben fast alle insgesamt 50 Euro für Reiseleiter, Fahrer und Helfer. Sie wurden überreicht in einzelnen Couverts mit dem jeweiligen Namen - meistens verteilt als je 20 Euro für Reiseleiter und Fahrer und 10 Euro für den Helfer.

Gegen 18 Uhr erreichten wir das „Heritage Village Hotel“ in Manesar, in dem wir schon die erste Nacht nach der Ankunft verbracht hatten. Hier schloss sich wieder der Kreis unserer Rundreise. Lilo startete sofort ins Fitness-Studio. Sie brauchte endlich mal wieder etwas Bewegung.

Wie immer gab es um 19:30 Uhr Abendessen.

Wir gingen früh ins Bett, denn für 4 Uhr war das Wecken angesagt – und für 5 Uhr morgen Früh die Abfahrt Richtung Flughafen, damit wir rechtzeitig 3 Stunden vor dem für 9:45 Uhr geplanten Abflug dort sind. Reiseleiter Singh wird uns in der Früh nicht mehr begleiten, sondern ein anderer Mitarbeiter von MediPlus. Er verabschiedete sich von der Gruppe und fuhr heim zu seiner Familie nach Delhi.

Die Bilder des Tages:

Agra: Marmor-Intarsien Factory: 1) Arbeiter beim Ausstanzen der Intarsien-Vertiefungen - 2) + 3) Marmor-Intarsien-Prunkstücke

1) Sikandara: Grabmal des 3. Moguls - 2) Endlose Müllhalden bei Ort am Straßenrand, mittendrin streunende Hunde und zahllose Vögel auf Futtersuche

18. Tag (Mittwoch, 02.03.2011): Manesar - Flughafen Delhi (ca. 60 km) - Rückflug nach München:

4:00 Uhr Aufstehen, 5:00 Uhr Abfahrt. Pünktlich um 09:45 Uhr Abflug nach München. Die Flugzeit mit der Lufthansa betrug rund siebeneinhalb Stunden.

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Einen kleinen Eindruck von unserer Reisegruppe, es war ja eine geführte Reise, vermittelt vielleicht der ursprüngliche Entwurf meiner frei gehaltenen Abschluss-Rede, um die ich von der Gruppe gebeten worden war:

Rede Indienreise:

·        "Schon als ich am 2. Tag zum „Tanzbär“ ausgewählt wurde, dachte ich mir: „Was wird bei dieser Reise wohl sonst noch auf mich zukommen, welches Highlight kann jetzt noch folgen?!“

·        Jetzt weiß ich es: Es ist die Ehre, als Sprecher für unsere Reisegruppe auserkoren zu werden. So jedenfalls brachte es Herr Wolf rüber, als er mir bei seiner Bitte, dies zu übernehmen, erklärte, der Ältestenrat unser Reisegruppe habe dies so beschlossen.

·        Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken. In meinen Augen waren wir eine tolle Truppe – und sogar für eine typische deutsche Reisegruppe richtig schön international zusammengesetzt, vom Iran über Bosnien, Siebenbürgen, die Schweiz, Österreich, Weißrussland bis nach Finnland – und auch national war alles vertreten von Niedersachsen im Norden bis Bayern im Süden, vom Saarland ganz im Westen bis nach Thüringen im Osten. Unsere Gruppe setzte sich nicht nur aus Paaren und Einzelreisenden zusammen, sondern auch aus Schwestern mit Tochter bzw. Nichte, aus Freunden und noch einmal aus Mutter und Tochter. Wenn ich das alles zusammenfasse, so sind wir eigentlich ein ganz schön bunt zusammengewürfelter Haufen. Und trotzdem waren wir in den vergangenen 2 ½ Wochen auch eine sehr gut harmonierende Einheit. Mir ist nichts von Streit oder bösen Worten bekannt geworden. Im Gegenteil, jeder war hilfsbereit und rücksichtsvoll.

·       Und was das Schöne war: Alle zogen an einem Strang. Wir waren immer superpünktlich, bei 2 temporär kurzfristigen Abgängen freuten diese sich richtig, uns wieder zu sehen. Das zeigte ebenfalls, dass wir eine homogene und angenehme Gesellschaft waren – ich würde sogar sagen, eine im wahrsten Sinne des Wortes von mir so noch nie erlebte "geschlossene Gesellschaft", wenn Rana morgens beim Losfahren nämlich die Tür verriegelte und uns zusammen mit Herrn Singh einschloss.

·        Trotzdem möchte ich noch kurz ein paar Mitreisende stellvertretend für alle nennen. Fangen wir mal bei unserem ältesten Teilnehmer an, Herrn Wolf. Er war mit seinen 85 Jahren ein Paradebeispiel und Vorbild für körperliche und geistige Fitness, bei gelegentlich gedankenverlorenen Alleingängen immer aufmerksam bewacht von seiner Frau. Und wenn ich unseren ältesten Teilnehmer nenne, darf auch die jüngste Teilnehmerin in unserer Reisegruppe nicht fehlen, Lucia. Sich mit 18 mit der Mutter einer Reisegruppe anzuschließen, die schon die Begleitung eines Arztes braucht und bei der folglich zu erwarten war, dass das Durchschnittsalter leicht dem sonst gewohnten Disco-Alter entwachsen sein dürfte, war schon mutig. Aber deine Entscheidung, Lucia, war goldrichtig, denn dein Lachen und deine Fröhlichkeit waren für uns alle erfrischend.

·        Auch vom Temperament her war alles vertreten. Dass die Männer normalerweise, zumindest an der Seite ihrer Frauen, die Stilleren sind, bewiesen zum Beispiel Herr Rose und Herr Wieland – mit ganz viel stillerem Humor. Sorgte eigentlich wenigstens einer dafür, dass Ausnahmen die Regel bestätigen? Ja zum Glück, ebenfalls mit viel Humor, genauer steirischem Humor aus Graz – hallo Hannes.

·        Ein ganz großes Lob muss ich allen machen, die während der Reise mit leichten gesundheitlichen Unpässlichkeiten kämpfen mussten. Bei zum Teil doch langen Tagesetappen war kein Klagen zu hören, obwohl es manche sogar doppelt traf, zuerst hinten und dann kam auch noch eine ausgewachsene Erkältung dazu, wie bei Frau Kronberger. Dass ihr Mann beim Katarr dann auch noch mitmachen musste, zeugt von bewundernswerter Solidarität zu seiner Frau. Überhaupt ziehe ich meinen Hut, Herr Kronberger. Mit ihrem gesundheitlichen Handicap waren sie trotzdem mit ihrem "NASA-Kappi" immer dabei – ohne Klagen – im Gegenteil, allein ihre immer wieder verschmitzt lächelnden Augen zeigten stets ihren großen Humor. Ich kann Sie mir richtig mit Ihrem hier gekauften Turban und ihrem verschmitzten Lächeln vorstellen.

·        Wenn ich schon gerade beim Thema Gesundheit bin, darf natürlich unsere Beinahe-Inderin nicht fehlen. Ganz herzlich möchte ich mich bei Anthea, unserer mitreisenden Ärztin bedanken. Unentgeltlich unter Aufopferung ihres Urlaubs sorgte sie schon zu Hause dafür, dass ihr Rucksack neben diversen wunderschönen Saris auch für alle medizinischen Notfälle gut bestückt war. Täglich schleppte sie ihn mit und war bei Problemen mit ihren Wundermittelchen stets zur Stelle – und eine große Hilfe. Vielen Dank für alles – und von uns allen schon mal viel Glück für die bald anstehende Hochzeit.

·        Leider kann ich jetzt nicht auf sie alle im Einzelnen eingehen, das würde zu weit führen. Aber eine Mitreisende möchte ich doch noch erwähnen, die Frau mit großem M und kleinem Ende, Frau Mende. Frau Mende, ihr Wissendurst war bewundernswert und unglaublich – ich denke, das kann auch Herr Singh voller Überzeugung bestätigen – und ihr Humor war herrlich. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ihren Spruch in Jaipur werde ich nie vergessen, als sie nach dem Hochzeitszug, bei dem der Bräutigam auf dem herrlich geschmückten Pferd einritt, meinten: „Das Opfer wurde mit dem Pferd gebracht.“

·        Herr Singh, beziehungsweise Neresch, damit komme ich zu Ihnen und Ihrem Team mit Saga, ihrem Fahrer und Rana, dem Beifahrer. Herr Singh, Ihnen möchte ich im Namen aller ganz ganz herzlich danken. Mit Ihrem Riesenwissen über Land, Leute, Kultur, Religion, Natur, einfach über alles, was „Indien“ ausmacht, haben sie uns ihr Land samt Mogulen und Maharadschas, ja sogar Maharadschas und Einviertel, samt Havelis, Palästen und Steinmetzkunst bis hin zur unglaublichen Vollkommenheit, samt Gottheiten über Wischnu, Shiva und Brahma bis hin zu all ihren 2. und Drittnamen und Frauen und sonstigen Abkömmlingen bis hin zu schier unglaublichen 330 Millionen nationalen und regionalen Hindu-Gottheiten so sehr näher gebracht, wie wir uns das vor dem Reiseantritt wohl gar nicht vorstellen konnten. Bestimmt wird einiges von Ihrem Riesenwissen, das Sie uns vermittelt haben, bei einigen von uns wieder etwas in Vergessenheit geraten. Aber wir alle haben dank Ihres Wissens ein herrliches Land kennenlernen dürfen mit so vielen Facetten, dass dies in all den Erinnerungsfotos und –Filmen wohl nur unzureichend festgehalten werden konnte. Die zum Teil betörenden und zum Teil auch irritierenden Eindrücke und Erlebnisse gingen bei wohl allen von uns viel tiefer. Sie haben uns bewegt – egal ob Schönheit, Reichtum und Kultur einerseits oder Elend und Armut andererseits. Mich persönlich hat vor allem neben all dem Kulturellen und der Schönheit ihres Landes die Freundlichkeit der Menschen bewegt, die lachenden Gesichter, wenn die Einheimischen unseren Bus erblickten und all die unzähligen fröhlich winkenden Hände der Kinder. Herr Singh, dank Ihrer Vermittlerrolle durften wir unseren Traum „Indien“ in den vergangenen Tagen und Wochen erleben und in der Realität kennenlernen, einer Realität, die viele Erwartungen und Vorstellungen noch weitaus übertroffen hat.

·        Wenn wir uns bei Ihnen bedanken, dann dürfen natürlich Ihre Helfer nicht fehlen. Ich fange mal bei Rana an. Er wirkte von uns meistens unbemerkt im Verborgen – zum Beispiel verborgen im Kofferraum des Busses, um die Koffer ordentlich zusammen und aufeinander zu schlichten. Nach unserer Ankunft waren die Koffer dank seiner Mühe blitzschnell ausgeräumt, morgens sorgte er dafür, dass unser Gepäck wieder vollständig und gut verstaut war. In unserer Freizeit überprüfte er die Reifen und montierte sie sogar zur Überprüfung ab. Immer wieder putzte er den ganzen Bus innen und außen. Nur das Wenigste seiner Arbeit sahen wir, wenn er zum Beispiel als „Wassermann“ ständig dafür sorgte, dass wir gut versorgt waren oder wenn er als „Cola-Mann“ den Rum etwas verdünnte oder wenn er uns mit seinem Schemel als „Helfende Hand“ beim Aus- und Einsteigen unterstützte. Rana, you looked for the safety of the bus, cleaned it, you was our helping hand, coming in and out of the bus, you was our Baggage-, Water- and Cola-Man, you did a great job. Thank you for all your work and help.

Zu guter Letzt komme ich jetzt noch zu Saga, unserem Fahrer. Niemals habe ich ihn schlecht gelaunt erlebt, selbst als ihn vor dem Hawamahal, dem Palast der Winde der Polizist davon jagen wollte, bewahrte er die Ruhe, schimpfte durch’s Fenster Richtung Polizist, dass er doch Reisende in den Bus lassen müsse – und hatte für uns trotzdem noch ein Lächeln übrig. Und seine Fahrkünste waren für mich und sicherlich für alle im Bus eine Schau. Immer flott und trotzdem sicher. Schon nach kürzester Zeit hatten wir volles Vertrauen in seine Fahrkünste und fühlten uns sicher. Lilos Schwester wäre bei seinen Fahrkünsten zwar wohl ein Fall für unsere Ärztin Anthea geworden und hätte ihr ganzes Beruhigungs-Pillen-Kontingent aufgebraucht. Aber sollte ich jemals den Busführerschein machen wollen, dann werde ich Saga bitten, mein Fahrlehrer zu sein, auch wenn dann mein Führerschein in Deutschland wohl nach 14 Tagen wieder weg sein würde, wenn ich versuchen würde, die indische Fahrweise zu Hause zu praktizieren.

Zusammenfassend sage ich einfach noch einmal DANKE, an euch die Reisegruppe für die schöne gemeinsame Zeit mit euch – und an Herrn Singh, Rana und Saga dafür, dass sie uns ihr Land „Indien“, zumindest den von uns bereisten Norden mit Schwerpunkt Radjasthan gezeigt und so sehr näher gebracht haben, dass wir sicher alle mit herrlichen und unvergesslichen Eindrücken nach Hause zurück kehren werden. Für Lilo, während der Fahrt unsere Klima-Beauftragte, und für mich waren es wunderschöne 2 ½ Wochen – eine herrliche Reise – Mister Singh, Saga, Rana, dear travel-group, liebe Mitreisende, to all of you, I say – deep from my heart, an alle ein herzliches Dankeschön, Thank you – Danjewat – und Jaimatadi!"